Ihr kennt uns: wir sind Kanada-Fans durch und durch. Zwei Norco Ithqua im Dauertest zu haben ist für uns daher besonders nice, denn auch Norco kommt aus Kanada. Genau genommen aus einem Vorort der Metropole Vancouver mit dem schier unaussprechlichen Namen Port Coquitlam.
Aber trotz seiner noblen Herkunft kann das Norco Ithaqua im Dauertest von uns keine Gnade erwarten, und so prügeln wir bereits seit Monaten nach Herzenslust auf die Kohlefaser-Fatties ein. Vorgestellt hatten wir die Bikes ja schon, nun ist Zeit für einen kleinen Zwischenbericht!

Rahmen und Gabel: hart, aber herzlich!

Dezent, aber doch eine Augenweide!

Normalerweise beschreiben wir aggressive Bikes mit martialischen Worten. Dann sprechen wir von “Raketen”, “Geschossen” oder manchmal auch – Achtung, Wortwitz – Panzern. Aber da das Norco Kanadier ist, bleibt unsere Wortwahl friedlicher: das Ithaqua ist ein Hochleistungssportler. Sein Rahmen spannt schon im Stand jeden Muskel an und ist extrem verwindungssteif. Aus Beinkraft macht er Vortrieb, und zwar 1:1. Die Lackierung ist Grizzly-sicher, schnöde Steinschläge bringen da keine Macken rein.

Fühlt sich im Schneesturm wie zu Hause!

Verwindungssteif ist auch die Gabel – was nicht immer ein Vorteil ist. Für’s Handling ein Segen, für die Handgelenke ein Fluch. Alles, was der Reifen nicht packt, müssen Ellebogen und Handgelenke lösen. Dem Leistungssportler sehen wir’s nach, hin und wieder wäre aber eine Federgabel oder zumindest ein Carbon-Lenker nicht schlecht…

Antrieb und Bremsen: Nicht ganz ohne Fehl und Tadel

Bei der Entwicklung des Rahmens – der anders als bei vielen anderen Carbon Fatties keine Katalogware aus China ist – hat Norco offenbar einen top Job gemacht. Beim Antrieb sind wir aber nicht ganz so glücklich.
Erstmal macht sich die Sram GX 1×11 Bestückung erstaunlich gut. Da uns die serienmäßig Übersetzung aber wie üblich zu kurz war, haben wir das Kettenblatt von 28 auf 32 Zähne vergrößert. So passt die Übersetzung deutlich besser zum Racebike.

Pogies, individuell bestickt mit "FAT-Bike.de"

Sie müssen auch für Tests herhalten. Hier für Pogies und Spikes.

Auffällig ist jedoch der hohe Verschleiß der Kassette, die an beiden Testbikes schon arg mitgenommen ist. Das werden wir weiter beobachten, gefühlt liegt die Haltbarkeit aber bisher deutlich unter der einer X01/X1 Kassette.
Und auch die verbauten Race Face PF30 Innenlager zeigen sich nicht direkt von ihrer Sonnenseite: die Lager knacken an beiden Bikes. Das ist eine Mischung aus der üblicherweise recht anfälligen PF30 Montage und den ebenfalls eher empfindlichen Race Face Lagern. Hier würden wir im Dauereinsatz wohl auf Hope Lager mit vorgespannten Lagerschalen zurückgreifen. Eine Option, die Norco als OEM Hersteller jedoch leider nicht hat.

Weniger ist manchmal mehr – auch bei Kurbelachsen…

Einen weitere Schwachpunkt stellt die 190mm Innenlagerachse dar. Diese ist am Ithaqua nicht notwendig, da die Kurbeln mehr als genug Abstand zu den Kettenstreben haben. Außerdem liegt die Kettenlinie damit viel zu weit rechts. Und die Knie finden’s auch blöd. Leider hält sich die alte Mär von der 190mm Achse passend zum Hinterbau hartnäckig. Und so spezifiziert auch Race Face nach wie vor die breite Achse, wenn ein 190/197mm Hinterbau am Bike ist.
Wir würden hier unbedingt auf eine 170mm Achse umbauen, dank der Race Face Turbine Kurbeln ist das ohne großen Aufwand machbar.

Manchmal ist es schneller, als uns lieb ist…

Einen guten Job macht dagegen die Sram Level TL Bremse. Deren Bremsleistung kann zwar natürlich nicht mit den fiesen Vierkolben-Bremsen dieser Welt mithalten, passt aber gut in’s Gesamtkonzept eines relativ leichten, ungefederten Racefatties. Der große Vorteil der 180mm Scheibe ist, dass sie sich nicht aufschwingt und praktisch nie schleift. Wenn man sonst nur 200er Scheiben fährt, fällt sowas positiv auf…

Laufräder und Reifen: solide mit Highlights

Bei den Laufrädern braut Norco sein eigenes Bierchen und kombiniert Sun Ringle’s Mulefüt Felgen mit Novatec Naben. Hier gibt’s bisher keine Beschwerden. Die Lager laufen nach wie vor sauber, der Freilauf clickert entspannt vor sich hin und Speichen und Nippel halten die Räder zuverlässig in Form. Das Beste ist, dass man die Mulefüt Felgen sehr einfach Tubeless fahren kann. Keine Frage, dass wir da natürlich sofort umgebaut haben!!

Der Juggernaut Pro 4.5 kann alles. Auch Sand.

Und der Kenda Juggernaut Pro 4.5, ein absolutes Highlight, läuft ohne Schlauch erst so richtig zu Höchstform auf. Rollwiderstand und Fahrkomfort sind hervorragend, und selbstredend hatten wir bisher keine Reifenpanne. Der vier/fünfer ist wesentlich robuster ausgelegt als sein federleichter Bruder Juggernaut Pro 4.0 – was sich im harten Geländeeinsatz bezahlt macht. Selbst beim Verschleiß macht der Juggernaut Pro 4.5* eine gute Figur, normalen Einsatz ohne allzu viele Querdrifts hält er klaglos über viiiieeele hundert Kilometer aus.
Für das Norco Ithaqua ist er eine perfekte Wahl, wir könnten uns auf diesem Bike keinen passenderen Reifen vorstellen.

Was bleibt?

Blick nach vorn: das Abenteuer wartet!

Wir meckern mal wieder auf hohem Niveau. Die Ithaquas sind äußerst vielseitige, schnelle und extrem handliche Bikes und gehören zum Besten, was man derzeit mit FATten Reifen dran kaufen kann. Aber zum Glück sind sie auch nicht perfekt – sonst hätten wir nichts zu schreiben.
Und so geht unser Norco Ithaqua Dauertest weiter. Die Sommersaison hat gerade erst begonnen und vor unseren Bikes liegen noch viele spannende Abenteuer. Als nächstes werden wir uns mal den Innenlagern widmen und vielleicht im Sinne unserer Knie gleich auf 170mm Kurbelachsen umbauen. Ansonsten belassen wir die Bikes aber ohne weitere Modifikationen, schließlich wollen wir ja das Paket testen, welches Norco gepackt hat!
Auf jeden Fall machen die Dinger bisher einen Riesenspaß und das Beste ist, dass wir immer ein kleines Stückchen Kanada mit auf unsere Touren zu nehmen. Oh, Canada! Our home and native land! Herrlich!

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