FATBikes sind ein Superlativ, und obwohl sie schon ziemlich FAT auf die Welt kamen, entwickelten sie sich in den letzten Jahren immer weiter. Reifen wurden teils noch breiter, bis über 5 Zoll. FATBikes wurden leichter, mit viel Carbon und Titan, echte Rennmaschinen. Und sie wurden gefedert und elektrifiziert, oder beides. Die natürliche Evolution des Marktes verwässert allerdings so langsam die Grundidee hinter einem FATBike. Genau das inspirierte uns zu folgendem Ansatz: Verschmelzung der Grundidee FATBike mit den Innovationen der Bikeindustrie in einem Projekt. Leicht, stabil, schnell, wartungsarm und für alle möglichen Anforderungen gerüstet.

Ok, um ehrlich zu sein kamen wir nicht über solch philosophische Ansätze zum neuen Projekt, es war reine Neugier! Ein Blick auf den Lagerbestand der Bikeschmiede schlechthin, Nicolai, und da war er, ein noch unbehandelter Argon FAT in Größe M. Verdammt, der passte wie die Faust auf’s Auge. Und schon nahm das Schicksal, in diesem Fall nicht elend, sondern seinen runden Lauf. Etwas Philosophie war auch an Bord.

Ein paar Wochen Konzepte ausfeilen, umwerfen, umdenken und dann doch noch umsetzen. Aber nichts geht ohne Ressourcen, feine Zutaten. In kleinen Paketen kamen sie Stück für Stück eingetrudelt.

Nicolai Argon FAT in factory raw mit Big-N Decals. Wunderbare Basis!

Herz und Seele

Das erste Päckchen, dass unsere Redaktion erreichte, war auch das größte. Darin der Rahmen, Herzstück und maßgeblich charaktergebend für das Konzept. Der Argon FAT von Nicolai ist faktisch unbehandelt, nur mit mattschwarzen Big-N Decals bestückt. Verschiebbare Ausfallenden bieten geringfügige Anpassungen der Kettenstrebenlänge. Gleichmäßig gewellte Schweißnähte und auch sonst hochwertigste Verarbeitung sprechen ihre eigene Sprache hinsichtlich Qualität.
Sicher gehört das Argon FAT von Nicolai nicht zu den leichtesten, dafür aber mit Sicherheit zu den schönsten und haltbarsten FATBike Rahmen dieser Welt.

Nicolai Argon FAT Aufbau mit Wren UpsideDown Federgabel
Nicolai Argon FAT Aufbau mit Wren UpsideDown Federgabel

Neben dem Nicolai Rahmen in factory raw sollten alle weiteren Anbauteile schwarz, möglichst mattschwarz sein, bis auf ein paar giftige Farbakzente. Giftgrün, und ganz nebenbei auch noch pfeilschnell, weil leicht! Hier wären zum Beispiel Bubi und Schraubwürger zu erwähnen. Nein, das ist keine Foltermethode des Fahrers, hierbei handelt es sich um den tapered Steuersatz und die Sattelstützenklemme von Leichtgewichtsexperte Ulli Fahl aus dem Hause Tune.

Leichtmetall aus USA: in 70mm Länge ist der WREN Vorbau nur 84 Gramm schwer.

Vom US-amerikanischen Hersteller Wren, die kürzlich erst ihren Markteintritt in Deutschland vollzogen, stammen die ebenfalls leichtgewichtigen Cockpit Protagonsiten Vorbau*, UD-Carbon-Lenker* sowie die Sattelstütze*. Gesattelt wird das Ross mit Fizik. Gesundheit! Schwarzmatt mit Carbonrails passt der hervorragend zum Gesamtkunstwerk.

Bei einer Sache sind wir uns noch unsicher: mattschwarze Carbon Starrgabel oder schwarze Upside-Down Federgabel* von Wren? Leicht oder noch schneller? Was meint ihr?

Rollendes Kunstwerk

Mit den größten Einfluss auf die Fahrdynamik am FATBike haben die Laufräder, deshalb wollen wir hier nichts dem Zufall überlassen. Stabil und leicht waren auch hier die Hauptkriterien. Klar, dass wir auch bei den Laufrädern das schon angesprochenen Farbkonzept einflechten.

Am Laufradsatz entscheidet sich die Agilität eines FATBikes. Tune und DTSwiss vermitteln schonmal hervorragende Aussichten

Also kamen bewährte DTSwiss BigRide Felgen ins Spiel. Schwarze DTSwiss Competition Speichen im Format 2,0-1,8-2,0mm kombiniert mit giftgrünen Sapim Speichennippeln sehen sicher FAT aus, dazu die Fliegengewichte FAT King und Kong, auch in giftgrün, mit 150mm bzw. 177mm Breite. Diese Tune Naben sind vom Feinsten, optimiert bis ins Letzte, selbst die drei Sperrklinken des Freilaufes sind aus Titan gefertigt.

Federleicht, FAT Kind und FAT Kong von Tune

Für einen möglichst guten Kompromiss aus Rollwiderstand, Traktion und Gewicht fiel die Wahl der Reifen auf Schwalbe Jumbo Jim Addix. Aber sollten wir nun vier/nuller, vier/vierer oder gar vier/achter montieren? Was wäre euer Favorit?

Schnell schneller und schnell langsamer

Selbstverständlich kam für uns nur ein 1×12 Antrieb in Frage. Denn vorn ein Kettenblatt, und hinten eben was die Industrie hergibt, das war doch der Urgedanke am FATBike. Das bedeutet weniger Teile die kaputt gehen können. Um dem hochwertigen Charakter des Argon FAT Rahmen gerecht zu werden, kamen wir an der SRAM XX1 Eagle irgendwie nicht vorbei, die es ja nicht nur in gold sondern eben auch in schwarz gibt. Sogar die Kette ist in schwarz erhältlich.

Ritzel so groß wie Bremsscheiben, das kann nur die SRAM Eagle, und besonders leicht nur die XX1 Eagle

Also ran an den ziemlich teuren aber sehr sehr leckeren Speck! Höchste Ingenieurskunst, vor allem die extrem leichte aber unheimlich steife XX1 DUB Kurbel, dazu passend auch die G2 Bremsen von SRAM, in der Ultimate Version mit individuell einstellbaren Carbonhebeln und vier Kolben je Rad. Bremspower ohne Ende, die kaum ins Gewicht fällt. Zum XX1 Eagle Schaltwerk haben wir den XX1 Trigger angeschafft, der wie alle anderen SRAM Eagle Trigger 5 Gänge auf einmal rauf schaltet. Oder mögt ihr lieber GripShift?

Philosophiefrage: Trigger oder GripShift. Wir haben unseren Favoriten!

Fast vergessen

Vielleicht ist es dem einen oder anderen schon ins Auge gesprungen… Auf den Bildern oben fehlen ein paar Teile, das fiel uns dann bei der Montage auch selbst noch auf. Na, wer weiß es schon?

Was bleibt?!

Klar, es bleiben die Erwartungen, passt alles zusammen? Geht das Konzept auf? Und wie kommt der Bolide am Ende optisch rüber? Auch das Endgewicht war eine spannenden Frage, denn theoretisch zusammengerechnete Herstellerangaben haben teils mit der Realität nicht viel zu tun. All diese Fragen werden wir ganz sicher im nächsten Beitrag zum Projekt beantworten, wenn wir die Zutaten zum Augenschmaus verbacken…

Carbon Starrgabel passt aber auch ganz gut, in schwarz matt.

*Partnerlinks sind, wie immer, mit „*“ gekennzeichnet. Mit der Nutzung dieser Links unterstützt ihr unsere Arbeit. Vielen Dank dafür!

12 Responses

  1. Karsten

    Ein sehr schönes Projekt! Besonders gut finde ich, dass Ihr einen Metallrahmen nehmt obwohl Carbon sicher leichter wäre.
    Bei den formulierten Zielen ist aber ja eh schon klar, dass sie sich teilweise im Konflikt befinden: „zurück zum Kern der [Fatbike-] Idee“, „Leicht, stabil, schnell, wartungsarm …“, „… Innovationen der Bikeindustrie [mitnehmen] …“.
    Eure getroffenen Kompromisse finde ich durchweg interessant, auch wenn es nicht immer meine wären (ich mag meine Dropper Post).
    Vergessene Teile:
    – Dichtmilch? Oder gar (Frevel!) leichte Schläuche?
    – Die Kette ist im Text erwähnt aber nicht abgebildet
    Bei den offenen Entscheidungen gebe ich meine Stimme diesen:
    – Federgabel
    – 4,8er Reifen
    Ich freue mich auf jeden Fall auf den nächsten Artikel!

    Antworten
    • Dan

      Hey Karsten, Top! Kette ist auf jeden Fall richtig! Am Ende prallen bei diesem Projekt irgendwie zwei Welten zusammen. Aber soviel vorweg… Die Idee geht auf 😉

    • Stefan

      Schönes Projekt, aber wenn „leicht, stabil, wartungsarm“ gelten soll, dann bitte Starrgabel und 4″ Reifen!

  2. Marc

    Passt der 4.8 JJ überhaupt hinten in den Rahmen? Ich dachte die Argon-Rahmen könnten nur bis maximal 4.6 aufnehmen.

    Antworten
  3. Bertram Buhmann

    Ein toller Beitrag, bin schon jetzt gespannt auf den nächsten Teil. Leider bewegt sich dieses Projekt vermutlich in Preisregionen, die für den „normalen“ Fatbiker unerschwinglich sind…

    Grüße

    Bertram

    Antworten
  4. Micha

    Super! Das passt ja wie die Faust aufs Auge. Plane selber gerade für ein Nicolai FATbike.
    Da habe ich auch gleich mal zwei bis drei Fragen bezüglich der von Euch gewählten Kurbel und Reifen.
    Welche XX1 Kurbel-Version verwendet Ihr (Stichwort: Kettenlinie, Distanz zur Kettenstrebe)?
    Passt der JumboJim in 4,4″ (4,8″) in den Rahmen mit „nur“ 170er Hinterbau?? Wenn ja, geht die Kette dann im 1. Gang noch am Reifen vorbei?
    FATe Grüße 😉

    Antworten
    • Dan

      Hey Micha, na perfektes Timing! Vier/vierer passt, soviel kann ich schonmal sagen. Und vier/sechser hatten wir in einem anderen Argon FAT auch schonmal verbaut. Alles andere beleuchten wir im nächsten Artikel dazu 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.