FATBike Downhill. Mal was Anderes!

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FATBike Downhill. Schnell mal den Berg runter.

Gute Aussichten!

Gute Aussichten!

Wir von FAT-Bike.de sind ja der unverbesserlichen Meinung, dass ein FATBike praktisch immer die bessere Wahl ist. Na gut, vielleicht nicht bei der Tour de France… Aber sonst werden wir nicht müde, unsere Bikes aus ihrem natürlichen Lebensraum zu reißen, durch alle Lebenslagen zu jagen und immer wieder festzustellen: „Na geil, wieder mal alles richtig gemacht!“

Ganz nach unserem Motto „Überrollt Vorurteile“ haben wir uns diesmal unsere Lieblingsdownhills vorgenommen. FATBike Downhill! Immer wieder gelten FATBikes als träge, unhandlich und nicht wendig. Grund genug für uns, mal ans Limit zu gehen und abzuklopfen wie unsere FatBoys bei Geschwindigkeiten performen bei denen die Hose schon lange voll ist.

Ein Hinweis vorweg: FATBikes sind natürlich sehr unterschiedlich, je nach Geometrie und Ausstattung können die Fahreigenschaften drastisch unterschiedlich sein. Unser Artikel bezieht sich auf generelle Fragen:
Wie fühlt es sich an, mit einem Fatty über armdicke Wurzeln und kindskopfgroße Steine zu moschen mit Gas am Anschlag? Was können die Rock Shox Bluto, die Bremsen, die Reifen und breiten Kurbeln hier leisten? Und was muss man ggf. beachten?
Für ein brauchbares Ergebnis haben wir unsere Lieblingstrails ausgesucht – von Nerven zermürbenden Abfahrten auf steilen Fortstwegen bis zu eng verwinkelten Trails war alles dabei. Nur eines hatten alle Trails gemeinsam: es ging immer bergab. Und zwar schnell!

Die FatBoys mussten mal wieder herhalten

Wäre der FatBoy ein Hund würde er jetzt mit dem Schwanz wedeln!

Wäre der FatBoy ein Hund würde er jetzt mit dem Schwanz wedeln!

Um im FATBike Downhill auch was zum Vergleichen zu haben, trat Dans Maschine im Serienzustand an, während mein Dicker Junge mit 100mm Federweg und testweise montierten Surly Schlappen gepimpt wurde.
Natürlich könnten wir jetzt von den Strecken schwärmen. Von lang gezogenen, herrlich geschwungenen Kurven, die wir ungebremst mit leicht untersteuernden Bikes durchflogen sind. Wir könnten von kaum mehr als einen Fuß breiten Trails berichten, die mit Wurzeln, Steinen und Sprüngen gespickt 110% Konzentration verlangen und dafür 200% Spaß bringen. Oder von verblockten Single Trails die so verwinkelt waren, dass das Bike auf ein paar Kilometern Abfahrt genau zwei mal aufrecht Stand: beim Losfahren und beim Anhalten.  Aber wir schreiben leider (derzeit) keine Reiseberichte.

Fast and Furious

Schnell mal um die Kurve: Matt

Schnell mal um die Kurve: Matt

Also konzentrieren wir uns auf die Fakten.Abgesehen vom sonst alltäglichen Zustand haben wir lediglich den Reifendruck etwas erhöht: knapp 0,05 Bar über normal. Was für NichtFATBiker wie ein Schreibfehler klingt verändert die Reifen enorm: sie werden deutlich lauf- und vor allem lenkstabiler. Das vermeidet in schnell gefahrenen Kurven schwer zu kontrollierendes Aufschwingen.

Erster Test: steile Forststraßen. Hier fühlen sich die FatBoys sauwohl. Die dicken und schweren Reifen laufen satt und extrem stabil über jeden Untergrund, fressen Unebenheiten förmlich auf und zeigen keine nennenswerte Neigung zum Aufschwimmen oder zu Nervosität. Selbst wenn der Untergrund lose wird kommt nie ein unsicheres Gefühl auf.
Die FATten Räder, der gemessen an den Naben tiefe Schwerpunkt und die ausgewogene Geometrie des Specialized FatBoy vermitteln hier die Souveränität eines Panzerschranks.

Einsam und 'n bischen klein: der vordere Kettenblatt

Einsam und ’n bischen klein: das vordere Kettenblatt

Ein Tipp für alle notorischen High-Speed Heizer: das am Specialized FatBoy Pro serienmäßige 1×11 Schaltsystem bietet im Alltag zwar eine gut nutzbare Übersetzungsbandbreite, ab 40km/h trägt Treten aber nicht mehr zum Vorwärtskommen bei. Entweder man verbaut vorn ein größeres Kettenblatt oder entscheidet sich gleich für ein breiter nutzbares 2×10 oder sogar ein brandneues 2×11 System.

Lenken. Bremsen. Flow.

Dan wheelt lieber...

Dan wheelt lieber…

Flow. Lange ein Lieblingswort unter Bikern. Warum auch nicht. Flow ist gut – wenn man ihn hat. FATBikes haben Flow, was man in langgezogenen Kurven schnell feststellt. Egal wie schnell, egal auf welchem Untergrund – mit dem fast 12 Zentimeter breitem Profil eines 4.8er FATBike Reifens ist Traktion wie Geld: man spricht nicht darüber, man HAT sie. Vorteil gegenüber dem MTB: bei kühnen, weiten Schwüngen kann man darauf bauen, dass sich die dicken Pellen heftigst in den Planeten verbeißen. Das erlaubt Richtungswechsel, Kurvengeschwindigkeiten und Bremsmanöver, die mit dem MTB schlicht nicht möglich sind, ohne unbeabsichtigt durchs Unterholz zu pflügen.

Abgehoben: Matt

Abgehoben: Matt

Apropos Reifen. In der Komfortwertung haben Surly’s Bud und Lou leicht die Nase vorn: sie bauen nicht nur einen guten Zentimeter breiter als der Ground Control von Specialized, sondern sind auch einen Zentimeter höher. Das bringt ihnen einen leichten, aber doch merklichen Vorteil in dieser Kategorie ein.

Verwinkelt, verblockt – verflixt!

Eine Dropper Post, hier das serienmäßige Modell am FatBoy Pro, macht das Bike schwerer - aber das Leben wesentlich leichter.

Eine Dropper Post, hier das serienmäßige Modell am FatBoy Pro, macht das Bike schwerer – aber das Leben wesentlich leichter.

Bis hier gibt es also erstmal nur Lob. Was sonst würden wir auf FAT-Bike.de über ein FATBike schreiben! Naja, abwarten. Ein wichtiger Teil unseres FATBike Downhill Tests waren auch die fiesen, verblockten, technisch extrem anspruchsvollen Trails. Und hier trennt sich erst die Spreu vom Weizen und unsere Fatties hatten einige Aufgaben zu meistern…

Erstmal wussten die FatBoys auch hier kräftig zu punkten: die Reifen schlucken wie üblich die meisten Hindernisse und was sie nicht schaffen, saugt die Bluto auf. Das ermöglich irrwitzige Fahrmanöver. Zum Beispiel kann man dank der FATten Traktion die Bremspunkte extrem spät setzen.

Spaßbremse? Naja, wie man's nimmt...

Spaßbremse? Naja, wie man’s nimmt…

Zumindest so lange die Bremse mitmacht… Die mit 180/160er Scheiben bestückte Deore XT Bremse des Specialized FatBoy Pro kann zwar im Alltag mit grundsolider Leistung glänzen. Die Belastungen, welche beim FATBike Downhill dank über 30 Zoll Raddurchmesser und der enormen Traktion der Reifen auf die Bremsanlage wirken, sind jedoch nicht mit denen am Mountainbike vergleichbar. Eine 200er Bremsscheibe ist beim FATBike Downhill Pflicht – idealerweise kombiniert mit einem Anker vom Schlage einer Avid Guide RCS oder Shimano Saint.

Klarer Feind der Bremse: der Specialized Ground Control Reifen, der auf jedem Untergrund massenhaft Brems- und Lenkleistung ins Parkett stempelt – und das sogar in Kurven. Es Bedarf einiger Übung und Überwindung, bis man sich hier an den Grenzbereich herangetastet hat. Die eingeschränkte Bremsleistung des Surly Bud hatten wir schon im großen FATBike Reifen Test kritisiert, lässt man es richtig krachen merkt man dieses Problem auch sehr deutlich.

Bekannte Pelle: Ground Control Fat 4.6

Vorsicht bissig – Specialized Ground Control Fat 4.6

Werden die Trails dann jedoch richtig verwinkelt mit schnellen Richtungswechseln, Sprüngen und engen Serpentinen artet das Ganze in Arbeit aus. Die großen Räder, die Länge des Bikes und nicht zuletzt die immer wieder leicht überfordert wirkende Bluto verlangen hier volle Konzentration und ganzen Körpereinsatz. Auch ließen sich nur schwer Lastwechsel zur Richtungsänderung provozieren, da den XT Stoppern für die dafür notwendigen kurzen, knackigen Bremsmanöver einfach der Biss fehlt.

Übrigens fiel der Unterschied zwischen 80 und 100mm Federweg subjektiv erstaunlich gering aus. Die Reserven sind bei 100mm natürlich größer, aber wirklich viel schneller fahren kann man nicht. Im Gegenteil: mehr Federweg taucht auch mehr weg, was auf sehr verwinkelten Trails eher hinderlich war.

Kann was. Aber nicht alles. Die Rock Shox Bluto

Kann was. Aber nicht alles. Die Rock Shox Bluto

Doch was wirklich am meisten fehlt: die FATPike. Nicht falsch verstehen: die Bluto ist eine feine Federgabel, aber extreme Einsätze brauchen extremes Material. Kennlinie, Recovery-Verhalten, Plattform – Rock Shox hat bereits alles Nötige im Baukasten liegen. Wir sagen: bitte, bitte baut uns FATBikern endlich eine anständige Trailgabel!!!

Ach, und noch ein wichtiger Hinweis für MTB Umsteiger: durch den hohen Q-Faktor und die breiten Naben eines FATBikes sind die Pedale und das Schaltwerk ein paar Zentimeter weiter außen als man es gewohnt ist. Was beim MTB „verdammt eng“ war, ist mit dem FATBike schnell „zu eng“.

Was bleibt?

Ride on!

Ride on!

Wir hatten eine Menge Spaß am letzten Wochenende. Und wie erwartet machen FATBikes auch beim Downhill eine gute Figur. Und mit etwas Überwindung wird man wirklich unglaublich schnell. Gerade unsere FatBoys haben mit Gelassenheit und Laufruhe geglänzt und gutmütig alle Befehle präzise umgesetzt.
Allerdings muss man ein paar Dinge im Kopf behalten. Die großen Räder fordern das Letzte von den Bremsen. Hier ist anständiges (Brems)Material Pflicht. Außerdem ist so ein Fatty einfach in jeder Richtung groß – da kann es schonmal eng werden.

Aber wie wären nicht Dan und Matt wenn wir nicht sagen würden: „Na geil, wieder mal alles richtig gemacht!“. FATBike Downhill bietet völlig neue Möglichkeiten in Sachen Geschwindigkeit und Fahrmanövern – und hat Suchtpotential. Wir freuen uns schon auf die nächste Runde

One Response

  1. Christoph

    Dem kann ich überwiegend zustimmen, obgleich ich den Reifendruck ( GroundControl mit ca.110kg Pilotengewicht ) auf ca. 0.7 bar bringe – im Bikepark noch höher.

    Ansonsten ist da wirklich sehr viel möglich. Meist sind es die eigenen Grenzen, die eher einsetzen als die des Fatbikes. Natürlich wäre ein Fatfully ( ein richtiges 😉 ) mit entsprechendem Lenkwinkel noch labender, dem Fahrspaß tut dies aber am federbegabeltem Fatbike keinen Abbruch… unbedingt ausprobieren!

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