Einige von uns können sich ja vermutlich noch an das Jahr 2000 erinnern. Neben allerlei Besonderheiten erblickte ein legendärer Film mit Ashton Kutcher das Licht der Welt: Ey Mann – Wo is‘ mein Auto? Und eine, nicht minder legendäre Textzeile aus diesem Film hat es – bis heute – in unseren Sprachgebrauch geschafft: „Ey Mann, was steht auf meinem Rücken???“. Die Antwort lautet entweder „Sweet!“ oder eben „Dude!“. Womit wir, vielleicht etwas weit hergeholt aber trotzdem treffend, beim Canyon Dude wären. Denn: Ey Mann, was steht auf seinem Rücken?? Duuuuude!!!!

¡Ay, dios mío! Dos Muchachos???

Si! Denn zum Test sind diesmal gleich zwei Dudes in unserer Redaktion angerückt – der puristische Dude CF 8.0 und sein durchtrainierter Bruder Dude CF 8.0 Trail.

Doppel-Dude: heute ist der „Rude Dude“ dran!

Das gibt uns die Möglichkeit, den Artikel zum Dude inhaltlich ein wenig aufzuteilen. Heißt: heute geht es uns um den Dude CF 8.0. Etliche Details und Hintergründe findest du dann im bald folgenden Artikel zum Dude CF 8.0 Trail. Und zu guter Letzt werden wir auch beide Bikes nochmal vergleichen und der fast schon philosophischen Frage nachgehen, welcher Dude nun der bessere Kumpel ist. Und falls du nun Angst hast, was zu verpassen, dann sei uns der Hinweis auf unseren Newsletter erlaubt – für den du dich ab sofort wieder über unsere Startseite eintragen kannst.

Canyon Dude CF 8.0 – der Kumpel unter den FATBikes?

FATBike. Ganz klassisch

Also, heute ist der Canyon Dude CF 8.0 dran. Im 2020er Canyon Line Up besetzt er den Platz des Vollblut-FATBikes. Federgabel, Dropper Post, dürre vier/nuller Schlappen? Nope, suchst du hier vergebens. Der Dude CF 8.0 ist ein Fatty nach der reinen Lehre: FAT und pur. Für alle Interessierten haben wir die „Rahmendaten“ wieder in unserer „FATBike-In-A- Box“ zusammengestellt:

FATBIKE-IN-A-BOX (Drück mich!)

Alle Daten entsprechen der von uns getesteten Größe „L“

Sitzrohr 490mm
Oberrohr 642mm
Sitzwinkel (effektiv) 74°
Lenkwinkel 68,5°
Kettenstrebe 439mm
Radstand 1,182mm
BB Höhe/Absenkung —mm/60mm
Federweg vorn 0mm
Federweg hinten 0mm
Stack 652mm
Reach 455mm
Hinterbaubreite/Achse 197/12mm Steckachse
Gewicht Komplettbike (ohne Pedale) 13,2kg

Schon auf den ersten Blick sagt uns unser Bauchgefühl, dass der Dude CF 8.0 ein treuer Begleiter selbst unter den widrigsten Bedingungen ist.

Es gibt keine zweite Chance für einen ersten Eindruck…

…und Canyon liefert ab. Sprichtwörtlich, denn die Bikes werden zum großen Teil auf dem Versandweg zugestellt. Der geneigte Käufer muss also bereits beim Öffnen des Kartons mit der vollen Wucht der „Canyon Experience“ getroffen werden.

Hübsch angerichtet: das Zubehör

Hier ist alles so aufbereitet, dass sich sofort ein heimeliges Gefühl einstellt. Neben dem Bike der Begierde findet sich ein ausgesprochen umfangreiches Zubehörkit im Karton. Die mitgelieferten Werkzeuge sind so komplett, dass sogar ein – rudimentärer aber durchaus funktionaler – Drehmomentschlüssel dabei ist. Dabei braucht man den ganzen Schnickschnack nicht mal.

Hey Mann, was steht auf meinem Rücken???

An unserem Bike musste nur noch das Vorderrad installiert und der Luftdruck justiert werden. Alles andere war fahrbereit montiert und eingestellt. Und selbst die Menge an Verpackungsmüll hält sich erfreulich in Grenzen. Zwischenfazit: das Erlebnis „Dude“ beginnt bereits beim Auspacken.

Was ist dran?

Ausstattungsseitig bleibt Canyon mit dem Dude CF 8.0 auf der sicheren Seite. Natürlich ist der Carbonrahmen samt passender Gabel schon an sich ein Highlight, auf das wir gleich noch eingehen. Der mit FATten vier/achter Jumbo Jim bespannte BR 2300 Laufradsatz entstammt der Schweizer Laufradschmiede DT Swiss, besitzt im Gegensatz zum bekannten BR 2250 jedoch einen konventionellen Freilauf mit Sperrklinken anstatt Stirnverzahnung. Die übrigen Teile sind solide Hausmannskost.

SRAM NX und einstellbarer Hinterbau

Sram’s Einstiegs-Zwölfender NX Eagle koppelt Beine und Hinterrad, ein wenig Race Face hier, ein paar Teile aus dem Canyon Regal dort. Pedale konnten wir im Paket keine finden. Den Tiefpunkt der Ausstattung markiert aus unserer Sicht der Selle Italia Sattel mit Gummioberfläche.

Vier Kolben für ein Hallelujah

Das Schmankerl ist die Bremsanlage, sonst unser liebster Kritikpunkt. Zwar handelt es sich um eine Standard Bremse aus dem Shimano Regal. Aber Canyon verbaut ab Werk vorn eine bissfeste 4-Kolben Bremse mit 180mm Scheibe, die – sauber eingebremst – knackig stoppt! Vorbildlich!

Bike-Erotik in Blaze Orange

Sprechen wir über das Herz des Dude – seinen Rahmen. Es ist natürlich immer Geschmacksache. Aber Blaze Orange… Da kippt die Kinnlade schonmal runter. Vor allem, wenn die Sonne drauf scheint. Alter, ist das geil!! Canyon bietet den Rahmen in 3 Größen an, wobei die größte Variante, „L“, nicht wirklich für „Lulatsch“ steht. Bei einer Bauhöhe über 1,90m wird’s für den Fahrer dann langsam recht eng. In der Theorie des Datenblatts ist der Dude ein wendiges Fatty. Nur das aus fast schon bizarr lange Steuerrohr und die damit hohe Lenkerposition lassen eine Augenbraue noch oben zucken.

Steuersatz mit Anker gegen verdrehte Lenker

Den Dude Carbon Rahmen auf sein Datenblatt zu reduzieren, wäre aber zu kurz gedacht. Denn im Detail liefert der von Canyon einst selbst entwickelte (sagt zumindest Canyon) Rahmen erstaunliche Lösungen. So gibt es nicht nur eine einlaminierte Alu-Platte gegen zerstörerische Kettenklemmer. Auch im Fall einer verbogenen Bremsscheibe gräbt sich diese nicht wild in den Rahmen sondern prallt an einer Metallplatte ab. Ähnlich verhält es sich auch mit der Gabel, die im Crash-Fall von einem robusten Anker am Oberrohr eingefangen wird, bevor Lenker, Shifter oder Bremsgriff ein Loch in selbiges reißen.

Fast perfekt…

Auch an alle denkbaren Nachrüstungen wurde gedacht. Umwerfer? Easy, kann man per Adapter hin schrauben. Dropper Post? Logo, alle nötigen Löcher sind im Rahmen. Das absolute Highlight ist für uns aber die mit wenigen Handgriffen verstellbare Kettenstrebe, über die man zwischen zackigem Handling oder mehr Geradeauslauf bzw. Steigfähigkeit wählen kann. Sowas findest du heute selten – dabei ist es eigentlich enorm praktisch und nützlich! Kurz gesagt: der Rahmen ist ganz weit vorn und irrsinnig vielseitig. Wenn man ihm etwas vorwerfen kann, dann ja, das lange Steuerrohr stört die ansonsten dynamische Geometrie. Aber das kann man lösen.

Gummisattel. Naja…

Was sich die Canyon Designer aber bei der Verlegung der hinteren Bremsleitung gedacht haben bleibt spannend… Fakt ist: innen verlegte Hydraulikleitungen können so nervig sein wie eine juckende Nase während du eine Kiste Bier trägst. Die Art der Verlegung – nämlich außen – ist ohne jeden Zweifel praktisch. Aber ehrlich, es nagelt doch auch niemand Dachpappe auf ein Ferrari Spider, nur weil Dachpappe praktisch ist. Das kann man schöner lösen. Am perfekt durchgestylten Dude hinterlassen die Kabelbinder und Ösen den Eindruck, als hätte man die hintere Bremse bei der Konstruktion schlicht vergessen. Das hätte man ebenfalls schöner lösen können.

Der Canyon Dude CF 8.0 im Fahrtest. Ein echter Kumpel!

Vorbau rum und Spacer raus. Läuft!

Das erwähnte lange Steuerrohr sorgt ab Werk für ein nach unserem Geschmack deutlich zu hohes Cockpit. Also: Vorbau ab, Spacer raus und Vorbau umgedreht wieder drauf bauen. Jetzt passt es! Unseren früherer Eindruck, dass man eher AUF dem Dude sitzt als IM Bike, bleibt zwar. Aber: hier fühlt man sich sofort zu Hause. Nichts zwickt, nichts engt ein – der Dude passt wie deine Lieblingsjeans. Im Gegensatz zu seinem durchtrainierten Bruder, dem Dude CF 8.0 Trail, zielt das CF 8.0 mehr auf den klassischen FATBike Einsatz: lange Touren und widrige Bedingungen.

Die hintere Bremse kann mit dem Hinterrad verschoben werden

Und der Dude liefert ab. Man sitzt entspannt und ergonomisch, selbst ausgedehnte Touren lassen sich lässig abspulen. Der Dude CF 8.0 rollt leicht, nur die extrem kurze Übersetzung der verbauten Schaltung setzt dem Vorwärtsdrang ein jähes Ende. Ein Problem, für das Canyon aber nichts kann: SRAM bietet schlicht und ergreifend nur ein einziges Kettenblatt für FATBikes an. Und das hat eben 30 Zähne und sorgt für unnötig hohe Trittfrequenzen.

Hart, aber herzlich: die „Rude“ Starrgabel aus Carbon

Trotz der ausgewogenen Sitzposition ist der Dude CF 8.0 unglaublich wendig und handlich. Der lange Radstand des CF 8.0 gibt massig Traktion auf steilen Anstiegen und sorgt für soliden Geradeauslauf. Die leichten Räder und der Rahmen, der so steif ist wie ein Granitblock, ermöglichen knackige Beschleunigung und müheloses Dahingleiten. Alles läuft locker flockig und so souverän wie man es von einem reinrassigen FATBike erwartet!

Was bleibt?

Definitiv ein Grund zum Feiern: der Dude CF 8.0

Der Canyon Dude CF hinterlässt also schonmal große Fusstapfen. Vom Aufreißen des Kartons bis zum Ausritt auf dem Trail ist das Paket rundum gelungen. Die Ausstattung ist solide, das Fahrverhalten nahezu perfekt ausgewogen und der Preis von 1.999,- Euro kann als mehr als angemessen angesehen werden. Aber ist der Dude CF 8.0 wirklich der perfekte Kumpel? Oder gräbt ihm die Konkurrenz aus dem eigenen Hause das Wasser ab? Das werden wir sehr bald klären. Und eins können wir schon vorweg nehmen: ganz so einfach lässt sich diese Frage nicht beantworten. Es bleibt also spannend! Also: abonniert unseren Newsletter und stay tuned!

7 Responses

  1. Duderich

    Hab mir letzte Wochen einen Dude CF8.0 bestellt. 3 (!) Tage später wurde er geliefert. Das Orange ist ein echter Augenschmaus. Der Rahmen bietet selbst in Größe L wenig Platz für Bikepacking Taschen. Sonst alles einwandfrei. Grüße!

    Antworten
    • Matt

      Moin Duderich,

      danke für Deinen Kommentar. Ja, das Orange ist wirklich ne wilde Kiste. Na dann mal viel Spaß damit! Wir freuen uns immer über Rückmeldungen zu den Bikes und Touren!

      FATte Grüße

      Matt

  2. Moonbiker

    Mit der Verlegung der hinteren Bremsleitung muss ich euch recht geben, das ist wirklich schlimm!
    Ansonsten finde ich mein Dude richtig genial.

    Antworten
  3. Martin

    Ein wirklich schönes Bike, 🙂
    Mein Schwager ist neulich zum ersten Mal (mein) Fatbike gefahren und ist nun total besessen – er kratzt gerade geld zusammen, und so ist das für klar ein Kandidat!
    Welche Vorteile hat eigentlich (neben dem Gewicht) ein Carbon Rahmen? Federt der irgendwie? Ich fahre ja noch immer das Stevens Mobster (getunt mit Swiss Laufràdern, Surly moloko lenker, starrgabel, reveloop Schläuchen) und bin mit dem Alu Hobel gerade Mal ein Kilo schwerer was evtl an dem Surly lenker, und den 2*11 Gängen und der schweren Auriga bremse liegt. Mit dem Fatbike habe ich mich schon mal bei einer Notbremsung überschlagen, aber dass Bike ist ganz geblieben. Irgendwie bin ich bei carbon skeptisch, oder ist das inzwischen alltagstauglich? Könnte man so ein Bike z.b seitlich in einen Combi legen?

    Antworten
    • Matt

      Hi Martin,

      danke für Deinen Kommentar. Die Vorteile von Carbon sind so eine Frage, an der sich schon Stammtisch-Schlägereien entzündet haben… Es ist teuer, edel, (relativ) leicht und lässt unheimlich schöne, fließende Formen zu. Dazu kann es, wenn man es richtig konstruiert und einsetzt, extrem verwindungssteif sein und Vibrationen dämpfen. Ganz objektiv und ohne jede Leidenschaft betrachtet würde ich aber sagen, dass sich zwei identisch aufgebaute FATBikes mit identischer Geometrie – eins mit einem guten Alurahmen und eins mit einem gleichwertig guten Carbonrahmen – wenig nehmen. Beim MTB oder sogar Rennrad ist das sicher etwas anders, aber beim Fatty entscheiden sich Komfort und Performance an anderen Stellen.
      Die Belastbarkeit heutiger Carbonrahmen ist, wenn sie gut gemacht sind, der von Aluminium locker ebenbürtig. Einige der krassesten Downhillbikes der Welt von Rocky Mountain oder Mondraker sind aus Carbon. Die Faustregel ist einfach: was einen guten Carbonrahmen zerstört, hätte mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit auch einen Rahmen aus Aluminium zerstört. Es kann natürlich immer sein, dass man einen Carbonrahmen saublöd punktuell belastet und es dann zu fatalen Verletzungen des Gewebes kommt. In der Praxis sind solche Fälle aber vermutlich nicht häufiger als Alurahmen, die mit der Zeit Haarrisse bekommen haben.

      FATte Grüße

      Matt

  4. Stephan

    Hallo…
    Finde es schon ziemlich cool das ihr euch noch u hoffentlich auch weiter mit dem Thema Fatbike beschäftigt usw… Aber ihr fangt immer irgendwelche Tests an und dann werden sie nicht weiter geführt… 27.5 Reifen, etwas was mich echt gefreut hat das sich da mal was tut… Doch was ist drauß geworden… Jetzt sind mal wieder Versender Bikes dran… Gibt auch noch ein paar Hersteller bei denen ich mein Bike beim Händler kaufen kann, Trek zum Beispiel, auch Preislich durchaus Konkurrenzfähig gegenüber den Versender Bikes…

    Mfg

    Antworten
    • Dan

      Hi Stephan, Danke für dein Comment. Du hast recht! Wir haben noch einen Sack 27,5 Reifen zum Test bekommen und es noch nicht geschafft alles zu montieren bzw. zu testen. Kommt aber, keine Sorge! Außerdem haben wir auch was mit Trek geplant. Durch die geringen Stückzahlen stand aber in den letzte Jahren nie ein Testbike zur Verfügung, das ändert sich vielleicht noch. Bei 1-2 anderen Herstellern sind wir noch dran auch hinsichtlich neuer Modelle. More to come.
      FATte Grüße,
      Dan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.