Eigentlich war er längst überfällig, der Silverback Scoop Double Test. Das Scoop Fatty hatten wir bereits vor einiger Zeit unter die Lupe (im übertragenen Sinne – eine Lupe braucht man beim FATBike nun wirklich nicht…) genommen. Ergebnis: viel Bike für’s Geld, ein ideales ungefedertes Einsteiger Fatty.

Weichei: was das Silverback Scoop Double so anders macht

Eigentlich könnten wir es uns heute mal schön einfach machen: das Silverback Scoop Double hat eine Federgabel. Haken dran. Was bleibt? Weichgespült!

Weichspüler: das Scoop Double mit Rock Shox Bluto

Tatsächlich besteht für Silverback der einzige Unterschied zwischen einer und zwei Eiskugeln (Scoop) in der verbauten Rock Shox Bluto. Rahmen und übrige Ausstattung sind sich so ähnlich wie zwei Kugeln Vanilleeis vom Italiener um die Ecke.
Auch für seine doppelte Portion hat Silverback sich nicht lumpen lassen und beglückt seine potentiellen Käufer mit einer Mischung aus Shimano Deore und XT. Dabei handelt es sich um die leicht veraltete Version mit 10 Gängen am Heck. Aber hey – mit 20 Gängen hat das Silverback Scoop Double immer noch 9 mehr als die meisten anderen!

Nicht ganz up-to-date, aber unschlagbar vielseitig: 2×10 Schaltung

Freudentränen gibt es auch bei den Laufrädern: wieder wurden die Sun Ringle Mulefüt Felgen mit besten Vee Tire Bulldozer 4.7* Reifen bespannt. Natürlich Tubeless Ready, natürlich mit leichter 120 TPI Karkasse (Erklärung zur Reifentechnik gibt’s hier). Und natürlich sind die Felgen bereits mit Tubeless-Tape tapeziert und die nötigen Ventile liegen im Bikekarton. Der Tubeless-Umbau ist damit so einfach wie eine Schale Müsli zum Frühstück: einfach Milch dazu und fertig! Selbstverständlich? Mitnichten! Derartige Laufradpakete sind dieser Preisklasse alles andere als üblich, Silverback setzt an dieser sensiblen Stelle ein dickes Ausrufezeichen. Ansonsten werft einfach mal einen Blick auf den Scoop Single Test, da findet ihr alle weiteren Ausstattungsmerkmale.

Kanadierin mit hartem Antritt – die Race Face Kurbel

Glaubensfrage

Wir widmen uns stattdessen viel weltbewegenderen Themen: wie fährt sich das Plüschsofa verglichen mit seinem harten Zwilling? Die Frage, ob man am FATBike nun eine Federgabel braucht, ist so alt wie das FATBike selbst. Nach unseren Informationen haben sich daran schon einige handfeste Stammtischprügeleien entzündet. Wir halten es salomonisch: beides ist sinnvoll – je nach Einsatzzweck.

Was wühlt sich durch Unterholz und Dreck? Richtig: ein Bulldozer!

So haben wir das Silverback Scoop Double neben vielen Tourenkilometern auch dort getestet, wo eine Federgabel nicht nur sinnvoll, sondern sogar notwendig ist: auf schnellen, schroffen und krass verblockten Trails. Bei Geschwindigkeiten (weit) jenseits der 30km/h ist ein Teppich aus armdicken Wurzeln mit einem ungefederten Fatty in etwa so spaßig wie Zähne ziehen.

Nicht gerade hübsch, aber absolut vorbildlich! Der Remote Lock Out Hebel

Da Silverback dem Scoop Double sogar ein Remote Lock Out spendiert, kann die Bluto, wenn man sie denn partout nicht einsetzen möchte, auf normalen Touren einfach per Knopfdruck vom Lenker aus blockiert werden. Dann läuft das Scoop Double gewohnt leichtfüßig dahin. Die Reifen haben wir natürlich sofort von der Last ihrer Schläuche befreit, was bleibt ist ein Federgabel-bedingt strammes Gewicht von 14.8kg (Size Medium, Tubeless, ohne Pedale), was gegenüber dem Scoop Fatty exakt 1kg  mehr ist. Dennoch ist das Scoop Double ein genauso gutes Touren-Fatty. Dass die montierte 100mm Bluto etwas höher baut als die Starrgabel des Scoop Fatty und dadurch Lenk- (-1°) und Sitzwinkel (-0.5°) etwas flacher werden, spielt hier bestenfalls eine untergeordnete Rolle.

Bügeleisen

Deutlich mehr Effekt spürt der Pilot jedoch eben dann, wenn der Trail gnadenlos auf das Bike einprügelt. Der recht steile Lenkwinkel macht das Bike auf Trails wendig, die relativ langen Kettenstreben bringen einen stabileren Geradeauslauf, wenn es schnell wird. Gut, man könnte das jetzt auch anders rum interpretieren – aber Silverback Scoop sind nun mal eher Touren-Fatties. Wenn sich das Scoop Double schon dem harten DH und Trail Einsatz stellen muss, wählen wir hier klar die positive Formulierung.

Dicke Wurzeln? Hier fühlt sich das Scoop Double wohl!

Also, ab auf den Trail, Bremse auf und laufen lassen. Das Silverback Scoop Double wird schnell schnell und ist dank kurzem Vorbau und 100mm Federweg sehr gut beherrschbar. Es folgt allen Lenkbefehlen sehr direkt und lässt sich mit ein wenig Fingerspitzengefühl auch durch enge Kurven treiben. Dabei wird jedoch schnell klar: die von Silverback großzügig vorgesehenen Möglichkeiten, eine versenkbare Sattelstütze zu verbauen, sollten Vollgaspiloten schnellstmöglich nutzen. Oder wenigstens einen Sattelschnellspanner anbauen, der fehlt nämlich leider. Nur wenige Dinge sind bergab so sehr im Weg wie der eigene Sattel…

Der schwache Moment beim Silverback Scoop Double Test

Leidet schnell an Burn Out: die Deore Bremse.

Und noch etwas sollte man am besten noch vor der ersten Tour tauschen: die Bremse. Beim deutlich langsameren Scoop Fatty war die Deore Bremse mit 180mm Teller vorn ja noch irgendwie ausreichend… Aber hier? Ein klares Foul. Die Kombination aus Deore Bremse und 180mm Scheibe verlangt angesichts der geringen Reibwerte zwingend, dass man bei hohen Geschwindigkeiten erheblich mehr Überlebensraum einplant, als man mit einer Hochleistungsbremse muss. So gehören Angst in den Augen und brennende Zeigefinger leider zur Show, wenn man mit dem Scoop Double lustvoll von Kurve zu Kurve jagt.
Wer dieses Spiel nur selten spielt, dürfte bereits mit dem Umbau auf eine 203mm Scheibe gut beraten sein. Allen, die es oft und gern mal krachen lassen, raten wir dringend, auf eine ausgewachsene (Vierkolben-)Bremse aufzurüsten. Damit senkt ihr zwar nicht die Prämie für Eure Unfallversicherung – aber die Chance, sie in Anspruch nehmen zu müssen!

Was bleibt?

Klasse Allrounder!

Wie schon das Scoop Fatty ist auch das Silverback Scoop Double ein sehr gutes Tour- und Allroundfatty, welches Dank eines Einstandspreises von gerade einmal 1.599,- Euro* eine fast schon unverschämt gute Preisleistung bietet. Das Fazit des Scoop Fatty Test gilt auch hier ohne Einschränkungen. Dabei erweitert die montierte Rock Shox Bluto den Einsatzbereich noch einmal deutlich und verschafft eine Menge Reserve wenn man erst unterwegs merkt, dass man die Vernunft schon wieder zu Hause vergessen hat…
Den äußerst empfehlenswerten Umbau auf Tubeless macht Silverback dem Käufer angenehm einfach. Eine Dropper Post sollte, eine größer dimensionierte Bremse muss nachträglich verbaut werden, um das volle Potential des Silverback Scoop Double ausnutzen zu können. Mit ein wenig Verhandlungsgeschick bekommt man so für weniger als 2.000,- Euro ein FATBike, das im Alltag kaum Wünsche offen lässt.

 

*Partnerlinks sind, wir immer, mit “*” gekennzeichnet

4 Responses

  1. Björn

    Möchte man bei Shimano bleiben wird es nichts mit 203mm Bremsscheiben. Diese vermeintliche Deore hat den Bremssattel abbekommen, der nur die höheren Beläge aufnimmt. Die am Testbike geziegte SM-RT58 Scheibe wird nur bis 180mm angeboten. Die modernen Sättel ala M615, 640, 675, 785, 7000, 8000 haben niedrigere Beläge und für die gibt es dann die RT66 und Konsorten auch in 203mm.

    Hat jemand einen Tipp für Scheiben anderer Hersteller die eine hohe Reibfläche haben?

    Antworten
    • Matt

      Hi Björn,

      vielen Dank für Deinen sehr hilfreichen Kommentar. Tatsächlich war uns das so auch noch nicht bewusst, von daher: again what learned!

      FATten Dank

      Matt

  2. jockie

    Ich habe auch lange mit dem Scoop Double geliebäugelt, mich dann letztlich aber doch für den ungefederten 2016er PANZER von Mondraker entschieden. Auch mit 2×10, allerdings von SRAM.
    Gründe dafür waren die längere Geometrie des PANZERs und die Gewinde am Rahmen, um ab und an mal einen Gepäckträger installieren zu können.
    Mit der Entscheidung kann ich weiterhin sehr sehr gut leben. Vor allem wegen des 2×10. Mit 22:36 kommt man eben wirklich gemächlich noch sehr viele Trails hoch, wo 1×11 schon schlapp macht. Dank der längeren Geometrie bleibt das Vorderrad dabei auch lange artig am Boden.
    Irgendwie wurde das schleichend dann sowieso das sehr spaßige, vorwiegende Nutzungsszenario: Mich Trails hochschrauben, die ich sonst immer nur runtergefahren bin.

    Antworten
    • Matt

      Hi Jockie,

      danke für den kurzen Erfahrungsbericht. Stimmt, die Klettereigenschaften des Panzer sind enorm. Vielleicht baust Du ja mal eine Federgabel ein – dann wirst Du Dich nicht mehr entscheiden können, ob Du die Trails lieber rauf oder runter fährst 😉

      FATte Grüße

      Matt

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