Specialized FatBoy Expert, das Super-FATBike

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Fatboy Expert von Specialized

Quelle: Specialized

FatBoy – here it is!

EuroBike 2013 und da steht er also, der Specialized FatBoy Expert. Boy, is that FATBoy! Ein FATBike wie aus dem Bilderbuch, so präsentiert sich der in edlem Schwarz/Rot gehaltene Specialized FatBoy Expert schon an der Außenseite des Messestands von Specialized. ¨Schwarz, breit, stark!¨ heißt es bei einem anderen Hersteller breiter Reifen, und der Specialized FatBoy scheint die aus Aluminium gemeißelte Interpretation dieses Themas zu sein.

Fatboy Expert von Specialized (EuroBike)

Quelle: GrossMatt auf der Eurobike 2013

Am Messestand haben wir dann endlich die Chance, den Monstertruck unter den FATBikes aus nächster Nähe zu begutachten und Probe zu sitzen.

Fatboy Expert von Specialized (EuroBike)

Quelle: GrossMatt auf der Eurobike 2013

Mehr Reifen geht nicht

Was sofort ins Auge sticht, sind die selbst für FATBikes massiven Reifen: mit satten 4.8 Zoll (ungelabelte Surly-Reifen) überragt der ausgestellte Specialized FatBoy Expert die meisten anderen FATBikes in Sachen Reifenbreite locker. Selbst Klassiker wie Surly oder Salsa haben in dieser Disziplin nur wenig entgegenzusetzen. Platten??? Höchstens, wenn man sich mal einen Nagel einfährt! Und wenn schon: bevor so ein voluminöser Reifen leer ist, ist man zu Hause! Nicht umsonst spricht die Branche von ¨Superfatties¨! Leider hat Specialized dem FatBoy in der Serie ¨nur¨ einen 4.6 Zoll breiten Reifen spendiert. Dieser entstammt dafür aber Specializeds eigener Entwicklungsabteilung und leitet sich vom erfolgreichen Ground Control ab, dessen Namen er auch trägt.

Fatboy Expert von Specialized Reifen

Quelle: GrossMatt auf der Eurobike 2013

Geradezu verschwenderisch bleiben aber die Reserven des Specialized FatBoy: bis zu 5 Zoll breite Reifen schlucken der Rahmen und die Gabel. Angesichts solcher Dimensionen dürfte anderen Herstellern schwindelig werden.

A propos Gabel: auch hier geht der FatBoy seinen eigenen Weg: anstatt auf Stahl oder Alu setzt Specialized auf edles Carbon in Monocoque Bauweise. Das führt zu einer überragend leichten Gabel und zusätzlicher Vibrationsdämpfung. Nicht, dass der FatBoy es nötig hätte. Aber mehr ist nunmal eben immer mehr!

Ähnliche Gabelmodelle verrichten bereits in einigen 29er Modellen der Marke hervorragende Dienste. Übrigens stammt neben der Gabel auch die Rahmengeometrie vom 29er: auf Grund des schier unglaublichen Radumfangs von über 30 Zoll wurde kurzer Hand auf die bewährte 29er Geometrie anderer Specialized Mountainbikes zurückgegriffen. Für uns als überzeugte ¨26er¨ Fans der bisher einzig akzeptable Ansatz wofür ein 29er zu gebrauchen ist!

Der Specialized FatBoy: außen hui, innen hui!

Aber mal ganz abgesehen von den monströsen Reifen hat der FatBoy auch sonst ziemlich dicke Backen. Da wäre die Optik: zeitloses Schwarz in Kombination mit kräftigem Rot machen den Specialized FatBoy Expert sportlich aggressiv. Das Olivgrün des standard FatBoy versprüht dagegen den rustikalen Charme eines alten Willis Jeep. Expedition pur! Beide Versionen basieren auf demselben Rahmen aus ¨M4 Premium Aluminium¨, welcher mit schicken Details wie geglätteten Scheißnähten und einem konifiziertem Steuerrohr aufwarten kann. Für den Fall der Fälle ist das Schaltauge auswechselbar.

Wie bei FATBikes üblich, werden auch bei Specialized die Außenhüllen der Bowdenzüge am Stück verlegt. Das macht das Kustwerk zwar etwas schwerer, funktioniert aber auch bei widrigsten Bedingungen lange problemlos.

Bei der Ausstattung wurde schon beim standard FatBoy nicht gespart, beim Specialized FatBoy Expert hieß es aber wohl ¨klotzen statt kleckern¨: eine hochwertige eThierteen Kurbel, hydraulische Shimano Deore Scheibenbremsen und als besonderer Leckerbissen ein Sram X0 Schaltwerk lassen die Herzen der FATBike Fans höher schlagen. Ansonsten verbaut Specialized weitgehend Teile aus dem eigenen Baukasten (Lenker, Vorbau, Sattelstütze, Naben, Felgen, etc.) wobei diese beim FatBoy Expert durchweg höherwertiger ausfallen als beim standard FatBoy.

Leicht auf dem Trail, leicht im Geldbeutel

Beim Specialized FatBoy Expert wurde offensichtlich auch gezielt am Gewicht geschnitzt. Und das durchaus konsequent, was sich vorallem bei den Laufrädern zeigt: hier kommen statt den durchgehend 2mm dicken Standardspeichen des FatBoy leichtere double butted Speichen zum Einsatz. Kleinvieh macht auch Mist!

Insgesamt kommt der FatBoy Expert so auf schlappe ca. 13,5 kg – was für ein FATBike ein respektabler Wert ist. Nur das legendäre Salsa Beargrease mit seinen traumhaften Carbonrahmen kann hier nochmal deutlich drunter – spielt aber auch preislich in einer anderen Liga.

Fatboy Expert von Specialized in Action

Quelle: Specialized

Und wo wir gerade beim Thema sind: 1.799,- Euro ruft Specialized für einen FatBoy auf. Der FatBoy Expert erleichtert den Geldbeutel um 2.399,- Euro. Schaut man sich die aktuellen FATBike Preise an und berücksichtigt, dass es (noch!) ein Nischenprodukt mit relativ kleinen Stückzahlen ist, dürfen beide Werte als Kampfansagen gesehen werden – erst recht angesichts der gebotenen Leistung! Die Qualität von Rahmen und Gabel, die hochwertige und kompromisslose Ausstattung, die vielen durchdachten Details und nicht zu letzt das gute Gefühl, ein Bike von einem der Weltmarktführer zu fahren rechtfertigen die Preise aus unserer Sicht durchaus leicht.

Fazit: viel Licht, aber auch ein wenig Schatten

Gibt es nach all dem Lob auch etwas, das wir besser/anders machen würden? Ja, das gibt es tatsächlich: die (an sich gute) Deore Bremse mit 180mm/160mm Scheiben halten wir angesichts der enormen Radgröße und sehr schweren Laufräder klar für unterdimensioniert. Bei Expeditionen im Winter vermutlich keine schlechte Wahl – Geschwindigkeit und Temperatur sind dann kein großes Thema. Die meisten Käufer in Mitteleuropa werden ihren ¨Fetten Jungen¨ aber auch im Sommer bewegen und das durchaus mal auf einer schnellen und langen Anfahrt. Und wer möchte sich bei einem Ritt auf einer Kanonenkugel schon Sorgen um die Bremsen machen?

Hier hätte Specialized zumindest größere Scheiben spendieren dürfen. Wir würden allerdings gleich auf eine groß dimensionierte Downhillbremse vertrauen oder als guten Kompromiss aus Gewicht, Leistung und Preis eine Avid Elixir 9 Trial in der Dimension 200mm/180mm verbauen. Diese tut bereits an unseren Freeridern zuverlässig und unnachgiebig ihren Dienst. Damit ist der FatBoy dann ausreichend bestückt um auch mal lässig einen Downhill zu shreddern.

Das Fazit bleibt jedoch davon unberührt. Bravo Specialized! Die FATBike Welt ist im eine Attraktion reicher. Von befreundeten Händlern haben wir erfahren, dass die Nachfrage enorm ist und die Kunden kaum die ersten ausgelieferten Bikes erwarten können. Uns geht es genau so! Weihnachten wird 2014 wohl schon im Frühling stattfinden!

3 Responses

  1. S M

    na toll, Achsbruch hinten – das in Foren bekannte Fatboy Expert Problem…
    und mein Händler hat bis ins neue Jahr zu, ausgerechnet jetzt wo wir Schnee haben – könnte Kotzen…

    Antworten
  2. S M

    Hallo,
    ich habe seit 18.11.14 mein Fatboy Expert und nach ca. 700 schlammigen Kilometern ist es Zeit für ein erstes Fazit:

    Die Kiste macht unglaublich Spaß, geht nicht gibt es nicht mehr…..
    mein Superfly Carbon 29er Hardtail steht seither nur noch im Keller – aber es wir ja auch wieder Sommer.

    Das Fatboy ist ideal für den Winter, oder auch nur um Spaß zu haben.

    Allerdings bin ich von der Qualität einiger Anbauteile doch sehr enttäuscht…..

    -relativ schnell montierte ich vorne eine 203 Bremsscheibe, was bei einem Fatty eigentlich Standard sein sollte.
    -nach ca. 500km riss die billige Kette und das Ritzelpaket war verbogen….!

    Ausstausch gegen Deore XT, sollte jetzt halten.

    Die Naben laufen mittlerweile sehr rauh und schreien nach Schmierung (keine Hochdruckwäsche gemacht)
    ebenso die Kurbel…..

    Der an sich tolle Rahmen ist sehr kratzempfindlich (schwarzer Klavierlack)

    Ansonsten gibt es keine Beanstandungen, aber ich hätte von einem Hersteller wie Specialized (mein erstes Specializes Bike) für einen Preis von 2400€ doch etwas mehr Sorgfalt bei der Qualität der Komponenten erwartet.
    Schön wären auch Steckachsen gewesen….

    Nichts desto trotz ist das Fatboy Expert in meinen Augen das schönste Fatbike am derzeitigen Markt,
    hervorzuheben ist sicherlich die gigantische Carbon Gabel, mit dem Ground Control zusammen braucht da kein Mensch eine häßliche Bluto !

    Da es jetzt das Rahmenset einzeln gibt, ist ein Selbstaufbau sicherlich die bessere Alternative !

    Keep on going fat !

    Antworten
    • GrossMatt

      Hi SM,

      danke fürs Feedback. Kann ich – wie immer – erstmal nur bestätigen. Leider nicht nur den Teil mit dem Spaßfaktor. Wobei 700km schon eine Ansage sind – bei uns hat der Kram zumindest bis vorgestern gehalten…
      Bezüglich der Bremsen schreiben wir schon vom ersten Tag, dass eine 180er oder sogar 160er Scheibe am Fatty höchstens bei einer Tour im Schnee brauchbar ist. Nimmt man das Bike auch mal auf Trails oder im DH her kommen die kleinen Scheiben schnell an ihre Grenzen. Mit einer 203er bist Du gut bedient, wir haben ja sofort auf Avid Vierkolben Bremsen umgerüstet und es keinen Tag bereut.

      Ic werde demnächst nochmal den Dauertest updaten, da ich Deine Erfahrungen (und die etlicher anderer) inzwischen auch gemacht habe.

      FATte Grüße und schöne Weihnachten

      Matt

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