Wenn du fast 5 Jahre über FATBikes schreibst kannst es passieren, dass sich hier oder da ein klein wenig Routine einschleicht. Aber es gibt immer wieder Dinge, die so richtig geil sind. Und so gibts heute mal wieder was Emotionales – es geht um’s Norco Ithaqua 1 2018, unseren Dauertester für dieses Jahr. Wer schon länger hier mit liest (Danke, Freunde!) kennt das Norco Ithaqua 1 bereits recht gut. Gerade auf unseren Instagram und Facebook Seiten taucht das zitronengelbe Geschoss des Öfteren mal auf. Denn bereits zum zweiten Mal haben wir ein Ithaqua als „Dienstrad“ für eine Saison. Zum Glück, denn der Abschied vom 2017er Modell hat echt lange geschmerzt. Aber so konnten wir auch 2018 wieder ein Norco nicht nur wieder auf Herz und Nieren prüfen sondern auch als Plattform für diverse Produkttests schuften lassen. Was das Jahr gebracht hat, fassen wir hier zusammen. Eines können wir aber direkt mal vorweg nehmen: das Biest kann zwar nicht zaubern – es ist aber zauberhaft!

Gutes. Besser.

Bereits vorgestellt: Norco Ithaqua 6.2 Carbon FATBike

In freier Wildbahn: das 2017er Norco Ithaqua 6.2 im Vancouver North Shore

Wir verweisen an der Stelle erstmal auf unseren 2017er Dauertest zum Ithaqua 6.2 und unsere Vorstellung des 2018er Ithaqua 1. 2017 war das Teil noch in dezentem Grau gehalten – aber bereits heiß und innig geliebt! Seit seiner Geburt ist das Ithaqua eines der besten uns bekannten Fatties. Das  2018er Ithaqua hat den gleichen genialen Rahmen – steif wie eine Tresortür und dabei federleicht – und dieselbe Grundausstattung.

In freier Wildbahn 2: Norco Ithaqua 1 in Bayern!

Aber die Kanadier haben fleißig weiter gefeilt und ein paar wesentliche Verbesserungen vorgenommen. So darf der Pilot bzw. die Pilotin nun über satte 12 Gänge einer SRAM GX Eagle gebieten. Außerdem sorgt eine feine Dropper Post von Crank Brothers bei Bedarf für eine stufenlose Erhöhung der Bewegungsfreiheit und schafft so Überlebensraum für’s Genital. Man(n) hat ja vielleicht noch was vor.

Ein Sommer auf dem Schneemonster

Monstername

Naja, jedenfalls haben wir in freudiger Erwartung schonmal die Korken knallen lassen, als uns ein 2018er Ithaqua 1 in Aussicht gestellt wurde. Ein Sommer auf dem Schneemonster – geil!! Dabei ist der Name eigentlich unpassend:  eine Kreatur, die Schnee, Eis und Kälte kontrolliert. Jaja, das stimmt schon. Aber ist nichtmal die halbe Wahrheit. Zumindest beim Norco!

Erstkontakt. Prost!

Denn mit seiner extrem wendigen Geometrie, dem mächtigen 780mm Lenker und seinem wirklich brachial steifen Rahmen frisst das Ithaqua Single Trails zum Frühstück. Roh. Natürlich lassen sich lange Touren entspannt und – dank der Reifen leider nur „halbwegs“ – energiesparend absolvieren. Aber du weißt, dass dein Schneemonster jederzeit bereit ist, zuzuschlagen. Ein paar harte Antritte später fliegst du über den Trail als hätte es eine Horde hungriger Waschbären auf Deine Cliff Bars abgesehen. Die unnachgiebige Carbongabel verlangt dabei zwar volle Aufmerksamkeit, sorgt aber auch für ein rasiermesserscharfes Handling. Von kundiger Hand bewegt schlägt das Ithaqua Haken wie ein aufgescheuchtes Kaninchen. So wendig und verspielt sind nur ganz, ganz wenige Fatties!

Norco Ithaqua 1 – zaubern kann auch das Monster nicht

Problemkind Steckachse

Aber nun war es ja ein Dauertest. Und ein bissl was gibt es da auch zu berichten. Auch, wenn das Ithaqua, wie man es von einem High-End Bike ja eigentlich auch erwarten kann, keine größeren Probleme gemacht hat. Den einzigen größeren Ausfall gab es gleich am Anfang. Unser Bike stammte direkt aus der ersten Charge und da wurde eine Stechachse mit Konifizierung verwendet. Bei der lagen die Lager der Vorderradnabe nicht auf dem Achskörper auf, was zum Ausfall der Nabe geführt hat. Norco hatte aber bereits zu diesem Zeitpunkt andere Achsen verbaut und mit einem entsprechenden Tauschteil konnten wir weiter fliegen.

Bremst ausreichend. Und: schöner Aufkleber (kann man übrigens bei uns kaufen ;))!

Danach ging es sorglos durch den Sommer. Nur der verbaute Kenda Juggernaut Pro 4.5 hat ab und an Kopfzerbrechen bereitet – Traktion und Fahrverhalten sind ja wirklich super. Aber der Rollwiderstand… Tut das wirklich Not, dass ein FATBike Reifen anno 2018 noch so schwer rollt? Dagegen fühlt sich ein Vee Tire Bulldozer an wie ein Go-Kart. Ernsthaft, das sind Welten. Und dabei waren wir die ganze Zeit entweder Tubeless oder mit Revoloops unterwegs.

 

Best Friends? Ähm, nein.

Und während der Juggernaut laufend an der Kondition nagt, sägen die innen verlegten Leitungen an den Nerven. Hier hat sich Norco, zumindest bei unserem Bike, offenbar bei der Montage die Überzüge aus Moosgummi gespart. So können die Leitungen ungehindert im Rahmen klappern. Herrlich! Das ist in etwa so lästig wie Kaugummi am Schuh – und der geht ja auch nicht weg, wenn du schneller läufst. Hier hilft auf Dauer nur, die Leitungen nachträglich mit Moosgummi oder Filzklebeband zu entklappern.

Rest? Läuft!

Treibt an: die SRAM GX Eagle

Am Rest gibt’s nichts zu meckern. Die Crank Brothers Dropper Post funktioniert auch auf Dauer seidenweich und die SRAM GX Eagle bietet einen erstaunlich alltagsgerechten Übersetzungsbereich. Lediglich der Sprung vom 11. auf den 12. Gang ist recht groß, so dass wir oft nicht so recht wussten, ob wir nun lieber zu schnell (11.) oder zu kräftig (12.) treten. Die Laufräder tun auch, was sie sollen. Bei Tubeless Betrieb bleibt die Luft drin, die Sun Ringle Felgen sind außerordentlich stabil und weder Lager noch Freilauf der Novitec Naben haben irgendwelche Verschleißerscheinungen gezeigt.

Harter Testalltag ist nicht immer artgerecht…

Selbst die von uns so oft wie gern kritisierte Bremse – auch am Norco Ithaqua 1 kommt vorn nur eine 180mm Scheibe zum Einsatz – hat ein Stück weit überzeugt. Die Bremskraft der Level TL Bremse ist erstaunlich gut und reicht für ein ungefedertes Trailbike die meiste Zeit aus. Aber… Ach komm, was soll’s! Runter damit und 200er Schreibe dran – dann stoppt das Bike in wirklich jeder Lebenslage adäquat und der Bremsweg wird kürzer. Wer später bremst ist bekanntlich länger schnell.

Carbon-Thron. Fetzt!

Die Crank Brothers Pedale und der exzellente Fizik Aliante VSX Carbon Sattel, die man auf den Fotos sieht,  gehören übrigens ab Werk nicht zum Bike. Aber da die Pedale gut zum Bike und der Sattel gut zum Hintern passt, haben wir beides nachträglich montiert.

Was bleibt?

So schön…

Begeisterung. Na, wir würden fast sagen: Liebe! Norco ist, völlig zu Unrecht, auf dem Deutschen FATBike Markt gnadenlos unterrepräsentiert. Und glaubt man der Website, wird es in 2019 kein Ithaqua mehr in Deutschland geben. Das ist schade, denn um eins klar zu sagen: das Ithaqua gehört, ohne Wenn und Aber, zu den besten FATBikes die man derzeit für Geld kaufen kann. Und mit 3.499,- Euro hätte man, wenn man denn eins gekauft hätte, sogar einen außerordentlich guten Deal gemacht. Vorausgesetzt man mag die nicht direkt introvertierte Farbe stimmt beim 2018er Norco Ithaqua 1 einfach alles. Geometrie, Ausstattung, Schaltung, alles ist perfekt aufeinander abgestimmt. Draufsetzen und glücklich sein. Als Bonus kommt noch das gute Gefühl dazu, immer ein Stück Canada bei sich zu tragen. Was will man mehr?
Schneemonster, wir lieben Dich!

Immer dabei 😉

6 Responses

  1. Alexander

    Hab mir diesen Sommer das Ithaqua1 samt DT Swiss Felgen mit Tune Naben gekauft, und kann den Testbericht nur bestätigen. Wirklich ein Traum Fatty.
    Ich liebe es auch!!!

    Macht weiter so! Eure Seite ist super!!!

    Antworten
    • Matt

      Hi Alexander,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Und Glückwunsch zum Bike, gute Wahl (aber das steht ja schon im Artikel). Der Laufradsatz ist auch wirklich der optimale Hebel um da noch ein Stück weit zu verbessern. Haben wir auch vor! Und halt ein paar andere Reifen. Aber die Basis ist unerreicht, nur das S-Works FatBoy spielt in derselben Liga. Zumindest soweit wir die Bikes kennen und selbst erFAHRen haben.

      FATte Grüße

      Matt

  2. Diego

    Danke für den super Bericht !
    Das Bike ist mal wieder eine Überlegung zu einer Neuanschaffung wert.
    Allerdings ist mir aufgefallen, dass ihr euch zu den Reifen und dem vorherigen Test der Juggernauts 4.5 Pro bezüglich des Rollwiderstandes widersprecht. Messt ihr den Rollwiderstand anhand einer bestimmten Strecke oder sind es rein subjektive Aussagen?
    Bei mir rollt der Juggernaut 4.5 pro mit 0.55 bar eigentlich unauffällig normal.

    Antworten
    • Matt

      Hi Diego,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Neuanschaffung dürfte leider schwer werden, offenbar ist für 2019 kein Ithaqua mehr in good old Germany gelistet. Wenn Du noch eines findest, schlag zu!
      Bzgl. Juggernaut hast Du Recht, wir werden den alten Testbericht wohl anpassen müssen. Danke für den Hinweis. Der aktuelle Juggernaut Pro kann in Sachen Rollwiderstand im Direktvergleich nicht mehr mit den meisten anderen High End Reifen mithalten. Wir testen hier zwar nicht unter Laborbedingungen aber haben durchaus unsere Strecken, auf denen wir bestimmte Zielwerte gut überprüfen können. Da wir auf allen unseren Bikes meistens keinen Reifensatz doppelt fahren, jedoch häufig durch tauschen, kriegen wir ein recht gutes Gefühl über die einzelnen Modelle und was sie leisten können.

      FATte Grüße

      Matt

  3. Dirk

    Schön geschrieben, da merkt man dass da Emotionen im Spiel sind 😉
    Ich hab sehr lange auf das Framekit geschielt. Aber der Preis war dafür recht happig. So ist es am Ende ein Pole Taiga geworden garniert mit einer Fatlab. Allein die Geo macht süchtig nach dem Teil. Mindestens genauso emotional wie das Norco.

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    • Matt

      Hi Dirk,

      danke für Deinen Kommentar. Das Rahmenset war wirklich auch nice, aber das komplette Bike der bessere Deal. Das Taiga klingt auch spannend – leider ist es uns trotz intensiver Bemühungen nicht gelungen, ein Testbike von Pole zu bekommen. Die Rahmendaten klingen ja extrem spannend. Schade, aber cool wenn Du eines hast!

      FATte Grüße

      Matt

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