Ab und an schauen wir ja gern mal über unseren FATten Tellerrand – so wie heute mit dem Maxx Fab 4 EL Test. Böse Zungen behaupten ja, dass 650B+ Bikes die besseren FATBikes sind. Unsinn. Aber das handliche Format mit seinen griffigen Reifen ist gerade als Trail- und e-Bike durchaus beliebt. Das Fab4 EL von Maxx ist beides und uns einen genaueren Blick wert!

Raus mit der Lupe: das Fab 4 EL im Detail

Zu Recht klein geschrieben: das Reifenformat 😉

Okay, bevor wir gewohnt sachlich und staubtrocken berichten, muss ein völlig überheblicher Kommentar sein. Zwei/achter Reifen… Die Dinger findet man echt erst auf den zweiten Blick… Naja, Spaß beiseite – auch, wenn sie neben einem ausgewachsenen vier/achter ein wenig verloren wirken residiert man, gemessen an einem Twentyniner XC-Racer, auf zwei durchaus stattlichen Pellen. Wem das nicht reicht, der kann auch Häute im Format drei/null aufziehen und sich damit auch nominal einem FATBike merklich annähern.

Bullige Proportionen!

Unser Testbike kam in einer zwergenfreundlichen Rahmenhöhe S, wodurch die gesamten Proportionen angenehm gedrungen und muskulös wirken. Das mächtige Unterrohr, welches dem ebenso mächtigen Brose Akku ein gemütliches zu Hause bietet, unterstreicht den Eindruck. Im Akku versammeln sich stolze 500 Wattstunden (496.8 – für alle Erbsenzähler) Energievorrat. Die Rahmendaten deuten bereits auf einen wendigen und bequemen Rahmen hin. Der Lenkwinkel gibt sich mit 68° trailtauglich, der Sitzwinkel ist mit 74° angenehm steil. Die Kettenstreben fallen durch den Antrieb 17mm länger aus als am unmotorisierten Fab4 B Plus. Alle übrigen Rahmendaten findet ihr hier.

Mach doch, was du willst!

Über die Verarbeitung der Maxx Rahmen brauchen wir eigentlich keine Worte mehr zu verlieren. Die gesamte Oberflächentechnik der sehr gut gearbeiteten Rahmen erfolgt in Rosenheim, das Fab4 EL wird zweifach pulverbeschichtet. Farbwahl und Decals sind Sache des Kunden.

Das Farbschema ist (fast) frei wählbar

Da man sich die Ausstattung seines persönliches Fab4 EL bei Maxx – ausgehend vom Grundmodell – vielseitig konfigurieren kann, ist der Blick auf die Komponenten unseres Testbikes mit Vorsicht zu genießen. Viele der äußerst leckeren Parts – Magura MT7 Bremse, Dropper Post, Race Face Lenker & Vorbau, Ergon Griffe oder Acros Pedal – sind aufpreispflichtig. Sagen wir so: bereits das Grundmodell ist mehr als solide ausgestattet, unser Testbike lässt kaum Wünsche offen, es gibt jedoch noch eine Menge weiterer Kreuze, die das persönliche Traumbike ohne wenn und aber ermöglichen.

Aufpreispflicht: Cockpit von Race Face

Zum Schluss noch zwei wichtige Details zum Rahmen. Einerseits verfügt er über eine sogenannte Boost-Einbaubreite, die Stechachsennabe ist 148mm breit. Zum anderen werden alle Leitungen im Hauptrahmen verlegt, was, zusammen mit dem im Unterrohr “versenkten” Akku, eine sehr saubere Optik ergibt.

Fahrmaschine Maxx Fab4 EL

Schönes Ding…

Mit dem Huraxdax EL herrscht Maxx nach unserer bescheidenen Meinung derzeit unangefochten auf dem Thron der eFatties. Das liegt nicht nur am sehr guten Rahmen, sondern auch am Brose Antrieb, der uns von allen gängigen Konzepten am ehesten überzeugt. Leise, widerstandsfähig und bärenstark. Nun ist es ja so, dass weniger manchmal mehr ist. Aber mehr ist immer mehr. Und so hat Brose, hauptberuflich eigentlich ein Zulieferer der Autoindustrie, z.B. für Porsche oder Audi, eine Anleihe bei seinen berühmten Kunden genommen und seinem Motor ein “S” spendiert. Das Ergebnis? Simpel: noch mehr wumms. Selten lief ein wutschnaubender Antritt so still und leise ab. Der Vortrieb des Maxx Fab4 EL lässt sich am besten mit dem Wort “unbarmherzig” umschreiben.

Ein wenig Stammtischwissen – und was ein 650B+ e-Fully für die Liebe tun kann

Stammtischwissen kann ja nie schaden. Bitteschön: der Brose Motor wurde eigentlich für elektrohydraulische Servolenkungen in Autos entwickelt und millionenfach eingesetzt. Mit ein paar Modifikationen treibt er nun Bikes an. Und auch, wenn die Weiterentwicklung für’s Bike nur eine Richtung kennt – geradeaus – hilft der Grundmotor vielleicht auch euren Autos in die Parklücke!

Lenkt Autos und rettet Ehen: der Brose Motor

Und “einparken” ist jetzt eine herrliche – wenn auch politisch nicht so 100% korrekte – Überleitung! Heute purzeln die traditionellen Männerdomänen nur so…

Hände hoch, wer diese Situation kennt: da schwingt man sich beherzt auf seinen FATten Traktor und freut sich auf die gemeinsame Tour mit Schatzi. Nur: Schatzi ist jetzt nicht so die Sportskanone. Hoch motiviert, keine Frage. Aber leider in etwa so fit wie nach 5 Jahren Wachkoma. Manchmal ist das Leben nicht fair… Übrigens: “Schatzi” ist bei weitem nicht immer eine Frau… Egal – ein Bike vom Schlage eines Fab4 EL ist Paartherapie pur!

Wunderschön integriert…

Dank 250 Watt ist der Ausgleich schnell geschafft und je steiler der Berg wird, desto mehr kehren sich die Vorzeichen um. Matt’s fraglos bessere, aber bei weitem unfittere Hälfte hat sich freudestrahlend als Testerin zur Verfügung gestellt. Rachegedanken? Vielleicht. Und sie hat – mühelos und bewaffnet mit einem breiten Grinsen – gezeigt, wo der Hammer hängt. Ehrlich: da kannst du bergauf kämpfen, wie du willst – du bleibst nicht lange dran. Wir würden schon wieder fast einen “Hausfrieden” Modus vorschlagen, der alle Stufen jenseits Stufe 1 blockiert. Auch im Gelände gibt das leicht beherrschbare Fab4 EL selbst Einsteigern keine Rätsel auf. Tatsächlich werden mit dem Maxx Fab4 EL gemeinsame Touren spielend leicht und ermöglichen dem fitteren Partner sogar echte Trainingseinheiten. Zumindest bis die gesetzliche Spaßbremse dem Spuk bei ca. 25 km/h ein Ende bereitet. Egal. Für den gemeinsamen Bikeride bekommt das Fab4 EL volle Punktzahl.

Der Expertenblick

Ruppiger Trail? Geht locker!

Der – für alle anderen – lustigste Teil des Tests war aber ohne Zweifel, als sich Matt, immerhin gute 1.90m groß, auf das Zwergenfahrrad gesetzt und Single Trails unsicher gemacht hat. Was muss, das muss! Also, harte Fakten. 150mm Federweg vorn (Rock Shox Yari) und hinten, hammerharte Magura MT7 Bremse, Schwalbe Nobbi Nic 2.8 auf SunRingle Duroc 40 Felgen. Dazu 250 Watt und 95 Nm. Der Spaß kann beginnen. Erster Eindruck? Der verbesserte Brose “S” Motor schiebt weich, kontrolliert und gnadenlos an. Aus engen Kurven treibt er dich so unbarmherzig raus, dass du lässig mit leicht durchdrehendem Hinterrad die Richtung korrigieren und dann punktgenau auf die nächste Serpentine zustechen kannst. Ruck, zuck sind die 11 Gänge der Shimano XT durchgeschaltet und man verflucht den Gesetzgeber. Das muss doch schneller gehen!!!

Die Shimano XT ist komplett montiert

Das Fahrwerk arbeitet sauber und unaufgeregt, allerdings sollte man von der Rock Shox Yari keine Wunder erwarten. Gerade bei schnellen Lastwechseln kann sie eine gewisse Überforderung nicht verbergen. Sicher auch ein Tribut an das sehr schwere Bike. Das genaue Gewicht müssen wir übrigens nachliefern, da unsere Bikewaage beim Test nicht verfügbar war. Leicht ist das Maxx Fab4 EL aber nicht. Jedenfalls: wer gern wie vom Affen gebissen über enge Trails schießt, tut gut daran, in eine Pike o.ä. zu investieren.

Zum Glück wieder an Bord: super schlankes Kontrollzentrum

Große Masse – und wie man sie bändigt

Keine Mühe mit dem Gewicht hat die übermächtige Magura MT7 Vierkolbenbremse. Deren Bremshebel voll durch zu reißen entspricht in etwa dem Effekt einer Stahlstange, die man sich bei voller Fahrt in’s Vorderrad steckt. Auch, wenn die Magura an sich gut dosierbar ist – der Weg von “zero” to “hero” ist kurz. Wir lieben sie, weniger geübte Fahrer/innen sind aber schnell mit der brachialen Bremsgewalt überfordert. Genauso übrigens wie die Reifen, die, deutlich früher als ein FATBike, allzu heftige Bremsmanöver konsequent mit Traktionsabriss quittieren. Hier ist viel Gefühl gefragt.

Fürchtet weder Tod noch Teufel: die MT7 von Magura

Versierte Trailbiker können mit dem Fab4 EL heftig Spaß haben, vor allem bergauf. In allen übrigen Lagen schlägt das extrem hohe Gewicht zu und stellt sich vor allem schnellen Richtungswechseln massiv in den Weg. Aggressives Fahren verlangt den vollen Körpereinsatz des Piloten – und den Reifen alles ab. Jede Art von Sprüngen verlangen so hohen Kraftaufwand, dass man es irgendwann lässt und einfach drüber bolzt. Warum auch nicht? Antrieb und Fahrwerk geben fast immer grünes Licht dafür.

Was bleibt?

Das Maxx Fab4 EL ist ein interessantes Stück Technik. Ein top Rahmen, eine agile und gutmütige Geometrie, aufgebaut mit feinsten Parts. Ein Umstand, den man angesichts des Einstandspreises von 4.999,- Euro (unser Testbike lag einige 100 Euro darüber) allerdings auch erwarten darf. Die Basis ist ein Trailbike von Maxx, und das spürt man auch. Das “HalbFATte” Reifenformat bietet ein agiles Handling und spart etwas Gewicht. Im Gegenzug ist die Traktion, mal ganz neutral gesagt, deutlich näher am MTB als am FATBike. Unser Test im Rahmen einer Ausfahrt mit weniger fitten Mitmenschen ist natürlich nur ein (wenn auch durchaus wichtiger und sehr sinnvoller) Einsatzvorschlag. Der wohlige Schub des Brose Motors macht gerade dort Laune, wo sonst stupides Strampeln angesagt ist. Das hohe Gewicht steht allerdings nach wie vor im Weg. Wir persönlich würden außerdem ein eFATFully klar vorziehen. Zum Glück steht der Huraxdax EL schon in den Startlöchern. “Schatzi” wird das FAB4 EL aber in jedem Fall zu schätzen wissen. Schlechter Wortwitz, gutes Fazit 😉

4 Responses

  1. Jürgen

    Hallo, ich fahre alle Kategorien von Rad (Faty, Cross, MTB, eMTB “27,5+”). Jedes Rad, wenn man es für sich gut wählt hat echt seinen Reiz. Ich bin und war immer Jedem gegenüber neutral, solange Derjenige nicht versucht Andere mit seiner Meinung zu beeinflussen, sondern es für sich wählt und auslebt. Ich denke dort liegt das Geheimnis und man sollte durchaus alle Arten selbst testen und erfahren. Ich nehme meine Bikes nach Tageslaune aus der Garage und nach dem Ride weiß ich ob die Wahl die richtige gewesen ist. Speziell eMTB mit dicken Reifen kann ich durchaus einiges abgewinnen. Wenn Ihr Eure Berichte so neutral schreibt wie bisher finde ich es keinen Widerspruch und schafft Anreiz und Abwechslung. Bitte weiter so.

    Antworten
  2. Jens T.

    Im Rahmen eurer eMTB/eFatbike-Berichte liest man richtig raus, wie ihr es euch nicht mit diesen gradlinigen, engstirnigen Anti-E-Bikern verscherzen wollt. 😉 eFatbikes/MTB’s für unsportliche Personen, für Frauen und ähnliche Zielgruppen? Das Ding habt ihr gut aus der Schussbahn geholt – wieso nicht dazu stehen, dass es einfach Spaß macht? Ihr als Magazin könntet da gut den Anfang machen…

    Antworten
    • Dan

      Hallo Jens, vielen Dank für deine offenen Worte! Wir stehen total auf FATBike und treten gern ohne Unterstützung die Berge rauf. Ohne Frage, machen E-Bikes aber auch riesen Spaß, es ist einfach anders, eigentlich fast schon ein anderer Sport, wie Mountainbiken und Rennrad fahren. Am Ende ist nur eines wichtig: jeder entscheidet für sich selbst, was am meisten Spaß macht und was am besten zu einem passt. Wie in allen Bereichen der Gesellschaft, eben auch im Sport, wird es wohl immer verschiedene Lager geben, die sich gegenseitig überzeugen wollen. Auch wir haben unsere Meinungen, die sich auch in unseren Beiträgen wiederfindet, dennoch haben wir den Anspruch, möglichst neutral und sachlich auf die Vor- und Nachteile einzugehen. FATte Grüße, Dan

    • Jens T.

      Hey Dan, danke für die Veröffentlichung des Kommentars und das Eingehen von deiner Seite. Hast absolut Recht mit der Einordnung des eMTB-Sports und dem Unterschied zum regulären Mountainbiken – so sehe ich das auch. Auch ich bin unmotorisiert unterwegs (neben dem eFatbike) und habe einfach in beiden Bereichen viel Spaß.
      Danke für euren Anspruch!

      Beste Grüße
      Jens

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.