Mit dem Silverback Scoop Delight 2018 Test widmen wir uns mal einem waschechten Einsteiger Fatty. Soll ja keiner von uns sagen, Dan und Matt haben nur Bock auf High End Schnickschnack! Aber was kann ein FATBike leisten, welches für geradezu spärliche 899,- Euro im Laden steht*? Überlassen wir doch mal einem altem Freund das Wort, dem Vorurteil: FATBikes sind schwer und behäbig und vor allem Einsteigerbikes sind billig aufgebaut und machen null Spaß! Tja, es gibt wirklich eine Menge Ausreden, warum man sich eben doch kein FATBike kauft. Aber damit ist jetzt Schluss!

Denn das, was Silverback uns da zwischen die Bierkisten in unserer Werkstatt gerollt hat, hat es faustdick hinter den Ohren!

Ein wenig altbacken, vielleicht…

Scoop Delight

Fangen wir mit dem Herz jedes Bikes an: Rahmen und Gabel. Früher hätte es uns beeindruckt, dass das Silverback Scoop Delight 2018 aus demselben Material gefertigt wird wie Flugzeuge: Aluminium. Long gone! Echt coole Flugzeuge werden ja längst aus Titan und Carbon gebaut. Und so passt der Vergleicht dann doch, denn das Scoop Delight kommt mit seinen Schnellspannern, der Alugabel und der IS Bremssattelaufnahme auf den ersten Blick so altbacken daher wie Flugzeuge aus Aluminium.

Oldschool: Schnellspanner und IS Bremsaufnahme

Doch halt! Detailcheck: vorn verfügt der (Made in China) Rahmen über ein “Tapered” Steuerrohr und kann damit jederzeit um eine Federgabel erweitert werden. In der Mitte findet sich die Möglichkeit, eine Stealth Dropper Post nachzurüsten. Und am Heck sind aufwändige Ausfallenden an drahtig gewundene Sitz- und Kettenstreben gebrutzelt. Saubere Schweißnähte finden sich rundum. Das ist alles auf der Höhe der Zeit.

Hübsches Detail: Silverback Logo in 3D

Ja, der Rahmen ist technisch etwas weniger aufwändig als die höherwertigen Modelle im Silverback Programm (welches wir hier ausführlicher vorgestellt haben). Aber Silverback geht mit dem Scoop Delight 2018 grundsätzlich einen anderen Weg als andere Hersteller, bei denen Entry- und Top-Level Bike derselbe Rahmen mit unterschiedlichen Komponenten sind.

Es geht zweckmäßig zu…

Solid as a rock: der Antrieb

Das Silverback Scoop Delight 2018 spart stattdessen Geld am Rahmen zu Gunsten der Ausstattung und kommt so als stimmiges Einsteiger-Gesamtpaket daher. Geschaltet wird mit einer sauberen Mischung aus Shimano Altus und Alivio. Bis auf die Kette (KMC) und Kurbel (Prowheel) stammen sämtliche Komponenten vom japanischen Schaltungs-Sensei Shimano. Silverback verzichtet diesmal konsequenterweise auf ein teures (und herzlich überflüssiges) Schicki-Micki-XT-Schaltwerk und investiert das Geld statt dessen in eine erstaunlich hochwertige 2-fach Kurbel mit (relativ) leichter Hohlachse aus Stahl. Kaum zu glauben, aber wahr: selbige steckt in einem Satz gedichteter Industrielager! Das Lagerspiel lässt sich sogar präziser (und nachhaltiger) einstellen als bei so mancher Race Face Kurbel!

Hier stecken gedichete Industrielager drin!

Auch die (in dieser Klasse alles andere als selbstverständliche) hydraulische Scheibenbremse steuert Shimano bei. Zwischenfazit: das Zeug ist kein High End. Nein, wirklich nicht. Aber es ist zweckmäßig, ehrlich und verdammt solide.

…und dann nimmt die Begeisterung Fahrt auf!

Aheadkappe samt Schraube sind aus leichtem Alu

Fast schon edel kommen dagegen die hauseigenen Sector Box Anbauteile daher. Lenker, Sattelstütze und Vorbau sind identisch mit den hochwertigen Silverback Modellen. Selbst die feine gefräste Aheadkappe aus Alu samt Aluschraube sind hier an Bord! Ein Hauch Luxus umschmeichelt das Scoop Delight!
Ein echter Kracher sind aber die Laufräder. Das überrascht uns besonders, da wir in dieser Baugruppe an Einsteiger FATBikes (und leider nicht nur da…) gerne mal Parts finden die so dermaßen lieblos sind, dass es die Sau graust. Einfache Felgen, billige Drahreifen und schwere Schläuche sind in dieser Klasse Standard. Tubeless? Dass ich nicht lache…

Die Laufräder machen sprachlos!

Ein Bild, zwei Highlights: Bulldozer Reifen und MuleFüt Felge

Nirgends spart es sich scheinbar so effektiv wie an den Laufrädern… Da reibt man sich als leidgeprüfter FATBike Fan dann zu Recht zweimal die Augen beim Silverback Scoop Delight*… Nicht nur, dass sich hier tausendfach erprobte Sun Ringle Mulefüt Felgen drehen. Diese werden auch noch mit Vee Tire Bulldozer 4.7 Reifen der höchsten Qualitätsstufe (120tpi, Faltbar) bespannt! Fast schon verstörend wirkt dann die Tatsache, dass Silverback nicht nur bereits Tubeless Tape montiert hat, sondern sogar auch noch einen Satz Stan’s Tubeless Ventile mitliefert! Da biste platt. Oder eben genau nicht!

Überraschung: 3 Industrielager, 3 Sperrklinken, Alu-Achse, Double Butted Speichen.

Aber es geht noch weiter! Weil wir bekannermaßen leidenschaftlich gern Dinge zerlegen haben wir kurzerhand die Hinterradnabe zerpflückt und spätestens da waren ernsthaft überrascht! Wie schon das Innenlager verfügen auch die Naben über gedichtete Industrielager. Der Freilauf ist zwar aus Stahl, aber tatsächlich dreifach (!!) industriegelagert und außerdem mit 3 wuchtigen Stahl-Sperrklinken ausgerüstet. Eine Achse aus Aluminium und Double Butted Speichen komplettieren einen Laufradsatz, der samt Reifen im Prinzip im Laden schon fast so viel kosten dürfte, wie das ganze Bike. An dieser Stelle lässt das Scoop Delight selbst etliche deutlich teurere Bikes weit hinter sich.

Einsteiger Bike mit Ambitionen

Schlauch raus, Saft rein. That’s it!

Bei so viel Laufrad haben wir die Einladung zur Schlauchentfernung umgehend angenommen. Immerhin spart das ein gutes Kilo Speck auf den Aluhüften des Scoop Delight, welches dann mit 14.7kg an der Waage baumelt (Rahmenhöhe L, fahrfertig mit 340gr schweren Pedalen und insgesamt 120ml Dichtmilch). Und nun ab damit in den frisch verschneiten Wald.

14.68kg – MIT Pedalen!

Dass die Shimano Schaltung nur 18 (2×9) statt 20 oder 22 Gänge hat – geschenkt. Das spielt in der Praxis bestenfalls eine untergeordnete Rolle, denn das Silverback Scoop Delight ist kein Racer. Dafür klappen die Gangwechsel selbst dann noch sauber und zuverlässig, wenn Schaltwerk und Umwerfer (ja SRAM, es gibt ihn noch!!!) unter einer dicken Schicht Schlamm verschüttet liegen. Die Bremse… Naja… Wir sind ja notorische Nörgler was Bremsen am FATBike betrifft. Ja, die Scheiben sind klein und ja, es gibt leistungsfähigere Systeme. Aber lassen wir die FATte Kirche im Dorf – andere Einsteiger Fatties dieser Preislage setzen auf mechanische Tektro-Bremsen. Tuning lohnt an dieser Stelle aber immer.

Delight heißt Vergnügen

Seitenansicht

Apropos Vergnügen! Die Rahmengeometrie ist ein alter Bekannter: ausgewogenen, leicht Tour-lastig und agil. So geht es entspannt voran. Mit einem Silverback tut Dir nichts weh. Außer vielleicht die Handgelenke… Die Alugabel ist in etwa so nachgiebig wie ein Vorschlaghammer der dich am Kopf trifft. Aber dafür ist sie knacksteif und erlaubt sowohl kraftvolle Antritte ohne Energieverlust als auch saubere, direkte Lenkmanöver.

Erstaunlich wieselig auch auf kurvigen Trails

Die Federarbeit übernehmen ohnehin die exzellenten Vee Tire Reifen, die ohne Schlauch spielend leicht abrollen und Hindernisse aufsaugen wie dicke, FATte Schwämme. Dabei vertragen sich Reifen und Lenkwinkel so gut, dass im Alltag kein Autosteer zu spüren ist. Überhaupt macht es einfach Spaß mit Scoop Delight zu fahren. Es ist kein durchtrainiertes High End Geschoss, aber eine absolut “ehrliche Haut” die einfach für jeden Scheiß zu haben ist.

Schnee? Matsch? Schneematsch? Kann dem Fahrer egal sein…

Und so wieselt man auf seinem Silverback Scoop Delight durch die Welt, erklimmt Berge, rollt über Feldwege, wühlt sich durch Schnee und Schlamm und kann jederzeit auch mal einen verwinkelten Single Trail unter die Stollen legen. Nichts davon passiert auf eine spektakuläre Art und Weise. “Delight” bedeutet ja soviel wie “Vergnügen” oder “Wonne” – und genau das ist es, was das Silverback Scoop Delight bietet.

Was bleibt?

Einfach mal zurücklehnen…

Sitzt, passt, wackelt und hat Luft. Auf den ersten Blick hinterlässt das Silverback Scoop Delight eine gewisse Ratlosigkeit. Warum soll man gleich nochmal mehrere tausend Euro für ein FATBike ausgeben? Okay, es gibt natürlich deutlich hochwertigere, leichtere Rahmen. Es gibt schärfere Geometrien, bessere Schaltungen und Bremsen und edlere Parts. Trotzdem. Das Silverback Scoop Delight hat – ohne Einschränkungen – alles, was ein “Basis-FATBike” braucht – und viel mehr!
Seine Zielgruppe sind Einsteiger, ist aber als Kampfansage zu verstehen. Eine Kampfansage an Hersteller von Baumarkt-Wurfware, die FATBike-Novizen mit billigen (nicht günstigen!) Bikes die Lust auf’s FATte Vergnügen vermiesen. Und eine Kampfansage an all diejenigen, die sich bisher mit dieser Ausrede um ein FATBike gedrückt haben. Schluss mit den Ausreden!

Dass man das Bike neben der von uns gefahrenen Farbkombi “Ocean Teal / Winterfresh Teal“ dann auch noch alternativ in „Zesty Lime / Aston Black“ kaufen kann, schlägt dem Fass irgendwie den Boden aus. Das schaffen die wenigsten Hersteller, egal, was die Bikes kosten.

Die aufgerufenen 899,- Euro* sind damit aus unserer Sicht ein astreiner Preis für ein rundum gut gemachtes Bike.

FATes Bike. Ohne Zweifel!

* Partnerlinks sind wir immer mit “*” gekennzeichnet

3 Responses

  1. Marcus

    Hi FAT Team
    Test ist Super
    Ich hab mir ein Fätti gebraucht geholt ( weil alle immer gesagt haben Fat iss nix) und das Ding ist total Geil LOL Hab in den letzten 20 Järchen nicht mehr so`nen Spaß mit nem Bike gehabt und das mit einem ” günstigen Bike ”
    FATte Grüße Marcus

    Antworten
  2. Jens

    “Silverback verzichtet diesmal konsequenterweise auf ein teures (und herzlich überflüssiges) Schicki-Micki-XT-Schaltwerk” – Könnt ihr mir das erklären? 🙂 Wieso überflüssig?

    Viele Grüße
    Jens

    Antworten
    • Matt

      Hi Jens,

      das XT Schaltwerk ist ja eines der beliebtesten Tuningteil – es soll Menschen geben, die ihre Bike nach dem Schaltwerk auswählen… Schick, leicht, ein wenig leichtgängiger. Aber gerade für Einsteiger bringt es eigentlich keine wirklich handfesten Vorteile, da Schaltpräzision und Haltbarkeit der “niederen” Gruppen inzwischen auch echt top sind. Ist halt nicht so cool, statt XT ein Alivio Schaltwerk zu haben. Aber reicht wirklich aus (das war früher defintiv anders) und daher ist XT hier überflüssig 😉

      FATte Grüße

      Matt

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