Mit dem Maxx Jagamoasta rollt ein Fatty auf unsere Bühne, welches wir bisher wirklich sträflich vernachlässigt haben. Dabei gehört der Jagamoasta neben Weißbier, Weißwürsten und Hofbräuhäusern zu den leckeren Bayerischen Exportartikeln, die man selbst in den entlegensten Winkeln der Welt findet.

Zu Deutsch: Jägermeister!

Apropos entlegenste Winkel – der Maxx Jagamoasta gilt als eines der rar gewordenen urigen FATBikes, an denen das höher-schneller-weiter der letzten 5 Jahre FATBike Welt auf beruhigende Weise vorbeigezogen ist.
Konsequenterweise verfügt unser Testbike dann auch über einen nahezu unzerstörbaren und praktisch verschleißfreien Antrieb aus Rohloff Nabenschaltung und Gates Riemenantrieb. So haben Schnee und Schlamm keine Chance. Mögen die Spiele beginnen!

Das Rahmenwerk des Maxx Jagamoasta

Handmade Custom Bike. Schön!

Beim Erstkontakt mit dem Jägermeister aus Rosenheim sticht sofort der klassische Alurahmen ins Auge. Nach Maxx-eigener Spezifikation werden dreifach konifizierte Rohre (aus T6 wärmebehandeltem 6005er Aluminium) zusammengebraten. Ganz in der Tradition deutscher Handwerkskunst erfolgen die gesamte Oberflächenbearbeitung, an deren Ende gern mal eine Pulverbeschichtung nach Kundenwunsch steht, und die Montage der Bikes “dahoam” in Rosenheim.
Hier, im Land der hohen Berge und großen Seen, wo der Himmel blau und die Wiesen saftig sind, werden auch Riesen fündig. Diejenigen von uns, die bei der Einfahrt in einen Straßentunnel den Kopf einziehen müssen, können den Maxx Jagamoasta bis Rahmenhöhe XXL (entspricht irren 60cm Rahmenhöhe!!!) ordern. Uns ist kein zweiter (Serien)Hersteller bekannt, der solche rollenden Hochsitze anbietet.

Eher kompakt als gestreckt: der Rahmen

Die Geometriedaten lassen auf einen sehr ausgewogenen Rahmen schließen, 69,5° Lenk- und 73° Sitzwinkel sind optimal für Tourbikes mit leichtem Hang zum Einsatz auf Single Trails. Die in der Länge verstellbare Kettenstrebe ist ein grundsätzlich cleveres Detail und deckt mit 465-480mm einen Bereich von „halbwegs kurz“ bis „halbwegs lang“ ab. Allerdings lässt der Gates Riemen kaum eine Einstellung zu bzw. taugt die Verstellung hier nur zur Spannung des Riemens. Das Oberrohr fällt mit 620mm für einen „Large“ Rahmen eher kurz aus. Zusammen mit dem 100mm Vorbau ergibt sich zwar ein angenehmer Reach, es ist aber ein eher klassisches “kurzer Rahmen, langer Vorbau” Setup. Urtyp, eben.

Schöner kann man Leitungen kaum in die Freiheit entlassen!

Das Steuerrohr kann alle gängigen Starr- und Federgabeln aufnehmen. Liebevolle Details wie das Gusset am Sitzdom oder der edel gemachte untere Auslass der innenverlegten Züge (siehe Bild) komplettieren die gute Basis für einen Custom Aufbau.

Knödel und Speck – vom Meisterkoch!

Wurfanker: die Magura MT7 gehört zum besten, was der Bremsenmarkt zu bieten hat

Ein Maxx Bike kauft man nicht einfach, man kreiert es im Konfigurator wie ein feines Gericht. Daher ist es nur begrenzt sinnvoll, hier lange über die Ausstattung zu philosophieren. Unser Testbike ist einfach nur ein Beispiel, wie man es machen kann: klotzen statt kleckern! So wurde unser Bike mit übermächtigen Magura MT7 Bremsen, tubeless Laufrädern auf Basis von Sun Ringle Mulefüt Felgen, einer Dropper Post und diversen Race Face Parts angerichtet. Abgeschmeckt mit einer Manitou Mastodon mit 100mm Federweg verwöhnt der Jagamoasta den Touren- und Komfort-Gourmet. Die Rohloff 14-Gang Schaltnabe (hier geht’s zum Test) samt Gates Antriebsriemen stellt sicher, dass die einfallende Kraft leicht verdaut werden kann und Schnee und Schlamm nicht zu Schluckauf führen.

Nichts für’s Grobe: der Jumbo Jim

Hier gibt’s haute cuisine rustikal, so wie eine g’scheite Schweinshax’n angerichtet vom Sternekoch. Nur der verbaute Jumbo Jim, in der Sprache edler Speisen eher ein geeistes Gurkensüppchen an Garnelenschaum, will nicht so recht zum zupackenden Bayern passen. Ein bissfester Reifensatz vom Schlage der Vee Tire Snow Avalanche, Surly Bud/Lou, Maxxis Minion oder Vittoria Cannoli sorgt hier unserer Meinung nach erst für die richtige Würze. Einige davon kann man direkt bei Maxx konfigurieren. Dann hat man ein perfektes Schnee und Matsch Bike für härteste Einsätze unter widrigsten Bedingungen.

Mit Hut und Rucksack auf den Berg

Viel “Schön”, aber auch viel “Schwer”

Rustikal geht’s auch an der Waage zu: mehr als 16kg baumeln trotz Tubeless Aufbau am Haken. Der Preis für die FATte Kost beim Aufbau… Rohloff Nabe, Manitou Mastodon und Dropper Post fordern ihren Tribut. Und: “Kraft” kommt von “Kraftstoff” – der Rahmen ist sicher nicht der leichteste, dafür aber ohne Wenn und Aber bis 120kg Fahrergewicht freigegeben. Angesichts des überdurchschnittlich bombensicheren Aufbaus geht das Gewicht in Ordnung. Einsparungspotential ist reichlich vorhanden und kann bei der individuellen Konfiguration berücksichtigt werden.

Nimmt Schnee und Schlamm wie ein FATBike es tun sollte!

Dem Bajuvaren an sich sagt man ja eine gewisse Gemütlichkeit nach, und im Falle des Jagamoasta lässt sich das bestätigen. Er ist kein verbissener Sprinter, eher der Typ, der mit Hut und Rucksack einen Berg besteigt. So verwöhnt der Antrieb den Fahrer mit seidenweichem Lauf, selbst im tiefen Schlamm rasselt hier keine Kette. Die Schaltung ist für Roholoff Neulinge gewöhnungsbedürftig, flutscht nach kurzer Eingewöhnung aber wunderbar. Und sie deckt einen riesigen Übersetzungsbereich ab, mit dem man von einer Tour zum Biergarten bis zu alpinen Monsteranstiegen alle Aufgaben entspannt meistern kann. Die Mastodon, wenn auch hier nur in der einfacheren Version verbaut, arbeitet unaufgeregt alle ankommenden Einschläge ab. Und wenn’s mal knapp wird, helfen die Magura Bremsen… Die Teile hauen rein als würde man in voller Fahrt einen Gamsbock rammen!

Ein waschechtes FATBike…

Schönes Ding!

…ist er also der Maxx Jagamoasta, urig und unverfälscht. Die Sitzposition ist aufrecht und auch nach langen Touren tut nichts weh. Dass die Geometrie nicht unbedingt dazu einlädt, auf den Pfaden von Reh und Geißbock mit Tunnelblick durch’s Unterholz zu pflügen – geschenkt. Einen Maxx Jagamoasta kauft man sich, um entspannt anspruchsvolle Touren zu bewältigen. Und zwar nicht nur in seiner Bayerischen Heimat, sondern überall auf der Welt. Ob Eiswüste, Regenwald oder Saharastaub – Packtaschen dran, anständige Reifen drauf und “Pfüati Gott”, mach’s gut, Zivilisation. Und immerhin kann der Jagamoasta für sich reklamieren, als erstes Bike überhaupt bei legendären Yukon Arctic Ultra gewonnen zu haben (hier geht’s zur Story). Das sagt mehr als 1000 Worte!

Oder aber man radelt eben einfach zum Biergarten, denn das geht mit Jagamoasta ganz unaufgeregt im Sinne der Boarischen G’miatlichkeit.

 

Was bleibt?

Was macht ein Bayer in Thüringen? Er genießt die Aussicht!

Ein Bike für alle, die sich und anderen nichts mehr beweisen müssen – so kann man den Maxx Jagamoasta Rohloff zusammenfassen. Hier bekommt der geneigte FATBiker ein sehr hochwertiges Custom FATBike mit Maxx-typisch makelloser Verarbeitung. Bei der Konfiguration lohnt jedoch ein Gedanke an den tatsächlichen Einsatzzweck und ein Blick auf die Waage, damit das Wunschbike am Ende nicht zu viel Speck ansetzt. Die Ausstattung unseres Testbikes war dennoch durchweg erste Sahne und lässt keine Wünsche offen. Und Rohloff und Gates sind zu Recht als das Dream Team für die größten Sauereien bekannt.

Hinterlegt man mindestens 3.299,- Euro an der Rosenheimer Ladentheke darf man seinen Maxx Jagamoasta Rohloff ungestraft aus dem Laden rollen. Der kettengeschaltete Jagamoasta wechselt bereits ab sehr fairen 1.899,- Euro den Eigentümer. Je nach Konfiguration kann der Preis natürlich noch klettern. Aber Bayerische Produkte, die für lange Aufpreislisten bekannt sind, gibt es ja einige 😉

8 Responses

  1. Uwe Trettin

    Moin !
    Ist dieses Bike evtl eine Alternative zum Canyon Dude ?
    Spiele mit dem Gedanken an ein drittes Fatty und auch Getriebeschaltung. ( Tourenfahrer mit Spaß an Abfahrten, ohne große Sprünge)
    Und da Canyon es aktuell immer noch nicht auf die Kette bekommt individuelle Kundenwünsche ( habe sogar mit Bezahlung evtl. Mehrkosten gedroht! ) zu berücksichtigen, denke ich über einen anderen Hersteller nach .
    Würde mich über Input freuen .

    Antworten
    • Bernd

      Hallo Uwe,

      ich habe bereits 2 Fatbikes von MAXX, ein Jagamoasta und ein Huraxdax.
      Mich hat vor 3 Jahren folgendes vom Kauf überzeugt: (sagt man das so??? egal)

      1. mit dem online Konfigurator hat man schon mal eine gewisse Auswahl.
      2. wenn man spezielle Wünsche hat, einfach mal dort anrufen, die haben wirklich Ahnung.
      3. die Ersatzteilversorgung ist perfekt.
      4. Service wird dort großgeschrieben.

      Ich empfehle aber jedem, macht einen Termin aus und besucht den Laden.
      Die Auswahl an Bikes im Ladengeschäft ist beeindruckend und die persönliche Beratung unschlagbar.
      Hier werden Sie geholfen…..oder wie sagt man das…

      FATte Grüße

      Bernd

    • Matt

      Hi Bernd,

      danke für Deinen Kommentar. Wir behalten unseren Senf für uns, denn wir haben nicht hinzuzufügen 🙂

      FATte Grüße

      Matt

    • Matt

      Servus Uwe,

      die Frage ist nicht so einfach zu beantworten. Die beiden Bikes könnten kaum gegensätzlicher sein. Außer, dass beide von sehr guten deutschen Firmen kommen und für Touren genutzt werden können haben sie wenig gemeinsam. Entscheidend ist, was Du willst. Ein Custom Bike in Deiner Farbe, ein reines Tourbike, eine angepasste Ausstattung nach Deinen Wünschen, persönlichen Service? Dann wäre das Maxx Deine erste Wahl. Suchst Du eine leichte Präzisionsfeile mit High Tech Rahmen, mit der Du auf Touren auch die verwinkeltsten Trails fressen und Abfahrte shredden kannst, dann bist Du mir dem Canyon besser bedient.
      Bei dieser großen Spanne können wir Dir eigentlich nur raten, beide Läden zu besuchen, die Bikes selbst zu fahren und dann auf der Basis zu entscheiden. Du machst grundsätzlich mit beiden nichts falsch. Der Unterschied liegt beim Service und der grundsätzlichen Ausrichtung der Bikes…

      Viel Spaß beim Entscheiden und halte uns auf dem Laufenden!!!

      FATte Grüße

      Matt

  2. Matthias Zoike

    Selten habt Ihr es auf den Punkt getroffen :
    Ein Bike für alle, die sich und anderen nichts mehr beweisen müssen – so kann man den Maxx Jagamoasta Rohloff zusammenfassen. Hier bekommt der geneigte FATBiker ein sehr hochwertiges Custom FATBike mit Maxx-typisch makelloser Verarbeitung.
    Wir meine Frau und ich fahren das Jagamoasta mit Rohloff und Gates seit drei Jahren ohne jegliche Probleme!
    Fazit : Kauf nie bereut !!
    Gruß Matthias und Antje

    Antworten
    • Matt

      Hallo Ihr beiden,

      wie geil, ein FATBike Paar! Top! Und danke für’s Lob bzw. die Bestätigung. (Wobei wir natürlich hoffen, dass wir es öfter mal auf den Punkt getroffen haben als nur “selten” 😉 ).
      Schön wenn Ihr mit den Bikes zufrieden seid. Wir haben den Eindruck, dass Maxx lieber auf das letzte Quäntchen Gewichtsersparnis verzichtet und dafür robust baut. So soll es beim FATBike ja auch sein.

      FATte Grüße

      Matt

  3. Bernd

    Servus,

    Glückwunsch zum neuen Bike.
    Mein Jagamoasta hat jetzt 3 harte Sommer und Winter hinter sich, auf z.T übelsten Pisten am Gardasee und den Dolomiten, Vogelsberg, Spessart, Rhön und Elba.
    (Thüringen steht noch aus)
    Bisher keinerlei Ausfälle, nur die üblichen Verschleißteile wie Bremsen Kette und Ritzel. (nein, ich habe leider keine Rohloff/Gates Kombi)
    Ich liebe dieses Bike, es ist wie ein guter Kumpel der dich nicht im Stich lässt.

    Bin gespannt auf den Langzeit-Erfahrungsbericht bez. Gates -Riemen.

    FATte Grüße

    Bernd

    Antworten
    • Matt

      Hi Bernd,

      danke für Deinen Kommentar. Leider bleibt der Jagamoasta nicht als Langzeit Tester bei uns… Aber wir haben keine Zweifel, dass das Bike etliche Jahre ohne Zicken durchhält. Ab und an mal drüber waschen und weiter geht’s!
      Super, wenn Du mit Deinem da auch zufrieden bist! Die besten Bikes sind immer die, mit denen man keinen Stress hat!

      FATte Grüße

      Matt

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