2020 war ein Jahr zum vergessen? Nun ja, das liegt im Auge des Betrachters und hatte sicher viel mit Timing und Glück zu tun… Aber eins ist Fakt: dem Bike im Allgemeinen und dem FATBike im Speziellen hat die größte globale Ausnahmesituation seit dem 2. Weltkrieg einen unglaublichen Schub gegeben. Denn anstatt, wie von vielen „Fachleuten“ immer wieder vergeblich herbei orakelt, sang- und klanglos im Erdboden zu versinken, erlebt das Fatty eine echte Wiedergeburt. Man sieht sich eben immer zwei Mal im Leben.

2021 lässt grüßen: der neue Dude

Aber wir schweifen ab. Worauf wir eigentlich hinaus wollen ist, dass anstatt einfach aufzugeben tatsächlich einige Weiter- und Neuentwicklungen auf uns FATBiker zukommen. Womit wir – unter anderem – bei Canyon wären, die heute mit dem 2021er Dude den Auftakt machen.

Der Canyon Dude 2021: go big or go home?

Heute, genau wenn dieser Artikel online geht, stellt Canyon den neuen Dude für 2021 vor. Und da ist er auch gleich, der Paukenschlag: ab sofort rollt der Dude – immerhin eines DER FATBikes der ersten Stunde hier in Europa – auf 27.5″ FAT Rädern durch die Welt.

27,5 FAT. Überraschung!

Und es bleibt selbst auf den zweiten Blick spektakulär: den Laufradsatz fertigt tatsächlich kein geringerer als DT Swiss. Unter der Bezeichnung „BR 2250“ wird er vorerst exklusiv für Canyon verfügbar sein. Das kennen wir ja schon vom 26″ BR 2250 – der inzwischen für jeden erhältlich und einer der besten und bewährtesten Laufradsätze für FATBikes am Markt ist.

Wer hätte das gedacht…

Und noch ein Paukenschlag versteckt sich am Bike. Erstmals verzichtet Canyon vollständig auf die Möglichkeit, einen Umwerfer zu montieren. Am 2021er Rahmen des Dude wurde alle nötigen Details entfernt, es gibt weder die nötigen Gewinde im Rahmen noch Durchführungen für den Bowdenzug.

Hier waren bisher Löcher im Rahmen. Vorbei!

Diese Entwicklung ist aus Sicht des gesamten Bikemarktes nur konsequent, dürfte dem einen oder anderen FATBiker aber Fragezeichen auf die Stirn zaubern.

Maxxis liefert den Maxi Reifen

Bekannter Beißer: der Maxxis Minion

Aber nochmal zurück zu den Laufrädern. Die Pellen stellt Maxxis zur Verfügung, in Form einer reichlich abgespeckten Version der furiosen Minion FBF/FBR. Schlanke 3.8″ Breite sorgen für einen athletischen Auftritt und halten die Bauhöhe im Rahmen – im Durchmesser fällt der Reifen ca. 1cm größer aus als der bisher montierte Jumbo Jim 4.0. Wie schon bisher bei Canyon üblich werden die Bikes mit Schlauch ausgeliefert. Ob DT Swiss sich nun endlich überwindet und seine perfekt Tubeless geeigneten Laufräder auch für den Tubeless Betrieb freigibt, steht wohl irgendwo im Schweizerischen Sternenhimmel.

8 oder 9. Du hast die Wahl.

Ebenfalls abgespeckt wurde das Line Up. Gut, der Dude 8.0 Trail war sowieso irgendwie das Stiefkind der Familie – so tut es nur begrenzt weh, dass es in Zukunft nur noch 2 Versionen des Dude geben wird: einen ungefederten Dude CF 8 und einen Dude CF 9 mit Federgabel.

Nix mehr mit pummelig – sehnig und durchtrainiert geht es 2021 zu!

Die Bezeichnung „Trail“ verschwindet ebenso wie das Zwischenmodell. Weitere Unterschiede gibt es bei der Schaltung (Dude CF 8: SRAM SX Eagle, Dude CF 9: SRAM GX Eagle), Bremsen (8: Shimano MT420/MT400, 9: SRAM G2 RS) und dem Sattel (8: Selle Italia X-Base, 9: Ergon SM 10). Die Dropper Post haben ab dem Modelljahr 2021 beide Modelle, auch die übrigen Komponenten sind identisch.

SRAM GX Eagle am Dude 9

Die 13.8kg Dude CF 8 stehen für 2.199,- Euro im Katalog, 1.1kg mehr Fleisch gibt’s beim Dude CF 9 für 2.999,- Euro.

Canyon Dude CF 9 2021. Der erste Eindruck.

Wie ihr an den selbst gemachten Bilder sehen könnt, sind wir dank Canyon bereits seit einiger Zeit mit einem Vorserienmodell des Canyon Dude CF 9 unterwegs und werden hier in Kürze auch einen ausgiebigen Testbericht bringen. Einen ersten Eindruck wollen wir euch aber nicht vorenthalten, zumal wir den 2020er Dude CF 9.0 Trail zum Direktvergleich stehen haben.

Ein kleines bisschen 2020 Dude 9.0 Trail schimmert noch durch!

Erster Gedanke beim „Unboxing“. Puh… Schwer?!? Ein Blick auf die Waage bestätigt den sensiblen Unterarm: gemessen am alten Dude 9.0 Trail schleppt der neue 2021er Dude CF 9 ein ganzes Kilogramm mehr mit sich rum und ist mit fast 15kg (ohne Pedale, mit Schläuchen, Größe L) nicht wirklich ein Leichtgewicht. Da die übrigen Komponenten einigermaßen identisch zum 2020er Modell sind, sitzt der Bauchspeck wohl in den Rädern.

Der Canyon Dude CF 9 2021 – wir haben da einen Verdacht…

Zweiter Gedanke nach dem Zusammenbau: Wow… Dynamisch! Die großen Laufräder samt 27,5 Zoll „Niederquerschnittsreifen“, die lange Gabel und die dadurch etwas flacheren Winkel lassen den 2021er Dude CF 9, dynamisch, ja fast sogar drahtig durchtrainiert daherkommen. Da steht er nun und lockt: „Los komm, lass uns einen Downhill fahren! Du willst es doch auch!“.

Liebt Trails, ist aber nicht mehr ganz so zackig.

Dritter Gedanke beim Losfahren. Puh… Hoch?!? Tatsächlich ist statt der bisher verbauten 100mm Mastodon in „STD“ Bauhöhe nun eine 120mm Version in „EXT“ Konfiguration an Bord. Plus 5mm mehr Radius am Reifen ist der Lenker also ganze 4.5cm höher als noch am Dude 9.0 Trail aus 2020.

Sieht nicht nur mega aus, baut auch mega hoch: 2021er Mastodon Pro EXT

Bei den Testfahrten auf unseren Lieblingstrails haben wir dann die volle Evolution des Dude – im wahrsten Sinne des Wortes – erfahren. Und wie es größere Räder, mehr Gewicht und flachere Winkel schon vermuten ließen, ging es tatsächlich weniger verspielt, weniger handlich und weniger aggressiv zu. Der Dude ist geduldiger, ruhiger und (noch) stabiler als früher geworden. Wir haben da so einen Verdacht: sollte sich der 2021er Canyon Dude CF 9 etwa in die Welt des Enduro wagen? Denn was ein wenig nach Langweile klingen mag, sind die Eigenschaften, die ein Bike bergab erst so richtig schnell werden lassen. Finden wir es heraus! Aber nicht heute!

Was bleibt?

Wir sehen uns!

Eine gute Nachricht, Freunde! Mit dem Canyon Dude 2021 wird ein hervorragendes Fatty weiter entwickelt und der Welt eine neue Evolutionsstufe vorgestellt. Wir haben auf 27.5 FAT schon länger ein Auge geworfen und verfolgen diesen Trend gespannt. Allerdings verändert sich mit dem neuen Laufradmaß auch das Bike und seine Fähigkeiten. Was das genau heißt und warum alle, die den Dude so lieben, wie er bisher war, dennoch nicht verzweifeln müssen, werden wir demnächst in unserem Testbericht in gewohnter Ausgiebigkeit erklären. Nur, wer beim spektakulären Blaze Orange des Dude 8.0 bzw. 9.0 Trail feuchte Hände (oder mehr) bekommen hat, der sollte sich beeilen und die aktuellen Sonderangebote nutzen. So schrill und bunt wird es 2021 nicht mehr zugehen!

4 Responses

  1. Uwe Trettin

    Peter:
    Nur vorweg : ich habe keinen „Schuss in der Birne “ ….
    Gerade mit den 4.8er Reifen fährt es sich besonders entspannt. 0,35 vorne, 0,45 hinten bei meinen 82 kg .
    Entspannt, ohne allzu viel Schläge auf Mensch und Material. Natürlich mit Schlauch , da die Reifen entsprechend Strecke und Witterung regelmäßig getauscht werden. Schöne entspannte Touren bis 100 km am Stück , natürlich werden auch Singletrails, Downhills , Treppen usw mitgenommen wenn sie auf dem Weg liegen . Das Ganze hat sich in unserer MTB Gruppe bewährt, wo immerhin 5 Fatbiker mitfahren.
    Nur mal so zum Nachdenken……

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  2. Uwe Trettin

    Was soll ich mit 3,8 Zoll wenn ich 4,8 Zoll haben kann ?
    Und was soll ich als Tourenbiker ohne Umwerfer tun ? Im Stadtverkehr zieh ich mit der Original 2×11 locker auf über 40…..
    Und das Gewicht?
    Kann mich nicht begeistern……

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