Unsere FATBike Transalp 2014 sollte unsere Erste und danach eigentlich auch unsere Letzte sein. Durch den ganzen Aufwand der täglichen Berichte, Fotos bearbeiten und Videos schneiden, blieb damals keine Zeit zum Ausspannen, Sauna oder Kaffeepausen. Und durch die Fotosessions auf den Trails ging der ganze Flow verloren. Trotz der vielen Arbeit während der ersten FATBike Transalp und des schlechten Wetters blieben aber auch gute Erinnerungen hängen. Irgendwie haben die am Ende sogar gereicht, um uns nochmal auf ein solches kleines Abenteuer einzulassen.

Drei der FATBike Transalp 2018 Protagonisten: unsere Specialized FatBoys

Drei der FATBike Transalp 2018 Protagonisten: unsere Specialized FatBoys

Einige Bedingungen hatten wir uns aber selbst auferlegt: Keine tägliche Berichterstattung, und nicht auf die Heckmair-Route, die kannten wir ja nun schon. Eines sollte allerdings bleiben wie gehabt: unsere geliebten Specialized FatBoys Expert.

Das muss mit, und das bleibt da

Nachdem in Deutschland fast ein halbes Jahr Hochsommer war, ahnten wir schon, dass wir die Deppen sind, die den ersten Schnee einsammeln. Deshalb planten wir alles – außer das Wetter – akribisch durch, von der Routenführung über die Unterkünfte, wer was mit nimmt und wie die Gemeingüter alá Ersatzreifen und FATBike Pumpe sinnvoll aufzuteilen sind.

Noch was trinken, und dann wieder los.

Noch was trinken, und dann wieder los.

Letztlich landeten wir alle drei bei jeweils ca. 10kg Rucksackgewicht, mit leerer Trinkblase wohlbemerkt. Aber warum drei? Barny, unsere legendärer FATBike Transalp Fotograf war diesmal nicht am Start, dafür unser Freund und der Orthopäde des Vertrauens, Christian. Man kann ja nie wissen.

Drei, ähh sechs FatBoys, und drei Backpacks. Mehr ging nicht rein!

Drei, ähh sechs FatBoys, und drei Backpacks. Mehr ging nicht rein!

Zurück zum Gepäck: wenigstens eine Spiegelreflex-Kamera musste mit, und ein iPad, ein 4,8 Zoll Ersatzreifen, wenn schon denn schon, dazu drei Schaltaugen, die Lezyne Mini FATBike Pumpe, reichlich Gas-Kartuschen, zwei FATte Ersatzschläuche, Medipack, Lichtsystem für den Notfall, selbstverständlich auch STVO-konform ein Rücklicht, das große Kryptonite-Schloss, 200mm Ersatzbremsscheibe, Kettenschlösser und den ganzen Werkzeugkram inkl. F100 Kettenöl, das zu guter Letzt doch jeder von uns dabei hatte. Ach ja, nicht zu vergessen die Dichtmilch, die wir in rauen Mengen zur Sicherheit abgefüllt hatten.

Ankunft in Garmisch, Bikes auspacken, Karre abgeben, und erstmal FAT zum Mittag rollen

Ankunft in Garmisch, Bikes auspacken, Karre abgeben, und erstmal FAT zum Mittag rollen

Der ganze persönliche Krempel und Bikeklamotten mussten dann auch noch irgendwie in die Rucksäcke. Da der Platz nicht mehr unbeschränkt vorhanden war, ließen wir kurzer Hand die langen, warmen Bikehosen zu Hause, auch die Ersatz-Handschuhe musste zu Hause bleiben.

Ich fahr keinen Meter, bevor ich nicht meinen Burger und n kaltes Bier bekomme!

Ich fahr keinen Meter, bevor ich nicht meinen Burger und n kaltes Bier bekomme!

Auf nach Garmisch, fertig, los…

Dann ging es Sonntag morgens zeitig los, im Mietwagen oneway nach Garmisch-Partenkirchen. Nachdem wir den Kahn abgegeben haben und uns mit einem FATten Burger nebst alkoholfreien Bier gestärkt hatten, ging es gegen 13 Uhr direkt los auf die erste Etappe nach Landeck.

Hinter und, die Zugspitze. Vor uns, ein anderer Berg. Wir, auf Asphalt-Radweg, auf der Albrecht Route.

Hinter und, die Zugspitze. Vor uns, ein anderer Berg. Wir, auf Asphalt-Radweg, auf der Albrecht Route.

In der 6 Tage-Variante der Albrecht-Route hieß das für 78km mit knappen 1.000 Hm, den Schlenker über den Eibsee mit nochmal 1.000 Hm extra wollten wir uns zum Einstieg ersparen. Bis auf den wunderbaren Lärchenwald bei Ehrwald und einem kurzen Stück Flowtrail war diese erste Etappe gefühlt nur asphaltiert.

Was für ein zauberhafter Märchen... äh nee, Lärchenwald.

Was für ein zauberhafter Märchen… äh nee, Lärchenwald.

Deshalb am Ende wohl auch unser 20iger Schnitt. Etwas Angst bekamen wir, als uns eine Gruppe Mountainbiker entgegen kam, auf einem geteerten Radweg neben der Bundesstraße, mit Hot-Ears auf den Köpfen… unsere langen Hosen hatten wir ja nun nicht dabei. Naja. Die letzten 20 Kilometer wunden sich nicht nur auf Asphalt sondern auch direkt neben der Autobahn entlang. Wenigstens schien dann noch die Sonne.

Kurze Pause, zum gucken, sehen lassen und Sonne genießen.

Kurze Pause, zum gucken, sehen lassen und Sonne genießen.

Jetzt wird’s ernst, Höhenmeter satt

Gestärkt mit Abendessen nach 2 Saunagängen und einem entspannten Bikerfrühstück im Hotel mit schlechtem Kaffee schwangen wir uns kurz vor 9 Uhr am nächsten Tag wieder auf die FatBoys. Ziel war die 80km entfernte Bodenalpe, ein Berggasthof bei Ischgl. Gut, der direkte Weg wären knapp 28km gewesen, aber die Albrecht-Route irrte lieber einmal um den Berg herum.

Kommt Jungs, Bier wartet...

Kommt Jungs, Bier wartet…

Satte 2.250Hm warteten auf uns, nach der Heilbronner Hütte irgendwann sogar mit einer kleinen Tragepassage, die wir selbst als FATBiker akzeptieren mussten.

Teilweise leider auch für unsere treuen FatBoys zu steile, also schieben.

Teilweise leider auch für unsere treuen FatBoys zu steile, also schieben.

Teile waren fahrbar, dennoch kostete das reichlich Körner. Gut das wir uns vorher in der Konstanzer Hütte mit Pasta satt und alkoholfreiem Bier die Reserven aufgefüllt hatten. Abwärts dann wieder etwas Trail und reichlich Asphalt.

Rauf zur Konstanzer Hütte, wo die Pasta und ein kühles Bier warten.

Rauf zur Konstanzer Hütte, wo die Pasta und ein kühles Bier warten.

Verfolgungsjagd. 3:0 für die FatBoys

Verfolgungsjagd. 3:0 für die FatBoys

Nach Kaffee, Kuchen und alkoholfreiem Bier in Ischgl und einer eigenen Variante über einen zufällig gefundenen Trail ging’s dann die letzten 500Hm auf Asphalt rauf zur Bodenalpe, unserem Nachquartier. Zwei Mountainbiker, die einige Zeit nach uns ankamen, fragten als aller erstes nach einer Steckdose, um ihrer Akkus aufzuladen. Wir hingegen waren dankbar für ein kaltes, alkoholfreies Bier auf der Terrasse – das hat unsere Akkus aufgeladen.

Abkühlung für unterwegs, oder am Ende nach getaner Arbeit.

Abkühlung für unterwegs, oder am Ende nach getaner Arbeit.

Der dritte Tag wird schwizzerisch

Mit einem deftigen Abendessen im Bauch wachten wir am morgen (fast) gut erholt auf und starten nach Kaffee und all dem anderen Krempel, was zu einem ausgewogenen Bikerfrühstück dazu gehört, in Richtung Schweizer Grenze zwischen Ischgl und Scoul.

War gerade kein Grenzposten in Sicht, sind wir schnell rüber gehuscht.

War gerade kein Grenzposten in Sicht, sind wir schnell rüber gehuscht.

Die Brücke ins Glück, Christian fährt schonmal vor...

Die Brücke ins Glück, Christian fährt schonmal vor…

Die Vorfreude auf einen hoffentlich FATten Trail auf der anderen Seite des Passes trieb uns an.

Die Vorfreude auf einen hoffentlich FATten Trail auf der anderen Seite des Passes trieb uns an.

Den Fimberpass mit seinen 2.608m fest im Blick, spulten wir Höhenmeter für Höhenmeter auf unseren Fattys ab, bis zur Heidelberger Hütte. Ab da war immer mal wieder schieben angesagt. Um so mehr taten uns dann die beiden Jungs vom Vorabend leid, die ihre sicher weit über 20kg schweren E-Bikes den Berg rauf schlürten und wir sie nun auch noch überholten. Auch auf dem Trail hinunter auf der anderen Seite des Passes dürften die beiden wenig Spaß gehabt haben, wir dagegen schon.

Packender Trail vom Fimberpass hinunter ins Tal

Packender Trail vom Fimberpass hinunter ins Tal

Am liebsten gleich nochmal...

Am liebsten gleich nochmal…

Sauber zogen die FatBoys ihre Linie auf schwierigem Terrain. Im Tal auf Schweizer Seite war gerade Mittagszeit, doch in Sent, einem wunderschönen, verschlafenen Schweizerischem Bergdorf, hatten die Gastronomen Ruhetag, und so wurden wir alternativ in Scoul fündig. Dank des Tipps eines netten Einheimischen durften wir alternativ zur Albrecht-Route einen wunderbaren Trail in die Stadt hinunter genießen.

Trostloses Tal im Schweizer Nationalpark, wurde leider erst in diesem Jahr quasi komplett von Muren zugeschüttet.

Trostloses Tal im Schweizer Nationalpark, wurde leider erst in diesem Jahr quasi komplett von Muren zugeschüttet.

Mit Pasta und alkoholfreiem Bier schöpften wir neue Energie, die dringend notwendig war für die gut 1.000 noch anstehenden Höhenmeter. Am Ende brachte uns der Tag 2.100 Höhenmeter auf knapp 72 km ein. Das Hotel Staila in Fuldera bot uns aber alles was das Bikerherz sich wünscht zum An- und Runterkommen. Kärcher für die Bikes, Werkzeug, Pumpen und Pflegemittel standen für uns bereit. Wir hatten alles selbst dabei, aber den kostenfreien Wäscheservice sowie die Sauna nahmen wir gern in Anspruch. Zum Dinner hatten wir Bier, Spritz und reichlich Wein mit regionale Speisen, sehr empfehlenswert.

Dann wurde es idyllisch, aber leider noch einige Hundert Höhenmeter vor uns.

Dann wurde es idyllisch, aber leider noch einige Hundert Höhenmeter vor uns.

Aber italienisch ist auch nicht schlecht

Mit netter Bedienung und gutem Kaffee starteten wir in den neuen Tag, warfen uns wieder allerhand energiegeladene Kost ein, und rollten gegen 9 Uhr entspannt in die vierte Etappe. Unser Ziel für heute war Italien, genauer gesagt eine kleine Berghütte in abgeschiedener Einsamkeit. Aber dazu später mehr.

Wie immer, erstmal rauf.

Wie immer, erstmal rauf.

Vorher waren noch ein paar Höhenmeter zu bezwingen. Knapp 700 davon ging es schottrig bergauf, dann tat sich das wunderbare Val Mora auf – ein Tal, das mit seinen 2.000-2.200m ü.n.N. kaum als solches zu bezeichnen ist.

Was überziehen und auf durch die Hochebene Val Mora

Was überziehen und auf durch die Hochebene Val Mora

Frisch auf über 2.200m, aber Sonne, was will man mehr.

Frisch auf über 2.200m, aber Sonne, was will man mehr.

Hier findet sich eher eine Art Hochebene, eingebettet in traumhaft schönes Bergpanorama. Fast 30km durften wir seichtes Gefälle bis nach Italien genießen, darunter auch ein verschütteter Flowtrail, der wegen Murren sicher jedes Jahr neu angelegt werden muss.

Geschmeidig windet sich der schottrige Trail durch das Tal

Geschmeidig windet sich der schottrige Trail durch das Tal

Schweizerisch-Italiernische Grenze

Schweizerisch-Italienische Grenze

Downhill ab Heidelberger Hütte. Laufen lassen, Hauptsache kein Gegenverkehr!

Downhill ab Heidelberger Hütte. Laufen lassen, Hauptsache kein Gegenverkehr!

Nach einem weiteren Anstieg zum Passo Verva war bergab leider wieder reichlich Asphalt unter unseren Rädern. Coke und Espresso Doppio brachten die genervten Beine in Grosio dann wieder in rotierende Bewegung. Schließlich waren jetzt nach 80km in den Beinen nochmal 1.000Hm am Stück zu bewältigen, rauf zur Berghütte La Baita.

Schon wieder Uphill.

Schon wieder Uphill.

Alessandro, der zuvorkommende Hüttenwirt, wartete oben bereits mit kühlem Birra Moretti IPA auf uns, verdient nach 94km und knapp 2.600Hm. Nach der heißen Dusche standen kübelweise Salat, Tonnen Steinpilz-Risotto, reichlich IPA und zum Nachtisch Limonen-Kuchen auf dem Tisch. Wer einmal die Möglichkeit hat, in La Baita einzukehren, ob zum Essen oder auch Übernachten, oder am besten beides… das ist ein äußerst positiv bleibendes Erlebnis, vorallem nach einem mühsamen Aufstieg!

Bier zur Ankunft auf La Baita. Schöner kann es kaum werden.

Bier zur Ankunft auf La Baita. Schöner kann es kaum werden.

Was bleibt?!

Wir unterbrechen das Programm hier für eine wichtige Durchsage: Über die Hälfte der 6-Tage-Variante der Albrecht-Route mit eigenen, spontanen Abwandlungen ist geschafft. An dieser Station in Italien machen wir eine kurze Schreibpause, und erzählen euch nächste Woche, wie wir uns bis zum Gardasee durchgeschlagen haben und vorallem auch, warum wir FATBikes so hassen! 😉

Stay tuned, ein paar Highlights unserer FATBike Transalp 2018 warten noch darauf, erzählt und gelesen zu werden.

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