Der Specialized FatBoy Pro im Dauertest: zum Anbeißen!

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Der Weltraum… Unendliche Weiten… 2015 ist die Menschheit auf einem Asteroiden gelandet,  zum Pluto geflogen und hat, glaube ich, Beweise für fließendes Wasser auf dem Mars gefunden. Mann, das wären alles TOP Locations für eine legendäre FATBike Tour! Aber weil uns Mars und Pluto etwas zu weit waren, haben wir unsere ausgiebigen Tests von eFatties, Kurbeln, FATFullies und Nabenschaltungen auch 2015 wieder auf der guten, alten Erde gemacht.

Und ganz klammheimlich haben wir dabei den Specialized FatBoy Pro im Dauertest gehabt. Dabei hat der FatBoy Pro gezeigt, dass er ein sehr breites Spektrum beherrscht und in jeder Lebenslage massiv spaßfördernd wirkt.

Das Beste dabei: da der FatBoy Pro ja auch in 2016 unter dem Namen Specialized FatBoy Pro Trail nahezu unverändert erhältlich sein wird, könnte man fast sagen: hier findet Ihr den ersten Dauertest des 2016er FatBoy Trail! Könnte man sagen… Fast…

Aber zum Thema!

FATtes Herz

Hat ein grünes Herz: der FatBoy Pro

Hat ein grünes Herz und liebt Schlamm: der FatBoy Pro

Planet Erde, Dezember 2014. Vor meinem Weihnachtsbaum bauen Dan und ich unsere nagelneuen Specialized FatBoy Pro auf. Alles beginnt beim Rahmen. Den kannten wir schon gut vom FatBoy Expert. Der erste Eindruck diesmal? Die Farbe des Pro sieht zum Anbeißen aus! Gut, dass die extrem schlag- und kratzfeste Lackierung des FatBoy Pro Beißattacken seines Fahrer genauso locker wegsteckt wie Steinschläge. Der FatBoy Rahmen ist gut verarbeitet, kann anständig einstecken und zeigte sich übers Jahr auch bei extremer Belastung wie beim FATBike Enduro als steif und präzise im Handling.

Top! Hinter dem feinen Race Face Kettenblatt verbirgt sich weiterhin ein Sockel für einen Umwerfer!

Top! Hinter dem feinen Race Face Kettenblatt verbirgt sich weiterhin ein Sockel für einen Umwerfer!

Specialized hält weiter am hinteren Schnellspanner fest anstatt, ganz en vogue, eine Steckachse zu verbauen. Das mag ein wenig antiquiert wirken. Wir sehen den Steckachsentrend am FATBike jedoch mit gemischten Gefühlen. Grund: der größte Vorteil der Steckachsen – mehr Steifigkeit – zieht beim FATBike einfach nicht. Der FatBoy kann es mit seinem knackig steifen Hintern spielend mit jedem FATBike mit Steckachse aufnehmen. Dafür verkompliziert sich bei Steckachsen das Handling, im schlimmsten Fall bekommt man das Ding bei einer Panne nicht auf – so wie es unserem FAT Five Rider Tobi beim FATBike Enduro am Vorderrad passiert ist.
Insgesamt bietet der Rahmen ein herausragendes Verhältnis aus Stabilität und Gewicht und lässt sich, auch dank wertvoller Details wie dem Anlötsockel für den Umwerfer, flexibel aufbauen und einsetzen. Ready for Weltall!

Denken wir nochmal an den Mars…

4.6 Zoll Spaß!

Da passt viel Atmosphäre rein: der Ground Control Fat 4.6

Auf einem sandigen Planeten braucht man breite Reifen und: GRIP! Wie gesagt, der Mars war uns zu weit, aber wir haben den FatBoy Pro auf irdischem Schnee, Sand, Schlamm und Geröll getestet. Der Specialized Ground Control Fat 4.6 Reifen macht nach wie vor einen erstklassigen Job. Mit einem Schluck mehr Luft im Schlauch gewöhnt man den Pellen auch leicht das manchmal etwas zähe Einlenkverhalten ab.
So rollt der FatBoy Pro immer geschmeidig und souverän durch die Welt, beißt sich fest, schneidet Kurven und wühlt sich durch. Und sollte man doch mal auf dem Mars stranden, kann man in aller Ruhe die Reifen leeratmen, während man auf Rettung wartet.
Die Naben drehen sich seit 2015 um stabile Stahlachsen. Das Mehrgewicht gegenüber den früher verbauten Alu-Achsen ist gut investiert. Bei den Lagern stellen wir nach einer Saison einen leicht rauen Lauf fest, der aber noch unkritisch ist und eine deutliche Verbesserung zu den recht anfälligen Lagern der ersten Serie darstellt.

Zum absolut Besten, was der FATBike Markt inzwischen hergibt, gehören aber ohne Zweifel die Specialized FatBoy SL Felgen. Keine 700 Gramm Gewicht bei satten 90mm Breite sind mehr als nur „eine Ansage“. Die einzigen natürlichen Feinde der an sich hoch belastbaren Felgen sind knochenharte Durchschläge, die in extremen Fällen die relativ dünnwandigen Felgenhörner verdellen können. So ein Einschlag kann jedoch in der Regel problemlos mit einem beherzten Griff mit der Rohrzange gerichtet werden.

Mr. Scott, Energie!

Double X: X0 trifft XT

Double X: X0 trifft XT

Kommen wir zum Antrieb. Auch ohne Warp-Kern wird der FatBoy Pro sehr schnell, und viele von Euch können sich denken, was jetzt kommt. Bremsen… Eines unserer Lieblingsthemen! Beim Erstkontakt haben wir den Schritt von Specialized, mit der Deore XT endlich brauchbare Bremsen an ein FATBike zu schrauben, begrüßt und uns über massig Bremsleistung gefreut. Nach einem guten Jahr mit dem Specialized FatBoy Pro im Dauertest sind wir nun doch wieder hin- und hergerissen. Im Alltag? Definitiv ausreichend. Wird der Trail aber steil, die Fahrt schnell oder der Biker FAT, zwingen die XT Bremsen die kinetische Energie der Fuhre nur sehr zögerlich in die Knie. Schönreden ist zwecklos: wer seinen FatBoy Pro aufs Äußerste fordert, kommt um eine anständig dimensionierte Bremse nicht herum. Dabei hilft eine 203er Scheibe vorn schon weiter, wer es aber ernst meint, rüstet besser gleich auf Vierkolben-Anker um.

Bissig! Aber nur ein Bisschen ;)

Bissig! Aber nur ein Bisschen 😉

Beim Antrieb ist es anders rum. Wir hatten anfänglich arge Zweifel am 1×11 Kit von Sram. Aber wir haben inzwischen zumindest teilweise unseren Frieden damit gemacht. Die Grenzen des Systems bleiben: bergauf braucht man eine Extraportion Schmackes in den Beinen, bergab kann man zu früh nicht mehr aktiv in die Beschleunigungsarbeit eingreifen. Dafür verringert sich die Anzahl der Bauteile und natürlich das Gewicht.

Edel, edel, das X0 Schaltwerk von SRAM.

Edel, edel, das X0 Schaltwerk von SRAM.

Über das Jahr hat sich die Schaltung als standfest und sehr verschleißarm gezeigt. Dank anderer Hebelübersetzung ließ sich das SRAM System nicht immer ganz so fehler- und geräuscharm schalten wie gängige Shimano Systeme. Aber daran, auf welch hohem Niveau wir hier meckern, sieht man, wie wenig es an den Komponenten auszusetzen gibt.
Der Haken dabei: reicht einem die Übersetzungsbandbreite eben doch nicht aus, so ist eine Umrüstung auf 2×10 oder 2×11 sehr aufwändig – hier muss neben sämtlichen Komponenten auch der Freilauf (und je nach Verfügbarkeit der Teile sogar die gesamte Nabe) ersetzt werden.

Verschleißfest: das Sram 11-fach Schaltsystem

Verschleißfest: das Sram 11-fach Schaltsystem

Das Highlight, die Race Face Next SL Kurbeln, können dabei dank Chinch Spider System aber zum Glück bleiben. Der Wechsel von E13 auf Race Face dürfte weiten Teilen der Specialized FATBike Flotte zu deutlich mehr Haltbarkeit verhelfen.

Gestatten: Benny!

Gestatten: Benny!

Übrigens bringt der FatBoy Pro serienmäßig Specialized’s „Bennies“ Pedale mit. Die sind top und krallen sich wie ein Alien in alle Bikeschuhe!

Zu guter Letzt

Sattel auf Halbmast - dank Dropper Post.

Sattel auf Halbmast – dank Dropper Post.

Noch ein Wort zur Specialized Command Dropper Post. Die hat ihre Zuganlenkung, passend zum Rahmen, außen. Obwohl die Mechanik eimerweise Schlamm abbekommt, läuft sie im Dauereinsatz zuverlässig. So lässt sich der Captains Chair in 3 sehr praktische Stufen verstellen: rein, mittel, raus. Eine stufenlos verstellbare Stütze ist nett, aber in diesem Fall dank gut gewählter Abstufung unnötig.
Wermutstropfen: die Stütze ist in der „Zugstufe“ kaum gedämpft, sodass sie, wenn man sie ohne Gegendruck entriegelt, regelrecht rausschießt und mit einem lauten Knall in der „hoch“-Stellung anschlägt. Es hilft, den Luftdruck ein wenig abzusenken, dann fehlt aber gelegentlich der nötige Druck um die verdreckte Stütze ausreichend zu bewegen. Wir haben uns im Alltag daran gewöhnt, sie mit dem Hinterteil „abzufangen“. Da sehen wir aber noch etwas „room for improvement“.
Sehr positiv ist die minimale Verdrehung, die am Sattel möglich ist. So wirkt die Stütze als das, was sie ist: massiv und zuverlässig.

Was bleibt?

FAT im Schnee!

Der Winter kann kommen!

Egal Pluto, Mars oder der Biergarten um die Ecke: der FatBoy Pro ist ein zuverlässiger und verspielter Begleiter, ganz egal wohin die Mission geht. Daher ändert Specialized am FatBoy Pro für 2016 – abgesehen vom Preis – nur den Namen und die Farbe. Die wenigen Schwächen der ersten Generation wurden ausgemerzt und jedes Teil auf Langlebigkeit getrimmt. Mit ein paar Handgriffen kann man das Bike für einen anderen Einsatzbereich optimieren, z.B. macht der Umbau der Bluto auf 100mm Federweg und eine 203er Bremsscheibe vorn einen pfeilschnellen und grundsoliden Freerider aus dem Pro.

Für uns bleibt FatBoy jedenfalls auch nach der zweiten Saison und als „Pro“ Version das, was er vom ersten Tag an war: Fett, Junge!!!

5 Responses

  1. Jürgen

    Servus

    Vorsicht beim gerade-biegen mit der Rohrzange von verbogenen Felgenhörnern !
    Das dünne Aluminium reißt dabei sehr schnell ein , das ist mir leider auch passiert. 🙁

    Gruß , Jürgen

    Antworten
    • Matt

      Hi Andre,

      wie gerade geschrieben wiegen wir nochmal nach. Das Gewicht stammt von einer ausgespeicht gewogenen Felge meine 2014er Expert.

      FATte Grüße

      Matt

  2. SLuette

    Die Fatbike SL Laufräder sind auch meine erste Wahl, aber wie kommt ihr darauf das die Felge unter 700g wiegt? Nach meinem Infos liegt ihr Gewicht bei 815g

    Antworten
    • Matt

      Hi,

      wir haben sie ausgespeicht und gewogen. Ergebnis lag knapp unter 700 Gramm. Ggf. streuen die einzelnen Chargen? Wir wiegen nochmal ein paar Räder und Naben und rechnen nach!
      Macht natürlich wenig Sinn, das Gewicht der leichtesten je gezogenen Felge zeigen.

      FATte Grüße

      Matt

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