Über E-FATBike Highend-Modelle bis 10.000 EUR haben wir schon häufiger berichtet. Zeit also auch mal das untere Ende der Preislatte zu inspizieren. Unter der Marke Jeep kommt nun mit dem MHFR 7100* ein eher einfach ausgestattetes Einstiegsmodell unter den E-FATBikes auf den deutschen Markt. Zum aktuell reduzierten Preis von 1.849 EUR* statt 2.399 EUR erschwinglich, wollten wir die Gelegenheit nicht auslassen, uns das Jeep E-FATBike einmal genauer anzuschauen und dieses natürlich auch zum Testride auszuführen.

Jeep E-FATBike MHFR 7100
Extrem steiler Lenkwinkel und langes Steuerrohr am Jeep E-FATBike

Vorweg, wir sprechen beim E-FATBike Jeep MHFR 7100* wie gesagt vom Einstieg in die E-FATBike Welt, für leichtes Gelände auf Wald- und Feldwegen ohne steile Anstiege, für urbane Ausflüge zum Shopping oder Eiscafé, oder für Touren auf Radwegen in eher flacherem Gefilde.

Bordcomputer des MHFR 7100
Computer an Bord, Unterstützung des Motors in 5 Stufen wählbar

Günstige Ausstattung ohne Überraschungen

Die Ausstattung am Jeep E-FATBike ist entsprechend. Die 4 Zoll breiten und wenig profilierten Reifen unterstreichen die oben genannten Einsatzgebiete bieten nur wenig Seitenhalt in schwerem Gelände. Dafür rollen Sie auf ebenen Untergründen umso geschmeidiger. Felgen und Vorderradnabe haben Einstiegsniveau. Mit der 7-Gang Shimano Altus Kettenschaltung wird der 250 Watt starke Nabenmotor angeheizt, der sich aus einem 375Wh Akku speist. Mit einem Schlüssel gesichert lässt sich der Akku zum Laden auch entnehmen. Die Übersetzungsbandbreite der 7 Gänge, gepaart mit einem großen 44 zähnigem Kettenblatt, lässt schon bei der Anzahl Zähne vermuten, dass steile Anstiege mit untrainierten Wadeln keine leichte Aufgabe wären.

7-Gang Schaltung am Jeep E-FATBike MHFR 7100
Einfache Shimano Altus 7-Gang Schaltung, eher für die Ebene gedacht.

Gebremst wird mit mechanischen Scheibenbremsen von Tektro, die elektronisch mit dem Bordcomputer verbunden sind. Sobald ein Bremshebel betätigt wird, stoppt der Motor seine Unterstützung und gibt seine Kraft erst wieder frei, wenn die Finger den Bremshebel gelöst haben und die Kurbel getreten wird. Zusammen mit dem Nabenmotor eine sehr sinnvolle Raffinesse, da dieser vor allem auf holprigem Untergrund dazu neigt auch ohne Kurbelbewegung nachzulaufen.

Schubabschaltung beim Bremsen am Jeep E-FATBike MHFR 7100
Praktische Schubabschaltung bei Betätigung der Bremshebel

Schwergewicht von der Stange

Sattelstütze, Vorbau und Lenker am Jeep E-FATBike sind günstige Anbauteile von der Stange, die Kurbelgarnitur ebenfalls. Lediglich beim Sattel macht sich Jeep die Mühe für ein Branding passend zum Bike. Auch die Federgabel, die zwar federt, aber nicht wirklich dämpft, ist günstige Massenware aus Asien. Zugegeben, sie ist nicht für das nächste Downhill-Rennen konzipiert, aber zur Entlastung der Handgelenke bei plötzlichen Stößen oder sich in den Weg stellenden Bordsteinkanten ist die verbaute Federgabel eine kleine Sicherheitsreserve.

Ein echter Jeep? Jeep E-FATBike MHFR 7100
Wenig Profil, aber stark abfallendes Oberrohr am Einheitsrahmen.

Die Geometrie des Jeep E-FATBIke Rahmens in Einheitsgröße mit 48cm Sitzrohr ist zumindest für uns gewöhnungsbedürftig, dürfte entspannten Tourern aber entgegen kommen. Aufrechte Sitzposition durch das wirklich lange Steuerrohr und steiler Lenkwinkel für widerstandslose Lenkmanöver schonen strapazierte Lendenwirbel. Das vom Hersteller angegebene Gewicht ist allerdings eher eine theoretische Hoffnung, denn mit 26kg gehört das Jeep E-FATBike nicht zu den Gazellen und überschreitet die Herstellerangabe um 2,5kg. Serienmäßig wird das Jeep E-FATBike MHFR 7100* mit Klingel, Rückstrahlern und Seitenständer ausgeliefert. Auch ein Satz Pedale liegt bei. Für diesen Test haben wir aber unsere eigenen Pedals angeschraubt.

Mechanische Scheibenbremse am Jeep E-FATBike MHFR 7100
Chinesischer Nabenmotor und mechanische Scheibenbremse von Tektro am Jeep E-FATBike

Mit dem Jeep E-FATBike MHFR 7100 auf Tuchfühlung

Soviel zu den Daten in der Theorie. Ab auf das Jeep E-FATBike und raus in den Wald. Naiv, oder fast schon ignorant der Ausstattung und den Reifen gegenüber, geht es ohne Warmlaufphase direkt ins ruppige Gelände, auf felsige und schlammige Trails. Und trotz der rudimentären Ausstattung kommen wir gut vorwärts, nicht nur auf der Geraden sondern sogar in leicht matschigen Kurven, überraschend. Selbst ohne nennenswertes Profil bauen die 4 Zoll Reifen Grip auf. Bei Sprüngen klappert's kräftig, Ständer und Federgabel machen sich so lautstark bemerkbar. Die überhöhte Front des Jeep E-FATBikes kann bei steileren Abfahrten die Performance der Federgabel etwas ausgleichen und Überschlagsgefühle ausblenden, auch wenn die nächste Kurve mit den kleinen mechanischen Bremsen beinahe schiefgegangen wäre.

Jeep E-FATBike MHFR 7100 rollt auf dem Trail
Dank der breiten Reifen ging Gelände dann doch ganz gut.

Bergab, bergauf, oder lieber geradeaus

Gut, runter kommen sie alle, aber jetzt wieder rauf… zähes Unterfangen. Einfache Anstiege lassen sich mit dem großen Kettenblatt dank Motorunterstützung noch bewältigen. Wird es steil, stößt der Motor mit seinem Drehmoment verteilt auf nur 7 Gänge allerdings an seine Grenzen und die Waden müssen im langsamen Wiegetritt den Großteil der Leistung übernehmen. Für steile Anstiege ist das Jeep E-FATBike ohne Umrüstung des Kettenblatts leider nicht zu gebrauchen. Die Unterstützung durch den Elektromotor ist über den Bordcomputer in fünf Stufen wählbar, das ist ausreichend granular und dennoch gut gespreizt.

Abnehmbarer Akku am Jeep
Gesicherter Akku wird zum Laden entnommen

Aber um ehrlich zu sein, haben wir das Jeep E-FATBike in diesem Gelände ziemlich missbraucht. Viel besser aufgehoben ist das dicke Jeep Bike auch nach unseren praktischen Erfahrungen mit dem Einsteiger eher auf Radwegen, ebenen Feld- und Wiesenwegen, auf urbanem Kopfsteinpflaster und kreuz und quer über Straßenbahnschienen. Dazu passt die große Übersetzung und auch die Bremsen verzögern in diesem Umfeld sicher und ausreichend.

Jeep E-FATBike MHFR 7100 für ebene Ausfahrten
Liegt ihm mehr, dem Jeep E-FATBike – ebene Wege in der Horizontalen.

Was bleibt?!

Das Jeep E-FATBike MHFR 7100 ist wahrlich kein Supersportler, für die tägliche Fahrt zur Arbeit oder Sonntags zum Eiscafé im nächsten Ort fühlt sich das E-FATBike vom 4×4 Experten aber wohl. Mit bis zu 60km Reichweite, je nach Unterstützungsstufe, reicht der Akku auch für ausgedehnte Familienausfahrten und dank der Motorunterstützung spielt das hohe Gewicht nur eine untergeordnete Rolle. Der offizielle Verkaufspreis von 2.399 EUR ist kein Schnäppchen, mit den derzeitig angebotenen 1.849 EUR* ist das Verhältnis aus Preis und Leistung unter Einbezug des kultigen Jeep Logos auf dem E-FATBike aber noch recht ausgeglichen.

E-FATBike Tourer zum Einstiegspreis: Jeep E-FATBike MHFR 7100
E-FATBike Tourer zum Einstiegspreis

6 Responses

  1. Uwe Trettin

    Meiner Ansicht nur als Stadtrad geeignet. Da soll es wohl Spaß machen.
    Für’s Gelände möchte ich es gar nicht testen….

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  2. Karsten

    Sorry aber das ist Schrott.
    Für teilweise unter 2000€ gibts bei ebay-Kleinanzeigen immer wieder gebrauchte Cube Nutrail oder Haibike Fatsix.
    Das sind solide E-Fatbikes mit dem Bosch Mittel-Motor der letzten Generation, der einen zusammen mit den anständigen Komponenten überall leicht & sicher hoch und runter bringt. Die 500 wh Akkus reichen selbst gebraucht weiter als der vom „Jeep“ und sind Standard, also gibts immer Möglichkeiten für Austausch/Aufarbeitung.
    Ach ja, das von euch auch mal getestete Silverback S-Electro Fat mit passablem Bafang-Mittelmotor gibts _neu_ für 2241€! Inklusive Tubeless-fähiger Mulefut-Räder!

    Antworten
    • Karsten

      Ach so, nebem dem „kultigen Jeep-Logo“ verfügt das hier vorgestellte Rad im Gegensatz zu den o.g. Alternativen über einen im Unterrohr integrierten Akku. Diese beiden „Vorteile“ wiegen gemeinsam natürlich alle anderen Nachteile des rollenden Müllhaufens mehr als auf.

      Ernsthaft: Seid ihr so froh, dass es wieder Mainstream-Hersteller gibt die sich mit (E-)Fatbikes beschäftigen, dass ihr über die Sinnhaftigkeit bzw bessere Alternativen nicht nachgedacht habt?

  3. Christian Zöllner

    Hallöchen! 🙂
    Hey, Shimano macht mit Sicherheit keine Fatbike-Nabenmotoren… 😉
    Habe jetzt keine Nahaufnahme gesehen, aber das wird ein Mxus, Bafang oder wenn er (fast schon unangenehm) lauter gesummt hat, vielleicht ein LAX-X von Lüangxing.
    Völlig überteuert das Ding. Dann doch lieber das NCM Aspen+…
    Bzw für in etwa diesen Preis gab es bis kürzlich noch das Leaderfox Braga 2021 mit Bafang M500 Mittelmotor!!

    LG
    Christian

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    • Dan

      Hi Christian, vielen Dank für den Hinweis. Da hatte sich leider ein Fehlerchen eingeschlichen. Es ist natürlich kein Shimano Motor! Wir haben das korrigiert. Danke und FATte Grüße, Dan

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