Hinweis: nach ausgiebigen Vergleichstests nach Veröffentlichung haben wir den Artikel in Bezug auf unsere Aussagen zum Rollwiderstand angepasst. Anders, als im Fazit von 2017 geschrieben, rollt der Juggernaut Pro 4.5 nur durchschnittlich leicht. Der Artikel wurde an den entsprechenden Stellen angepasst. Alle übrigens Bewertungen behalten ihre Gültigkeit.

Mit dem Juggernaut Pro 4,5 ist die Kenda FATBike Reifen Familie komplett, insgesamt also zweimal 4 Zoll und zweimal 4,5 Zoll Varianten. Doch verschiedener können die Kenda Reifen als „Sport“ und „Pro“ Versionen in Ihren Fahreigenschaften nicht sein, obwohl das Profil fast identisch zu sein scheint. Der Kenda Juggernaut Pro 4,5 hat mit dem Sport-Pendant so wenig gemein wie ein leichter Schwalbe Jumbo Jim LS mit einem Traktorreifen.

Auf unseren neuen Norco Ithaqua sind serienmäßig die Juggernaut Pro 4,5 von Kenda montiert, also eine gute Gelegenheit die Pneus einmal genauer unter die Lupe zu nehmen, da sie auch für uns noch Neuland waren. Mit allen anderen Mitgliedern der Kenda FATBike Reifen Familie hatten wir ja bereits Test-Kontakt.

Aufgezogen: Kenda Juggernaut Pro auf unseren Norco Ithaqua

Aufgezogen: Kenda Juggernaut Pro auf unseren Norco Ithaqua

Doch was macht den Unterschied?

Erster wesentlicher Unterschied zwischen den 4 Zoll und 4,5 Zoll „Pro“ Varianten ist die Profilhöhe. Während beim superleichten Juggernaut Pro 4,0 das Profil aus nur wenigen Millimetern hohen Blöckchen besteht, stehen die Stollen des Juggernaut Pro 4,5 erheblich weiter vom Gummi der Karkasse ab.
Der Unterschied zwischen den Pro und den Sport Versionen ist ebenso leicht erklärt. Sport bedeutet in der Fahreigenschaft eher, das man Muskeln wie ein Leistungsportler haben muss, um den Reifen vom Fleck zu bewegen. Beim Pro hingegen reichen einigermaßen sportliche Beine aus, um schnell zu beschleunigen und hohe Geschwindigkeiten zu erreichen. Wer ist jetzt nicht hinreichend verwirrt?!

Schön rund, da macht auch lenken Spaß

Schön rund, da macht auch lenken Spaß

Das Problem ist die Karkasse: die Pro Versionen des Kenda Juggernaut wurde um eine leichte und biegsame 120 TPI Karkasse konstruiert, während sich die Sport-Versionen mit steifem und schwerem 60 TPI  Gewebe begnügen müssen. Außerdem sind Letztere als Drahtreifen konzipiert anstatt leichte (und faltbare) Kevlar-Ringe zu besitzen. Berücksichtigt man dann noch die deutlich dickere Gummischicht an den Seitenwänden der Sport-Versionen sind die beschwerlichen Fahreigenschaften keine Überraschung.

Mehr zum Testkandidaten Juggernaut Pro 4,5

Aber jetzt zurück zum Thema, dem Juggernaut Pro in 4,5 Zoll Breite. Mit dem extrem teigigen, zähen Eindruck des Juggernaut Sport auf 4,5 Zoll Breite und unserer Begeisterung für die Agilität des Juggernaut Pro 4,0 rollten wir mit entsprechend gemischten Gefühlen die ersten Meter in den Wald. Schnell zeigte der Juggernaut Pro 4,5 aber seinen eigenen Charakter. Mit nur 1.380 Gramm lässt sich der Kenda recht leicht auf Geschwindigkeit bringen, und das vorerst sogar mit Schlauch. Aber dazu später mehr. Der Grip in Kurven und vorallem beim Bremsen fühlt sich gut an. Natürlich geht es auch ohne Traktionsverlust nach vorn.

Grip und Traktion in allen Lebenslagen

Grip und Traktion in allen Lebenslagen

Selbst auf Schnee und Schlamm packt der Juggernaut Pro 4,5 fest zu und ist seinem „Sport“ Kollegen absolut ebenbürtig. Beim Abrollkomfort geht er aber einen gänzlich andere Weg: die biegsame Karkasse, die dünnen Seitenwände und der damit verbundene außerordentlich hohe Komfort machen den Reifen zu einem heißen Kandidaten für geplante Nachrüstungen. Sein auf unseren 80mm breiten Sun Ringle MuleFüt Felgen montiert runder Querschnitt sorgt für ein harmonisch weiches aber dennoch direktes Einlenkverhalten ohne unangenehme Überraschungen oder nennenswertes Autosteering. Noch ein paar Zahlen: auf einer 80 mm Felge kommt der Juggernaut Pro 4,5 auf 10,6 cm Breite und (ab Außenkante Felgenhorn gemessen) 8,8 cm Höhe, beide Angaben ohne Profil. Dieses schlägt sich dann zusätzlich mit 4,5 mm im Mittelsteg und satten 6 mm an den Schulterstollen auf unseren Messschieber nieder.

Sauber verteilt, die Stollen am Juggernaut pro 4,5

Sauber verteilt, die Stollen am Juggernaut pro 4,5

Mit oder ohne Milch?

Bewusst hatten wir den die Juggernaut Pro 4,5 in unserem Test an den Ithaquas im serienmäßig montiertem Zustand mit Schlauch belassen, denn wir wollten auch den Vergleich zur schlauchlosen Montage ziehen. Durch seine Tubeless Ready Eigenschaft ist der Umbau – eine geeignete Felge vorausgesetzt – schnell gemacht. Leider erschweren die zahlreichen Formrückstände nicht nur an den Stollen sondern vorallem an der Seitenwand die Dichtigkeit dieser Reifen. Die Abdichtung am Felgenhorn war im Test an einigen Stellen ohne behutsamen Einsatz eines scharfen Messers zum Entfernen der Rückstände nur sehr schwer möglich. Die Seitenwände sind gewichtsoptimiert recht dünn, aber nicht so instabil wie beim schmaleren 4 Zoll Bruder. Während wir sonst mit ca. 60 ml Dichtmilch zuverlässige Ergebnisse erzielen haben wir hier aufgrund der oben erwähnte „Gummizipfel“ im Bereich zwischen Reifen und Felge ca. 100 ml Milch verwendet.

Hohe Schulterstollen für schnelle Kurven, flacherer Mittelsteg für geringeren Rollwiderstand

Hohe Schulterstollen für schnelle Kurven, flacherer Mittelsteg für geringeren Rollwiderstand

Sowohl mit als auch ohne Schlauch sind bereits 0,4 Bar Reifendruck für den Juggernaut Pro 4,5 ein guter Richtwert, der hohen Komfort und leichten Rollwiderstand gut vereint. Das entspricht auch exakt unserem „Standarddruck“ für einen 4.8er Reifen. Interessanter Weise ist der Juggernaut Pro 4,5 bereits bei 0,35 Bar, und damit gut 10% unter Standarddruck stabil und besitzt brauchbare Lenkeigenschaften. Diese seltene Eigenschaft prädestiniert ihn für ruppige Traileinsätze auf ungefederten Bikes. Wer sich den Pneu zulegen möchte, findet ihn auch hier* bei unserem Partner Alex.

Dreht nicht durch, wie'n Reifen im Schnee

Dreht nicht durch, wie’n Reifen im Schnee

Was bleibt?!

Im Test des Mondraker Panzer R, welches mit Juggernaut Sport 4,5 bestückt war, haben wir gesagt, dass wir und der Juggernaut in diesem Leben keine Freunde mehr werden. Als Pro 4,5 sollte der Juggernaut aber eine zweite Chance bekommen – und er hat sie genutzt. Einlenkverhalten, Fahrkomfort und Traktion liegen ganz weit vorn! Der hervorragende Kompromiss aus Gewicht und Steifigkeit und die Fähigkeit, über einen breiten Druckbereich sauber zu funktionieren ist etwas, was wir speziell von Kenda bisher noch kannten. Lediglich der Rollwiderstand fällt im Vergleich zu anderen top Reifen merklich zurück, diese Kurve hat Kenda bisher leider nicht gekriegt.

Dennoch können wir feststellen: der Juggernaut Pro 4.5 ist ein anständiger Performance-Reifen mit klarem Fokus auf dem Einsatz im rauen Gelände. Gerade unseren ungefederten aber trailhungrigen Norco Ithaquas tut er gut, denn er unterstreicht den Charakter der ungefederten Carbon FATBikes par excellence. Traktion, Komfort, Handling und Wendigkeit stehen für pures, modernes FATBiking. Und genau das schafft das Team aus Kenda Juggernaut Pro 4,5 und dem Ithaqua.

Getestet: Kenda Juggernaut Pro 4,5

Getestet: Kenda Juggernaut Pro 4,5

7 Responses

  1. Patrick

    Hi,
    Also ich kann den Kommentar bezüglich riesigen Rollwiderstands beim Pro 4.0 nicht nachvollziehen. Ich fahre den Reifen auf einer DT BR710 Felge mit 0,55 Bar im Gelände auf der Straße auch gerne deutlich mehr. Leichte Felskontakte stellten bei mir bisher ebenfalls kein Problem dar. Als Performance Laufradsatz fahre ich vorne den Pro 4,5 und hinten den Pro 4,0. Mit dieser Kombi bin ich äußerst zufrieden. Für den sommerlichen Traileinsatz im Mittelgebirge ist dieses Setup auf jeden Fall völlig ausreichend. Für heftige alpine Abenteuer und Gardaseetrails würde ich eine Maxxis Bereifung bevorzugen.
    Grüße Patrick

    Antworten
    • Matt

      Hi Patrick,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Entspricht genau unseren Beobachtungen! Wobei wir noch mehr Druck gefahren sind. Die Mischung aus 4.0 vorn und 4.5 hinten ist übrigens eine super Idee! Der vier/fünfer ist deutlich robuster. Guter Tipp! Vielen Dank dafür.

      FATte Grüße

      Matt

  2. Peter Kubalek

    Habe das geringe Gewicht gesehen und den Juggernaut Pro 4″ dummerweise bestellt.
    Tubeless montieren mit Fattystripper auf das Cube Nutrail Race war kein Problem, aber dann. Der Rollwiderstand ist gigantisch.
    Du denkst du fährst mit angezogenen Bremsen. OK vielleicht ist das ja der Grip. Bei 0.6 bar kein Vorwärts kommen, ab 1.2 bar kann man dann auch mal um die Kurve fahren.
    Siehe auch den Test:

    http://www.bicyclerollingresistance.com/fat-bike-reviews/kenda-juggernaut-pro-2016

    Leider habe ich den Test erst nach dem Kauf gesehen. Das waren definitiv 130;- € zum Fenster hinaus geworfen. Es ist beinahe unverschämt diesen Reifen so zu hypen. Mal sehen ob mein Kommentar hier stehen bleibt, beim einschlägigen Händler war mein ein Stern Kommentar nach wenigen Stunden gelöscht. Der 5 Sterne Lobhudelungskommentar existiert hingegen noch.
    Jetzt wieder den Schwalbe Jumbo Jim Liteskin montiert, obwohl nicht für Tubeless vorgesehen war dieser sofort dicht und fährt sich trotz des höheren Gewichts traumhaft leicht auch bei 0.5 bar.
    Falls jemand den Juggernaut Pro dennoch gerne hätte. Meine sind mit wenigen Kilometern günstigst zu haben. Mail an kubapet(at)bluewin.ch

    Antworten
  3. Christian

    Hallo, ich bin den Juggernaut 4.0 im Sommer über knapp 1000km (mit Schwalbe fatbike Schläuchen) in den Alpen und im Mittelgebirge gefahren und muß sagen dass der Grip auch auf Matsch,nasser Wiese und Fels mit sehr positiv überrascht hat. Einen snakebite oder Durchstich hatte ich nicht gehabt, trotz nicht ganz zimperlicher Fahrweise. Für den Sommer kann ich ihn nur empfehlen. Liebe Grüße Christian

    Antworten
    • Dan

      Danke Christian, für deine Erfahrungen mit dem Juggernaut! FATte Grüße, Dan

  4. Michael Gohr

    Hi Dan,
    Mal wieder ein schöner Bericht von Euch. Vielen Dank dafür.
    Ich fahre ein Salsa Beargrease Carbon mit einem DT-Swiss / Tune LRS sowie einer HüskerDü tubeless Bereifung in 4.0. Der Kenda Juggernaut in 4.0 ist natürlich ein heisser Kandidat, um nochmals Gewicht sowie den Rllwiederstand zu reduzieren. Bisher habe ich aber den Kauf gescheut, weil mir der Reiden nicht alltaugstauglich erscheint. Auch in euren Test zum 4.0 habt ihr geschrieben, dass der Reifen nicht auf steiniges Geläuf gehört. Für die Gardasee-Trails sicherlich absolut nachvollziehbar. Aber in unseren Breitengraden ( Bergisches Land, Siebengebirge, aber auch mal in den Alpen ) kommen wir um steinige Trails nicht herum.
    Meine konkrete Frage : wir sind denn eure Langzeiterfahrungen mit dem 4.0 i.S. Alltaugstauglichkeit ??? Schneidet der 4.5 dort besser, gleich gut oder auch gleich schlecht ab ???
    Würde mich über eine kompetente und ehrliche Aussage vorn Dir / von Euch freuen. Im Netz findet man kaum konkrete Meldungen zur Alltaugstauglichkeit der Pro`s ….
    Vielen Dank und fatte Grüße
    Michael

    Antworten
    • Dan

      Hi Michael, danke für deinen Kommentar! Der Kenda Juggernaut Pro 4,0 ist zweifelsohne der leichteste, aber sicher nicht der alltagstauglichste FATBike Reifen. Das was du suchst findest du aber im Pro 4,5. das Gewicht ist für die Breite ok, das Profil hat gut Grip und die Seitenwände halten sicher auch mal felsiges Gelände aus. Tubeless-ready sind sie außerdem. Ähnlich gut austarierte Reifen wären sonst der Specialized GroundControl 4,0 oder der JumboJim von Schwalbe, wobei der Kenda denen gegenüber schon seine Vorzüge hat. By the Way: netter Aufbau dein Salsa! Schick uns gern mal ein Bild. FATte Grüße, Dan

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.