7. Mai und hier hat’s den ganzen Tag gepisst. Schrecklich… Naja, so ist mal wieder ein wenig Zeit für FATBike Theorie! Wer öfter unser Magazin liest weiß, dass wir Hope FATBike Kurbeln sehr geil finden und breite Innenlagerachsen sehr blöd. Alles zu Innenlager- und Achbreiten (und mehr) haben wir in unseren Artikel “FATBike Kurbeln – Auswahl und Einbau” zusammengefasst.
Unser Testbike für Parts, das Mondraker Panzer RR, hat ab Werk eine 1×11 Shimano XT – testweise sollte hier ein Satz Hope FATBike Kurbeln dran. Aber natürlich auch nur einfach. Und da gingen die Probleme los.

Hope FATBike Kurbeln – 1-fach nur mit Boost einfach!

Denn gerade “one-by” Systeme benötigen zwingend eine optimale Kettenlinie für eine fehlerfreie Funktion und geringen Verschleiß. Setzt man beim FATBike in Sachen Kettenlinie jedoch MTB Standards an ist das Kettenblatt in etwa so weit von seiner optimalen Position entfernt wie der Weihnachtsmann von einer Bikinifigur. Im harten FATBike-Alltag bedeutet das dann, dass nur zu gern mal die Kette im größten bzw. kleinste Gang vom Kettenblatt springt. Vor allem, wenn man rückwärts tritt. Kommt ja auch mal vor…

Und gerade die an sich exzellenten Hope FATBike Kurbeln sind bisher immer darüber gestolpert, dass Hope keine Boost-Spider anbietet. Zur Erinnerung: ein Boost Spider platziert die Kettenblätter einige Millimeter weiter rechts, was, gepaart mit einer 170mm Kurbelachse bei FATBikes mit 190mm Hinterbau, überhaupt erst eine halbwegsideale Kettenlinie am Fatty ermöglicht.

Autsch – hier fehlt definitiv Platz!

Denn leider kann man Hope Kettenblätter, anders als z.B. Race Face, nicht einfach umdrehen. Inzwischen hat Hope aber endlich ein Direct Mount Boost Kettenblatt nachgeschoben. Nach wie vor gibt es Rahmen, bei denen die Kettenstreben so weit auseinander stehen, dass eine Montage trotzdem nicht möglich ist. Aber wir haben ein paar Vorschläge wie man sich helfen kann, wenn’s knapp zugeht.

Step-by-step “light”: Montage leicht gemacht!

Hier gibt’s eine Schritt für Schritt Anleitung, wobei wir einige Zwischenschritte bei den Fotos weggelassen haben. Aber dass man auf beiden Seiten eine Lagerschale in den Rahmen schraubt, sollte klar sein 😉
Noch ein wichtiger Hinweis: die hier vorgeschlagene Montage weicht teilweise von den Vorgaben von Hope ab. Daher weisen wir ausdrücklich darauf hin, dass die folgende Beschreibung nur ein Vorschlag ist – Nachmachen auf eigene Gefahr!

Das Problem: mit der 170mm Achse schleift das Kettenblatt unter Umständen am Rahmen!

 

Mit einem Boost Kettenblatt uns einem Griff in die Trickkiste klappt es aber ganz gut!

 

Hier Trick Nummer 1: nicht nur links, sondern auch rechts kommen 2 (!) Distanzringe zwischen Lagerschale und Rahmen. So gewinnt man wertvolle Millimeter! Warum wir das genau so und nicht anders lösen, steht weiter unten.

 

Festziehen. Natürlich auf beiden Seiten!

 

Vorbereitung: mit einem Spezialwerkzeug (liegt den Kurbeln bei!) wird das alte Kettenblatt gelöst.

 

Jetzt wird das Boost Kettenblatt montiert und fest verschraubt.

 

Gedankensprung: nachdem die linke Kurbel samt Achse in das Innenlager gesteckt wurde, wird die rechte Kurbel montiert und vorsichtig angezogen.

 

Wichtig: laut Montagevorgabe von Hope müsste die Kurbel bis zum Anschlag auf die Achse gezogen werden. Dank des zusätzlichen Distanzrings am Innenlager muss hier entsprechend mit einem kleinen Überstand gearbeitet werden. Wichtig dabei: um später eine leichte Einstellung des Axialspiels zu ermöglich, sollte der Einstellring (siehe unten) bis zum Anschlag auf die Kurbel geschrauben und dann wieder ca. 1/2 -1 Umdrehung gelöst werden. So bleibt etwas Spielraum, falls man die Kurbel doch zu fest anzieht.

 

Dann wird der Befestigungskonus eingeschraubt…

 

…und festgezogen. Dieser Konus fügt keine weitere Lagervorspannung dazu sondern fixiert lediglich die Kurbel auf der Achse.

 

Schicker Abschluss: die Abdeckkappe wird am Ende eingeschraubt und leicht angezogen.

 

Fast fertig: mit dem Ring im Bild wird das axiale Lagerspiel eingestellt. Die Kurbel sollte sich leicht drehen, sich jedoch nicht nach links und rechts schieben lassen. ACHTUNG!!!! Dieser Ring hat nur einen sehr geringen Verstellbereich. Auf keine Fall sollte man ihn zu weit herausdrehen! Springt er unter Spannung vom Gewinde, hat man verloren, da man diesen Ring auch zum Abziehen der Kurbel braucht. Unter Spannung ist er aber nicht mehr schadfrei auf’s Gewinde zu bekommen. Deadlock! Das ist übrigens auch der Grund, warum wir lieber einen zweiten Distanzring zwischen Lagerschale und Rahmen installieren anstatt die Lage der Kurbel über den Distanzring zu regeln!

 

Zum Abschluss wird der Einstellring noch mittels Inbusschlüssel fixiert. Fertig!

Was bleibt?

Am Ende unserer Montage bleiben zwischen den Pedalarmen 173mm Platz – genug für den Hinterbau des Panzer. Die Kettenlinie bleibt zwar ein paar Millimeter unter dem Idealwert. Die Schaltung funktioniert jedoch einwandfrei und die Kette fällt auch beim rückwärts Treten nicht runter. So soll es sein! Je nach Rahmen und Abstand der Kettenstreben kann es jedoch sein, dass man die Hope FATBike Kurbeln nur mit der breiten 190mm Achse verbaut bekommt. Am breiten Hinterbau eines Silberback Scoop Fatty ist die 170mm Achse z.B. unmöglich montierbar. In diesem Fall sollte man unbedingt ein normales, nicht-Boost Kettenblatt verwenden.
Im Falle unsere Mondraker Panzer laufen die Kurbeln nun haarscharf mit ca. 5mm “Luft” an den Kettenstreben vorbei – da die Hope FATBike Kurbeln aber reichlich steif sind schleift nichts. Und die Knie freuen sich über den engen Stand der Füße. Optimal!

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