Glückwunsch, es ist wieder mal soweit… Gerade noch warst du schnell und dann kam diese Kurve. Ein knüppeldicker Stein zur falschen Zeit am falschen Ort, ein dumpfer Schlag und schon schlabbert die sonst so stolze Pelle unmotiviert auf der Felge rum. Plattfuß, Zwangspause.
Jeder, der sich schon mal mit einer handelsüblichen Minipumpe aus der Misere pumpen musste weiß, dass jetzt eine sehr lästige Aufgabe wartet: die Luft muss zurück in den Reifen. Wer hier jetzt nicht auf eine praktische CO2 Kartusche zurückgreifen möchte hat noch eine andere Wahl: eine High Volume Pumpe für unterwegs.
Ein Vertreter dieser recht seltenen Gattung kam erst kürzlich aus dem Hause Lezyne zum Test bei uns vorbei. Prädikat: praktisch!

Pumpzwerg ganz groß: die Lezyne Micro Floor Drive XL

Kleiner Zwerg ganz groß

Das Dilemma ist dabei klar: große Reifen brauchen große Pumpen. Und große Pumpen brauchen große Rucksäcke. Nur: wer will das? Lezyne hat hier einen Mittelweg eingeschlagen und FATBike Luftpumpe für unterwegs gebaut. Mit einem Packmaß von ca. 31 x 8 cm ist die Lezyne Micro Floor Drive XL zwar nicht direkt zierlich, findet aber in den meisten Rucksäcken ein passendes Plätzchen. Selbst in unsere notorisch überfüllten Fotorucksäcke lässt sie sich pressen:

Passt. Knapp. Aber passt!

Lezyne gibt 364 Gramm Gewicht an, wir haben glatt 400 ermittelt. Dabei verfügt die Micro Floor Drive XL über einen durchaus ausgewachsenen Zylinder, der mit jedem Hub eine beachtliche Menge Luft aus der Atmosphäre saugt und in Richtung Reifen schiebt. Und weil solche großvolumigen Zylinder einiges an Kraft benötigen, hat Lezyne die Pumpe konsequenterweise als Standpumpe konzipiert.

Schön und komplett

Design und Qualität stehen bei Lezyne ganz vorn, allerdings mutet manches Detail nicht bis zum bitteren Ende durchdacht an. Dazu gleich mehr. Erstmal Sonnenseite. Die Lezyne Micro Floor Drive XL* besteht bis auf ein paar Details komplett aus Aluminium, welches präzise gefertigt und makellos eloxiert ist. Selbst im Innenleben findet sich keinerlei Plastik, sämtliche Teile bis auf die Dichtungen bestehen aus solidem Metall.

Alu. Komplett. Im Bild: der Pumpenkolben.

Der Fußbügel aus Edelstahl kann ausgeklappt werden. Der Ventilaufsatz wird zur sicheren Aufbewahrung in den Fuß der Pumpe geschraubt. Ein Highlight der von uns getesteten “Digital” Version ist das im ausreichend langen Luftschlauch untergebrachte digitale Manometer, welches allerdings mit satten 30,- Euro Aufpreis gegenüber der normalen Version ohne Manometer zu Buche schlägt. Der Ventilaufsatz – ebenfalls aus Aluminium gedrechselt – wird auf das Ventil aufgeschraubt und verfügt über einen kleinen Drücker zum Druck ablassen. Außerdem bläst er sowohl in Schrader als auch Presta Ventile.

Pump-Porn!

Den Style-Check besteht die Lezyne Micro Floor Drive XL also mit Auszeichnung. Und sie ist trotz reduzierter Größe eine vollwertige Pumpe mit allem Drum und Dran.

Wo hakt’s?

Genau, aber nicht präzise.

Ein wenig Kritik muss die Lezyne Micro Floor Digital Drive XL trotzdem einstecken. Und ausgerechnet dem Manometer, Highlight im Ausstattungspaket, fehlt ein winziges aber wichtiges Detail: die zweite Nachkommastelle im “bar” Bereich. PSI werden sogar ganz ohne Kommastellen angezeigt. Insbesondere im für FATBikes so wichtigen Bereich unter 0.6 bar kommt es aber auf Präzision an. Natürlich kann man bei einer Panne gut darauf verzichten. Wir fänden es aber lässiger einfach die Skala präziser zu machen. Denn in Sachen Messgenauigkeit kann es das Teil durchaus mit guten externen Druckprüfern aufnehmen.

Wenn da Schmutz rein kommt…

Aufmerksamkeit verlangt auch die Aufnahme für den Ventilkopf, die mitten im Fußbügel liegt. Sind die Schuhe schmutzig kommt schnell Dreck in das feine Gewinde. In Kombination mit kalten Fingern, Handschuhen oder Unachtsamkeit kann hier schnell Schaden entstehen. Und auch der Drücker zum Druck Ablassen ist im Ventilkopf strategisch ungünstig platziert – schraubt man den nämlich mit Handschuhen auf und ab drückt man öfter als einem lieb ist auch den Ablassknopf.

Stark im Alltag!

Easy pumping

Aber das sind alles Dinge, die man halt weiß und auf die man achten kann. Wichtiger ist der Praxiseinsatz, und da kommen Pumpmuffel voll auf ihre Kosten. Der Umbau von Schrader auf Presta geht spielend einfach und ist selbst mit dicken Handschuhen machbar: Ventilkopf vom Schlauch abschrauben, umdrehen und wieder anschrauben.
So gerüstet macht man mit nur wenigen Hüben aus dem Flachmann einen Dickmann: in einem luftleeren vier/achter befinden sich nach nur 50 Hüben schon 0.4, nach weiteren 10 volle 0.5 bar Pressluft.

Bitte wenden!

Dabei liegt der Griff während der Arbeit halbwegs gut in der Hand und dank der langen Kolbenstange klemmt man sich auch nicht die Finger. Selbst Drücke weit jenseits von 1 bar lassen sich noch gut pumpen, wobei man da, im wahrsten Sinne des Wortes, schon ordentlich auf die Tube drücken muss. Das Manometer erlaubt dabei die laufende Kontrolle des Drucks.
Im Einsatz gibt’s jedenfalls absolut nichts zu kritteln, plattfußgeplagte FATBiker bekommen eine wirklich große Hilfe an die Hand!

Was bleibt?

Bei der Micro Floor Drive XL kann man beherzt zugreifen!

Auch, wenn sie etwas mehr Platz beansprucht als eine herkömmliche Rucksackpumpe – die Lezyne Micro Floor Drive XL kann FATBikern unterwegs definitiv die Laune retten. Das Volumen einer solchen Mini-Fußpumpe füllt selbst monströse Reifen wie den Vee Tire Snow Shoe 2XL* in überschaubarer Zeit und verhindert dabei wirkungsvoll den „Tennisarm“. Wenn Lezyne das Manometer noch genauer und die Halterung für den Ventilkopf weniger schmutzempfindlich macht ist die Micro Floor Drive XL ein rundum erstklassiges Teil für FATBiker. In der aktuellen Ausführung würden wir den stattlichen Aufpreis für das Manometer wohl eher in einen separaten Druckprüfer investieren.
So bekommt man zum Listenpreis von 59,99 Euro* (89,95 Euro für die Micro Floor Digital Drive XL incl. Manometer) in jedem Fall eine sinnvolle Unterstützung wenn man es unterwegs öfter mal mit platten Reifen zu tun hat. Angesichts der herausragenden Verarbeitung und kompletten Ausstattung geht der Preis auch völlig in Ordnung.

 

*Partnerlinks sind wir immer mit “*” gekennzeichnet

6 Responses

    • Matt

      Hi Remon,

      vielen Dank für den Hinweis! Link funktioniert, veröffentlichen wir sehr gern!

      FATte Grüße

      Matt

  1. Florian

    Danke auf diesen Test habe ich gewartet. Zu Hause geht es ja gut mit der Joe Blow (die Standard ist ganz gut abgesehen vom Manometer braucht man keine JoeBlow Fat) nur macht sich die nicht so gut im Rucksack… nein Spaß beiseite die Lezyne ist ein Super Teil und wird auf größere Touren abseits der “Zivilisation” mit in den Rucksack kommen

    Antworten
  2. Bernhard

    Habe die Pumpe schon seit einiger Zeit ohne Manometer erfolgreich im Einsatz. Zusätzlich habe ich einen Manometer von Schwalbe im Tagesrucksack. Damit ist dann für die nötige Druckpräzision gesorgt. Allemal besser als der Aufpreis für ein wenig hilfreiches Manometer Feature.

    Beste Grüße und weiter so in 2018
    Bernhard
    [FAT]tastic

    Antworten
  3. Eike Haas

    Der angegebene Listenpreis ist irreführend, denn getestet und bewertet wurde die Digitalversion, der Link verweist an die Pumpe ohne Manometer.

    Antworten
    • Matt

      Hi Eike,

      vielen Dank für den Hinweis, wir haben den Artikel entsprechend angepasst.

      FATte Grüße

      Matt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.