Am Wochenende haben wir mal wieder einen Selbstversuch unternommen: wir waren mit dem e-FATBike im Schnee der gerade auftauenden Nordalpen unterwegs.
Nun ja, wenig spaltet die Bikergemeinde so krass wie das e-Bike. Aber wenn du FATBike fährst, bist du sowieso anders als die anderen Kinder. Vorurteile sollen mal die anderen haben, wir haben so lange Spaß. Diesmal also mit dem e-FATBike im Schnee.

E-FATBike im Schnee – “Das musst Du probiert haben!!!”

Die Anregung kam diesmal von außen – im Telefonat mit Uwe Matthies, dem Häuptling vom Maxx in Rosenheim, hat er uns immer wieder vorgeschwärmt, WIE gut man doch im Schnee mit einem elektrifizierten Fatty voran kommt. Sowas lassen wir uns nicht zweimal sagen, zumal wir ja bereits im letzten Winter sehr überzeugende Erfahrungen gemacht hatten.

e-FATBike und Schnee. Nordische Kombination mal anders!

Eine Tour war schnell gefunden – in der Umgebung von Kufstein sollten zwei Hütten angefahren werden. Aber wie das in den Alpen halt so ist, ist uns das Tauwetter zuvorgekommen. Es war schnell klar – diesmal würden wir nicht auf fluffig-lockerem Traumschnee dahingleiten sondern gegen Eis und Schneematsch ankämpfen.

10:30 Uhr – die Langläufer schauen blöd.

Morgens halb 11 in Deutschland – du stehst ein wenig verloren mit Deinem e-FATFully neben der Loipe und die Langläufer schauen dich irgendwo zwischen ungläubig und dumm an. Was will der hier?!? Eine Frage, die natürlich niemand laut stellt, aber die auch schnell beantwortet wäre: einen Heidenspaß haben!!! Naja, sei’s drum.

Designprototyp der besonderen Art: Maxx Huraxdax EL Camouflage

Über Nacht hat es gefrostet, der Schnee ist noch halbwegs hart. Also Zündung an, Stufe eins aktiviert und locker flockig losgerollt. Die vier/achter Vee Tire Snow Avalanche Schluffen haben wir ein gutes Stück unter 0.4 bar eingepegelt. Ist wenig, klar, aber im Schnee bringt es Float und Traktion. Und dank des 250 Watt starken Brose Klotzes zwischen den großen Zehen wird der Rollwiderstand auch irgendwie uninteressant. Zur Priener Hütte ist es nicht weit. Gerade mal 8,5km gilt es zu bewältigen, allerdings garniert mit 700 Höhenmetern. Nein. Viel ist das nicht. Theoretisch.

Vorbei an Wasserfällen und herrlichem Alpenpanorama

(R)Auf geht’s!

Wir sind zu dritt unterwegs und nutzen unsere Bikes bewusst sehr unterschiedlich. Zwei von uns fahren jeweils 1x dauerhaft auf Stufe 1 und 1x mit wechselnder Unterstützung. Ich statt dessen muss versuchsweise dafür herhalten, weitestgehend ohne Unterstützung vom lokalen Stromversorger, einem 500Wh starken Akku im Unterrohr, die grundsätzliche Befahrbarkeit der Strecke zu testen. Das Leben ist nicht fair.

Schönes Panorama, hässlicher Uphill!

So fräsen wir uns ganz unterschiedlich stressfrei nach oben und können – die anderen beiden mehr als ich – in Ruhe Panorama und Natur auf uns wirken lassen. Und nur fürs Protokoll: andere Biker begegnen uns keine.
Alles läuft ganz charmant ab, bis sich kurz vor’m Gipfel – und gehässiger Weise hinter einer Kurve versteckt – eine derb steile Rampe vor uns auftut. Sofortige Erkenntnis hier: mit reiner Muskelpower keine Chance. Auch nicht mit Fluchen und Zähne zusammenbeißen. Der Totpunkt beim Treten und die ungünstige Gewichtsverteilung zerfetzen die Traktion bereits nach wenigen Metern.

Füllt die eigenen Akkus wieder auf!

Hier wirkt der Motor Wunder, eliminiert er doch den Totpunkt vollständig und erlaubt es, das Körpergewicht bis kurz vor’m “Hintenrunterfallen” nach hinten zu verlagern. Ja, so ein e-FATBike im Schnee, das ist eine völlig andere Welt!
So hätte es sich der Huraxdax EL ja eigentlich verdient, auf der Hütte mit uns am Tisch zu sitzen und sich eine Kartoffelsuppe einzuverleiben. Aber Bikes dürfen nicht an den Tisch und Uwe’s Entwickler haben zwar an alles gedacht, aber leider keinen Einfüllstutzen für Suppe vorgesehen… Der Einfüllstutzen für Strom jedenfalls bleibt erstmal arbeitslos – trotz der teils extrem hohen Belastung zeigt der am meisten strapazierte Akku (ca.135kg Gesamtgewicht, permanent Stufe 1-2, um die 0 Grad) immer noch etwas mehr als halben Füllstand.

Tour 2 – Sunshine Raggae im Pappschnee

Nach dieser herrlichen ErFAHRung, zu der natürlich auch noch eine spaßige Abfahrt gehört, setzen wir in ein anderes Tal über und schlagen unser Basecamp am Fuße der Festung Kufstein auf. Hier ist nicht nur das Sprachkolorit anders – in den Worten der lokalen Urbevölkerung taucht an den unmöglichsten Stellen ein “ch” auf – sondern es ist auch erheblich wärmer. Unser Ziel, das wunderschöne Weinbergerhaus, ist zwar sogar nur 7km, aber dafür 770hm entfernt.

Da rollen sie dahin…

Den ersten Teil spulen wir auf gutem, alten Schlamm ab, den die Natur irgendwann mit sinnlosem Schneematsch überzogen hat. Dem Huraxdax EL isse’s wurscht, uns auch. Allerdings gelingt einem die Übung, ohne Motorpower vorwärts zu kommen, hier schon weniger. Es ist steil auf dem Weg nach oben und der Pappschnee ist kaum berechenbar. Sunshine Raggae – die Sonne macht das Vorwärtskommen zum Eiertanz. Die Tour entschädigt indes für alle Pein. Besonders eine gutes Stück Single Trail vorbei an einem Wasserfall lässt das Bikerherz höher schlagen. Von den gelegentlichen Ausblicken auf Kufstein ganz zu schweigen.

Der Uwe, der Max und der Kaiser (von links nach rechts)

Geschafft von der ersten Tour “on my own” vertraue ich diesmal auch auf die Kraft aus der Steckdose. Was soll der Geiz. Ist doch sinnfrei, ein über 20kg schweres Bike mit gefühlt fast plattem Hinterreifen durch Pappschnee eigenmächtig auf den Berg zu strampeln… Das Bikerego ist, zumindest in meinem Fall, deutlich strapazierfähiger als die Waden.

Die letzte Rampe bringt dich um. Und der Kaiser schaut zu!

Schnee hat keine Balken!

Die Auswahl der Tour war nicht zufällig – die Fahrt durch’s Kaisergebirge gehört zum Schönsten, was die Gegend zu bieten hat. Während uns der Motor geräuschlos auf dem Weg nach oben begleitet genießen wir Bergpanoramen, die Ihresgleichen suchen. Kurz vor’m Ziel ist dann abrupt Schluss mit lustig: eine fies steile Rampe und knietiefer Schnee, dessen obere 10cm angetaut sind, stehe uns im Weg. Aus diesem Stoff werden Legenden gemacht! Hier heißt es “Alles oder nichts!”. Stufe 4 rein, bringt 250 Watt und 90Nm Schub. Dazu volle Muskelpower und 101% Konzentration – um da rauf zu kommen darfst du keinen Fehler machen. Meter um Meter beißen sich “der Dax” und ich nach oben.

Der Huraxdax beißt in den Schnee, wir in ein Wiener Schnitzel!

Das Hinterrad dreht unaufhörlich durch und katapultiert eimerweise Schnee in die Atmosphäre als wollte es die matschig weiße Pracht zum Absender zurückschicken. Friss Schnee, Frau Holle Bitch!!! Mein Puls rast – e-FATBiken im Schnee kann enorm anstrengend sein. Ein paar Mal wird es sau knapp – nur mit einigen beherzten Kurskorrekturen und noch mehr Glück lässt sich dieser Anstieg niederringen. Oben steht die Erkenntnis: mit einem nicht-eFatty absolut unmöglich. Punkt!

Wiener Schnitzel, Postkartenpanorama und eine FATte Abfahrt

So schön kann es sein!

Der Schweiß hat sich gelohnt, der Anblick der untergehenden Sonne ist absolut atemberaubend. Tobias, Betreiber des Weinbergerhauses, Sport-Maniac und selbst begeisterter e-FATBiker kredenzt uns als Belohnung feine Schmankerl der Österreichischen Küche. So ein Wiener Schnitzel füllt das Loch im Magen und hebt die Laune!
Die Daxe warten derweil geduldig vor der Tür. Hunger haben sie inzwischen, aber alle Akkus haben noch genug Reserven für eine sichere Heimfahrt incl. einem kleinen Abstecher. Wenn’s denn sein muss. Für heute ist das aber kein Thema mehr. Es fröstelt am Kaiser, der Schnee wird wieder härter und alles, was die Akkus für heute noch tun müssen, ist die eingebauten LED Lampen unserer Huraxdaxe zu befeuern. Dafür reicht der Strom wohl noch für ein paar Wochen.

Abfahrt!

So wieseln wir zum Abschluss wie kleine Kinder in’s Tal, geben auf den Geraden Gas und bremsen in den Kurven gern mal etwas mehr als nötig. Es driftet, rutscht und schliddert, wir fliegen ab und steigen auf. Der Schnee hat auch heute zum Glück keine Balken!

Was bleibt?

Hat Spaß gemacht!

Irgendwann wurden wir mal aufgefordert, doch endlich mal Stellung zum eFatty zu beziehen. Tun wir, wir sind schon seit längerem konvertiert und finden e-FATBikes sehr geil. Sich damit aber im Schnee zum tummeln ist eine völlig andere Welt. Der Einsatzbereich ist dem eines normalen FATBike nochmal deutlich überlegen. Und man kann Wintersport betreiben wenn zu viel Schnee zum biken liegt und auch dann, wenn der Schnee zu weich zum Ski fahren ist. Eigentlich ist so ein e-FATBike im Schnee das perfekte Wintersportgerät. Und wer, wie uns einige Wanderer überzeugend attestiert haben, glaubt e-FATBike fahren wäre ja gar nicht anstrengend: ähem, falsch. Rallyfahrer sitzen auf mehreren hundert PS und schwitzen trotzdem. Motorleistung allein reicht eben nicht um Spaß zu haben! Prädikat: äußerst empfehlenswert!

12 Responses

  1. peter

    nicht ganz ernst gemeint …oder doch 😉

    seit wann gibt es Grenzen für ein Fatbike ( oder Mountainbike ) ??
    es geht immer mehr wie man denkt 😉
    und wen man nicht soviel denkt geht es weiter wie man denkt …
    Grenzen gibts doch noch für E-Bikes ! schließlich hält der Akku nicht grenzenlos und dann ist der nicht ganz so fitte E-Biker dann doch wieder
    an seine Grenzen gelangt 😉 und strom wächst ja auch nicht auf Bäumen oder
    so ….

    gruß peter

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    • Matt

      Servus Peter,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Wir planen, mal eine FATBike Tour im Schnee mit Lesern zu organisieren. Da werden wir auch ein paar e-Fatties mitnehmen. Komm doch einfach mit, dann testen wir das mit den Grenzen aus 🙂

      FATte Grüße

      Matt

    • peter

      servus Matt

      hehe gute Antwort 😉 gute Idee !
      bin schon mit E biker unterwegs gewesen ..funktioniert nur wen derjenige
      nicht so fit im biken ist , vor allem auf technischen Trails 😉
      weil sonst hechelst als nicht E biker nur noch hinterher 🙂

      gruß peter

  2. Moonbiker

    Ich finde im Winter gibt es nichts geileres als ein E-Fatty!

    Man muss einfach nicht so hart fahren und ist gleich schnell am Ziel. Ich hatte vorher desshalb öfter mal im Winter starke Bronchitis durch die kalten verschwitzten Abfahrten. Das ist seitdem vorbei!

    Habe mittlerweile ein :

    Haibike FatSixx RC mit Etwas Umbau (DT Räder, Rock Shox, Magura 7, Tune, Syntace).

    Specialized mit Starrgabel als Tourer .

    ein Leichtes Dude ( Kuroshiro, Tune, Race Face, Schmolke, Syntace,).

    fahre Jeden Tag zur Arbeit (2x18km) und seit ich das erste Fatty habe steht mein Idworx Racing Ti-Rohler immer mehr rum!

    Ihr macht da echt tolle Arbeit!!!
    Super Berichte, schöne Bilder, immer Neuigkeiten, als was ein Fatbiker braucht!

    gruss moonbiker

    Also weiter so…

    Antworten
    • Matt

      Hi Moonbiker,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und Dein Lob! Freut uns. Beides. Und Glückwunsch zum Fuhrpark – der lässt ja keine Wünsche mehr offen! Und falls Du mal das Verlangen hast, eines Deiner Bikes hier vorzustellen, Du weißt ja wo Du uns findest 🙂

      FATte Grüße

      Matt

  3. Stefan

    Ich frage mich, warum normale Fatbikes oder E-Fattys überhaupt peinlich sein sollen? Das sind Sportgeräte wie ein MTB oder Rennrad. Und falls jemand mein Fatbike (Stevens Mobster) peinlich finden sollte, ist mir das herzlich egal. 🙂
    Ich habe meins seit Oktober und hatte lange nicht mehr so viel Spaß beim Fahrradfahren. Vorher hatte ich 27 Jahre lang!!! ein Hard Tail (Stratos) von Rocky Mountain, was noch in der Stadt getaugt hat. Touren wollte ich damit nicht mehr machen. Mit dem Stevens Mobster habe jetzt auch erste Schnee-Erfahrungen gemacht und ich muss sagen, GEIL!
    Kann schon sein, dass man mit E-Fattys Dinge machen kann, die mit einem normalen Fatty nicht gehen. Aber radeln ist für mich Sport und ich bemühe mich, in diesem Leben nie ein E-Bike fahren zu müssen. 🙂
    Lieber verzichte ich auf die zusätzlichen E-Fatty-Erfahrungen. 🙂
    Ach ja, ich bin 59, fahre seit 35 Jahren MTB und laufe regelmässig Marathons.

    Trotzdem ein sehr geiler und inspirierender Bericht. 🙂

    Antworten
    • Matt

      Hi Stefan,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und den Erfahrungsbericht. Peinlich… Naja, wir wurden selbst bei dieser Tour ein paar mal erstaunt angesprochen und als dann die Aufmerksamkeit auf die Akkus und Motoren kam, haben wir das eine oder andere abfällige “Ach soooo, das ist ein Iieeebaik, na dann ist das ja nichts besonderes mehr!” geerntet. Da kann man sich schon in seinem Bikerstolz verletzt fühlen. Aber wen interessiert schon die Meinung von Fremden… Auf der anderen Seite waren wir die einzigen Biker, die ÜBERHAUPT unterwegs waren. Also alles richtig gemacht, es gibt keine Grund sich für irgendetwas zu schämen.

      FATte Grüße

      Matt

  4. Fattie McFatFat

    Wenn Pedelecs nur was für alte Leute sind, wie alt muss man dann sein um Autofahren zu dürfen? 🙂

    Antworten
  5. Andre P.

    Ich habe noch kein eigenes eBike; Aber einige Probefahrten gemacht. Ich finde es ist eine eigene Welt! Normales biken und ebiken schließen sich nicht gegenseitig aus. Beides bringt echten Spaß an dem was wir biker loben, Bewegung draußen! Ein eFATBike könnte ich mir echt vorstellen, neben meinem MTB!

    Antworten
    • Matt

      Hi Andre,

      vielen Dank für Deinen Kommentar, dem wir nichts mehr hinzuzufügen haben! 🙂

      FATte Grüße

      Matt

  6. Uwe Trettin

    ….Es geht auch ohne Motor , ist halt anstrengend, und ab und zu ist schieben angesagt.
    Bin mit meiner Freundin kurz vor Weihnachten von Sankt Andreasberg aus den Brocken hoch .Auf verschneiten , aber festen Pisten . ( Canyon Dude, auf 4,8″ Maxis Minion )
    46 km , 880 HM .
    Natürlich waren wir am Ende rechtschaffen müde , aber auch mit über 50 ist uns ein E-Bike noch peinlich. …
    Gruß Uwe

    Antworten
    • Matt

      Hi Uwe,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Eure Tour klingt absolut amtlich, schönes Ding! Gibt’s Bilder? 🙂
      Wegen dem e-Fatty – hast Du absolut Recht, jeder hat da so seine Grenzen. Uns sind tatsächlich schon viele Menschen begegnet, die unsere Fatties als “peinlich” betitelt haben. Warum auch nicht.
      Wir als selbst ernannte Redakteure müssen uns ja per Definition von solchen Dinge frei machen und uns auf die Sache an sich konzentrieren. Ist nicht immer einfach… Aber wir haben eins gelernt: oft liegt direkt hinter “peinlich” ein völlig neuer Horizont und neue Erfahrungen. Mit dem e-Fatty ging es uns genauso: ich habe die ersten Testfahrten nur nachts gemacht (kein Witz!). Inzwischen lasse ich diesen Unsinn und mache mit e-Fatties Dinge, die mit einem normalen FATBike völlig unmöglich sind.
      Ist ist, wie Du völlig korrekt sagst: es geht auch ohne e-Bike. Nur mit kommt man eben NOCH weiter und kann NOCH verrücktere Sachen machen. Wenn man das möchte.
      Und damit nochmal zurück zu den Leuten, die FATBikes als peinlich sehen. Deren Meinung ist völlig legitim, aber sie müssen eben mit den engen Grenzen normaler Mountainbikes klarkommen. Wir sagen ja schon immer: ein FATBike gehört in jeden guten Bikerhaushalt damit man dort, wo ein MTB an seine Grenzen kommt, weitermachen kann! Mit dem e-FATBike ist es letztlich nicht anders…

      In diesem Sinne nachdenklich-FATte Grüße

      Matt

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