Den Vittoria Cannoli 4,8 Test beginnen wir diesmal mit einen ziemlich straffen Ansage: 2.050 Gramm. So viel bringt ein einzelner Vittoria Cannoli 4,8 auf die Waage. Nun könnte man hier direkt aufhören zu lesen. So schwer? Was soll der Unfug? Aber wir wären nicht FAT-Bike.de, wenn wir dem Italienischen Sumo Ringer nicht eine Chance geben würden sich im Alltag zu beweisen. Im Wintertest letztes Jahr hat er ja schon bleibenden Eindruck hinterlassen. Logische Konsequenz: wir haben die Brocken auf unser Ithaqua Race Fatty geschnallt und sind los gedüst. Fazit vorweg: schwer, verliebt!

Der Vittoria Cannoli: eine Mauer aus Kautschuk

Frisch eingetroffen

In einem Vittoria Cannoli 4,8 ist in etwa die gleiche Menge Material verbaut wie in zwei Schwalbe Jumbo Jim Light Skin 4.0 – oder so viel wie in 4 durchschnittlich leichten MTB Reifchen. Die Rahmendaten lesen sich entsprechen eindrucksvoll:

Click mich!

Gewicht 2.050 Gramm
Breite (ohne Stollen) 108 mm
Höhe (mit Stollen) 92 mm
Höhe Mittelstollen 6 mm
Höhe Seitenstollen 6-7 mm
Anzahl Stollen 460
Karkasse 120 TPI, faltbar
TLR ja

Das Profil ist so massiv wie kaum ein zweites am Markt – lediglich die Schöpfungen aus Bloomington (Surly, 45NRTH) haben in dieser Liga noch was zu melden. Aber nicht nur bei den Stollen wurde – im wahrsten Sinne des Wortes – geklotzt. Auch die Seitenwände sind außerordentlich dick und stabil ausgelegt. In diesem massigen Grundaufbau des Reifens liegt das hohe Gewicht – und sein Alleinstellungsmerkmal im Bereich der High Performance Reifen.

Natürliche Feinde? Fehlanzeige!

Kennt keine natürlichen Feinde

Um da nicht lange um den heißen Brei zu reden: der Vittoria Cannoli 4,8 Test hat uns den robustesten Reifen gezeigt, den wir je auf den Felgen hatten. Er ist ein Dickhäuter, und als solcher kommt er im Alltag praktisch ohne natürlich Feinde aus. Das bedeutet nicht nur, dass er über scharfkantige Steine, spitze Wurzeln und anderen Unbill nur müde lächelt. Ein weiterer handfester Vorteil ist eine extreme Niederdruckstabiliät. Selbst bei 0.2 bar – der Hälfte unsere Standarddrucks für vier/achter Reifen – ist der Cannoli 4,8 noch sicher fahrbar. Und das am besten Tubeless, wenn man es denn schafft…

Der Tubeless Albtraum…

Denn leider hinterlässt der Vittoria Cannoli auch hier Eindruck: noch nie hat sich ein Reifen derart widerspenstig gegen die Montage gewehrt. Das Tubeless Dichtband unserer DT Swiss BR2250 Laufräder hat der direkt gefressen, es war einfach nicht möglich, ihn auf der Felge zu fixieren.

Tough Job. Selten war es so schwer!

In dieser Kombination ist – zumindest mit unseren Testreifen – ein Betrieb ohne Schlauch nicht machbar. Erst auf den Sun Ringle Felgen des Ithaqua lies er sich ausreichend stabil montieren – zwar auch hier nur mit viel Überzeugungsarbeit, dafür bombenfest. Dabei ist gerade bei 2kg Lebendgewicht die Montage ohne Schlauch, um mal ein geflügeltes Wort zu verwenden, alternativlos. Wir empfehlen zur Montage dringend einen Kompressor oder, mal wieder, ausreichend Valium.

Was ist das denn?

Naja, irgendwann waren die Dinger dann doch montiert und das Ithqua sah aus, als hätte man einer Gazelle Bergstiefel angezogen. Nun hat man ja bei einem 2kg Reifen mit 6mm hohen Stollen so seine, sagen wir mal, Erwartungen…

Da türmt sich was auf. Rollt aber erstaunlich leicht!

Doch auf einmal merkt man, dass man schon rollt. Ernsthaft? So leicht geht das? Auch, wenn der Jumbo Jim leichter rollt – der Vittoria Cannoli 4,8 schafft den Spagat zwischen extremem Profil und leichtem Abrollen wie kaum ein zweiter. Einlenken in Kurven? Klappt spielend leicht, kein Autosteuer weit, keins breit. Dabei waren wir sogar leicht unter unserem Standarddruck unterwegs: nur ca. 0.38 bar haben die Reifen in Form gehalten. Senkt man den Druck weiter, entwickeln die Cannolis auf harten Böden zwar ein wirklich martialisches Abrollgeräusch irgendwo zwischen schmatzen und grollen. Aber der Autosteer Effekt bleibt trotz eher flachem Querschnitt erstaunlich gering. Das dürfte auf das Konto der extrem stabilen Seitenwände gehen.

Im Querschnitt eher flach…

Gut – beim Burn Out an der Ampel verlierst du gnadenlos. Die, gemessen an einem durchschnittlichen vier/achter FATBike Reifen, gut 1-1,2kg zusätzliche rotierende Masse haben eine ähnliche Wirkung wie wenn du dir Hohlblocksteine an die Nikes bindest. Bleibt das tröstende Gefühl, dass man die anderen spätestens im Schlamm wieder einholen wird. Denn:

Traktion wie ein Trecker. Komfort auch.

Man hat schnell das Gefühl, dass man den Vittoria Cannoli 4,8 zur Not auch mal mit dem Mund aufpusten kann und trotzdem nach Hause kommt. Kein anderer Reifen geht so locker mit „Unterdruck“ um.

Präzisionsarbeit. Mehr oder weniger.

Doch auch ein anderes Gefühl kommt selbst bei Unterdruck nicht so recht auf: Komfort. Der Grund ist derselbe. Die Dinger sind einfach zu massiv um locker flockig über Hindernisse zu rollen. Statt dessen rumpelst du damit eher störrisch über Wurzeln und Steine – die dem Vittoria Cannoli zwar nichts anhaben können, den Piloten aber ordentlich durchrütteln.

Schlamm zu Frühstück – immer gut!

Der extrem massive Aufbau führt zu einer wirklich krassen Stabilität. Und da liegt die größte Stärke des Vittoria Cannoli: WIRKLICHE Extrembedingungen. Uns ist derzeit kein Reifen bekannt, der unempfindlicher gegen was-auch-immer ist. Dazu liegt er in Sachen Grip mit den Klassenbesten – Surly Lou, Maxxis Minion, Tee Tire Snow Shoe 2XL und 45NRTH Dunderbeist – auch mal mindestens auf Augenhöhe. Nachteil daran: ein durchdrehendes Hinterrad ist keine Ausrede mehr um bergauf eine kurze Verschnaufpause zu machen. Es kommt einfach nicht vor. Wenn 460 riesige Stollen zubeißen, dann führt das zu Traktion wie bei einem Trecker.

Was bleibt?

Schwer. Verliebt!

Auf der Vittoria Homepage kann man es nachlesen: „Designed to dig out of any situation!“. Das können wir getrost unterschreiben. Oberflächlich betrachtet ist der Vittoria Cannoli 4,8 ein schwerer, unkomfortabler Brocken. Aber er ist ohne wenn und aber DIE Wahl, wenn es auf’s Ganze geht. Wenn am Ende der Welt dein Leben an deinem Bike hängt, dann solltest du einen Satz Vittoria Cannoli installieren. Mehr Grip bietet derzeit kein uns bekannter Reifen und keiner ist auch nur im Ansatz so robust. Dass der Vittoria Cannoli 4,8 dazu auch noch leicht rollt und messerscharf einlenkt lässt ihn am Ende dann doch wieder ziemlich FAT dastehen. Wer sich also die Mühe gemacht hat, trotz der Einleitung bis zum Ende zu lesen, kennt nun einen Reifen, den man zwar nicht immer im Leben braucht, der aber das Potential hat selbiges zu retten wenn’s drauf ankommt.
Auf einem FATFully oder gar eFatty schmelzen seine Nachteile weiter dahin, darum sehen wir ihn hier als optimalen Reifen der seinen mächtigen Grip an so einem Bike erst richtig ausspielen kann.
Wie wir eben in der Einleitung geschrieben haben: der Cannoli ist schwer, wir sind verliebt.

3 Responses

  1. Stefan

    Ich fahre ein 2016er Stevens Mobster mit Schwalbe 4.0 Reifen, die ziemlich runter sind.
    Die Neuen sollen breiter werden und ich liebäugle mit Pneus um die 4.5 oder 4.7.
    Da ich im letzten Jahr 11 Plattfüsse hatte, suche ich einen robusten und langlebigen Reifen, gerne auch mit Schlauch. Das Gewicht ist mir nicht so wichtig, das sehe sportlich. 🙂
    Als Fat Bike- Neuling (seit Nov. 2017) habe ich da leider zu wenig Erfahrung.
    Jemand vielleicht einen Tipp?

    Besten Dank im voraus

    Antworten
  2. Matthi

    Ich würde den Reifen so gerne mal fahren aber beim Haibike Full Fatsix passen hinten nur 4.0!

    Echt ärgerlich!

    Antworten
  3. peter

    Geniale Wuchtbrumme der Sonderklasse.., da hätt ich nicht mal im Republik Niger Angst, dort durch das „CramCram“ zu fahren. (3-4mm große sogenannte „Sudanklette“ mit 1,5mm Dornen drum rum…, gelb, fies, aber putzig)
    Die Stollen sind ja noch ärger als beim 5,05 Zöller…

    Antworten

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.