Manche Dinge im Leben bereust du einfach. In unserem Fall war es, dass wir unsere 2017er Norco Ithaqua Fatties nach einem sehr ausgedehnten Dauertest nicht einfach als „vermisst“ gemeldet und sie in unserer Garage versteckt haben…

Wir erinnern uns: Erstkontakt mit dem Ithaqua 6.2 im Vancouver North Shore.

Nach einem verstohlenen Blick auf das (damals noch streng geheime) 2018er Line Up haben wir uns aber lässig zurückgelehnt, denn der Kanadische FATBike Spezialist hat zum neuen Jahr anständig draufgesattelt!

Und so kam vor einiger Zeit dann endlich ein Bike für 2018 zu uns – und diesmal geben wir es wohl nicht freiwillig wieder her!

Das Norco Ithaqua 1. Ein feiner Zug!

Oh, Canada!

Das Ithaqua 6.2, welches wir 2017 im Dauertest durch die Wälder getrieben haben, hat Eindruck hinterlassen. Es war nicht fehlerfrei – Übersetzung zu kurz, Kurbeln zu breit, Innenlager zu anfällig. Aber eines war es, das Sechskommazwei: ein verdammt gutes Bike! Gerade das Herzstück, der von Norco selbst entwickelte Carbonrahmen samt Gabel, haut rein. Steif wie ein britischer Butler, dazu knackige Winkel, kurze Kettenstreben, eine leicht racige Sitzposition und das Gewicht von circa 2 Flaschen Bier: das knallt!

Steht drauf, ist drin: Rahmen und Gabel bestehen 100% aus Kohlenstoff

Und wie sagt man in Canada so schön: if it ain’t broken don’t try to fix it! Was nicht kaputt ist, muss nicht repariert werden. So bleibt der erstklassige Rahmen auch 2018 technisch unverändert erhalten. Dennoch ist das 2018er Norco Ithaqua 1 ein anderes Bike… Vor allem ist es selbstbewusster. Aus „Ithaqua 6.2“ wird „Ithaqua 1“. Einfach Nummer 1. Punkt. Farblich weicht das dezente (aber dennoch wunderschöne) Graumetallic einem wuchtigen Gelbgrün, namentlich als „Citron/Green“ im Katalog erwähnt. Dabei sind die schwarzen Decals unter dem farbigen Klarlack auflackiert und schimmern daher ebenfalls mit einem Stich „Citron/Green“. Sexy!

Alles schimmert in „Zitronengrün“

 

Das 2018er Norco Ithaqua 1 versucht gar nicht erst, Kanadisch bescheiden zu sein. Es schreit Dich an „Komm her und fahr‘ mich! Du willst es doch auch!!!„.

Damit dieser direkten Ansage keine heiße Luft folgt, hat Norco an wenigen, aber dafür FAT wichtigen Stellen das Skalpell angesetzt.

Der Adler ist gelandet!

Problemlöser: die SRAM GX Eagle

Spannenderweise lagen alle bisherigen Knackpunkte am Norco Ithaqua im Bereich der Schaltung: die breit bauenden Kurbeln, das anfällige Innenlager und die zu kurze Gesamtübersetzung. Für 2018 hat sich Norco für die SRAM GX Eagle Schaltgruppe entschieden. Ein verteufelt guter Schachzug denn die GX Eagle, die wir z.B. hier getetestet haben, löst mit einem Schlag alle Probleme des 2017er Modells. Für unseren Geschmack dürfte vorn zwar auch diesmal ein größeres Kettenblatt verbaut sein (32 oder 34 statt Serie 30), aber immerhin ist 30/10 schon besser als die 28/10 bisher. Die enorme Übersetzungsbandbreite von 500% lässt hier auch mehr als genug Raum.

Ein Ritzel groß wie ein Pizzateller – macht 500% Spreizung!

Den größten Vorteil bringt die Eagle aber sehr dezent mit: den enorm geringen Q-Faktor der Kurbeln (hier gibt’s Details). Wo im letzten Jahr noch Race Face Kurbeln einen Daumen breit vom Rahmen entfernt waren, schlängeln sich die Eagle Kurbeln haarscharf an den Kettenstreben vorbei. Tschüss John Wayne, hallo gesunde Knie! Als angenehmer Nebeneffekt fällt damit auch die letzte Sorge, das eher anfällige Race Face Innenlager, weg.

Garnicht gemerkt…

Hat vielleicht gefehlt, ist jetzt aber an Bord! Der Fizik Sattel ist (leider) nicht Serie.

…haben wir, dass uns am 2017er Ithaqua eine Dropper Post gefehlt hat. Hat sie das? Naja, vielleicht manchmal. Für solche gelegentlichen Fälle liefert Norco das Ithaqua 1 2018 mit einer super edlen Crank Brothers Sattelstütze aus. Das Teil bringt bei Rahmenhöhe „L“ beachtliche 160mm Hub mit und sorgt wirklich für eine Menge Bewegungsfreiheit wenn der Single Trail lockt! Der Einsatzbereich des Ithaqua wird dadurch definitiv deutlich erweitert! Nettes Detail: der Bedienhebel wird mittels Kugelkopf befestigt und kann so relativ frei positioniert werden.

Schwenk it, Baby! Links am Bildrand sieht man den Serienmäßigen Ergon Griff.

Die passenden Crank Brothers Pedale gehören leider nicht zum Lieferumfang, wohl aber zu einem perfekten Bike. Darum haben wir kurzerhand einen Satz dran geschraubt und testen sie mit.

Mal schnell zum Brötchen holen – 50km weit

Der Aufkleber ist schon dran!!

Ansonsten bleibt das 2018er Norco Ithaqua 1 seiner Linie treu und ist einfach ein geiles Race Fatty mit dem man es in jeder Lebenslage so richtig krachen lassen kann. Man kann aber auch einfach nur damit zum Brötchen holen fahren – und wenn der nächste Bäcker 50km weit weg ist, ist das auch kein Problem. In Summe baumeln beim Tubeless aufgebauten Ithaqua 1 ziemlich genau 13kg (ohne Pedale) am Haken unserer Wage. Das ist nicht super leicht, aber ausreichend für agiles Fahrverhalten. Die Laufräder, eine Mischung aus Novatec Naben und Sun Ringle Felgen, lassen sie wie üblich sehr einfach auf Tubeless umbauen (Anleitung hier!), wobei wir aktuell die Prototypen der sensationell leichten Revoloop Schläuche im Ithaqua testen.

Hauteng: der geringe Q-Faktor schont die Knie

Der mit 780mm mächtig breite Race Face Lenker sorgt für ein sattes Handling und wird mittels Race Face Vorbau an die Gabel geschnallt. Wie schon im letzten Jahr geschwärmt, geht das Ithaqua 1 gnadenlos nach vorn und wandelt Beinkraft äußerst verlustarm in Geschwindigkeit um. Die knochenharte Gabel ist weiterhin kein Vergnügen für die Handgelenke, sorgt jedoch für eine äußerst präzise Befehlsweitergabe, die der auch in diesem Jahr wieder montierte Kenda Juggernaut Pro 4.5 Reifen zuverlässig in Richtungsänderungen ummünzt.

Wieder dabei: Sram Level TL Bremse mit relativ kleinen Scheiben (180/160)

Dabei fällt uns ein Umstand besonders auf: die Kombination aus Reifen und Rahmengeometrie eliminiert (ausreichend Reifendruck vorausgesetzt) den gefürchteten Autosteering Effekt praktisch vollständig. Gerade auf harten Untergründen lenkt das Norco Ithaqua 1 für ein FATBike schon fast surreal neutral und präzise ein.

Alles weitere beleuchten wir dann im Dauertest, der auch 2018 wieder laufen wird!

Was bleibt?

Sauer macht lustig: Norco Ithaqa 1 in „Lime Green“

Zum 2017er Ithaqua hatten wir oben geschrieben: „Aber eines war es, das Sechskommzwei: ein verdammt gutes Bike!„. Das 2018er Norco Ithaqua 1 kann man genauso kurz zusammenfassen: es ist ein verdammt BESSERES Bike! Die 2018er Ausbaustufe ist sichtlich gereift und eliminiert praktisch alle bisherigen Kritikpunkte.
Leider finden sich die Verbesserungen – trotz starkem Euro – auch im Preis wieder. Mit 3.499,- Euro kostet das 2018er Norco Ithaqua 1 genau 300 Euro mehr, als sein 2017er Pendant. Die Kosten für die Mehrausstattung werden damit ziemlich genau an potentielle Kunden weitergegeben. Wenn wir noch einen Wunsch frei hätten, würden wir einen leichten DT Swiss BR2250 Laufradsatz installieren. Aber wer weiß… 2019 ist nah!

Ach und übrigens: das Norco Ithaqua 1 ist auch als Rahmenkit erhältlich!

 

6 Responses

  1. Olaf

    Hallo FAT-BIke
    auf die Gefahr hin, daß es doch jemanden interessiert:
    da ich jetzt doch die eine oder andere Runde mit den Schwalbe JJ Addix 4.0 drehen konnte hier noch mal etwas mehr Info.
    So schön der Reofen auf Asphalt und Schotter auch ist, im Wald auf den Singletrails hat er mir dann doch nicht so gefallen. Teilweise Probleme beim ansteuern der Kurven, wegrutschen und bei hören Geschwindigkeiten auf unebenen Untergrund wie Wurzeln etwas Kontrollverlust. Die Dämpfung fand ich dort auch nicht so prickelnd.
    Im prinziep genau das was ich auch einigen amerikanischen Seiten lesen konnt. Der Ithaqua mag anscheinend keine 4.0 .

    Mein Kumpel fährt einen Tusker mit den alten JJ 4.0 und ist voll zufrieden.

    Auf Sand/ Strand haben die JJ dann wieder ne gute Performence hingelegt. Mit einem erstaumlich breitem Abdruck im Sand. Nur bei Steinen muss man dann aufpassen, daß die Felge dann nicht durchschlägt.

    Beste Grüsse

    Antworten
    • Matt

      Servus Olaf,

      vielen Dank für Deine Kommentare und Deine ausführlichen Erfahrungsberichte. Wir waren die letzte Woche auf Transalp unterwegs – aber Du bist ja ohne unseren Rat super klargekommen ;).
      Deine Einschätzungen zum JJ Addix teilen wir nach unserem Test. Er ist viel besser als der alte, aber hat nach wie vor Problemchen. Er ist eben ein Touring Reifen – aber genau das suchst Du ja. Vielleicht probierst Du alternative mal den Surly Edna oder Vee Tire Snow Avalanche 4.0. Die Meinungen zum Avalanche gehen auseinander, für uns ist es einer der besten Reifen.

      FATte Grüße

      Matt

  2. Olaf

    Jetzt kann ich die Frage zur Reifen-Dimension selber beantworten. Der Schwalbe 4.0 jj addix im vergleich zum Kenda Juggernaut pro 4.5.
    Der jj läuft auf hartem Untergrund und Schotter beim geradeaus fahren leichter aber bremst bei kurven etwas mehr ab. Der geradeauslauf ist sogar etwas ruhiger dafür lenkt er nicht ganz so gut ein wie der Kenda. Kein selfsteering festgestellt. Auf dem Trail ist er handlicher was aber nicht das Bike (Rahmen) beeinflusst.

    Im Vergleich dazu hatte der Surly Krard 4.8 einen ähnlichen leichten und ruhigen lauf auf Asphalt und Schotter aber er bremst sehr viel mehr bei Kurven ab.

    Für den ersten ausritt kann ich für mich sagen, dass der JJ sich wie ein guter 3 saison Raifen anfühlt, gerade hier im Flachland.

    Wer bergab viele Kurven fahren darf, kann mit dem Kenda durchaus zufrieden sein. Das Kurvenverhalten ist, wie fat-bike bereits geschrieben hat, phänomenal

    Antworten
  3. Olaf

    Moin
    Ich finde auch, dass die juggernaut sich auf dem ithaqua in kurven anfühlen als würde man Motorad fahren. Und das auf harten oder weicheren Untergund. Nur der etwas grössere Rollwiederstand bei hartem Untergrund und geradeaus fahren sört mich etwas.
    Ausserdem stelle ich leiches schligern bei niedrigeren Geschwindigkeiten fest. Ev ein seitliches abkippen, was das einlänken erleichtert aber auch etwas energie verbrennt.
    Ich hatte anfangs einen 35mm vorbau montiert, bin dann aber zurück zu dem og 60mm. Das bike ist damit doch stabiler und das schlingern deutlich weniger.
    Nun würd ich mir gern etwas leiter laufende Reifen zulegen und dachte 4‘0 x 26 könnten da helfen. Ich bin aber im zweifel, ob diese dimension wieder agiler wird. Wenn überhaupt möchte ich mehr stabilität ins Ithaqua bringen. Wendigkeit ist kein Problem.
    Dazu muss ich ev sagen, dass ich eher im Flachland fahre. Bei hörer Geschwindigkeit wird dasbike schon stabil.
    Würd mich sehr interessieren welche Erfahrungen ihr mit bike/ Reifen Kombi gemacht habt.

    Beste Grüße

    Antworten
    • Matt

      Servus Michel,

      wir haben die Gabel (Schaft ungekürzt, Lagerschale und Ahead-Exzentner entfernt) mit 720 Gramm, den Rahmen mit ca. 1.400 Gramm gewogen. Beide Werte entsprechen recht genau den Angaben, die auch Norco selbst macht. Die Jungs sind (nicht nur) was das betrifft sehr zuverlässig mit ihren Angaben.

      FATte Grüße

      Matt

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