FATBike Fully – unser Testfazit: Relax!

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FATBike Fully – ein neuer Trend im neuen Trend?

Das sind sie: Deutschlands FATteste Fullies!

Das sind sie: Deutschlands FATteste Fullies!

Vor einigen Wochen haben wir uns die Butter mal so richtig FAT aufs Brot geschmiert. Beim FATBike Fully Doppeltest mit der Alutech Fat Fanes und dem Maxx Huraxdax gabs Reifen und Federweg satt! Natürlich haben wir Euch sofort auch zwei FATte Butterbrote auf die Teller gelegt – in unseren Einzeltests haben wir unsere Eindrücke zusammengefasst und berichtet, was Fat Fanes und Huraxdax auf dem Kasten haben.

Nun haben wir das alles mal sacken lassen und ein paar Abende bei Bier und Chips über Sinn und Unsinn der FATBike Fullies philosophiert. Denn trotz unserer enormen Begeisterung und den „Fahrprofilempfehlungen“ bleibt eine Frage noch immer irgendwie unbeantwortet: was willste mit so einem Ding??? Darum soll es uns heute gehen.

Maxx Huraxdax: der Schluckspecht

Boarische G'miadlichkeit: der Maxx Huraxdax

Boarische G’miadlichkeit: der Maxx Huraxdax

Rewind – wir spulen nochmal zurück. Was kann so ein FATBike Fully überhaupt gut? Der Huraxdax der Rosenheimer Manufaktur Maxx hat uns mit seiner enormen Schluckfreudigkeit begeistert. Egal, wo du das Teil drüber scheuchst – völlig unbeeindruckt von Schwerkraft und Untergrund zieht der FATte Bayer seine Bahn und vermittelt dabei die Solidität einer alpinen Festung. Selbst auf Single Trails mit endlosen nervenaufreibenden Wurzelpassagen, auf denen man auf einem normalen Mountainbike irgendwann heulend zusammenbrechen würde, saugt der Huraxdax die Unebenheiten gierig auf und eröffnet ein bisher ungekanntes Spaßpotential. So sieht sie aus, die berühmte „Boarische G’miadlichkeit“. Und es macht verdammt viel Spaß, mal ganz ohne Rücksicht einfach draufhalten zu können.

Schöne Aussichten...

Schöne Aussichten…

Dem gegenüber steht jedoch eine massebedingte Trägheit: obwohl die schlauchlosen Räder erstaunlich leicht sind und ein – angesichts des massigen Auftritts des Huraxdax – unerwartet leichtfüßiges Fahrverhalten ermöglichen wollen die weit über 16 Kilo erstmal um die Ecke gewuchtet werden. Das bedarf einer gewissen Vorausplanung und verlangt Krafteinsatz. Alles fühlt sich irgendwie zäh an – die zahnradartige Traktion verfälscht allerdings den Eindruck: man ist einfach brutal schnell unterwegs und während du dich in Selbstmitleid über dein träges Bike wälzt verschwinden deine Bikebuddies am Horizont – HINTER dir! Außer…

…sie sitzen auf einer Fat Fanes!

Die kühle Schönheit aus dem Norden: Alutech Fat Fanes

Die kühle Schönheit aus dem Norden: Alutech Fat Fanes

Denn das Ding rockt! Als Enduromaschine konzipiert legt die Fat Fanes die Messlatte aber nicht höher, sondern einfach ganz woanders hin. Mit „schmalen“ 4.0er Reifen bewaffnet ist die Fat Fanes solide auf Krawall gebürstet. Eines bleibt: kindskopfgroße Hinternisse schmelzen unter der Fat Fanes dahin das es eine wahre Freude ist! Aber anders als beim Huraxdax liegen die Stärken der Fat Fanes klar im Downhill.
Geometrie und Winkel geben einem sofort das Gefühl, dass man hier auf einer Kanonenkugel unterwegs ist und alles schreit dich an: fahr schneller, Mann!!! Dabei rückt auch ein lieb gewonnenes Relikt der guten alten MTB Zeit in den Hintergrund: die Ideallinie. Keine Frage, auf der ist man auch mit der Alutech Fat Fanes noch am schnellsten. Aber wenn man sie ignoriert und einfach mal drauf los fährt entdeckt man ganz neue Spaßmomente auf seinem Lieblingstrail. Das, was früher Hindernisse waren, wird heute zum Spielplatz.

Dan haut rein

Dan haut rein

Die Fat Fanes bringt ebenfalls nichts aus der Ruhe. Denn wenn die ebenfalls deutlich über 16 Kilogramm einmal in Schwung sind bestimmt die Massenträgheit die Richtung, nicht irgendwelche Banalitäten wie loses Geröll oder nasse Wurzeln. Auch, wenn die Fat Fanes sehr verspielt daher kommt kann sie ihre Fettpölsterchen nicht ganz verbergen. Aber welche Kanonenkugel will das schon.

Aber nun mal Tacheles!

Schonmal andiskutieren - wozu das Ganze?!?

Schonmal andiskutieren – wozu das Ganze?!?

Wofür das Ganze? Naja, diese Frage ist in Bezug auf ein FATBike Fully garnicht so leicht zu beantworten. Zuerst mal sind die Teile schwer. Mehr als 16 Kilogramm sind irgendwie aus der Zeit gefallen. Wer also sein Bike einsatzbedingt längere Zeit schultern muss: Fehlanzeige.
Auch eines der originären Einsatzgebiete von FATBikes fällt flach: mangels der bei den Ur-Fatties üblichen Möglichkeit zig Gepäckträger zu montieren sind größere Expeditionen kaum zu bewerkstelligen.
Zu guter Letzt kann auch eines der großen pro-FATBike Argumente hier nicht punkten: die komplizierten Federsysteme sind aufwändig in der Wartung und anfällig für Fehler – wenn man es mit einem ungefederten und trotzdem längst nicht unkomfortablen FATBike vergleicht.

Also alles Quatsch? Nein, das wäre vorschnell. Denn auch ein FATBike Fully hat seine Nische, in der es klar überzeugen kann. Und, Überraschung: diese Nische ist groß. Riesengroß! Denn ein FATBike Fully taugt für Biker, die unkompliziert schnell sein wollen. Die sich keine Gedanken um Ideallinien machen wollen. Die keine Höchstleistungen vollbringen, sondern einfach biken wollen. Und denen Komfort wichtiger ist, als ein athletisches Bikegewicht (oder ein athletisches Eigengewicht…). Und damit für alle, die keinen Bock haben sich zu stressen.

Ein Grund: FATBike Fullies laufen wie auf Schienen!

Ein Grund: FATBike Fullies laufen wie auf Schienen!

Ach ja, und – oh Wunder – auch für alle, die eine top Fahrtechnik besitzen aber die Grenzen ihres konventionellen Bikes satt haben.
Denn bevor ein falscher Eindruck entsteht: ja, ein FATBike Fully ist der beste Weg, nicht vorhandene Fahrtechnik zu ersetzen. Und nein, das klingt nicht nur nach einem Bike für Tourenradler. Aber versierte Biker, die genug Mumm in den Knochen haben so ein Traktionsmonster an seine Grenze zu bringen, erwartet hier eine ganz neue Welt von Möglichkeiten. Die Dinger wollen einfach nicht wegrutschen! Oder anders gesagt: die meisten haben sich schon  lange bevor ein FATBike Fully vom Schlage des Huraxdax oder der Fat Fanes mal die Kontrolle verliert gepflegt die Hosen voll gemacht.

Was bleibt?


Vollgefederte FATBikes sprengen in vieler Hinsicht den Rahmen. Traktion, Einsatzgebiet, Zielgruppe, Gewicht, Federweg, und, und, und. Dabei lassen sie viele Tugenden klassischer FATBikes hinter sich und gehen einen ganz neuen Weg: sie kombinieren das Beste aus FATBike und Fully und decken so einen riesigen Einsatzbereich ab. Das größte Problem ist das Gewicht. Noch.

Mit FATBike Fullies ist es also ein bisschen wie mit SUVs. Zu groß, zu durstig, irgendwie gesellschaftlich inkompatibel. Trotzdem sind es die meist verkauften Autos. Warum? Weil sie geil sind. Weil sie stressfrei sind. Weil sie sagen „Mir doch egal!“ und weil sie – zumindest in der Theorie – die Möglichkeit bieten, seine besten Freunde, einen vollen Kühlschrank und den BBQ Grill einzupacken und mit der ganzen Fuhre raus in die Wildnis zu fahren. So klingt Freiheit!
Und so ist das auch beim FATBike Fully: du kannst damit abartige Trails fahren und dir selbst im Downhill mal so richtig Angst einjagen. Oder einfach nur biken, völlig relaxt und tiefenentspannt. Aber was du auch vorhast: dein FATBike Fully macht es mit! So einfach ist das.

3 Responses

  1. Fat Steve

    Servus,

    interessanter Test. Meines Erachtens die Zukunft des Fatbikes – sicherlich auch als Pedelec.

    Dämpfer und Federgabel sind – wenn in den Wartungsintervallen – kein wirkliches Problem mehr.

    Der Rebound des Hinterreifens eines Hardtail-Fatties ist das was am meisten im Gelände nervt. Das ist mit einem Fully behoben.

    Herzliche Grüsse
    Chris

    Antworten
  2. Björn

    ich bin mal gespannt wo die Reise bei den Fatfullys hingeht.
    z.B. eine FatPike mit RCT3 und mehr (Brems) Steifigkeit als die Bluto könnte ich mir noch gut vorstellen.
    Mich würde noch ein Vergleich mit dem (pornösen) Salsa Bucksaw Carbon interessieren.
    Da ist der Rahmen selbst recht leicht und komplett sollte man durchaus <15kg schaffen.

    Antworten
    • Matt

      Hi Björn,

      danke für Deinen Kommentar. Ja, in Sachen Federung ist noch Luft… Eine Pike wäre allein schon von der Funktion hier ein echter Gewinn. Diese Gabel funktioniert so absolut perfekt, dass die wirklich gut Bluto dagegen fast verblasst.
      Wegen dem Salsa schauen wir mal, da werden wir sicher auch noch was bringen.

      FATte Grüße

      Matt

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