Ein Dude kommt selten allein, sagt man. Naja, eigentlich „Duke“, aber wer wird kleinlich sein… Nur wenige FATBike Hersteller haben noch mehrere Modelle im Programm, und noch seltener haben wir mal die Gelegenheit, zwei davon direkt im Vergleich testen zu können. Womit wir beim Canyon Dude CF 8.0 Trail wären, dessen hart gekochten Bruder – den Dude CF 8.0 ohne „Trail“ – wir erst vor kurzem hier vorgestellt haben. Heute widmen wir uns der Trail-Variante des Dude, der doch weit mehr ist als ein Abklatsch mit Federgabel. Aber eins nach dem anderen!

Canyon Dude CF 8.0 Trail – Die Trailmaschine

Der Name ist Programm: Canyon Dude CF 8.0 Trail

Schauen wir uns zuerst mal die technischen Daten an. Alles, was wir zum Dude CF 8.0 geschrieben haben, gilt hier genauso. Anders als der Dude CF 8.0 (den wir aufgrund der umständlichen Schreibweise ab sofort „Rude Dude“ – den harten DUDE – nennen werden) posiert der Dude CF 8.0 Trail aber genau mit den Details, die FATBike Puristen den Angstschweiß auf die Stirn treiben: Federgabel, Dropper Post und dürre vier/nuller Schlappen.

Und was steht auf meinem Rücken?? Ein Klassiker…

Aber für eben jene Puristen wurde dieses Bike halt auch nicht gemacht. Hier sollen sich leidenschaftliche Trail-Heizer angesprochen fühlen, die mit der Eleganz einer (zugegeben leicht übergewichtiger) Gazelle um die Ecken zischen wollen. Die „Rahmendaten“ findet ihr im Artikel zum Rude Dude.

Potenzial im Detail

Da passt auch noch ein Umwerfer dran.

Da wir Verpackung und Zubehör bereits im Artikel zum Rude Dude beschrieben haben, gibt’s jetzt ein paar Fakten zum Potential, das im Dude steckt – und wie man es nutzt. Erstmal ist der Rahmen mit der Möglichkeit gesegnet, die Kettenstrebenlänge und damit den Radstand anzupassen: lang für besseres Klettern und stabileren Geradeauslauf. Oder kurz für mehr Wendigkeit. Nun ist es nicht direkt eine Überraschung, dass Canyon den Dude CF 8.0 Trail bereits ab Werk kurz (und den Rude Dude lang) konfiguriert. Aber: mit nur wenigen Handgriffen ist das angepasst:

Umbau rechte Seite: Einfach den Einsatz raus drücken…
…und anders rum wieder einsetzen.

Dazu noch die Bremse auf die hintere Position geschraubt und fertig ist der Lack. Und apropos Bremse: die an sich vorsintflutliche IS Bremsaufnahme macht hier perfekt Sinn. Denn so muss man den Bremssattel nach der Anpassung nicht neu einstellen.

Und was ist mit den Reifen?

Ein Achter darf nicht im Rad sein. Aber dann passt der JJ 4.8

Aufmerksame Leser werden sich nun fragen: passt im kurzen Radstand trotzdem ein anständiger Reifen? Zugegeben, von der Antwort waren wir selbst überrascht – aber tatsächlich: der Jumbo Jim 4.8 kuschelt sich wohlig in’s knapp bemessene Eck! Und, Achtung Spoiler, selbst der Terrene Johnny 5 lässt sich überstülpen. Die Dude Design Dudes dürfen sich also zufrieden über den Bauch streichen: Wendigkeit und dicke Pellen schließen sich hier nicht aus.

Vor allem bei kurzem Radstand schützt ein Einsatz aus Metall den Rahmen vor verbogenen Bremsscheiben

Und wo wir gerade bei den Pellen sind – Canyon stopft ein paar Schwalbe Gummi-Schläuche in die edlen DT Swiss Räder. Das macht für ein Großserienbike natürlich absolut Sinn. Wir haben die Schläuche trotzdem mal nachgewogen: ca. 420-430 Gramm das Stück. Speaking about potential… Mit einem Umbau auf Tubeless (Anleitung hier) oder Revoloop Schläuche lässt sich so nochmal ein gutes Pfund ab- und dem Dude zusätzlicher Biss antrainieren.

DT Swiss BR 2250 vs. BR 2300

Sram NX. Die Einsteiger SRAM Eagle Gruppe.

Bleibt noch die Frage, was genau den Unterschied bei den Laufrädern macht, denn wenn es um DT Swiss ging, war bisher bei uns immer die Rede vom BR2250 Laufradsatz. Auch hier liegt der Unterschied im Detail, genau genommen in der Arbeitsweise des Freilaufs. Während die BR2250 auf die legendäre DT Swiss Technik der Stirnverzahnung („Ratchet System“) bauen, setzt die Hinterradnabe des BR2300 Satzes auf 3 herkömmliche (aber sehr massive) Sperrklinken („Pawl-System“):

Mittig im Bild gut zu sehen: die 3 Sperrklinken

Zumindest in der Theorie ist das ein Nachteil, denn während eine Stirnverzahnung im Prinzip nahezu unzerstörbar ist, kommen gebrochene Sperrklinken, Federn oder Zahnringe durchaus schonmal vor. Ob sich aber auch die DT Swiss Naben mit derartigen Banalitäten herumschlagen müssen, können wir mangels Langzeiterfahrung nicht sagen. Andererseits verrichtet dieses Technik in mehreren bei unseren Bikes verbauten Hope Naben seit Jahren zuverlässig ihren Dienst. Und: der Knattersound von 3 Sperrklinken ist unbezahlbar!!!
Durchaus griffig wird das Ganze, wenn man auf Shimano 12-fach oder eine höhere SRAM Eagle Gruppe aufrüsten möchte: hier muss zwingend auf den passenden Wechsel-Freilauf geachtet werden.

Easy like Sunday morning!

Easy like Sunday morning.

Aber verlassen wir das verminte Parkett der Stammtischtheorien und widmen uns solider Praxis. Der Dude CF 8.0 Trail soll … naja … eben gut auf Trails sein. Und die DNA stimmt: (relativ) kurzer Radstand, agile Reifen, eine spritzige Geometrie. Kurz gesagt: Canyon liefert! Die Sitzposition ist sehr gut ausbalanciert, man kommt bergauf wie bergab gut voran ohne Energie in einer schlechten Haltung zu verplempern. Der Trail Dude beschleunigt wie ein wildes Pony und zischt genauso knackig um die engsten Kurven. Dropper Post und 100mm Federweg sorgen für ausreichend Reserven für eine Portion Extraspaß, eine kurze Unachtsamkeit oder einen Überraschungstreffer. Und die leistungsstarke Vierkolben-Bremse am Vorderrad verwandelt Speed zuverlässig in Hitze und stampft die Geschwindigkeit auf das gewünscht Maß ein. Durch den kurzen Radstand büßt der Trail Dude geringfügig Steigfähigkeit ein, lässt sich aber deutlich williger um enge Kurven zirkeln.

Rettung im Fall der Fälle: der stabile Lenkwinkelanschlag

Dabei sticht vor allem die Sicherheit in’s Auge, die der Dude ausstrahlt, ein Gefühl von Leichtigkeit und davon, die Dinge jederzeit unter Kontrolle zu haben. Dude fahren ist, wie lässig mit dem Finger zum Faith No More Klassiker zu schnipsen. Locker, flockig, easy . Easy like Sunday morning.

Perfekt? Nicht ganz.

Fluch und Segen: das lange Steuerrohr

Ein großer Teil dieser Sicherheit kommt von der hohen Lenkerposition… Womit wir die Grauzone der Meckerecke betreten. Die Kritikpunkte des Rude Dude gelten auch hier. Aber bedingt durch den geplanten Einsatzzweck verwehren dem Dude CF 8.0 Trail noch ein paar weitere Details den Einzug in die Hall of Fame. Da wäre eben das sehr lange Steuerrohr und die damit zwangsweise sehr hohe Lenkerposition. Es mag eine Frage des Fahrstils sein. Aber gerade im Wiegetritt an steilen Anstiegen oder in aggressiven Kurvenkombinationen kommen sich Lenker und Oberkörper ungewohnt nahe. Wirklich grenzwertig wird das Setup beim Einbau einer höheren Gabel. Hier bietet der Rahmen dann keine Möglichkeit mehr, die Änderung der Lenkerhöhe auszugleichen.

Straight on: die Sitzstreben könnten ein wenig mehr „Swing“ vertragen

Und auch die gerade Sitzstreben erweisen sich insbesondere bei fahraktiven Trailpassagen als hinderlich – jeder Kontakt mit der Ferse stört die Konzentration.

Gut, aber nicht sehr gut. Die Bluto RL

Last but not least hat der Dude mit den Einschränkungen der verbauten Rock Shox Bluto RL zu kämpfen, die mit ihrer inzwischen gut 6 Jahre alten Technik nicht mehr mit einer modernen Gabel mithalten kann. Beides kann man verschmerzen.

Problem? Lösung!

Aber: im Canyon Dude CF 8.0 Trail steckt schlichtweg viel ungenutztes Potenzial. Immerhin hat Canyon die Bluto ab Werk mit 2 Token getunt, was den Durchschlagschutz bei geringerem Luftdruck erhöht und so dem Ansprechverhalten zu Gute kommen kann.

Token in der Bluto. In Serienbikes eine Seltenheit!

Eine smarte Maßnahme für die Nutzung der serienmäßigen vier/nuller Reifen. Diese Mühe macht sich kaum ein Hersteller und es zeigt, dass sich Canyon auch im Details Gedanken gemacht hat.
Alle, die nun achselzuckend durch die Meckerecke gekommen sind, werden wohl glücklich werden. Für die, die unsere Kritik verstehen, gibt es ja noch den Canyon Dude CF 9.0 Trail und damit zumindest fahrwerksseitig eine Lösung.

Was bleibt?

Überzeugendes Gesamtpaket: der Dude CF 8.0 Trail

Für sich genommen überzeugt der Dude dennoch auf ganzer Länge. Das Fahrverhalten ist narrensicher und ermöglicht selbst weniger versierten Fahrern eine souveräne Performance. Von kundiger Hand bewegt, macht der Canyon Dude CF 8.0 Trail mächtig Laune und ihm geht erst sehr spät die Puste aus. Nimmt man noch den Preis von 2.599,- Euro in die Betrachtung, bekommt man verdammt viel Bike fürs Geld. Für die Wenigen von uns, die den Dude CF 8.0 Trail im Alltag tatsächlich ausreizen (oder es einfach noch ein wenig luxuriöser mögen) testen wir demnächst das Flaggschiff Dude CF 9.0 Trail.
Für alle andere ist der Canyon Dude CF 8.0 genau das, was er sein will: ein guter Kumpel, mit dem man eine Menge Spaß haben kann. Nicht nur auf Trails. Aber vor allem dort.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.