Eigentlich haben wir die Rubrik MeinFATBike ja geschaffen, damit ihr eure Bikes bei uns vorstellen könnt. Und eigentlich schreiben wir auch viel zu selten über unsere eigenen Bikes. Warum überhaupt? Denn letztlich sind das doch die Fatties, mit denen wir am meisten rumexperimentieren, die oft die neueste Technik tragen und hin und wieder auch mal Prototypen und Vorserienteile angesteckt kriegen.

2016: frisch ausgepackt und aufgebaut

Dieser Artikel hat aber noch einen ganz besonderen Hintergrund: viele von uns haben Bikes, die ihnen schon seit Jahren treue Dienste leisten, die aber inzwischen nicht mehr auf dem neuesten Stand sind. Dabei haben sich doch gerade diese treuen Gefährten am meisten ein wenig Zuneigung verdient! Einer unserer treuesten Packesel ist der 2016er Mondraker Panzer RR, für uns eines der besten FATBikes aller Zeiten. Nach fast 5 Dienstjahren hat der Zahn der Zeit kräftig am Panzer genagt. Und die Welt hat sich weiter entwickelt. So war es mehr als eine bierselige Idee, die Waffe endlich mal auf den neuesten Stand zu bringen.

Harter Alltag: der knochenharte „DH Men“ in Finale Ligure

Auf der Aufgabenliste stand unter anderem, die müde 1×11 Shimano XT zu ersetzen, die Geometrie etwas moderner zu machen, eine top aktuelle 200mm versenkbare Sattelstütze an Bord zu bringen und auch mal den Style etwas aufzufrischen. Ja… Es gab da so einiges zu tun… Und diverse Erkenntnisse noch dazu.

Bye, bye gute alte Zeit…

Weg damit!

Wie hat es der Terminator einst so schön wie rhetorisch perfekt verpackt: „I'll be back!!!“. Dasselbe Motto galt natürlich für das Herzstück unseres Panzer. Die meisten übrigen Teile hatten jedoch weniger Glück. Rahmen und Gabel waren natürlich gesetzt! Und für die übermächtige Magura MT Trail Bremse, die Hope Kurbel samt den Answer Pedalen, der Fizik Sattel und die DT Laufräder gab es ebenfalls ein Ticket für die nächste Runde. Der Rest: ab zum Recycling.

Nackt unter der Dusche

Dann war putzen und polieren angesagt. Laufräder, Gabel und vor allem der geschundene Rahmen bzw. dessen Lack hatten sich nach über 4 Jahren eine ausgedehnte Schönheitskur mehr als verdient.

Ein Karton voll „heute“

Eine Maschinenpolitur und gefühlt 10 Schichten Wachs später sah der Rahmen aus wie neu. Nice! Also Werkzeug zur Hand genommen und ran an die Technik.

Gabel und Lenkwinkel: das Fahr-Werk

Als der Panzer RR das Licht der Welt erblickt hat, hatte er bereits von Haus aus eine ziemlich aggressive Geometrie – vor allem für ein FATBike. Der etwas behäbige Name „Panzer“ täuscht: dieses Bike ist in etwa so gemütlich unterwegs wie ein Eichhörnchen auf Kokain.

Alles Wichtige auf einem Tisch!

Trotzdem, über die Jahre sind die Lenk(kopf)winkel der Bikes immer flacher geworden, was Lenkverhalten und Spurstabilität verbessert – vor allem da, wo wir am liebsten sind: bei Vollgas. Nun kann man nicht einfach den Rahmen verändern. Muss man zum Glück auch nicht. Doch anstatt einen Steuersatz mit Lenkwinkel-Option zu verbauen, sind wir das Tuning konventionell angegangen: mehr Federweg. Denn wird die Gabel länger, werden automatisch die Winkel flacher.

Die beiden Spacer in der Bildmitten müssen raus!

Und mehr Federweg hat noch einen weiteren Vorteil: MEHR FEDERWEG! Zur Erinnerung: der Panzer ist die Lösung für die härtesten Probleme, z.B. in Finale Ligure.

Nicht einfach nur mehr Federweg…

…sondern ein völlig neu abgestimmte Gabel musste her! Zuerst haben wir der Manitou Mastodon gemäß unserer hier bereits früher veröffentlichten Anleitung 2cm mehr Federweg verpasst. Federweg ist aber nur dann geil, wenn er sich optimal nutzen lässt. Gerade bei langen Federwegen ist es ein ziemlicher Spagat, Ansprechverhalten, Negativfederweg und Progression unter einen Hut zu bekommen.

Das Infinite Rate Tune Kit

Manitou liefert dafür das perfekte Werkzeug: das IRT Kit, welches wir hier bereits ausgiebig vorgestellt haben. Also, rein damit, oben 120 und unten 80 psi rein gepumpt und gut. Klingt banal. Ist banal. Bringt aber enorme Vorteile. Das Feintuning steht noch aus, aber nun spricht die Gabel weich an, kommt im normalen Fahrbetrieb mit relativ wenig Negativfederweg aus und nutzt bei Vollgas trotzdem problemlos ihren gesamten Federweg aus. Perfekt!

Von der Seite sieht man die nun etwas flacheren Winkel am besten

Im Dutzend besser: mehr XT!

Nächste Baustelle: weg mit dem Krampf der alten 1×11 XT und ihrer müden 11-42 Kassette. Über den Umbau auf 12-fach Schaltsysteme haben wir schon oft geschrieben. In der Regel geht das, eine entsprechende Systemnabe (Sun Ringle, DT Swiss, Hope, Tune, etc.) vorausgesetzt recht einfach. Mit der DT Nabe des Panzer war es ein No-Brainer.

Einfacher als bei DT Swiss geht der Wechsel nirgends

Einfacher geht's nicht: alten Freilauf (geht ohne Werkzeuge!) abziehen, neuen aufstecken, Kassette aufschrauben, fertig. Die 12-fach XT Kette ist mit dem bisher verbauten Hope Kettenblatt kompatibel und läuft optimal. Mit den nun 510% Bandbreite steht die Schaltung früheren 2×10 Systemen nur noch in der Schaltgeschwindigkeit nach. Dafür hat sie weniger Bauteile (und damit Schwachstellen) und ist leichter.

Drop it like it's hot!

Manchmal kommt es eben doch auf die Länge an…

Ein besonderes Anliegen war die Sattelstütze, den die alte Rock Shox Reverb mit bescheidenen 125mm Hub hat in brenzligen Situationen nicht wirklich für ausreichen Sicherheitsabstand zwischen Sattel und Vergnügungszentrum gesorgt. Ein Glück, dass das Jahr 2020 auch 20cm Hub mit sich gebracht hat. Wie passend! Aber „passend“ ist das richtige Stichwort, denn das ist so eine Sache. Eine Reverb 200 ist lang. LANG! Und natürlich haben wir vorher gemessen, ob sie passt.

Damit ist nun auch der Bedienhebel modern!

Aber… Da ist noch eine leider recht ausladende Anschluss-Verschraubung unten am Rohr… Und die hatten wir nicht einberechnet. Logisch, das natürlich genau dieses Teil an der Gewindeöse der Flaschenhalter Befestigung angestoßen ist und die Stütze damit exakt nicht weit genug in den Rahmen geht. Es half am Ende nur ein beherzter Griff in den Werkzeugkasten. Was nicht passt, wird eben passend gemacht.

Zu guter Letzt

Gabel, Sattelstütze, Schaltung – die Technik war nun also auf dem neuesten Stand. Bleibt noch die Sache mit dem Style. Bisher war unser Panzer immer ein bisschen das Mauerblümchen im Fahrpark. Das Blaumetallic und die Gelb-Orangen Schriftzüge sind zwar schick.

Schön bunt, das!

Aber verglichen mit spektakulären Bikes wie den Ur-FatBoys oder unserem Pole Taiga war er einfach … naja, eben nicht so spektakulär. Das sollte sich ändern! Also haben wir als erstes mal gelbes Reflex-Felgenband in die Laufräder gezogen. Das rockt!

Abzieh'n!!

Weil die Manitou Mastodon mit ihrer roten Kriegsbemalung nie wirklich zum Bike gepasst hat, haben wir die Schriftzüge kurzerhand gegen blaue ersetzt. Und damit man als Fahrer auch noch was vom optischen Make-Over hat, mussten gelbe Griffe an Bord. Mancher meint, die wäre zuviel des Guten. Mag sein. Whatever…

Schon besser!

Und weil auch – oder GERADE – Details zählen, mussten noch ein paar güldene Schräubchen und blaue C-Clips zur Befestigung der Leitungen und Züge sein. Attention to Detail!

Aus Liebe zum Detail

Übrigens residieren die Griffe nun, nach Jahren des Race Face Carbon Lenkers, endlich wieder auf einem OnOff Lenker aus der „Haus-Schmiede“ von Mondraker. Die Stange aus Carbon ist fast schon vulgäre 80cm breit und hört auf den Namen „Krypton“ – so wie der Heimatplanet von keinem Geringeren als Superman!

OnOff Lenker, gelbe Griffe und ein strahlend blauer Lack

Okay, Mondraker benennt seine Parts eigentlich nach chemischen Elementen. Aber hey! Superman!! Diese Erklärung ist einfach viel cooler!

Was bleibt?

Wir danken dem lokalen Bieber für dieses wunderschöne Motiv!

Du hast ein Bike, das seine besten Tage hinter sich hat? Gib ihm einfach Neue! Statt unser fast 5 Jahre altes Arbeitstier einfach auszurangieren haben wir ihm die technische Gegenwart verpasst und einen Schuss Zukunft dazugegeben. Leider gibt es bei Bikes auch ein „zu alt“ und manche Dinge lassen an Rahmen mit frühen Standards schwer oder gar nicht verbauen.

Auf ein Neues!

Mit diesem Artikel wollen wir euch aber animieren es einfach mal anzugehen. Euer Bike hat es sich verdient. IHR habt es euch verdient!
Unser Panzer läuft nach ein wenig Feintuning wieder traumhaft und verteidigt mühelos seinen Status, eines des besten je gebauten FATBikes zu sein. Also: auf ein Neues!

13 Responses

  1. Kosta Panagiotidis

    Hi Matt.

    Wirklich sehr sehr cooles Update von diesem Bike. Hut ab!

    Welche Kurbel von Hope hast du genau verbaut. Bin seit langem auf der Suche nach einer geeigneten 1fach, werde aber irgendwie nicht wirklich fündig.
    Wäre echt mega voll wenn du mir da weiter helfen könntest. Gerade was die Achslänge angeht.

    Danke

    Antworten
    • Matt

      Hi Kosta,

      danke für deinen Kommentar und das Lob. Ich finde das Bike auch mega, fährt sich fantastisch. Die Kurbel ist eine normale Hope Kurbel mit tatsächlich nur 170mm Achse (entgegen aller Empfehlungen). Schau mal hier rein, da haben wir alles im Detail erklärt: https://www.fat-bike.de/hope-fatbike-kurbeln-montage/

      FATte Grüße

      Matt

  2. Tobe

    Hallo, ich baue gerade einen Panzer von Grund auf neu auf. Grundfarbe war Mal weiss mit blauen decals (glaube das 2016er Modell), ist jetzt mattgrau, die mastodon pro ist auch verbaut. Die alte Kurbel war zweifach und passt nicht mehr, es soll 1fach11 werden. Welche Innenlager und Kurbel Kombination habt ihr verbaut? Wäre euch echt dankbar, bin da etwas am verzweifeln….

    Antworten
    • Tobe

      Hat jemand nen Tipp zwecks Kurbel und Innenlager Kombination 1fach11 für den Panzer ohne RR??

      Vielen Dank!!!

    • Matt

      Hi Tobe,

      welches Baujahr ist dein Panzer? Es gab über die Jahre 2 unterschiedliche Rahmen, einer mit Schnellspanner und einer mit Steckachse. Grundsätzlich haben wir mal eine Hope Kurbel sehr erfolgreich verbaut, Anleitung findest du hier auf unserer Seite.

      FATte Grüße

      Matt

  3. Peter

    Wenn ich was möglichst ähnliches zu diesem Rad haben will, aber kein 2016..2018er Panzer RR im Keller hab, in welches Regal an welchem Ort (oder zur Zeit wahrscheinlich besser Online Shop) greife ich da? Im Prinzip passt Rahmen, die Schaltung, die Bremsen, Alu ist mir lieber als CFK, dazu noch 4.8″ Schlappen, nicht zu grobstollig (soll eher ein Wald und Auen Wanderbike werden, Arbeitstitel „zum Schwammerlsuchen fahren“), eine starre Gabel wäre mir aus dem Bauch heraus auch lieber.

    Ich will mir gerade mein erstes Fat Bike kaufen, aber der Markt dafür hat sich seit ich vor 3 Jahren das letzte mal geschaut hab, sehr verkleinert oder ist ins elektrische abgewandert, und da steh ich nicht so drauf.

    Antworten
    • Matt

      Hi Marcus,

      vielen Dank für deinen Kommentar und das Lob. Macht auch gleich noch viel mehr Spaß damit zu fahren 🙂

      FATte Grüße

      Matt

    • Matt

      Hi Lukas,

      ja, gut gesehen – und danke, dass du unseren Versuch „geschickt“ nennst, hahaha. Naja, wir dürfen leider nach wie vor noch nichts dazu sagen. Aber sicher demnächst!

      FATte Grüße

      Matt

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