Yukon Arctic Ultra – Flori und Maxx gehen ans Limit!

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Yukon Arctic Ultra – Flori und Maxx gehen ans Limit!

Flori Reitersberger. Unser Mann im Eis! (Quelle: Florian R.)

Flori Reiterberger. Unser Mann im Eis! (Quelle: Florian R.)

For an English version click here!

Was jetzt kommt ist eine dieser Geschichten, die man eigentlich mit einem Satz wie „Schließt Eure Augen und stellt Euch vor…“ beginnt – aber mit geschlossenen Augen liest es sich einfach schlecht. Also, Augen auf, Fantasie an! Stell dir vor, es ist Nacht und du liegst in einem Zelt, mit einer Taschenlampe im Mund studierst du Kartenmaterial. Draußen, vor deinem winzigen Nachtlager, liegt dein FATBike im Schnee. Es sind knackig kalte 40 oder 45 Grad unter Null. So genau weißt Du das garnicht, denn im Schlafsack ist es so oder so recht frisch. Was du weißt: fünf Minuten da draußen ohne Mütze und dir friert das Hirn ein!
Ein letztes Mal, bevor du versuchst zu schlafen, steckst du den Kopf aus dem Zelt in den eiskalten Wind. Am Himmel über dir siehst du einen perfekten Sternenhimmel und ein gigantisches Polarlicht, das in allen Farben glüht. Irgendwie bist du glücklich, hier zu sein. Es ist Anfang Februar und du bist Teilnehmer bei einem der – wenn nicht DEM – härtesten Ultramarathons der Welt: dem Yukon Arktic Ultra.

Die gute Nachricht: es gibt einen, der sich das mal für uns anschaut!

Kalt? Unsinn... (Quelle: Florian R.)

Kalt? Unsinn… (Quelle: Florian R.)

Für alle, die bereits vom bis-hier-her-lesen schon irgendwie kalte Füße bekommen haben, haben wir eine gute Nachricht: Ihr müsst Euch das alles nicht antun, nur um ein Stück Yukon Arctic Ultra zu erleben. Es reicht, in den nächste Wochen FAT-Bike.de zu verfolgen!
Florian Reiterberger ist, wie wir bereits angedeutet haben, der Haudegen, der in wenigen Wochen auf einem speziell präparierten Maxx Jagamoasta zu einer der spektakulärsten Biketouren überhaupt aufbrechen wird. Vom 04.-12. Februar (ja, FEBRUAR!) heißt es dann für Flori „Schnee und Eis soweit das Auge reicht!“.

Warum? Und wie? Wir haben nachgefragt.

Im Yukon wird er zumindest eine Jacke anziehen... ( (Quelle: Florian R., Foto: Sportograf.com)

Im Yukon wird er zumindest eine Jacke anziehen… (Quelle: Florian R., Foto: Sportograf.com)

Wir haben uns mal mit Flori unterhalten – darüber, wie man auf so eine Idee kommt, über Motivation und darüber, wie man sich überhaupt auf etwas so Extremes vorbereit.

Flori, wer bist Du und wo kommst Du her?

Geboren wurde ich 1979 in Rosenheim. Derzeit wohne ich in Eggstätt am Chiemsee

Yukon Arctic Ultra – wir haben ja bereits unseren FATten Respekt ausgedrückt. Wie kommt man darauf und auf die Idee, da mitzumachen?

Ehrlich gesagt war es mal nicht meine Idee. Ich bekam mal einen Anruf vom Uwe von Maxx: „Hey ich hab Dir grad einen Link geschickt. Das wär doch genau das Richtige für Dich.“ Und da ich immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen bin, hatte das Thema „YAU2016“ von Anfang an einen großen Reiz.
Das Rennen folgt ja einer Route, die eigentlich für eines der härtesten Schlittenhunderennen der Welt angelegt wurde: 300 Meilen (ca. 480km) durch die Kanadische Provinz Yukon. Da ist es im Februar saukalt und es liegt dick Schnee. Und da muss man in gerade mal einer Woche durch…

Hast Du früher schon ähnliche Herausforderungen gemeistert?

2009 hab ich angefangen, mit dem Mountain Bike Langstreckenrennen zu fahren. Erst 12h Rennen, dann 24h Rennen. Solo wie im zweier Team. Auch Skitourenrennen waren mal ein Teil meiner sportlichen Aktivitäten. Des weiteren bin ich gern auf kombinierten Skihochtouren unterwegs, Anreise zum Berg mit dem Rad, dann mit den Skiern weiter zum Gipfel. Zum Beispiel Rosenheim – Chamonix – Montblanc und Retour (siehe dazu auch meine Homepage)

Was treibt Dich an, Dich solchen Extremen zu stellen?

Grundsätzlich bin ich immer auf der Suche nach neuen Herausforderungen, neue Grenzen auszuloten. Und da ist mir alles recht, was ich noch nicht gemacht hab.

Gipfelstürmer

(Quelle: Florian R.)

Zum Rennen. Wie bereitest Du Dich körperlich und geistig vor?

Aktuell ist es schwierig, sich auf Grund des milden Winters an kalte Temperaturen zu gewöhnen. Trotzdem versuch ich, viel Zeit draußen auf dem Bike oder mit den Skiern zu verbringen. Test-Biwaks, Fatbiken mit vollem Gepäck usw…

Vom Kopf her ist es für mich sehr entscheidend, in die Materie hinein zu wachsen, mit dem Kopf noch vor der Anreise nach Yukon-Whitehorse schon dort zu sein. Auch seh ich das „YAU 2016“ nicht als Wettkampf als solchen, eher als persönliche Herausforderung.

Ein erster Mehrtages-Testlauf wird noch folgen.

Wir sind gespannt zu hören, wie der gelaufen ist! Hast Du schon eine Strategie für das Rennen?

Durchkommen. Das ist alles, was zählt.

Was denkst Du, sind die größten Herausforderungen und Gefahren die Dich am Durchkommen hindern?

In erster Linie die Kälte. Ich hatte zwar bei einem Skitourenrennen schon mit gut -32 Grad zu tun, aber bei -40 ist das nochmal eine ganz andere Sache. Aber auch der fahrbare Untergrund wird ein Thema für sich sein. In Gesprächen mit ehemaligen Teilnehmern war das eigentlich immer Gesprächsstoff.

Mal abgesehen von der fiesen Kälte – gibt es etwas, was Dir darüber hinaus wirklich Kopfzerbrechen bereitet, z.B.. das Wetter oder Grizzly Bären? Wie hilft man sich da draußen, wenn doch mal was passiert?

Das Wetter ist weniger das, was mir Sorgen macht… Eins, was mir Kopfzerbrechen macht ist der breite Q-Faktor des Fatbikes. Als MTB-Pro-Racer fahr ich mit den Knien beim Kurbeln sehr nah am Oberrohr. Beim Fatbike ist das aber nicht möglich. Hatte schon deshalb das eine oder andere Problem. Aber es wird schon besser.

Das Wetter wiederum kommt so, wie es kommt. Das ist ja eines der Sachen, die der Mensch noch nicht beeinflussen kann. Wichtig ist nur frühzeitig darauf zu reagieren.

(Quelle: Florian R.)

(Quelle: Florian R.)

Ja, wenn wir das Wetter im Griff hätten, wäre es wohl fast schon langweilig ;). Zum Positiven: worauf freust Du Dich?

Alleine schon Fatbiken in der völlig fremden, ausgesetzten Region am Yukon River. Das alleine ist schon was, worauf ich mich freue.
Aber auch das Ungewisse ( hab ja so was in der Art noch nie gemacht ) ist durchaus was, worauf ich mich freue. Ich hasse es, wenn alles geregelt ist.

Im Gespräch mit dem Robert Pollhammer, der das Rennen veranstaltet, ging es immer wieder um das Thema Gewicht. Welche Kleidung wirst Du tragen und was hast Du an Ausrüstung dabei?

Bekleidung hab ich eine komplette Ausstattung von Montane bekommen. Viele Sachen sind mit Primaloft-Isolierung. Daune hab ich nur in der Arctic-Jacke. Auch, wenn Daune leichter ist, so kann sie die Isolierung verlieren, wenn sie nass ist. Primoloft isoliert trotzdem noch relativ gut. Auch trocknet sie schneller.

Das wichtigste sind aber die Schuhe – von Garmont hab ich extra sehr gut isolierte Schuhe bekommen. Aber der beste Schuh nützt nichts, wenn er nassgeschwitzt ist. Daher zwei paar Socken anziehen und die Socken mit einer Plastiktüte trennen. Im Schlafsack dann neue anziehen und die alten trocknen.

Ansonsten ist eine Notfallausrüstung vom Veranstalter vorgegeben. Holzsäge zum Feuermachen etc…

Okay, das klingt schon mal so, als wäre die Hardware bestens vorbereitet. Daher vielleicht eine blöde Frage… Aber wenn man mal „muss“ – wie löst man das bei -40 Grad?

Bis -25 Grad ist das für mich zumindest kein Problem beim „kleinen“ Geschäft. Beim Großen muss man sich halt etwas beeilen und nicht nebenbei die halbe Bild-Zeitung lesen. Wenn es drunter geht, hilft oft nur eine alte Trinkflasche fürs „Kleine“. Im Schlafsack kein Problem, draußen provisorisch einen Schutz zu bauen. „Groß“ frag mich, wenn ich wieder da bin. Schätz mal: viel improvisieren… 😉

Hmm… Da bekommt der Begriff „Eiszapfen“ irgendwie eine andere Bedeutung… Egal – reden wir über Dein Bike, den Arctic Jagamoasta von Maxx. Über die Ausstattung haben wir ja bereits hier geschrieben. Du bist ja eigentlich kein Hardcore Biker. Warum der Start mit dem FATBike?

Der Untergrund ist nahezu ideal für ein Fatbike. Ein normales Mountainbike macht alleine von der Reifenbreite her keinen Sinn. 

Ein Maxx Jagamoasta im Arctic Setup. Das offizielle Yukon Arctic Ultra Bike!

Ein Maxx Jagamoasta im Arctic Setup. Das offizielle Yukon Arctic Ultra Bike!

Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Maxx und wie lange habt Ihr an dem Rad entwickelt?

Mit Maxx arbeite ich schon seit gut 10 Jahren erfolgreich zusammen. Ich war damals auf der Suche nach einem Racebike, welches auf mich individuell abgestimmt ist. Da gibt es nicht viele Bikeschmieden….
Die Entwicklung des MAXX Jagamoasta Arctic ging relativ schnell. Als ich Uwe erzählte, dass ich mitmache, gingen wir sofort an die Arbeit. Es ging nicht darum, ein Bike nachzubauen, sondern bei Null zu starten. Das Grundkonzept dauerte ca. 3 Wochen. Maxx hat mir da sehr unter die Arme gegriffen. Herzlichen Dank an dieser Stelle ins ganze Team.

Jetzt muß ich das Bike noch auf meine persönliche Ansprüche abstimmen. Vieles zeigt sich erst, wenn man damit voll bepackt unterwegs ist.

Ihr hattet Euch anfänglich entschieden, mit Rohloff Nabe und Gates Drive zu starten. Inzwischen habt Ihr das Konzept geändert. Warum?

Ich hab mich mitlerweile nun doch für die Kettenschaltung, konkret für die neue Shimano 1×11 entschieden. Aus folgenden Gründen:

· Zu unserer Überraschung hat sich beim wichtigsten Kriterium des Pflichtenkatalogs „Kältetauglichkeit auch bei -40 °C“ Rohloff aus dem Projekt verabschiedet, weil sie u.a. nicht mit Gates starten wollten.

· Dazu kommt das deutliche Mindergewicht der 1 x 11 vs. Rohloff.

· Schließlich noch die bessere Übersetzung – im Yukon fährst du langsam und mit viel Gepäck – da ist 24 Z/42Z die bessere Wahl –zumal das mit Rohloff nicht darstellbar ist.

Ja, das klingt sinnvoll. Auch sonst habt ihr eine ganze Menge am Bike angepasst, um es für diesen Extremeinsatz fit zu machen. Wo lag Euer Hauptaugenmerk und welche Verhaltensregeln ergänzen das gewählte Material?

Das Hauptaugenmerk galt Lagern, Schaltung und Bremsen. Die Lager wurden mit speziellem Fett überarbeitet, genau so wie Schaltung und Züge. Bei den Bremsen war schnell das Problem, dass die Hydraulik ab -15 Grad schnell versagen könnte. Darum kamen für uns nur mechanische Bremsen in Frage.

Da wir das Bike demnächst noch separat vorstellen werden lass uns nochmal über das Rennen sprechen. Wir haben mal im Internet geschaut, in Whitehorse ist es aktuell mit Temperaturen zwischen -5 und -10 Grad relativ warm. Welche Bedingungen erwartest Du für das Rennen?

Also dort ist seit Wochen eine Durchschnittstemperatur von – 15 C° – ein Wert, der bei uns im Winter nur bei 3.000 Meter erreicht wird. Bis zum Februar wird es üblicherweise deutlich kälter, wir rechnen zum Rennen mit Tageswerten von -25 bis -35°C , in Spitzen bis – 50°C – Windchill noch gar nicht berücksichtigt.

Hmm… Da wird mir irgendwie schon vom Zuhören kalt… Während des Rennens geht die Sonne in Whitehorse erst nach 9 Uhr morgens auf und kurz nach 17 Uhr schon wieder unter, der Tag ist also nur knappe 8 Stunden lang. Wie verbringt man die langen Nächte in der eisigen Kälte?

Im Idealfall auf dem Bike und mit einer perfekten Ausleuchtung dank SON. Denn nur, weil es dunkel wird, wird deshalb die Strecke auch nicht kürzer. Aber trotzdem wird die Nacht auch genutzt für das, wozu sie da ist: Zur Erholung im Biwak.

(Quelle: Florian R., Foto: Sportograf.com)

(Quelle: Florian R., Foto: Sportograf.com)

Die Strecke folgt dem legendären Yukon Quest Hundeschlittenrennen. Wir haben nachgelesen und neben fantastischer Natur ein paar spannende Dinge gefunden, z.B. fließendes Wasser auf der Strecke trotz eisiger Temperaturen, Gletscherspalten, Wind bis 80 km/h und sogenannte „Cold Spots“ mit Temperaturen bis zu -60 Grad. Wie bereitet man sich auf so etwas vor – geht das überhaupt?

Sich auf was vorzubereiten, was man noch nie hatte, ist schwierig. Man kann zwar mögliche Szenarien im Kopf durchlaufen, aber in der Realität sieht dann wieder alle anders aus. Gespräche mit bisherigen Teilnehmern geben einem eine gute Vorstellung von dem was kommen kann.

Wir werden in den kommenden Wochen immer wieder kurze Einblicke in Dein Training geben, damit unsere Leser hautnah dabei sein können. Keine Frage: da freuen wir uns drauf!

​Ich mich auch…

 

Was bleibt?

Flori. Der Sonne entgegen! (Quelle: Florian R.)

Flori. Der Sonne entgegen! (Quelle: Florian R.)

Endlich mal einer, der sich ganz weit raus an die Grenze von Gut und Böse wagt! Von unserer Seite bleibt erstmal FATter Respekt und Spannung auf das, was noch kommt. Auf einige unserer Fragen werden sicher nach dem Rennen etwas andere Antworten kommen… Bis dahin könnt Ihr bei uns verfolgen, wie es weitergeht. Außerdem empfehlen wir Euch, neben ein paar warmen Handschuhen, auch mal Flori’s Facebook Seiten zu besuchen (hier). Auch ein Blick auf die Homepage des Yukon Arctic Ultra ist interessant, vor allem die Bildergalerie…

One Response

  1. bernd

    Hi FLori,
    super Leistung.
    Schön wäre, wenn Du Dein Team auch erwähnen/linken würdest.
    LG

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