FATBike im Schnee – klarer Heimsieg!

Möchte jemand ein Eis?

Möchte jemand ein Eis?

Was kann ein FATBike im Schnee? Über FATBikes wird ja viel diskutiert, was sie sind, was sie können, wer sie braucht. Und nur zu gerne diskutieren gerade diejenigen mit, die noch nie ein Fatty aus der Nähe gesehen haben. Dabei ist es gerade beim FATBike wichtig, es nicht als „Mountainbike mit dicken Reifen“ zu behandeln sondern artgerecht damit umzugehen.

Und dass sie bei korrektem Umgang unglaubliche Talente entwickeln, beweisen sie seit über 20 Jahren sehr eindrucksvoll: FATBikes im Schnee des harten nordamerikanischen Winters!

Aber wir haben Glück: Winter gibt es auch bei uns und der hat in den letzten Tagen mal richtig auf die Kacke gehauen. In den meisten Teilen der Republik fiel Schnee bis zum Abwinken. Zeit für ein wenig Wintersport! Und damit euch die FATten Walzen so richtig nach vorn bringen hier ein paar Tipps, wie man entspannt durch den Tiefschnee pflügt. Aber Vorsicht: Suchtgefahr!

Erste Wahl: die richtigen Reifen

Kommt aus dem Land der Grizzlybären und packt genaus unbarmherzig zu: Surly Lou

Kommt aus dem Land der Grizzlybären und packt genauso unbarmherzig zu: Surly Lou

Der offensichtliche Vorteil von FATBikes im Schnee sind die breiten Reifen. Sie sinken nicht so tief ein und laufen deutlich richtungsstabiler als ihre schmaleren MTB Brüder. Wer also die Wahl hat (Einbaubreite beachten…) darf beherzt zu Schlappen im SuperFAT Format 4.8 Zoll greifen. Aber erst mit sattem Profil bekommt die Rakete ordentlich Schub: breite, hohe Stollen verbeißen sich fest im Schnee und vermitteln die nötige Traktion. Geboren in der Kältekammer der USA, Minnesota, heißen die unangefochtenen Stollenkönige „Bud“ und „Lou“. Ihre Stollen türmen sich satte 8 Millimeter hoch auf und überragen andere FATBike Reifen damit um mehrere Millimeter. Man sagt, die beiden essen kleinere Stollen zum Frühstück!

Bud legt sich mächtig ins Zeug für die richtige Richtung

Bud legt sich mächtig ins Zeug für die richtige Richtung

Kommt Glatteis ins Spiel, ist aber auch für Bud und Lou schnell Schluss mit lustig. Hier hilft nur noch ein Nagelbrett wie der 45NRTH Dillinger, der mit 240 Spikes aus Stahl unmissverständlich klarstellt, wer im Eispalast die Ansagen macht.

Relax!

Wenn der Schnee weicher und tiefer wird, hat man als FATBiker gleich mal ein Ass im Ärmel: der Reifendruck! Im Normalfall ist ein prototypischer 75 Kilogramm Standardpilot je nach Reifen und Geschmack irgendwo im Bereich um 0.5 Bar unterwegs. Die meisten FATBike Reifen brauchen diesen Druck auch, um auf harten Untergründen stabile Seitenführung und brauchbaren Rollwiderstand zu bieten. Beides kann man mit dem FATBike im Schnee getrost vergessen…

Tiefdruckgebiet: Bud im Schneemodus

Tiefdruckgebiet: Bud im Schneemodus

Plan B ist also: Dampf ablassen. Mit einem beherzten Griff zum Ventil kann man z.B. die Surlies schnell um 2 Zentimeter verbreitern. Also natürlich gemessen beim Fahren. Dann fräst man eine gut 15 Zentimeter breite Spur in den Schnee und hat genug Auflagefläche für widrigste Bedingungen. Auf Asphalt ist das Fatty dann in etwa so gut zu manövrieren wie ein Öltanker. Aber im Schnee geht das Ding ab wie Schmidts Katze!

Schultern zurück, Bauch rein…

Umkehren? Der Spaß fängt doch gerade erst an!

Umkehren? Der Spaß fängt doch gerade erst an!

Dieser Teil der Übung verlangt ein wenig Umgewöhnung. Denn wenn man mit seinem Bike an die Grenze der eigenen Kräfte stößt, steht man intuitiv auf und haut voll in die Pedale. Klasse Sache im Sommer. Wenn einen jedoch der Tiefschnee bremst und man greift zu diesem Mittel dann war’s das in der Regel – das Vorderrad sackt ein und steckt fest, das Hinterrad dreht durch.

Die Lösung: Körper und Gewicht nach hinten, wenn der Schnee sich dagegen wehrt plattgewalzt zu werden! So bekommt man das Vorderrad wieder AUF den Schnee und das Hinterrad hat mehr Grip. Alternativ kann man sich, analog zum klassischen heckgetriebenen PKW, auch einen Sack Zement auf den Gepäckträger binden. Ich würde das aber lassen…

Wie gesagt, das ist ungewohnt und auch noch verdammt anstrengend. Findet man aber die richtige Balance auf dem Fatty ist es kaum aufzuhalten und schafft sogar verschneite Steigungen, die für andere Bikes unerreichbar sind.

Kette rechts!

Einfach nur schön...

Einfach nur schön…

Ein FATBike im Schnee zu bewegen fühlt sich bisweilen an, als zerrt man eine Dampflock hinter sich her – und trotzdem soll man in den nächsthöheren (=länger übersetzten, „schnelleren“) Gang schalten? Wie passt das zusammen? Auf den ersten Blick gar nicht, aber es hilft einen der härtesten Gegner im Zaum zu halten: den Schlupf. Es sieht natürlich cool aus, wenn der Schnee spritzt während dich der Hinterreifen nach vorn schiebt. Aber die Grenze zwischen Haft- und Gleitreibung ist schmal und bereitet, einmal überschritten, dem Vortrieb im Schnee meistens ein abruptes Ende.

Eine längere Übersetzung hat dabei gleich mehrere Vorteile: es steht weniger Drehmoment (=Kraft) am Rad an, das senkt das Risiko des Durchdrehens. Dazu lässt sich die Kraft feinfühliger dosieren. Und das Hinterrad legt zwischen den Totpunkten an der Kurbel mehr Strecke zurück: dreht es kurz durch, sackt der vordere Fuß nicht sofort zum unteren Totpunkt durch sondern man hat gute Karten, dass sich wieder Grip aufbaut bevor der Fuß unten ist.

Anfahren. Leicht gemacht.

Surly Lou alias "Die Schneefräse" nach getaner Arbeit

Surly Lou alias „Die Schneefräse“ nach getaner Arbeit

Und dann ist es doch passiert: alle Tipps beherzigt, alles gegeben und doch mit dem FATBike im Schnee stecken geblieben. Die gute Nachricht: wenn das passiert ist man in der Regel so weit draußen, dass es niemand sieht. Aber jetzt geht’s ans Eingemachte. Kurz anschieben und dann locker aufs Bike schwingen steht im Tiefschnee nicht zu Auswahl!

Aber bevor man sich Bären und Wölfen preis gibt kann man ja nochmal eine Kombination aus den Tipps oben probieren: größeren Gang einlegen, falls möglich ein Stück zurück um die bereits gewalzte Spur auszunutzen, aufs Bike setzen (wegen Gewicht nach hinten, ihr wisst ja…) und vorsichtig los treten. Es klappt oft nicht sofort und kostet Unmengen an Kraft wieder los zu kommen. Aber es geht.

Und wenn alles nicht mehr hilft, bleibt ja immer noch die Notlösung, die wir alle noch vom Winter-Mountainbiken kennen: wer sein Rad liebt, schiebt!

Was bleibt?

Loipe bitte nicht betreten!

Loipe bitte nicht betreten!

Um eines klar und deutlich zu sagen: FATBikes können nicht fliegen und vollbringen keine Wunder. Wer erwartet, mit dem Fatty entspannt im tiefsten Winter Alpenpässe zu überqueren wird lernen müssen, mit Enttäuschung zu leben. Dennoch kann man sich mit einem FATBike in ungeahnter Weise durch den Winter bewegen. Aber genau wie ein felsiger Single Trail hat Schnee seine Eigenheiten, die man für optimale Ergebnisse berücksichtigen muss. Beachtet man jedoch ein paar Tipps und beißt sich geduldig durch kann man dem Winter eine geballte Ladung FAT verpassen!

Apropos FAT: ein FATBike im Schnee saugt gnadenlos an den Akkus! 10 Kilometer Tiefschnee fühlen sich an wie eine Transalp-Etappe. Ein Energieriegel im Gepäck schadet nicht – und erleichtert die Flucht vor Bären und Wölfen!

9 Responses

  1. peter goeldi

    Hallo Fatbikers,
    habe auch riesigen Spass gefunden mit dem „Faty“
    Am 11 März 2017 ist ein Downhill in Saas Fee CH angesagt.
    http://www.saas-fee.ch/fr/glacier-bike-downhill/
    Meine Frage: Kennt jemand die gute/richtige Technick,
    um es so richtig rauschen zu lassen?
    Gwichtsverteilung, kurze Richtungsänderung oder Ausweichen
    etwelcher Hindernisse in eingeschlagener Richtung, etc.

    Antworten
    • Matt

      Servus Peter,

      willkommen auf der FATten Seite der Macht! Mit einem DH auf Schnee hast Du Dir aber gleich mal eine echte Hausnummer vorgenommen. Erstmal brauchst Du exzellente Reifen. Hier empfehlen wir z.B. 45NRTH Dunderbeist/Flowbeist, Surly Bud/Lou, Maxxis Minion oder den Vee Tire Snow Shoe bzw. Snow Avalanche. Kommt Eis in’s Spiel solltest Du Spikes aufziehen.
      Die Fahrtechnik auf Skipisten ist schwer zu erklären, auch wenn sie grundsätzlich der auf alle losen Untergründen entspricht. Nur können sich die Bedingungen auf Skipisten, egal wie gut sie präpariert sind, von einem Meter auf den nächsten schlagartig ändern. Man braucht nahezu unendliches Fingerspitzengefühl, viel Weitblick und schnelle Reflexe. Grundsätzlich solltest Du jede ruckartige Bewegung vermeiden, weich einlenken mit mehr Last auf dem Vorderrad. Bricht es in den Schnee, nimm das Gewicht zügig aber gleichmäßig nach hinten. Das Hinterrad gibt beim Bremsen i.d.R. kein Feed Back sondern bleibt einfach stehen. Gefühlvoll vorn Bremsen hilft am meisten.
      Der wichtigste Tipp: probiere es auch und taste Dich ran. Und pack Dich gut ein. Schnee verzeiht keine Fahrfehler, man fliegt sehr schnell ab und landet oft erstaunlich hart…
      In diesem Sinne: Ski heil 😉

      FATte Grüße

      Matt

  2. Oliver Geiger

    Hallo!
    Bin begeisterter Fatbiker und habe eine Frage da ich nirgends etwas finde. Gibt es eine rechtliche Grundlage die das benützen von Loipen für Fatbikes verbietet/erlaubt? Langläufer finden es klasse oder sind erstaunt aber freundlich nur die betreiber nicht so ganz. Danke schon mal für die Auskunft.

    Mfg

    Antworten
    • Dan

      Hallo Oliver, Danke für deine interessante Frage. Uns ist hierbei keine rechtliche Grundlage bekannt, aber ich denke unabhängig davon sollten wir im Wald alle gegenseitig Rücksicht aufeinander nehmen. Sicherlich kann man die festgefahrenen Wegstreifen zwischen den Spuren mit dem FATBike nutzen, aber direkt in die gespurte Loipe fahren, das würde ich zumindest nicht machen. Es gibt aber auch schon Skigebiete, die im Winter spezielle FATBike Routen präparieren. FATte Grüße und viel Spaß im Schnee euch allen!

    • Oliver Geiger

      Hallo Dan!

      Danke für die Info. Das ist es ja was ich meine die Rücksichtsnahme aller sich in der Natur sich bewegenden und Toleranz, würde auch nie auf den Gedanken kommen in den gespurten Teil der Loipe zu fahren. Es sind ja wie ich erwähnte die Betreiber/Personal die sich über das nutzen durch Biker anscheinend geschädigt fühlen und Schilder aufstellen die das befahren mit Bikes verbieten, zumindest in dem Gebiet Bay.Wald/Sankt Englmar. Es gibt sicher Regionen die es ausdrücklich erlauben nur jeder sucht sich doch ddas Gebiet mit der kürzesten Anfahrt. Werde mir den Spaß nicht verderben lassen und wie immer freundlich und Rücksichtsvoll verhalten und wünsche allen die nicht auf dem Sofa liegen in dieser Jahreszeit weiterhin vieeeeeeel Spaß draußen.

      Mfg

  3. Jürgen

    Servus Jungs

    Schade , das es den schönen Schnee schon wieder weg geregnet hat 🙁

    [img]http://up.picr.de/20653161fv.jpg[/img]

    [img]http://up.picr.de/20653162rv.jpg[/img]

    [img]http://up.picr.de/20653164fn.jpg[/img]

    Aber da kommt bestimmt noch was 😉

    Gruß aus dem Allgäu ,
    Jürgen

    Antworten
    • GrossMatt

      Hi Jürgen,

      danke für die Bilder! Unglaublich, wie viel Schnee in der kurzen Zeit gefallen ist… Hier ist er aber auch schon wieder weg. Geht aber sicher noch was – wobei es dem Fatty egal ist ob es Schnee oder Schlamm plattwalzt!

      Grüße

      Matt

    • GrossMatt

      Hi Marsbiker,

      leider nein. Hatten wir eigentlich vor aber diesmal müssen wir von weitem zusehen.

      Grüße

      Matt

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