Unsere Rubrik MeinFATBike stellt ja eigentlich FATBikes unserer Leser vor und zeigt, mit wieviel Kreativität, Hingabe und Liebe so manches FATBike aufgebaut wird. Dazu seid ihr natürlich alle nach wie vor gern eingeladen!

Aber heute schreiben wir mal was sozusagen „in eigener Sache“. Hier und da stellen wir mal ein Projektbike vor, aber unsere ganz persönlichen Traumbikes kommen hier nur sehr selten ins Rampenlicht. Eigentlich schade. Denn wenn du eine Sache so geil findest, dass du dir die Mühe machst, ein Onlineportal aufzubauen und dieses über 6 Jahre zu betrieben, dann hast Du auch ein lässiges Lieblingsbike im Fuhrpark…
In meiner bisherigen Zeit bei FAT-Bike.de hatte ich das Vergnügen (und die Ehre), viele FATBikes testen zu dürfen. Einige davon waren nix, andere gut und manche sogar super. Und einige wenige haben mich persönlich dermaßen geflasht, dass sie meinen Bike Room nie mehr verlassen durften. Unvergessen mein erster Specialized FatBoy, das unglaubliche Norco Ithaqua – oder eben das Pole Taiga.

Schon ab Werk alles andere als hässlich

Über das Taiga habe ich schon viel geschrieben und will es jetzt und hier auch nicht schon wieder über den grünen Klee loben. Kurz gesagt: ich fahre gern damit. Aber nach inzwischen gut einem Jahr hat das Taiga eine Menge Schlachten geschlagen und es wurde Zeit für eine Frischzellenkur. Nicht, dass das Taiga schlecht wäre – aber ihr kennt das: manchmal muss man den Weg von EINEM FATBike zu MEINEM FATBike eben einfach gehen.

Ein Brexit und ein paar Bier später…

Unvergesslich: das Taiga im Einsatz

Eigentlich hatte mich ja auch nur die dürre Bremse am Testrad gestört. Ne Sram Level mit 180er Scheiben. Echt jetzt? Pole hat damals beim Aufbau des Testbikes die eigentlich vorgesehene Bremse nicht da. Sachen gibt’s… Jedenfalls sollte da nun ein ordentlicher Anker dran! Aber dann kam der Brexit – und mit ihm dumme Ideen. Moment. Brexit? Hat doch nix mit Bikes zu tun! Na doch, hat er – zumindest, wenn man Hope mag. Und ich mag Hope, daraus habe ich ja nie einen Hehl gemacht… „Matt…“, dachte ich mir, „Matt, schau zu, dass Du Hope Bremsen für’s Pole bekommst bevor du Zoll drauf zahlen musst!“. Der Stein kam in’s Rollen, unaufhaltsam wie ein mächtiger Snow Shoe 2XL im Schnee…

Der lange Weg von „Eins“ zu „Meins!“

Also ran an’s Internetz und Hope Parts bestellen. Dabei kam mal wieder Bier in’s Spiel und ich habe angefangen, weiter zu spinnen: irgendwann gab’s doch mal den Traum vom „No-Shimano-Bike“ – ein irrwitziger Trend in den 90ern, die damals einzige wirklich funktionierende Schaltung konsequent zu vermeiden… Das war dämlich damals. Aber wie wäre es mal mit einem patriotischen Europa-Fatty? Das Pole – nach Topografie: Sattel? USA. Lenker/Vorbau/Sattelstütze/Kurbeln/Innenlager? Kanada (wir lieben dich!!!). Reifen: Taiwan. Wäre doch lässig … hier mal lokaler zu denken!

Weihnachten. Und Ostern. Und der andere Kram auch.

Eins gleich vorweg: das hier ist mein persönliches Bike. Ich weiß, dass man es auch alles hätte anders und konsequenter hätte machen können. Aber ich habe eben das dran geschraubt, was ich selbst cool finde. Und mir ist auch nicht in jedem Fall die komplette Produktionskette klar. Vermutlich ist mehr „Made in Sonstwo“ dran, als mir lieb ist. Ich hab auf die Marken bzw. Firmensitze geschaut. Und zumindest im Fall der Engländer können wir uns sicher sein – that’s alles Kram from the Great Britain! Cheers, folks!

Einmal Europa, bitte!

Naja, mein European FATBike versammelt nun also weite Teile des Kontinents – Finnland stellt natürlich den Rahmen, eine Menge Anbauteile kommen aus UK. Die Felgen samt Alunippeln sind Schweizer, und bei den Speichen gilt: Vive la France! Der Sattel wurde in Bella Italia entworfen und von Hand gefertigt. Und die Reifen samt Schläuchen (bei denen ich mich wieder für den Produktionsort verbürgen kann) steuert good old Germany bei.

Made in Germany.

Und bei der Schaltung? Ist SRAM nicht aus Fichtel & Sachs hervorgegangen? Yeah! Und der Kram wird sogar in Schweinfurt entwickelt. Sau cool! German Kram! Eine Ausnahme hab ich mir gegönnt: das weiße Felgenband stammt von Specialized aus den USA. Aber es ist eine Hommage an unser Ur-Fatty, den FatBoy Expert. Und, noch wichtiger: es sieht verdammt geil aus!!!

Weißes Felgenband. Mega!!

Ein weiteres Objekt der Begierde stammt mit höchster Wahrscheinlichkeit aus dem Copyshop der westlichen Welt: die Carbongabel von Silverback. Aber, wie wir berichtet haben, ist auch Silverback eine deutsche Marke – auch, wenn es seine Gabeln sehr sicher in China „silverbäckt“. Naja, Schwamm drüber, ich muss das Teil eh testen und wo würde sie besser hinpassen!

Läuft: Laufradbau

Von derlei Haarspaltereien wollte ich mich aber auch nicht abhalten lassen. Am Ende ist sowieso alles Made in Germany, denn schließlich habe ich das Pole in voralpiner Frühlingssonne und klarer Bayerischer Bergluft montiert. Grüß‘ Gott, mitanand!

Selbst eingespeicht!

Bevor mein Botschaftsrad aber entstehen konnte, musste ich erstmal die Laufräder zusammenstricken. Nun mache ich das auch nicht alle Tage und wer schonmal die üblichen Verdächtigen in Sachen Online-Speichenrechner bemüht hat weiß, dass die errechneten Werte nicht unbedingt der wahren Notwendigkeit entsprechen. Also ab nach Rosenheim, zu Maxx, wo mit Fred Kasper ein Hohepriester des Laufradbaus sein Handwerk betreibt.

Das volle Programm. Und der Einspeich-Roboter schaut zu.

In Kooperation haben wir einen Laufradsatz für die Ewigkeit gebaut: niedere Tätigkeiten wie Einspeichen und Vorspannen hat der Geselle (also ich) ausgeführt, Fertigstellung und Feinschliff wurden vom Meister persönlich vorgenommen.

Bau auf, bau auf!

Dann aber ran an den Speck. Das „alte“ Pole war in wenigen Minuten zerrissen. Dem nackten Rahmen habe ich kurzerhand mit in die Dusche geschleift und dort gewaschen. Anschließend Begutachtung. Keine Risse. Keine Dellen. Kaum Kratzer. Lack perfekt. Noch ein Schuss Mattpflege drauf und ab auf den Montageständer. Zuerst habe ich die Skulptur nur lose zusammengesteckt. Warum? 6 Jahre FAT-Bike.de. Da weißt du, das eigentlich NIE alles auf Anhieb passt. Die Frage ist eigentlich nur, was es denn diesmal ist.

Anprobe. Was ein Chaos…

Aber, oh Wunder, in diesem Fall alles Schoko! Eine gute Nachricht, Freunde! Nur das Hope Innenlager braucht auch links zwei 2.5mm Distanzringe statt einem, um mittig zu sitzen. Das war damals am Mondraker auch schon so. Und die Hope Head Doctor Aheadkralle passt nicht in den Schaft der Gabel. Abhilfe gab’s im Internetz. Viel wichtiger aber: der erste Eindruck. Man verzeihe meine rüde Ausdrucksweise, aber SCHEIßE WIRD DAS GEIL!

Sexy Detail

Nach der ersten Freude habe ich alles wieder zerlegt und mit der endgültigen Montage angefangen. Innenlager rein, Kettenblatt montiert, Kurbeln angebaut. Natürlich alles mit Drehmoment angezogen! Die Zentralmutter der Kurbeln habe ich gegen blaue Versionen getauscht. Üble Fummelei: man braucht ein Spezialwerkzeug und eine Seite ist Linksgewinde. Dann Gabel rein, Steuersatz zusammenstecken, Vorbau drauf.

Immer feste einreiben!

Als nächstes wurden Hope Lenker und Sattelstütze mit Carbon-Montagepaste massiert und eingesteckt. Dieses Carbon sieht dermaßen scharf aus… Nicht auszudenken wenn da was verrutschen und zerkratzen würde!

Jeder Pin muss einzeln eingeschraubt werden. Ein hässliches Puzzle, ehrlich…

Nächster Schritt: Räder einhängen und Bremse anbauen. Die vordere Steckachse habe ich aus dem DT Regal gezogen, die hatten wir mal in einer Bluto installiert und sie passt hier genauso. Die Bore Caps der Bremssättel und die Einstellschrauben habe ich in blau geordert. Zusammen mit den blauen Zentralmuttern der Kurbeln ein schicker und dezenter Akzent. Und apropos Akzent: blaue Aluschrauben im Rahmen dürfen nicht fehlen.

3. Hand. Immer gern genommen!

Letzter Schritt: Schaltwerk anschrauben, Kette montieren und Kommandobrücke zusammenstecken. Hope bietet ein Kit um den SRAM Shifter direkt an der Bremshebelschelle zu montieren. Und die super klebrigen Griffe tragen ebenfalls ein dezentes Union Jack Logo.

Die Schaltung durfte bleiben

Am Ende halt lediglich die Schaltung des Originalbike überlebt. Die Eagle GX war noch top und so wäre es schade um jede Mark gewesen. Aber ich habe die Übersetzung mit einem 30er (statt 28) Kettenblatt vorn etwas alltagstauglicher gemacht.

Einstellen und raus damit!!!

Erster Eindruck: mega FAT!!!!

Nun denn – Bike am Stück. Schnell noch Bremsleitungen kürzen und alles einstellen. Und dann ab durch die Mitte! Wie das Pole sich fährt habe ich ja oft genug beschworen. Viel hat sich nicht geändert. Es ist immer noch eine Mischung aus einem D-Zug und einem Eichhörnchen auf Dope. Nennen wir es mal eine „Wiesellok“: schnell, spurstabil, agil, bequem. Aber zwei Dinge haben sich wesentlich verändert: die Bremsleistung der Hope Tech 3 V4 ist brachial. Endlich.

Ne anständige Bremse. Mehr wollte ich eigentlich gar nicht…

Und die Optik… Wenn die Verwandlung von „Ein FATBike“ zu „Mein FATBike!!!“ eins war, dann ein voller Erfolg! Das letzte Bike, welches ich mit in’s Bett genommen habe, war der S-Works FatBoy von Specialized. Ab sofort liegt das Pole neben mir!

Was bleibt?

Verliebt.

Das Pole Taiga natürlich! Denn genau so stelle ich mir ein perfekt schönes Fatty vor. Und irgendwie fühlt es sich auch wirklich lässig an, eben mal keine Parts Nordamerikanischer oder Asiatischer Marken durch die Gegend zu fahren. Operation geglückt, Patient glücklich!!

Du möchtest Dein Bike hier vorstellen? Dann her damit! Dabei ist es völlig egal, ob Ihr auf einem lange ersehnten Bike im Serienzustand sitzt oder einen komplette Custom Aufbau habt! Schreib uns an mail@fat-bike.de

4 Responses

  1. marco

    sehr geil. bike und bericht. auch hier möcht ich noch mal auf den megafaaaten bierkasten hinweisen 😛
    ich find lustig. ich lass mir das leben nicht versauen. daumen hoch!!!

    Antworten
    • Matt

      Servus Marco,

      danke für den super Kommentar und das Lob! Ja, die Kiste Corona war ein gutes Investment – die Impfwirkung hat bis heute angehalten 😉
      Also, weiter so, stay FAT!

      FATte Grüße

      Matt

  2. Michael

    Super!!! Respekt!!
    Ein wirklich schönes FAT-Bike mit viel Liebe fürs Detail ersonnen und aufgebaut. Gerne mehr davon.
    FATe Grüße aus dem Hochwald

    Antworten
    • Matt

      Hi Michael,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und das Lob. Freut mich, wenn das Bike auch anderen gefällt – auch, wenn der Aufbau am Ende sehr Hope-lastig geworden ist war der Weg dort hin und in dem Bike stecken tatsächlich einige schlaflose Nächte 🙂
      Für „mehr davon“ seid jetzt Ihr alle da draußen gefragt – wir sind sicher, dass es da noch mehr Fatties gibt, die mindestens so geil sind wie mein Pole. Also los, nur Mut! Zeigt her Eure Maschinen!!!!

      FATte Grüße

      Matt

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