Der Vittoria Cannoli 4.8 FATBike Reifen ist ein bei uns eher unbekannter Reifen und zugegebenermaßen auch an uns eine ganze Weile vorbei gegangen… Bei einem Besuch bei Maxx in Rosenheim hat Uwe, Firmengründer und Mastermind von Maxx, uns auf den Cannoli auf einem seiner Huraxdax EL aufmerksam gemacht. Kurz darauf sind wir schon damit durch den Schnee gepflügt und haben festgestellt, dass Italien und Eis eben einfach gut zusammenpassen!

Vittoria Cannoli 4.8, ein Italiener im Schnee

Trübes, graues Winterwetter. Idealbedingungen!

Wer an Italien denkt, hat fast schon automatisch Bilder einer in der Sonne glitzernden Adria, heißen Espresso und sengende Hitze im Kopf. Dass ausgerechnet der italienische Reifenspezialist Vittoria (Hauptsitz in Mailand, Produktion in Thailand) einen ausgeprägten Winterreifen auf die Beine stellt, und das auch noch für FATBikes statt Rennräder, mag verwundern.

Macht Traktoren neidisch: das Profil

Andererseits haben sich die signore e signori bei Vittoria offensichtlich Gedanken gemacht. Das Reifenprofil weist mächtige Profilierung auf. Insbesondere die gepfeilten und äußerst massiven Mittelstollen wecken so viel Vertrauen wie “Mama” am Kochtopf: das MUSS gut werden! Damit die Stollen immer schön “al dente” bleiben, hat Vittoria zusätzliche Unterbrechungen reingeschnitzt, was eine lamellenartige Struktur ergibt. Dieser Kunstgriff sorgt ja bekanntlich auch bei Winterreifen fürs Auto für mehr Performance.

Im Detail:

Alle wichtigen Details stehen auf der Flanke

Mit seinen 4.8 Zoll reiht sich der Mailänder Sunnyboy Vittoria Cannoli 4.8 in die Klasse der SuperFAT Reifen ein. Die hochwertige Karkasse ist mit 120 TPI (Hintergründe gibt’s hier) ausgelegt und der Cannoli ist Tubeless Ready. Hier die übrigen technischen Daten:

Gewicht 1.950 Gramm (Herstellerangabe)
Breite (ohne Stollen) 108mm
Höhe (mit Stollen) ~92mm (da messen wir nochmal)
Höhe Mittelstollen 6mm
Höhe Seitenstollen 7mm
Anzahl Stollen zählen wir noch!
Karkasse 120 TPI faltbar
TLR ja

Schieb an, Amico!

Wenn ein FATBike Reifen nachts schreiend aufwacht, dann hat er von genau DEM Testszenario geträumt, welches über unsere Cannolis hereingebrochen ist. Temperaturen um den Gefrierpunkt. Schnee in mehreren “Generationen” übereinander geschichtet, dazwischen immer wieder Eis. Mal mehr, mal weniger. Oben drauf ca. 5-7cm Neuschnee, unter dem Neuschnee eine Mischung aus Ski- und Schlittenspuren, Fußstapfen und manchmal sogar einfach nur glatter Schnee. Dazu zerrt auch noch der mit 90Nm äußerst durchsetzungsstarke Brose Antrieb des Huraxdax EL an der Kette. Nein, auf Vittoria Cannoli 4.8 hat kein leckerer Coppa di Gelato gewartet, sondern knallharte alpine Winterbedingungen…

Spuren im Schnee…

Und was macht der Botschafter von la dolce vita? Beißt sich fest und schiebt an! Bereits nach wenigen Metern auf der weißen Pracht stellt sich mit dem Cannoli ein wohliges Gefühl ein. Die Mittelstollen beißen sich tief in den Schnee und vermitteln Kraft, sicher sowohl beim An- und Bergauffahren als auch Bremsen. Dass der Reifen hinten gegen die vom Hersteller geplante Laufrichtung montiert ist, ist dabei sicher hilfreich.

Falsch rum. Gut!

Am Anfang ist der Schnee noch berechenbar, feiner Neuschnee auf einer relativ gleichmäßig festen Unterschicht.  Eine ganze Weile pflügt der Vittoria Cannoli 4.8, getrieben vom gleichmäßigen Schub des Huraxdax EL, gemütlich vor sich hin. Mit zunehmender Höhe, immerhin überwinden wir mehr als 700 Höhenmeter, ändert sich das aber drastisch. Der Neuschnee wird dicker, der Unterbau dagegen weicher.

Den Gipfel erreichst du nur mit ein paar Griffen in die Trickkiste

Da geht sogar noch weniger!

Unser Ziel, die Priener Hütte, sollte diesmal irgendwie weiter weg als sonst – und die letzten 200Hm eine echte dolore nel culo (pain in the ass – danke, google translate ;)) sein. Und hier hat der Cannoli wahre Winterreifengröße gezeigt. Um die Auflagefläche zu erhöhen sind wir auf bis 0.25 bar Druck runtergegangen. Die feste Karkasse und das dicke Gummi der Lauffläche halten den Reifen trotzdem stabil. Dazu Sattel ein Stück runter (bringt mehr Gewicht auf’s Hinterrad), hintere Federung blockieren (vermeidet unnötige Bewegungen), den Motor auf die höchste Stufe und 1. Gang rein (beides sorgt dafür, dass der Antrieb möglichst gleichmäßig ohne Kraftspitzen schiebt). So beißt, schiebt, gräbt und wühlt sich der Cannoli nach Leibeskräften durch den Schnee und sorgt erstaunlich lange für sicheren Antrieb. Erst, als der Anstieg kurz vor’m Gipfel in den zweistelligen Prozentbereich kommt, muss auch der Cannoli die Stollen strecken – irgendwann übernehmen dann unsere Five Tens den Antrieb. Dennoch: ben FATto, gut gemacht!

E-Bike und Schneereifen – unschlagbar

Da die Testbedingungen auch in Sachen Bike außergewöhnlich waren, wollen wir nochmal ein Wort dazu verlieren. Wir haben unterwegs immer mal wieder den Motor abgeschaltet, um ein klareres Bild von der Leistungsfähigkeit des Reifens zu bekommen. Grundsätzlich gelten die Ergebnisse hier genauso, allerdings war es in der Kombination aus Schnee und Anstieg stellenweise unmöglich, den nötigen runden Tritt zu fahren und genug Last auf’s Hinterrad zu drücken. Laut Anzeige im Instrument des Huraxdax lag die Fahrerleistung stellenweise weit über 500 Watt. Da tun sich selbst trainierte Fahrer schwer, noch dauerhaft rund zu treten – für uns weitgehend unmöglich. Hier hilft der e-Motor dank seines gleichmäßigen Schub ohne jeden Totpunkt ungemein. Gerade unter derartig anspruchsvollen Schneebedingungen kommt man erheblich weiter.

Strom, Schnee und FAT ergeben eine Traumkombination

Andererseits hat der Cannoli aber eben außerhalb der absoluten Extreme auch ohne Motorunterstützung eine sehr souveräne Leistung abgeliefert. Daher gilt unsere Einschätzung, dass er ein sehr guter Schneereifen ist, ohne Einschränkungen und technische Vorraussetzungen!

Was bleibt?

Nix mit Schlitten fahren!

Da wir den Vittoria Cannoli 4.8 diesmal wirklich nur unter eher extremen Schneebedingungen testen konnten, halten wir uns beim Fazit noch ein ganzes Stück weit zurück. In jedem Fall haben wir es mit einem sehr guten Schneereifen zu tun, der sich locker mit Surly Bud/Lou, Vee Tire Snow Avalanche und Maxxis Minion an den Stammtisch setzen darf. Vor allem seine enorme Stabilität bei minimalen Druck ist ein unschätzbarer Vorteil.

Den erkauft er sich allerdings über ein offenbar krasses Gewicht, welches wir aber noch nicht selbst überprüfen konnten. Daher werden wir uns mal einen Satz Testreifen organisieren und den Cannolis auch Abseits von Schnee und Eis auf den Zahn fühlen. Bis dahin lautet das vorläufige Fazit, dass wir es zumindest mal mit einem sehr leistungsfähigen Winterreifen zu tun haben. Tutto bene!

 

2 Responses

  1. Michael

    Oha!

    Das Traktorprofil erinnert stark an Tioga‘s Farmer John. sah cool aus in den 90ern, brachte aber nicht sooo viel. und war schwer.

    Wobei ja damals nicht auf Schnee gefahren wurde. Möglicherweise ist das Profil für Schnee ja gerade Recht?!

    Antworten
    • Matt

      Hi Michael,

      danke für Deinen Kommentar. Wie geil, Farmer John. Das waren noch Zeiten und meine Fresse, haben wir auch den Kram gestanden!!!!
      Im Schnee schiebt das Profil aber sehr anständig. Und Thema “schwer”… Naja, wenn ein Hersteller schon freiwillig fast 2kg angibt heißt das nichts Gutes. Sobald wir einen eigenen Satz in den Fingern haben wiegen wir mal nach.

      FATte Grüße

      Matt

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