Wir reden zu viel? Kein Problem!

Diesmal halten wir die Klappe und lassen mal jemand anderen zu Wort kommen. In unserer Rubrik „Jetzt redet Ihr!“ veröffentlichen wir FATBike Erlebnisse unserer Leser. Und heute ist Premiere: FATBiker Mario Schön ist mit seinem Specialized FatBoy und ein paar (leider nicht FATBikenden) Freunden vor einigen Wochen zur Heckmair Transalp aufgebrochen. „Vor ein einigen Wochen“ – das war doch im Sommer, oder? Jaja… Sommer… Sowas dachten sich Mario und seine Kumpels wohl auch. Was ihnen außer Schnee und Regen noch widerfahren ist lest Ihr hier. Und damit übergebe ich an Mario und sagen danke für den Bericht!

Klappe zu, Vorhang auf!

Fatbike-Alpencross auf Heckmair’s Spuren

Quelle: M. Schön

Quelle: M. Schön

Bereits im letzten Jahr ist im Rahmen des „Klönabends“ der Daimler Betriebssportgruppe Kassel die Entscheidung zu einem Alpencross auf Heckmair’s Spuren gefallen. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste, dass ich diese ohnehin schon spannende Unternehmung auf einem Fatbike bewältigen werde. Meine Gedanken schwebten damals zwar schon eine Weile um diese besondere Spezies Bike, dass ich dann aber im April diesen Jahres tatsächlich schon Besitzer eines Specialized-Fatboy sein sollte, hätte ich nicht mal zu träumen gewagt.

In der ersten Septemberwoche war es dann endlich so weit.

Quelle: M. Schön

Quelle: M. Schön

Nach etlichen Eingewöhnungskilometern mit meinem dicken Freund wurde er gut verpackt für den Transport nach Oberstdorf. Spezielle Anpassungen eines Radträgers waren dafür nicht notwendig, lediglich den Lenker habe ich eingedreht. Uns stand zum Glück der Anhänger der Radsportsparte zur Verfügung.
Am Morgen unserer ersten Etappe habe ich mich kurzfristig dazu entschlossen, doch einen Ersatzschlauch mitzunehmen, den ich mit einem Packriemen einfach auf das Oberrohr gebunden habe. Zusätzlich hatte ich zugeschnittene Stücke von PET-Flaschen dabei, die im Falle eines Risses in der Reifendecke zur Notreparatur unterwegs dienen sollten. Sogar Nähzeug, als auch eine Schusternadel samt Kevlarfaden hatten wir im Gepäck. Benötigt haben wir am Ende zum Glück nichts von alldem.
Unsere erste „Bergprüfung“ bestand in der Überschreitung des Schrofenpasses, den ich sowohl durch vorangegangene Alpenüberquerungen als auch von Wanderungen kannte. Diesmal betrug die Sicht leider nur etwa 20 Meter, von vereinzelten Lichtblicken zwischendurch mal abgesehen. Von wegen der Stufen und Leitern musste ich hier mein „Fatboy“ auch das erste Mal schultern. Das war auch gar kein Problem, das hatte ich zuvor ja schon ausprobiert. Bis auf die knapp 1,5kg Mehrgewicht im Vergleich zu meinem Fully machte es keinen Unterschied.
In der Abfahrt nach Warth konnte ich dann auch gleich den Mehrwert der breiten Reifen genießen. Nicht nur der vom Regen komplett aufgeweichte Boden, auch die steinigen Passagen ließen sich mit einem hohen Gefühl an Sicherheit bewältigen.

Die Fahrt durch ein Stück des Montafon gestaltete sich eher unspektakulär.

Quelle: M. Schön

Quelle: M. Schön

Die Sicht ließ  auch am zweiten Tag sehr zu wünschen übrig, die Wegbeschaffenheit wechselte zwischen Teer- und Forststraßen. In unserer sechsköpfigen Gruppe hatte ich mit dem Fatboy nie das Gefühl, in irgendeiner Form benachteiligt zu sein. Eher das Gegenteil war der Fall, zumindest abseits der Straßen. Die Übersetzung mit 2×10 (22-36 vorn, 11-36 hinten) lässt da keine Wünsche offen. Als wir dann im Schnee den Scalettapass überquerten, diente ich sogar als „Spurfahrzeug“.
Selbst höhere Schneewehen ließen sich locker überrollen. Kleine Abstriche musste ich stellenweise in der Geschwindigkeit an einigen Stellen in der Abfahrt machen. Hier machte sich die fehlende Dämpfung bemerkbar.

Um über den Chaschauna-Pass zu gelangen…

Quelle: M. Schön

Quelle: M. Schön

…hieß es ordentlich schieben oder zur Abwechslung auch mal Tragen. Gefahren ist hier keiner von uns, auch wenn es der Weg auf Grund seiner Breite eigentlich hergab. Aber die Steigung ist einfach nur brutal. Nach diesen beiden Pässen hatten wir den Alpenhauptkamm schon hinter uns gelassen und wir wurden allmählich vom mediterranen Flair umgeben. Es gab viele interessante Passagen, ausgesetzte Wegabschnitte, steinige und verblockte Pfade, in denen das Fatbike viel seines Potenziales ausspielen konnte.

Der krönenden Abschluss unsere Tour bestand in der Überfahrung des Tremalzo.

Quelle: M. Schön

Quelle: M. Schön

Der Aufstieg verlief bis auf die letzten 1,5km über Asphalt. Das funktionierte überraschend gut, und hat unterwegs für einigen Gesprächsstoff bis hin zu ungläubigen Blicken gesorgt. Die Abfahrt hingegen ist eine richtig schottrige Angelegenheit. Auch hier hatte ich einfach nur Spaß mit den 4,6 Zoll Reifen!

Quelle: M. Schön

Quelle: M. Schön

Noch ein paar Worte zum Thema Reifenreparatur

Solange sich die Schäden auf Durchschläge oder Einstiche, durch was auch immer, beschränken, kann ich die selbstklebenden Flicken von Parktool sehr empfehlen. Im ersten Versuch bin ich mit den konventionellen TipTop-Flicken in Verbindung mit der Vulkanisationsflüssigkeit gescheitert. Trotz gründlichem Anschleifen des Gummis, löste sich der Flicken wieder.

Den Tip von Fatbike-Transalp, die Bremsen aufzurüsten, kann ich voll unterstützen. Die serienmäßige Tektro hatte ich gleich im Shop durch eine Formula C1 mit 160er Scheibendurchmesser hinten und 180mm vorne tauschen lassen. Besser ist jedoch 180mm hinten und 200mm vorn, obwohl ich mit 73kg Lebendgewicht eher zu den leichteren Biker zähle. Das Mehrgewicht durch das Gepäck und allein die Länge der Abfahrten fordern der Bremse einiges ab.

Auch wenn mich unterwegs immer wieder ungläubige Blicke in Augenschein nahmen: Ein Fatbike taugt definitiv für einen Alpencross.

Ihr habt auch einen Reisebericht von einer FATBike Tour? Dann schreibt uns! Wir freuen uns von Euch zu hören!

4 Responses

  1. DerMario

    Hey Carsten,
    aber klaro, im Harz bin ich dabei! Werde schon am Freitag rüber fahren und mein Zelt aufschlagen 🙂

    Weitere Infos zum AlpenX (und einiges mehr) findest du auch unter: http://schoenies.org

    Bis bald dann im Harz! Freue mich schon.
    Mario

    Antworten
  2. Carsten

    Moin Mario,
    war beim Zollstockrennen nur als Zuschauer anwesend, mein Sohn ist mitgefahren.
    Habe dich auf dem ersten Foto vom Reisebericht erkannt & wusste erst nicht wo ich dich
    hinstecken soll. Dann ist mir das Zollstockrennen eingefallen, da waren ja zwei Fatty’s unterwegs,
    und siehe da in der Ergebnissliste dein Name.
    Helmut (Baikshopp) ist auch dabei eine Fatbikeabteilung zu gründen.

    Bist du am 11.10. auch in St Andreasberg?

    Gruß
    Carsten

    Antworten
  3. DerMario

    Hi Carsten,
    dann sind wir uns etwa beim Zollstock-Bergzeitfahren über den Weg gerollt? Offenbar bist du damals noch auf schmalen Reifen unterwegs gewesen??
    Bislang ist die Gemeinde der Fatbiker im Kasseler Raum noch in einem überschaubaren Rahmen. Vielleicht lässt sich bald mal eine gemeinsame Runde auf die Reifen bringen! Ich arbeite daran.

    Wir sind an einem Freitagvormittag in Kassel gestartet und am frühen Nachmittag in der Jugendherberge von Oberstdorf angekommen. Unsere Tour startete am Samstagmorgen und endete nach 7 Tagen, also Freitags, in Riva. Das hatte den Vorteil, dass wir den kompletten Samstag am Gardasee noch „abchillen“ konnten 🙂 Am frühen Sonntagmorgen war dann wieder Aufbruch gen Norden.

    Viele Grüße
    Mario

    Antworten
  4. Carsten

    Tach Mario,
    vom Zollstock uff die Transalp.
    Schöner Bericht und tolle Bilder.
    Wieviel Tage hattet ihr denn eingeplant?
    Habe das gleiche Faty und werde mir auch eine
    andere Bremsanlage zulegen.

    Gruß aus Kaufungen
    Carsten

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.