FATBike Reifen: ein Überblick

HED Carbon FATBike Rad

FATBike Reifen, das ist das wohl offensichtlichste Merkmal aller FATBikes. Denn erst die Reifen mit dem Durchmesser einer Grapefruit machen den Unterschied!

Und ich, der seinen Erstgeborenen „Knard“ taufen würde, habe das Vergnügen Euch heute einen Überblick über das weite Feld der FATBike Reifen zu verschaffen.
Mit Formaten zwischen 3 und 4,8 Zoll schließen FATBike Reifen zwar mehr oder weniger nahtlos an waschechte Downhill Reifen an, vom Aufbau her sind sie aber eher bei XC bzw. Freeride angesiedelt. Neben diversen Profilen gibt es natürlich auch den König aller FATBike Reifen: den Spike. DIE Allzweckwaffe für Schnee UND Eis!

Auf Grund der Vielfalt haben wir den Beitrag zu FATBike Reifen auf 2 Artikel aufgeteilt. Der erste Teil widmet sich dabei verschiedenen Anbietern und Underdogs, die mit erstklassigen und durchdachten Produkten am Markt vertreten sind. Teil 2  ist dem Marktführer Surly gewidmet, der nach wie vor die Mehrzahl der FATBikes mit Reifen ausstattet.

Außerdem Pflichtlektüre bei der Suche nach dem richtigen FATBike Reifen: unser großer FATBike Reifentest!

Salsa Beargrease FATBike Reifen

Die Hersteller von FATBike Reifen

Inzwischen kommen auch großen MTB Reifen Hersteller wie Schwalbe auf den Markt für FATte Schlappen.
Doch sehr lange war es mit FATBike Reifen wie mit FATBikes: es sind die kleinen und bei uns oft unbekannten Hersteller, die den Ton angeben. Größter und bekanntester Hersteller ist sicher Surly. Die Jungs aus Bloomington blicken auf eine enorme FATBike Erfahrung und bieten im Prinzip alle FATBike spezifischen Teile und komplette Bikes an.
Ebenfalls einen Namen als Hersteller von FATBike Reifen hat sich 45NRTH gemacht. Dabei sitzt 45NRTH am selben Standort wie Surly und Salsa, was auf eine sehr enge Kooperation schließen lässt 😉

Aber auch Hersteller außerhalb des 45NRTH/Salsa/Surly Imperiums haben FATBike Reifen zu bieten. Einer davon ist der im sonnigen Florida ansässige Hersteller Origin-8. Dabei ist Origin-8 kein ausgewiesener FATBike Spezialist sondern bietet eine breite Range interessanter Rahmen, Parts und Bikes an.
Einer der wenigen Massenhersteller mit FATBike Reifen im Angebot ist der Thailändische Reifenspezialist Vee Tire, der immerhin 3 Produkte an den Start bringt.
Inzwischen auch gut verfügbar ist der Specialized Ground Control mit 4,6 Zoll, den Specialized am Anfange exklusiv als Erstausrüstung auf seine FatBoy FATBikes montierte.

45NRTH, der FATBike Spezialist

45NRTH befindet sich nicht nur in räumlicher Nähe zu Surly. Auch die Reifen haben Gemeinsamkeiten: so gibt es den Hüsker Dü wie auch die 3,8er Surly Reifen in 2 Versionen: 27tpi Draht und 120tpi Kevlar. Allerdings steht der Hüsker 4,0 Zoll Breit auf dem Trail. Der Drahtreifen belastet die Waage mit etwas über 1,5 kg, während die faltbare Version ein halbes Pfund leichter ist. Das Profil setzt auf viele eher kleine, pfeilförmig angeordnete Noppen. Das verspricht viel Traktion bei geringem Rollwiderstand. Dabei ist der Hüsker Dü ein Allrounder, der auf Vorder- und Hinterrad eingesetzt werden kann.

45nrth Dillinger 4

Mit dem Dillinger 4 eröffnet 45NRTH eine völlig neue Welt der FATBike Reifen: den Spike! sage und schreibe 240 Aluminium/Hartmetall (120tpi Version) bzw. Stahl/Hartmetall (27tpi Version) Nägel verleihen klebstoffartigen Grip selbst auf spiegelblankem Eis. Dabei ist die teurere 120tpi Version angeblich nicht mal viel schwerer als die ebenfalls erhältliche „zahnlose“ Version des Dillinger 4 (nur als 120tpi Version, zu finden als Erstausrüstung z.B. auf dem Salsa Beargrease). Wir konnten noch nicht selbst nachwiegen, werden das aber baldmöglichst nachholen! Wie auch der Hüsker Dü ist der Dillinger 4 für beide Räder ausgelegt.
Bei akutem Zahnausfall können die Spikes mit einem speziellen Werkzeug übrigens leicht ersetzt werden.

45nrth Dillinger 5 Spikes

Als bisher höchste Evolutionsstufe der 45NRTH FATBike Reifen kommt 2014 der Dillinger 5 auf den Markt. Frisch aus der Reifenform – quasi noch smoking hot – bahnt sich die Macht mit 4,8 Zoll Breit und Spikes ihren Weg. Eigentlich sollte er „The Unstoppable“ heißen! Nur in der faltbaren 120 tpi Variante lieferbar setzt auch dieser Dillinger auf eher kleine, aber weit in die Schultern gezogene Noppen. Und auf 258 (!) Spikes!
Die Noppen werden dabei zum Rand hin höher, was das Profil abflacht und noch mehr Traktion auf weichem Untergrund bringen soll – während die flacheren Noppen in der Reifenmitte den Rollwiderstand senken.
Die Spikes besitzen eine konkave, als nach innen gewölbte, Hartmetallspitze, was die effektive „Spike Edge“ vergrößert.
Wie auch beim Dillinger 4 wird es eine Variante ohne Spikes auf Basis der 120tpi Faltkarkasse geben.

Die Kosten: während die „non studded“ 45NRTH Reifen klassenüblich im Preissegment zwischen 120,- und 150,- Euro angesiedelt sind, sprengen die Spike-Versionen die 250,- Euro Marke. Aber mal ehrlich: immer noch besser als auf dem Eis zu erfrieren!

Origin-8: FATBike Reifen aus dem sonnigen Florida

Florida ist nicht direkt, was wir unter einer Wiege der FATBikes verstehen. Aber wir konnten auch noch nicht testen, wie sich ein FATBike in Krokodil verseuchten Sümpfen macht! Vielleicht liegt genau da das Geheimnis von Origin-8, die mit dem Devist-8er einen sehr interessanten FATBike Reifen im Programm haben. Erhältlich in 4,0 Zoll Breit und sowohl faltbar als auch in Drahtversion handelt es sich dabei um einen relativ schweren Reifen mit sehr dicker Karkasse: über 1,8 kg kommt bereits die faltbare Version! Aber genau deswegen soll er hier erwähnt werden: wenn zusätzlicher Pannenschutz eine Rolle spielt, ist der Devist-8er eine Alternative! Die besonders dicken Seitenwände halten auch schonmal einem Krokodilbiss stand!
Bei Interesse lohnt der Blick über den großen Teil, dort wird der Devist-8er bereits zwischen 50 und 60 $ US angeboten!

Coming soon: Specialized Ground Control 4.6

Specialized Ground Control 4.6
Quelle: Specialized

Ebenfalls frisch aus der Entwicklungsabteilung stammt  Specialized’s eigener FATBike Reifen „Ground Control 4.6“. Die auf dem Prototypen des FatBoy montierten Surly Reifen hat Specialized gegen diese Eigenentwicklung ersetzt, die vor allem leichter sein soll als Lou und Bud.
Wir haben inzwischen einen nagelneuen Ground Control nachgewogen und sind auf exakt 1535 Gramm (+/- ein paar Gramm, die meiner alten Küchenwaage geschuldet sind) gekommen.  Eine signifikante Gewichtsersparnis zum Lou/Bud ergibt sich also leider nicht. Allerdings scheint uns profilbedingt der Rollwiderstand geringer zu sein, was wir zu gegebener Zeit nochmal in einem ausgiebigen Test überprüfen werden.
Beim Ground Control handelt es sich ebenfalls um einen faltbaren Reifen. Was uns aber ins Auge gestochen ist sind die seitlichen Noppen. Diese stützen sich bis weit in die Reifenflanke hinein ab, was enormen Grip in der Kurve bedeutet. Die etwas geringere nominale Breite von 4.6 Zoll fällt dagegen weniger ins Gewicht, weder bei Dämpfung noch Durchschlagssicherheit ergeben sich Abstriche.
Weiterhin wird der Ground Control nur als Erstausstattung auf Specialized’s FatBoys angeboten. Am Plan, dass sich dieser Reifen vermutlich ab August im Zubehörregal finden wird, hat sich nach unseren Informationen aber nichts geändert.

Vee Tire bringt Thai auf den Tisch!

Der US Amerikanische Reifenspezialist Vee Tire ist als einziger quasi Massenhersteller mit FATBike Reifen vertreten. Und das gleich mit 3 Modellen. Zum einen dem Speedster (VRB.316), einem leichten, slick-artigen 3,5 Zoll Tourenreifen. Den Speedster gibt es in einer faltbaren, ca. 1,1 kg schweren und einer etwas schwereren Drahtversion. Gefertigt werden die Reifen in Thailand – so kommt Thai ans Bike!

VeeRubber Mission

Zweiter FATBike Reifen im Bunde ist der Vee8 (VRB.332), einem 4,0 Zoll Reifen mit sehr dicht gesetzten kleinen Noppen. Im Gegensatz zum Speedster gibt es hier nur die hochwertigere faltbare 120tpi Dual Compound Version. Beide Reifen, Speedster und Vee8 sind eher auf geringen Rollwiderstand optmiert als auf den Einsatz in Schnee und Schlamm.
Der dritte Vee Tire FATBike Reifen ist der ebenfalls 4 Zoll breite Mission (VRB.321), welcher einen deutliche größeren Noppenabstand aufweist. Die Noppen, welche stark ausgeformt sind, sind ähnlich dem Dillinger 5 in der Mitte eher flach um zum Rand hin höher zu werden. Den Mission gibt es in verschieden Kombinationen aus Draht-/Faltreifen  und Gewebedichten wobei die Faltversion mit ca. 1,5 kg auf die Waage drücken, währen die Drahtreifen nochmal ca. 300 gr. schwerer ausfallen.

So, das war’s mit Teil 1. Teil 2 unseres FATBike Reifen Beitrags ist in Arbeit und folgt demnächst. Also öfter mal reinschauen!

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