FATBike, back to the roots!

2
FATBike von Specialized, das FatBoy

Neulich auf der EuroBike…

„Ein FATBike! Ein FATBike! Papa, guck doch mal, ein FATBike!“. Voller Aufregung bleibt der Sohnemann meines Bikebuddies stehen und starrt gebannt auf den Monsterpneu des Specialized FatBoy. Ein FATBike Reifen, der so riesig ist, dass sich der fünfjährige Sprössling leicht dahinter verstecken könnte.

„Papa ich will ein FATBike!“ stammelt er, und wie so oft tut Kindermund mal wieder Wahrheit kund. Es ist EuroBike 2013, und das Thema FATBike ist in aller Munde. Doch was ist dran am Trend zum fetten Reifen? Und ist das überhaupt ein Trend?

Wir von FATBike-Transalp.de haben uns auf eine Spurensuche begeben.

Wie alles beim FATBike begann

Ein FATBike, das ist die Waffe für’s Grobe: wo andere Bikes verzweifelt die Stollen strecken und im Tiefschnee oder knie tiefem Matsch versinken kommt das FATBike erst richtig in Fahrt.

Doch woher kommt diese mächtige Erscheinung? Dazu müssen wir die Uhr zurückdrehen. Weit zurück, in eine Zeit lange vor 29ern und elektromotorisierten Bikes für untermotorisierte Radler.

Mitte der 90er Jahre gab es nicht nur Technomusik und Werner Beinhart. Bereits damals schufen Pioniere wie die Firma Hanebrink Bikes mit Monsterreifen – im Falle von Hanebrink u.a. für die US Armee. Dicke Reifen sollten im Wüstensand der amerikanischen Nahost – sagen wir mal – “Expeditionen” den entscheidenden Vorteil bringen.

Noch näher am FATBike war aber der Deutsche (!) Tüftler Fritz Fleck mit seinem “Flema Expedition”. Schon Anfang 1994 berichtete die Bike von diesem Monster:drei Mavic Felgen wurden verschweißt und mit zwei Reifen bespannt. Die Naben und das 18 (!) cm breite Innenlager waren Eigenentwicklungen, genauso wie der Stahlrahmen mit seinen herrlichen Verstärkungen im Tretlagerbereich. Eine wahnsinnig kreative Idee, die leider viel zu schnell in Vergessenheit geriet!

Den mangels besseren Alternativen verbauten Zwillingsreinen haben die Tester der Bike extreme Traktion und erstaunlichen Komfort bescheinigt, aber auch, dass man damit eigentlich nur geradeaus fahren kann.

Die Idee des FATBike war jedenfalls geboren.

Mountainbiking heute

In den nächsten Jahren nahm die Entwicklung jedoch bekanntlich einen gänzlich anderen Weg, dessen Grundstein ebenfalls um 94 gelegt wurde: leichtes Alu und Carbon ersetzten edle Stahlrahmen. Federgabeln wurden günstiger und mit Technik ausgestattet, die 20 Jahre zuvor noch einem Formel 1 Rennwagen zur Ehre gereicht hätte. Aus schwachen Cantilever Bremsen wurden V-Brakes und später Scheibenbremsen mit der Bremsleistung eines Wurfankers. Ein hochwertiges Durchschnitts MTB ist heutzutage ein hoch gezüchtetes Präzisionsgerät mit zwei Händen breit Federweg an jedem Rad, mehr Gängen als ein Schwerlasttransporter und schlappen 10kg Kampfgewicht.

Zu guter letzt hat sich auch die Wartung der Bike gerade wegen der technologischen Aufrüstung immer mehr weg von den Bikern und hin zu spezialisierten Händlern verlagert.

Aber wie passt nun ein FATBike in diese heutige hoch funktionale Welt? Wozu Monsterreifen statt Federgabel – mit Schnee und Schlamm sind wir doch bisher auch ohne FATBike gut fertig geworden, oder nicht?

Back to the Roots mit FATBike

Für uns ist die Sache klar. Wie viele geniale Ideen hat auch das FATBike zwei wichtigen Dinge benötigt: ein wenig Zeit und das richtige Material für die Umsetzung. Statt zusammen geschweißten Felgen und Zwillingsreifen können wir heute auf korrekte Komponenten zurückgreifen. Jahrzehnten von Alaska-Extremrennen und der damit verbunden Entwicklung sei dank!

Und nicht zu letzt entscheidet auch der richtige Zeitpunk über den Erfolg einer Idee – Mitte der 50er Jahre hätte selbst ein aktuelles Hightech 3-Liter Auto in den USA wohl keine Chance gehabt.

Und hier sind wir beim Punkt: mit dem FATBike kommt der Zeitgeist der “Entschleunigung” endlich auch beim Mountainbike an. Tut es nicht einfach gut, wenn etwas endlich mal wieder einfach nur einfach ist? Die Federgabel verdreckt oder ausgeschlagen? Long gone! Durchschläge und verdellte Leichtbaufelgen? Fehlanzeige! Und wo kein Daumenshifter ist, kann auch keiner beim Sturz abbrechen und die Tour unfreiwillig beenden.

Kein Trend, sondern Philosophie

Das FATBike ist in unseren Breiten – abseits von Tiefschnee und Permamorast – vorallem eines: die Bekenntnis zum puren Fahrvergnügen und der Weg zurück zum Mountainiken in seiner ursprünglichsten Form. Berge auf einem Fahrrad mit Ballonreifen zu bezwingen.

Das FATBike ist kein Trend, es ist ein Lebensgefühl. Es ist die reine Lehre und verkörpert wie derzeit kein zweites Konzept den Ursprung des Mountainbikes.

Vermutlich gibt es kein zurück und eines Tages fahren wir alle 29er eBike Fullies. Das FATBike aber stellt noch einmal in aller Klarheit dar, wo unser wunderbarer Sport einmal begonnen hat. Wir wünschen ihm für die Zukunft alles Gute!

Hier und heute auf der größten Bikemesse der Welt zollen wir ihm jedenfalls den nötigen Respekt.  Wir stellen uns neben den Sohn meines Freundes und flüstern mit andächtiger Stimme und glänzenden Augen: „Geil, ein FATBike!“.

2 Responses

  1. Franz Laschinger

    Hallo,
    danke für diesen Kommentar. Er spricht mir aus der Seele.
    Ich hatte mir vor 5 Jahren ein Fully gekauft, nach 200 km wusste ich,
    das ist nichts für mich. Zu viele Hebel, da ich sonst Rennrad fahre.
    Seit einer Woche hab ich ein Tusker1 , genau was ich immer schon
    wollte, einfach und gut.
    Danke für eure super Seite.
    FRANZ

    Antworten
    • Dan

      Hey Franz, vielen Dank für dein Lob für unser Magazin! Wir geben weiter Gas. FATte Grüße, Dan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.