Über den Mondraker e-Panzer R haben wir schon viel geschrieben und so manchen Wortwitz gerissen. In der familiären Welt der FATBikes zeigt der Elektropanzer jedoch nur zu gern wo der FATte Hammer hängt.
Bisher gab es am Mondraker e-Panzer R dennoch ein paar Kritikpunkte, wofür wiederum wir selbst gern mal kritisiert wurden. Ob die inzwischen 3. Generation in 2018 die Kritikspirale eindämmt lest Ihr in diesem Testbericht!

Mondraker e-Panzer R. Scharfe Sachen sind rot!

Hammer Farben!

Ferraris, Chillis, Unterwäsche – scharfe Sachen sind oft rot. Wenn wir ein neues FATBike testen setzen wir uns in der Regel erstmal mit einem Tässchen Bier davor und lassen das Kunstwerk auf uns wirken. Beim 2018er Mondraker e-Panzer R* lässt dann auch bereits die laszive Lackhülle in Rotmetallic eine gewisse Emotionalität vermuten. Dem 2017 noch in fast schon jungfräuliches Perlmuttweiß eingenebelten e-Panzer steht nun also schon rein optisch die pure Versuchung gegenüber. Die Hellblauen Decals sind im wahrsten Sinne des Wortes ein sattes Kontrastprogramm. Sie lassen, wenn man es mag, nur einen Schluss zu: WIE GEIL!

Endlich an Bord!

Dabei überdeckt die rassige Farbwahl des ansonsten unveränderten Rahmens fast die wirklich spannenden Dinge. Wir erinnern uns: beim 2017er Modell haben uns vor allem die mäßige Laufräder gestört und die mangelnde Dropper Post gelegentlich gelangweilt. Und genau hier betreibt Mondraker eine mehr als sinnvolle Modellpflege und spendiert seinem eFatty zwei mächtige Upgrades. Zum einen findet sich nun endlich der kaum schlagbare DT Swiss BR2250 Laufradsatz am Bike. Und in 2018 kann man seinen Hintern auf Knopfdruck eine Hand breit absenken. Das erleichtert in kritischen Situationen das Handling des immer noch üppig beleibten Bikes massiv.

Kopf einziehen leicht gemacht!

Das Gewicht sinkt trotz Dropper Post übrigens auf 22,7kg (von uns gewogen, ohne Pedale). Zieht man noch die beiden Kenda Schläuche mit jeweils 450 Gramm ab ergibt sich mit Dichtband und -milch ein Gewicht von knapp über 22kg. Knapp über 1kg Ersparnis zum von uns getesteten 2017er Modell – immerhin ein Achtungserfolg!

Schaltzentrale der Macht

Hier werkelt 2018 SRAM

Eine weitere größere Änderung ist der Wechsel auf SRAM Komponenten. Wo im letzten Jahr noch Shimano’s XT und SLX Komponenten geschaltet und gewaltet haben tummeln sich 2018 11 SRAM NX1 Gänge. Daraus ergeben sich aus unserer Sicht funktional weder Vor- noch Nachteile. Ist halt einfach so und funktioniert super.
Am Lenker geblieben ist dagegen die “Purion“ Bedieneinheit für den Bosch Performance Line CX Antrieb. Das Ding ist zwar vollpfostensicher und selbst mit dicken Handschuhen problemlos zu bedienen. Aber heute kann man selbst seine Schuhsohlen über Bluetooth mit dem Handy verbinden. Und immer mehr Menschen zeichnen all ihre Vitalparameter beim Sport auf und vermessen sich selbst. Da wirkt der Purion Computer mit seinem minimalen Funktionsumfang auf uns ein wenig aus der Zeit gefallen.

Purion. Der Name ist Programm

Moderne e-Bike Technologie kann mehr als Ladezustand, Geschwindigkeit, Fahrmodus, Reichweite, Trip-Distanz, und Gesamtdistanz anzuzeigen. Wer sich z.B. mal die multifunktionale Bedieneinheit „Comfort“ von Marquardt (wie sie z.B. am aktuellen Maxx Huraxdax EL verbaut wird) anschaut weiß, was wir meinen.
Dass Bosch hier auf einen gewissen Purismus setzt, ist kein Beinbruch. Es dürfte etlichen Fahrern sogar eher recht sein. Keep it simple. Technikaffine Biker wünschen sich 2018 aber mehr Funktion und idealerweise gleich eine App-Anbindung an iPhone & Co.

Viva la evolución

Der bleibt zum Glück!

Ohne Ablenkung durch die Bedieneinheit konnten wir uns dagegen voll auf die Testfahrt konzentrieren. Und der Trail Check kann nur ein Fazit haben: es lebe die Evolution! Der 2018er Mondraker e-Panzer R entspricht in weiten Teilen dem 2017er Modell und auch das sexy Rot macht das Bike objektiv nicht schneller. Daher empfehlen wir an dieser Stelle die Lektüre unseres damaligen Testberichts und beschränken uns auf die Neuerungen. Und die haben es in sich. Der leichte Laufradsatz verbessert das Handling spürbar, reißt man die Schläuche raus wartet nochmal großes zusätzliches Potential auf den Piloten.

Ohne Pedal, mit Schläuchen

Dann spart man nochmal fast ein Kilo Gewicht ein. Das bringt bei Abrollverhalten, Rollwiderstand und Beschleunigung spürbare Vorteile. Vor allem senkt diese Maßnahme das Durchschlagsrisiko am Hinterrad drastisch. Angesichts des hohen Bike Gewichts ein nicht unwesentlicher Punkt!

Bosch noch besser

Performance Line CX

Reifen, Bremsen (SRAM Guide RE 200/200) und Rahmen(geometrie) zählen nach wie vor zum Besten, was im FATBike Bereich erhältlich ist. Praxistipp am Rande: den Maxxis Minion sollte man immer eine ausreichende Luftfüllung gönnen, da sie sonst schnell ihre in Kurven exzellenten Manieren verlieren. Spürbar verbessert hat sich die Abstimmung des Bosch Motors. Die vier Leistungsstufen sind sinnvoll abgestimmt und decken von mild bis wild alles ab. Wichtige Neuerung: die zweitstärkste Stufe heißt nicht mehr „Sport“ sondern „E-MTB“. Und sie unterstützt jetzt dynamisch je nach Bedarf mit 120 bis 300%. Damit ist sie im Dauerbetrieb die sinnvollste Wahl: einmal angewählt schiebt der Motor je nach Situation mal mehr, mal weniger. Das vermittelt ein sehr harmonisches Fahrgefühl.

500Wh Stromvorrat. Reicht ’ne Weile!

Ebenfalls besser: noch im letzten Jahr hat der gefühlt sehr lange Nachlauf dosiertes Schalten oder gefühlvolles Überfahren von Wurzeln wirkungsvoll vereitelt. 2018 hängt der Motor nun am Pedal wie die Katze an der Thunfischbüchse. Soll heißen: hörst du auf zu treten, stoppt auch der Motor. Der Nachlauf ist gerade noch lang genug, um die Totpunkte beim Strampeln sehr wirkungsvoll zu eliminieren. Damit klappt vor allem das Schalten butterweich.
Insgesamt wirkt der Antrieb beim aktuellen Mondraker e-Panzer R* so glatt verschliffen, dass wir keinerlei unerwünschte Antriebseffekte mehr ausmachen konnten. Auf der anderen Seite fehlt aber auch nichts.

Das weiche Anfahren hilft auf Schnee ungemein

So lässt es sich mit dem 2018er Mondraker e-Panzer R ausgesprochen geschmeidig durch die Welt wieseln. Und wenn es mal heiß her geht verschafft die Dropper Post (welche das hauseigene OnOff-Label trägt) dem Hintern die nötige Bodenfreiheit um den Brocken mit vollem Körpereinsatz an heranstürmenden Bäumen vorbei zu zirkeln. Einen vielseitigeren Mondraker e-Panzer R gab es noch nie!

Heul doch!

So langsam wird es also schwer, dem Mondraker e-Panzer R noch Kritik um die Ohren zu schlagen. Also ziehen wir uns mal an ein paar Details hoch. Die Schaltung geht schwer. Auch nach dem Wechsel auf SRAM sind die Gangwechsel nichts für schwache Daumen. Grund ist unserer Meinung nach die suboptimale Verlegung des Schaltzugs im Tretlagerbereich. Tipp hier: mit einem polierten Edelstahlzug sollte sich das Problem ein Stück weit korrigieren lassen.

Laut und Stärke…

Und auch, wenn vieles daran verbessert wurde – so recht anfreunden können wir uns mit dem Paket von Bosch nach wie vor nicht. Am meisten stört uns das Antriebskonzept mittels Getriebe. Das nervt uns in der Stille des Waldes mit seinem, selbst bei wenig Last deutlich hörbaren, mechanisch sägenden Laufgeräusch. Außerdem ist das zwischen zwei Schutzscheiben angebrachte winzige Ritzel anfällig für exzessive Verschmutzung.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: das Bosch Performance Line CX System gehört ohne Frage zur top Liga der e-Bike Antriebe. Eine ausgefeilte Geräuschminderung und multifunktionale Bedienung samt Handy-Konnektivität sollten unserer Meinung nach in eben jener top Liga auch an Bord sein.

Was bleibt?

Ready to wiesel!

Sieht man vom Meckern auf hohem Niveau ab, ist das Fazit diesmal einfach: alles richtig gemacht! Der Mondraker e-Panzer R war immer schon ein hervorragendes e-FATBike. Mit dem exzellenten DT Laufradsatz, der Dropper Post und dem erfolgten Feintuning am Antrieb kann man es nun, nicht zuletzt auch wegen der Möglichkeit, endlich tubeless zu fahren, so richtig krachen lassen. Rahmen und Ausstattung sind vorbildlich und der Bosch Antrieb feinfühlig, grundsolide und ausdauernd. Mit 4.199,- Euro, z.B. hier bei Alex*, wird der Mondraker e-Panzer 2018 um 200 teurer als das 2017er Modell, was angesichts der verbauten Upgrades als Schnäppchen gelten darf. Oder anders gesagt: das Bike kostet damit genau so viel wie das 2016er Modell.
Gut angelegtes Geld für das gebotene Paket, das ohne Ausrutscher oder echte Kritikpunkte auskommt.

 

*Partnerlinks sind wie immer mit „*“ gekennzeichnet

2 Responses

    • Matt

      Hi,

      das haben wir uns auch schon gefragt, sind aber auch nicht drauf gekommen 😉

      FATte Grüße

      Matt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.