Getestet: VeeTire Bulldozer 4.25. Die schlanke Wahl?

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Vor einiger Zeit hat uns VeeTire freundlicherweise mit einem Sack voll Testreifen beglückt, durch den wir uns so nach und nach durchkauen. Nachdem wir den hervorragenden Vee Tire Bulldozer 4.7 und den mächtigen Snow Shoe 2XL (den Testbericht dazu bringen wir im Herbst) bereits ausgiebig „erfahren“ haben, ist heute der VeeTire Bulldozer 4.25 an der Reihe. Wir haben den Reifen viele 100km aufs Übelste geschunden und ihm in allen Lebenslagen genau auf die Karkasse gefühlt.

VeeTire Bulldozer 4.25 07

Ein Reifen, ein Name!

Schmal, aber nicht schlank

Wenn du dir einen schmalen Schlappen um 4″ montierst, erwartest Du in der Regel auch rennradmäßige Eigenschaften: wenig Gewicht und leichten Lauf. Der VeeTire Bulldozer 4.25 ist praktisch der „kleine Bruder“ vom 4.7er, das knappe halbe Zoll weniger Breite resultiert jedoch interessanterweise nicht in einem Gewichtsvorteil. Mit ca. 1.450 Gramm liegt er mit dem 4.7er praktisch genau auf Augenhöhe.
Optisch ist der Unterschied deutlicher: sowohl Breite (104mm*) als auch Höhe (80mm* ab Felgenhorn, ohne Stollen) fallen klar geringer aus, was den Reifen zur Alternative für 170mm Hinterbauten macht.
*gemessen auf DT Swiss BR2250 Felgen

Der übliche Roman auf der Seite beschreibt Material und Eigenschaften

Der übliche Roman auf der Seite beschreibt Material und Eigenschaften

Bei Rollwiderstand und Einlenkverhalten war der Vergleich zum 4.7er allerdings noch überraschender: der VeeTire 4.25 läuft trotz seiner hochwertigen 120 TPI Karkasse erstaunlich schwergänging und reiht sich hier klar hinter seinem dicken Bruder ein. Außerdem lenkt er sich sehr störrisch und neigt, vor allem bei zu geringem Druck, deutlich zu Auto-Steering. Das heißt, er kippt in scharfen Kurven weg und zieht sich in Längsrillen an den Rändern hoch. Insbesondere auf harten Untergründen entwickelt der Reifen dadurch einen überraschend starken eigenen Willen…

Flachmann: die Lauffläche in der Draufsicht.

Flachmann: die Lauffläche in der Draufsicht.

Gerade, weil uns der (vom Profil her praktisch identische) Bulldozer 4.7 im Handling so gut gefallen hat, haben wir hier eine Vermutung: wir testen inzwischen alle Reifen standardmäßig tubeless auf 80mm breiten Felgen – dem aktuell am meisten verbreiteten Maß bei FATBikes. Der VeeTire Bulldozer 4.25 baut auf dieser Felge sehr breit und bildet eine im Querschnitt sehr flache Lauffläche aus (siehe Bild oben). Wir denken, dass diese Geometrie eine Menge Nachteile erzeugt – insbesondere weil die Schulterstollen weit in die Lauffläche ragen. Helfen würde vermutlich ein schmalere Felge, z.B. 60mm breit. Da solche Felgen aber bei aktuellen FATBikes selten sind, testen wir unter realistischen Bedingungen weiter.
Wir gehen weiter unten nochmal auf ein paar wichtige Punkte zur Abstimmung des Reifens ein.

Der hält dicht und schiebt nach vorn!

Keine Probleme hatten wir beim Thema tubeless. Reifen aufziehen, Dichtmilch rein, fertig. Tipps zum Umbau gibts hier.  Der Luftverlust ist minimal und spielt im Alltag keine Rolle.

Tubeless Ready. Ohne Zweifel!

Tubeless Ready. Ohne Zweifel! Der „Riss“ oben links im Bild ist eine Kante vom Vulkanisieren.

Es gibt viele Gründe für eine Montage ohne Schlauch. Die beiden wichtigsten (neben der Pannensicherheit) sind der geringere Rollwiderstand und der Gewinn an Komfort. Und auch hier schlägt die Geometrie des VeeTire Bulldozer 4.25 gnadenlos zu. Seine flache Lauffläche macht ihn steif, da er mit einer verhältnismäßig großen Fläche auf Hindernisse aufschlägt und sich diese ohne Umwege in die stabilen, unnachgiebigen Seitenwände drücken. Das fühlt sich im Alltag holzig an und hat unserer Federgabel und dem Dämpfer einige Überstunden beschert.

Die flache Geometrie hat aber auch Vorteile. Durch die breite Auflagefläche trägt der Bulldozer 4.25 hervorragend auf weichen Untergründen. Gerade auf dem aktuell weit verbreiteten Schlamm oder auch auf Sand sinkt er kaum ein und schiebt zuverlässig nach vorn. Hier macht er definitiv Punkte gut!

Voller Schub: stabile Stollen sorgen für Vortrieb.

Voller Schub: stabile Stollen sorgen für Vortrieb.

Generell ist die Traktion sehr gut, die stabilen Seitenstollen sorgen für eine grundsolide Performance in Kurven. Hier verbeißt sich der Reifen fest im Untergrund und baut schnell wieder Grip auf, wenn man es doch mal übertrieben hat.
Ebenfalls ein dickes Lob gibt es für den Verschleiß: auch, wenn wie die Reifen rücksichtslos geknechtet haben zeigen die Stollen kaum erkennbare Abnutzung. Die Pure Silica Mischung ist hier erstaunlich resistent.

Schwer erziehbares Kind…

Hinweis: statt festen Werten geben wir immer den „Standard-Druck“ an. Damit meinen wir den Druck, mit dem ein durschnittlicher Reifen bei uns optimal funktioniert. Da der „richtige“ Reifendruck aber individuell verschieden ist, geben wir zur Abstimmung die Abweichung in Prozent an: „10% über Standard-Druck“ bedeutet, dass ihr den Reifendruck, den ihr normalerweise nutzt, entsprechend um 10% erhöhen solltet um mit dem getesteten Reifen vergleichbare Ergebnisse zu erhalten.

Mit der Abstimmung des Reifens haben wir uns widerum sehr schwer getan. Unterhalb von ca. 0.5 bar, was unserem „Standard-Druck“ für 4.0er Reifen entspricht, ist der VeeTire Bulldozer 4.25 halbwegs komfortabel, darüber nehmen Komfort und Traktion schnell ab.
Über 0.6 bar, also 20% über Standard-Druck, rollt er relativ leicht und lenkt halbwegs sauber ein. Darunter nehmen Rollwiderstand und Auto-Steer rapide zu.

Beim Bremsen hinderlich: die "Rampe" hinter jeder Mittelstolle

Stabilisiert, ist beim Bremsen aber eher hinderlich: die „Rampe“ hinter jeder Mittelstolle

Unsere Suche nach dem „Sweet Spot“, also dem Druck, bei dem sich Rollwiderstand, Komfort und Traktion optimal und ohne Abstriche treffen, war sehr schwierig. Für den VeeTire Bulldozer 4.25 haben wir nicht DEN Druck gefunden, im Alltag funktioniert er am ehesten noch bei 0.55 bar, also 10% über unserem Standard-Druck. Für leichten Lauf braucht er 0.6 bis 0.7 bar, dann ist er aber bretthart. Komfort bekommt man erst unter 0.5 bar, dann lenkt er sich aber so flink wie ein Öltanker. So haben wir am Ende unterwegs den Druck nach Bedarf angepasst – 0.65 bar auf der Straße und 0.5 bar auf verblockten Trails.
Wie oben gesagt, haben wir die Felgenbreite als Ursache für dieses Verhalten in Verdacht. Wir werden uns mal ein paar schmalere Felgen für einen weiteren Test zulegen.

Was bleibt?

Sand mag er gern!

Sand mag er gern!

Der VeeTire Bulldozer 4.25 sollte diverse Vorteile gegenüber seinem FATten Bruder, dem Bulldozer 4.7 haben – bringt aber sprichwörtlich die Traktion nicht auf die Straße. Seine Achillesferse ist die derzeit gängige Breite für FATBike Felgen von 80mm. Punkten kann er in unserem Test auf weichen Untergründen, wo Traktion und Auftrieb mustergültig sind. Auch der Verschleiß ist extrem gering. Auf harten Untergründen nerven, je nach Luftdruck, entweder der mäßige Komfort oder das störrische Einlenkverhalten.

Auf 60mm Felgen in einem 170mm Hinterbau könnte er durchaus eine gute Wahl sein. Wer jedoch eine 80mm Felge und den nötigen Platz im Rahmen hat ist unserer Meinung nach mit dem hervorragenden Bulldozer 4.7 in praktisch allen Belangen besser bedient.

2 Responses

  1. Stefan

    Hi Matt,
    nicht ganz einfach einen Reifen sachlich und neutral zu bewerten, eure objektiven Tests dazu lese ich recht gerne.
    Hier aber ist euch ein fachlicher Fehler unterlaufen, denn die Vees gehören genau anders rum montiert, denn beim Bremsenbrauchen Sie besten Grip und deshalb gehört der schräge Guppel in Laufrichtung – auch hinten.
    Das bewirkt deutlich bessere Laufruhe, anderes Einlenkverhalten und hinten trotzdem noch perfekte Traktion, auch ggf.mit FAT-E wie bei mir.
    Schau Dir dazu den Maxxis Highroller II an, einer der Stars für MTB freeride und mein Liebling auf Nässe – der Laufrichtungspfeil bei ähnlich schrägen Mittelstollen = in Laufrichtung.
    Probiers mal bei Gelegenheit und nichts für ungut….
    Stefan

    Antworten
    • Matt

      Hi Stefan,

      vielen Dank für Deinen Kommentar und das Lob! Mit der Laufrichtung der Reifen hast (scharf beobachtet, übrigens!) prinzipiell Recht. Sieht komisch aus… ABER: die Reifen sind tatsächlich genau so montiert, wie Vee Tire es vorgesehen hat. Wir haben extra nochmal nachgesehen – sie waren so montiert, wie es auf der Flanke aufgedruckt ist. Das hilft zwar nicht beim Bremsen, aber ist gut für die Traktion.
      Auf die Idee, sie anders rum zu montieren, hätten wir aber auch selbst kommen können… Danke für den Hinweis! Und weißt was? Genau das machen wir jetzt! Und dann berichten wir, was es gebracht hat!

      FATte Grüße

      Matt

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