Surly Ice Cream Truck

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Surly Ice Cream Truck. Möchte jemand ein Eis?

Etwas sperriger Name aber dafür um so agiler zu fahren: Surly Ice Cream Truck

Etwas sperriger Name aber dafür um so agiler zu fahren: Surly Ice Cream Truck

Eine Trailrakete aus dem Hause Surly? Mit 190mm Hinterbaubreite? Suspension Ready? Moment mal! Da lohnt es sich, genauer hinzuschauen!

Während der Eurobike haben wir uns mit Alex Zidarevic von Surly unterhalten und schon das funkeln in seinen Augen, während er von doppelt wärmebehandelten Hinterbaurohren und breiten Innenlagergehäusen schwärmt, hat uns verraten: hier sprechen wir über etwas FATtes Neues!

Aber erstmal zu Surly. Surly ist zweifellos DER FATBike Pionier: das erste echte FATBike, der erste und sehr lange Zeit einzige sinnvolle FATBike Reifen, das vielseitigste Zubehörprogramm. Auch, wenn echte News in den letzten Jahren eher von der funkigen Schwester Salsa kamen – Surly ein Fels in der Brandung. Zuverlässig, solide, ohne Überraschungen und immer zur Stelle, wenn man es braucht. So wie der Eismann im Kino.  Möchte jemand Eis?

Das Konzept: Vivè la Revolution!!!

Saubere Arbeit: Rahmen aus 4130er CroMo Stahl

Saubere Arbeit: Rahmen aus 4130er CroMo Stahl

Doch diesmal kommt alles anders. Im typisch schlichten und durchaus ansprechenden Look der Surly Stahl-Bikes hängt das bonbonblaue (Surly spricht von „Jack Frost Blue“) Surly Ice Cream Truck an der Wand des Surly Standes auf der Eurobike. Und um es kurz zu machen: Weiterentwicklung war gestern. Das ist eine handfeste Revolution im Hause Surly.

Dabei ist beim Surly Ice Cream Truck nur der Name sperrig – die Jungs von Surly haben Ihre Fatties komplett umgekrempelt und etwas völlig Neues, Heißes auf den Trail geworfen.

B-b-b-bad to the bone: die neue Rahmenarchitektur

Quelle: surlybikes.com

Quelle: surlybikes.com

Das schlichte und Surly-typische Design täuscht: die Veränderungen beginnen bereits mit der Architektur des Rahmens. Was bleibt ist das 4130 ChroMoly – aber Alex hat uns voller Leidenschaft vom ersten symmetrisch zusammengebraten Rahmen von Surly erzählt. Symmetrisch bedeutet, dass der FATte Reifen nicht mehr wie in frühen FATBike Tagen durch ein asymmetrisch (außerhalb der Mitte) eingespeichtes Hinterrad in einem entsprechen ebenfalls asymmetrischen Rahmen links der gewohnte Kettenlinie untergebracht wird. Beim Surly Ice Cream Truck heißt es statt dessen: „Kette rechts!“. Denn beim symmetrischen Rahmen wird die gesamte Kettenlinie nach außen verlegt.

Das gelingt den Surly Ingenieuren durch die nächsten Neuerungen: der Rahmen bekommt ein 132mm breites Press Fit Innenlagergehäuse (PF41) und (endlich) 190mm Hinterbaubreite. Großer Vorteil dieser Operation: die Kettenstreben sind mit größerem Abstand an die Innenlagerbüchse gebrutzelt – das bringt Steifigkeit ins Gebälk und sorgt bei harten Antritten für knochentrockenen Vortrieb. Dank Press Fit bleibt der Q-Faktor hingegen unverändert – die Knie werden es danken…

Size Matters!

Und ganz nebenbei entsteht auf diese Weise genug Wohnraum für einen FATten 4.8er Schlappen: der Ice Cream Truck wird von einem Surly Lou nach vorn geschoben. Aber wenn Lou einzieht kann er sich auf noch mehr „schöner Wohnen“ freuen: dank wechselbarer Ausfallenden kann man so ziemlich jede Naben- bzw. Achskonstruktion im Surly Ice Cream Truck unterbringen. Dieses feine Detail ist nicht neu bei Surly. Aber geil.

Ein weiteres spannendes Detail ist der von innen beschichtete Rahmen. Rostschutz rundum – build to last!

Das Front End: vielseitiger gehts nicht.

Vorsicht, bissig. Surly Bud im Ice Cream Truck

Vorsicht, bissig. Surly Bud im Ice Cream Truck

Bonny & Clide, Holmes & Watson, Kodos & Kang – es gibt viele Dreamteams. Und insteressiert ein ganz besonderes: Lou & Bud! Denn während Lou am Heck anschiebt wie ein Berserker kümmert sich sein bester Kumpel Bud am vorderen Ende um Richtung und Verzögerung. Und auch Bud muss nun nicht mehr zwangsweise in einer, zwar stabilen aber bleischweren und nicht wirklich hübschen, Surly Stahlgabel hausen. Dank eines getaperten Steuerrohres (44mm) darf er sich ab sofort auf Wunsch in einer feinen Carbongabel räkeln oder sogar zwischen den elastischen Schenkeln einer Rock Shox Bluto Platz nehmen.

Serienmäßig kommt der Surly Ice Cream Truck zwar wie alle Surly FATBikes mit einer Stahlgabel daher, aber im Sinne der freien Gabelwahl wurde auch diese neu entwickelt. Und hier hat Surly mal so RICHTIG mitgedacht: die Gabel besitzt bereits die Einbauhöhe einer durchschnittlichen Federgabel und hat eine 150mm Steckachse! Wir finden: Hut ab, Glanzleistung! Denn: egal ob Stahlklumpen oder Bluto – die Geometrie bleibt unverändert und man kann dank vorhandener 150mm Steckachse das selbe Vorderrad in beiden Gabeln nutzen. Für alle, die zwischen zwei Expeditionen mit einer Bluto über ihre Lieblingstrails ballern wollen ist das ein FATter Mehrwert.

Nimmt man Front- und Rear End zusammen ist der Surly Ice Cream Truck sowas wie ein USB Anschluss: egal, was man dranstecken will, das Surly kommt problemlos damit klar.

Ready for take off: Geometrie und Ausstattung

Quelle: surlybikes.com

Quelle: surlybikes.com

Die Rahmengeometrie des Surly Ice Cream Truck wurde deutlich angeschärft um trotz Federgabel ein wendiges und doch spurstabiles Bikes zu vekommen. Längeres Oberrohr, flachere Lenk- und Sitzwinkel, längerer Radstand und tieferer Schwerpunkt als das Moonlander – Surly hat mit dem Ice Cream Truck Rahmen also schonmal die richtigen Voraussetzungen für eine anständige Trailrakete geschaffen.

Fehlt die Bestückung. Da zeigt sich Surly von seiner soliden Seite. Typisch für Fatties der 190mm Hinterbau-Klasse ist das 2×10 Schaltsystem (Surly Kurbeln, SLX/XT Mix, KMC Kette). Dazu mixt Surly einige Parts mit eigenem Label (Naben, Lenker, Sattelklemme) und montiert einen Satz der bereits erwähnten Lou und Bud Reifen auf 100mm Clown Shoe Felgen. Gebremst wird mit Sram Guide RS Bremsen (180/160mm).

Eine Dropper Post ist leider nicht vorgesehen – der 30.9mm Durchmesser lässt zwar die Montage zu, aber eventuelle Leitungen müssen außerhalb der Rohre verlegt werden. Naja, eigentlich auch nicht wirklich ein Problem.

Was bleibt?

Quelle: surlybikes.com

Quelle: surlybikes.com

Surly ist eine Boutique. Eine Nische in der Nische. Während andere langsam beginnen, Fatties auf „Masse“ zu produzieren bekommt man bei Surly ganz besondere Bikes und dazu das gute Gefühl, pure Leidenschaft gekauft zu haben. Oder anders gesagt: man kauft nicht einfach ein Surly Bike. Man wird Teil der Familie.

Der Surly Ice Cream Truck ist definitiv eine der spannendsten Möglichkeiten, Mitglied dieser Familie zu werden. Der Rahmen verspricht Fahrspaß pur und ist bzgl. Naben- bzw. Achssystem genauso flexibel wie im Umgang mit Gabeln. Well done! Die Ausstattung ist unspektakulär aber zuverlässig, verspricht aber in Kombination mit dem Stahlrahmen und der serienmäßigen Stahlgabel keine Gewichtsrekorde – zumindest nicht im positiven Sinn. Sobald wir eine verlässliche Angabe zum Gewicht haben werden wir diese hier posten.
Mit einem Ice Cream Truck ist man nicht nur auf jedem Trail zu Hause sondern macht auch vor der Lieblingseisdiele eine gute Figur. Vermutlich ein wichtiger Punkt – wird uns FATBikern doch gern eine leichte bis mittelschwere Profilneurose nachgesagt.

Zum Preis haben wir aktuell noch keine genauen Angaben. Auf Grund der vergleichbaren Ausstattung erwarten wir den Surly Ice Cream Truck aber in etwa auf dem Niveau des Moonlander, also irgendwo zwischen 2.000,- und 2.500,- Euro.

One Response

  1. Dorfmann

    Sehr schön geschrieben !
    Hoffe, daß der Truck bald mal erhältlich ist und daß eure Preiseinschätzung realistisch ist 🙂

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