Bei unsere kürzlichen Ausritten auf dem Canyon Dude 8.0 Trail hatten wir es mit einem Bike zu tun, dass das Prädikat „Gut“ redlich verdient hatte. Aber das Bessere ist ja bekanntlich der Feind des Guten – womit wir beim Canyon Dude 9.0 wäre. Dass der natürliche Feind ausgerechnet aus der eigenen Familie kommt, liegt irgendwie auf der Hand – letztlich ist die Plattform identisch. Lediglich der Aufbau unterscheidet sich. Und der hat es in sich. Schauen wir uns das Ding mal genauer an!

Du hast keine Chance. Nutze sie.

Fällt auf jeden Fall auf!

Okay, am Ende des Testberichts des Dude 8.0 Trail haben wir Canyon wirklich kaum eine andere Wahl gelassen, als uns auch noch das Flaggschiff hinzustellen. Und das hat tatsächlich geklappt – wie geil! Ein Bike, an dem praktisch alle Schwachpunkte des 8.0 beseitigt sein sollten UND das dazu noch den zum Ablecken schönen Rahmen des ungefederten Canyon Dude 8.0 hat, klingt einfach zu verlockend. Wie immer haben wir die wichtigsten Infos zum Bike in unserer beliebten „FATBike-in-a-Box“ zusammengefasst.

FATBIKE-IN-A-BOX (Drück mich!)

Alle Daten entsprechen der von uns getesteten Größe „L“

Sitzrohr 490mm
Oberrohr 642mm
Sitzwinkel (effektiv) 74°
Lenkwinkel 68,5°
Kettenstrebe 439mm
Radstand 1,182mm
BB Höhe/Absenkung —mm/60mm
Federweg vorn 100mm
Federweg hinten 0mm
Stack 652mm
Reach 455mm
Hinterbaubreite/Achse 197/12mm Steckachse
Gewicht Komplettbike (ohne Pedale) 13,8kg

O’zapft is!

Getreu dem Motto „Klotzen statt Kleckern“ hat Canyon für den Dude 9.0 Trail das Fass angestochen und mit einer großen Kelle eingeschenkt. Die 9.0er Version des Dude kommt entsprechend süffig daher: Manitou Mastodon Pro statt Rock Shox Bluto, DT Swiss BR2250 statt BR2300 Räder, Sram GX Eagle statt NX Eagle und ein anständiger Fizik Sattel statt dem Gummi-Thron des 8.0.

Im Zeichen des Mammuts

Ein sattes Upgrade gibt es auch bei der Bremse: am Dude 9.0 Trail beißt eine Sram G2 RSC auf die Bremsscheiben, und das sowohl vorn als auch hinten mit 4 Bremssätteln. Größter Vorteil dieser Bremse ist die geniale Vorstellbarkeit der Bremshebel, die sich ohne Werkzeuge in Sekunden auf wirklich jede Hand- und Fingergröße anpassen lassen.

Spaß-Bremse: die G2 RSC

Und apropos Handgröße: für die korrekte Mensch-Maschine-Verbindung am Lenker sorgen am Dude 9.0 Trail hochwertige Ergon Griffe.

Unbändig 9.0: das „Grand Cayon“.

Das beste Pferd im Canyon FATBike Stall: das Grand Canyon

Der Rest vom Schützenfest – Race Face Komponenten, Dropper Post oder die vier/nuller Jumbo Jim Reifen – ist bei beiden Bikes identisch. So wie, grundsätzlich bis auf die Farbe, auch der Rahmen. Hier hat Canyon die Basis des Dude 8.0 (ohne Trail) im irren Blaze Orange gewählt. Zum Glück, denn das Ding sieht vor allem in der Sonne einfach nur mega aus! Unsere ganze persönliche Meinung: wenn wir uns einen Canyon Dude backen dürften, der 9.0 Trail hat bis auf Details das richtige Rezept.

Eine Farbe zum dran lecken!

Das zahlt sich auch beim Fahreindruck aus, wobei dieser Verdienst zum allergrößten Teil auf das Konto der Manitou Federgabel geht. Auch, wenn sie auf dem Datenblatt mit 10mm weniger Federweg auskommen muss als die Bluto des Dude 8.0 Trail verändert sie den Dude nach Strich und Faden. Das Fahrverhalten ist wesentlich direkter, stabiler und es gibt viel mehr Trail-Feedback.

Performance-Geheimnis: die Mastodon Pro

Dank der von außen einstellbaren High Speed Zugstufendämpfung lässt sich die Mastodon perfekt auf den vier/nuller Jumbo Jim anpassen. 0.5 bar in die Pelle pressen, die High Speed Dämpfung 2 Klicks im Uhrzeigersinn schließen (ab Anschlag) und Reifen und Gabel vereinen sich zu einer Symphonie aus Federung und Dämpfung. Oder, weniger geschwollen dahergeredet: das Teil geht ab wie Schmidt’s Katze und liegt wie ein Brett auf dem Trail.

Der Canyon Dude 9.0 Trail: fast perfekt.

Sram sorgt auch für den Vortrieb

Nimmt man noch die präzise Schaltung, die etwas leichteren Laufräder und die bissigen Anker dazu, dann ist der Canyon Dude 9.0 ein Bike, dass sich in nahezu jeder Lebenslage unbändig durch seine Umwelt fräst. Der sehr steife Carbonrahmen hilft (wie natürlich bei allen Dudes) zusätzlich, da er alle Kräfte – Beschleunigen, Lenken, Bremsen, etc. – mühelos unter Kontrolle hält. So macht es am Ende irre viel Spaß, den Canyon Dude 9.0 zu fahren einfach, weil er so rasiermesserscharf reagiert. Egal, ob du nun locker durch den Wald rollst oder wie vom Matz beschnuppert über deinen Lieblingstrail hämmerst – der Dude ist dein Freund.

Erfolgsrezept aus der Schweiz: DT Swiss BR2250

Ein paar kleine Optimierungsmöglichkeiten hat Canyon dem zukünftigen Dude-Owner dabei aber doch noch gelassen. Wir empfehlen dringend den Umbau auf Tubeless oder leichte Revoloop Schläuche. Hier lauern bis 700 Gramm Gewichtsersparnis. Und die Anker freuen sich über ein 200mm Upgrade am Bug – bei Bremsleistung gilt ja bekanntlich: mehr ist IMMER mehr!

Hinten reicht die Bremsscheibe, vorn darf’s gern noch etwas mehr sein.

Ob die vier/nuller Jumbo Jim Reifen zum persönlichen Fahrstil passen, muss jeder für sich entscheiden – auf eine Allround Trailmaschine wie dem Dude 9.0 Trail machen sie zumindest keine wirklich schlechte Figur.
Nur die weiterhin sehr hohe Lenkerposition ist leider auch beim Dude 9.0 Trail ein kaum lösbares Theme – hate it or love it.

Was bleibt?

Für jeden Scheiß zu haben!

The Grand Canyon – das groß(artig)e Canyon – mit diesem Prädikat verlässt der Canyon Dude 9.0 Trail unsere Hallen. Das Bike ist die Optimierung des grundsoliden Dude 8.0 Trail: mehr Ausstattung, mehr Performance, mehr Leidenschaft. Und er ist – als Topmodell naturgemäß – das feinste Fatty, das Canyon an die Ladentheke schiebt. Die knappen 400 Euro Aufpreis zum Dude 8.0 Trail sind angesichts der deutlich verbesserten Ausstattung ein gutes Investment. Blaze Orange mag nicht jedermanns Sache sein. Aber wer den Stealth Mode bevorzugt, kann ich immer noch zum Dude 8.0 Trail greifen und langsam aufrüsten. Preislich ist der Dude 9.0 Trail allerdings dann nicht mehr zu schlagen.

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