An sich sind wir thematisch mit der Manitou FATBike Federgabel* soweit durch. Der Dauertest läuft, Ergebnisse gibt es frühestens, wenn es mal so richtig sau kalt ist. Aber eine kleine Zugabe, die sich vor allem an Tüftler und Tuningfreaks richtet, haben wir noch: das Infinite Rate Tune Kit, kurz „IRT“. Oder zu Deutsch: Unendliches Federraten Abstimmungsding. Wow, geht schon gut los!!

Das Infinite Rate Tune Kit – da steht „unendlich“ drauf! Aber…

…was ist ein IRT Kit eigentlich? Alles beginnt mit einem bekannten Dilemma: willst du eine sensibel ansprechende Federgabel, fährst du sie mit möglichst wenig Druck – dann haut das Ding aber laufend durch. Pumpst du dann entnervt die Gabel auf, ist das sensible Ansprechverhalten im Eimer. Die Anpassung des Luftvolumens (mittels des Incremental Volume Adjust der Mastodon Pro) hilft hier ein Stück weit, in dem es die Progression der Gabel in 5 festen Stufen erhöht. Manitou’s IRT Kit kombiniert dagegen 2 Federgabeln. Unmöglich? Die Wette gilt!

Infinite Rate Tune versus Incremental Volume Adjust. Ein Systemvergleich

IVA (unten) versus IRT (oben)

Die Mastodon Pro hat ab Werk das sogenannte IVA System, mit dem sich das Volumen der Luftfeder in 5 Stufen anpassen lässt. Je weiter unten der Kolben platziert wird, desto kleiner das Volumen und desto härter wird die Federgabel bei zunehmender Federwegsausnutzung. Und weil wir, wie jede große Redaktion, natürlich eine erstklassige Grafikabteilung haben, haben wir zur Verdeutlichung dieses hochwertiges Schaubild erstellt:

Top, oder?!? Also: die grüne Linie zeigt das Verhältnis aus Federweg und Kraft für eine kleine Luftkammer, die blaue für eine große. Die Erkenntnis: je kleiner die Luftkammer, des früher verhärtet die Manitou FATBike Federgabel* beim einfedern: sie wird progressiver.

Beim IVA System hat das Luftvolumen OBERHALB des IVA Dichtkolbens keinen Anteil am Federsystem der Gabel. Man könnte den Raum über dem Kolben mit Kettenfett auffüllen – es würde nichts ändern. Jede Anpassung des Kammervolumens ist statisch.

5x IVA: die Einstellungen sind im Betrieb statisch

Das IRT Kit greift genau hier an: der Dichtkolben ist beweglich auf einer Kolbenstange gelagert und folgt ein Stück weit den Bewegungen der Gabel. Dabei wird er vom Druck der unteren Kammer bewegt und drückt gegen das über ihm liegende Luftvolumen. Der Raum über dem Dichtkolben wird plötzlich Teil der Luftfeder. Daher ist der wesentliche äußere Unterschied zwischen IVA und IRT auch: das IRT Kit hat oben ein Ventil!

IRT. Drei Buchstaben, volle Kontrolle

Mit diesem Ventil setzt man den Raum oberhalb des Kolbens unter Druck. Der Kolben wird durch den Luftdruck nach unten gedrückt bis er vom Anschlag der Kolbenstange aufgehalten wird. In dieser Stellung teilt der Dichtkolben das Volumen der Luftkammer im Verhältnis von (circa) 60:40, wobei das größere Volumen unterhalb des Kolbens sitzt. Für einen 75kg Fahrer empfiehlt Manitou die obere Kammer mit 110, die untere mit 70psi zu befüllen. Wichtig: mit der Dämpferpumpe erst oben, dann unten aufpumpen! Man hat also oben mehr Druck als unten. Die entsprechende Dokumentation von Manitou findet Ihr mit diesem Link.

Das Bild zeigt die Mastodon mit IVA – eine Kammer, ein Druck.

Solange nun der Druck der unteren Kammer beim Einfedern unter 110psi (bzw. was immer man in die obere Kammer presst) bleibt ist nur der Teil der Luftkammer unterhalb des Kolbens aktiv. Hier arbeitet die Gabel sensibel aber durch das geringe Volumen auch sehr progressiv. Brettert man nun über ein fettes Hindernis und der Druck in der unteren Kammer erreicht den der Oberen wird die gesamte Luftkammer aktiv. Die Progression verringert sich schlagartig und die Manitou FATBike Federgabel nutzt ihren gesamten Federweg. In einer weiteren effektvollen Grafik sieht das dann so aus:

Die rote Linie verdeutlicht die Wirkung des IRT: es kombiniert die kleine (grüne Linie) mit der großen Kammer (blaue Linie). Die senkrechte Linie in unserer Grafik zeigt den Punkt im Federweg, bei dem der Druck in der unteren Kammer den der oberen erreicht. Höhe und Lage des „Buckels“ lassen sich über den Druck(unterschied) der beiden Kammern nahezu beliebig verändern.

Einfach ausgedrückt erlaubt das IRT Kit der Gabel also, das Kammervolumen belastungsabhängig zu steuern. Gewissermaßen verpasst man seiner Manitou FATBike Federgabel ein Stück weit so etwas wie Intelligenz.

Die Manitou FATBike Federgabel wird zur Ballerina.

Wer gut schmiert, der gut fährt. Ein wenig Fett ist beim IRT Pflicht!

Was sofort auffällt: gegenüber der normalen Gabel, welche wir mit 90psi befüllen, kommt die IRT-getunte Manitou FATBike Federgabel mit nur 70psi in der fürs Ansprechverhalten wichtigen unteren Kammer aus. Auf den ersten paar Zentimetern Federweg scheint die Mastodon Unebenheiten regelrecht voraus zu ahnen. Durch die hohe Anfangsprogression taucht sie dennoch nie ab, sondern kehrt blitzschnell wieder in ihre Ausgangslage zurück.

Beim Befüllen immer zuerst oben pumpen!

Bolzt man über armdicke Wurzeln arbeitet dann die gesamte Luftkammer und die Mastodon bügelt mit der bekannten Lässigkeit alles weg, was einem so unter die Räder kommt. Dass die Federkurve zur Mitte des Federwegs wieder etwas flacher wird unterstützt den Eindruck von Mühelosigkeit zusätzlich.

Die optimale Abstimmung macht den Unterschied!

Über eine Abstimmung der beiden Kammern kann man so, lediglich mit einer Dämpferpumpe bewaffnet, seine persönliche optimale Federkennlinie einstellen. Unendliche Möglichkeiten… Wir haben für uns mit 70/120psi ein sehr gutes Setup gefunden welches feinfühlige Federarbeit ohne Durchschläge ermöglicht. Grundsätzlich ist aber alles erlaubt – experimentieren erwünscht!

Die untere Kammer wird nach der oberen befüllt.

Lediglich an das nicht lineare Eintauchen der Gabel in schnell gefahrenen Kurven muss man sich gewöhnen. Als Gegenmaßnahme haben wir auf kurvigen Downhills aber einfach die Low Speed Dämpfung 1-2 Clicks geschlossen. Das Ansprechverhalten wird dadurch kaum beeinflusst, langsames Eintauchen der Gabel aber deutlich gleichmäßiger. Man sollte aber sowieso immer darauf achten, Luftfeder und Dämpfung gemeinsam abzustimmen, sonst bleibt das Optimum schnell auf der Strecke.

Was bleibt?

Sieht unscheinbar aus, ändert aber alles: das IRT Kit

Die Manitou FATBike Federgabel* ist bereits ab Werk über alle Zweifel erhaben. Das IRT Kit richtet sich aus unserer Sicht daher eher an Cracks, die das Letzte aus ihrem Bike holen wollen und Spaß an ausgiebigen Test- und Einstellfahrten haben. Mit dem IRT Kit kann man der Gabel seine ganz persönlich optimale Federkennlinie verpassen und kompromisslose Fahreigenschaften erzielen.

Aufgrund der nun wirklich praktisch „unendlichen“ Einstellmöglichkeiten ist es nicht mehr sinnvoll, eine Anleitung zum Einstellen zu geben. Man muss einfach wissen, was man will und Spaß am Ausprobieren haben. Das Ergebnis dürfte die Mühe in fast allen Fällen leicht rechtfertigen.

Weiß man, dass man ein IRT Kit will, bekommt man es im Fachhandel für einen Listenpreis von 79,90* – und vielleicht auch etwas günstiger.

 

*Partnerlinks sind wie immer mit „*“ gekennzeichnet

4 Responses

    • Matt

      Hi Ingo,

      Danke für den Link, ich zieh den später mal in den Artikel. Wegen Gewicht: 77kg Fahrer frisch rasiert incl. Frühstück, 14kg Bike, Klamotten keine Ahnung. Vielleicht 5kg? Also sagen wir mal gesamt zwischen 95 und 100kg Systemgewicht.
      Unsere Angabe ist aber auch nicht mehr als ein grober Vorschlag. Jeder bevorzugt eine andere Abstimmung, je nach Fahrstil. Zum Beispiel haben Dan und ich die identischen Blutos in unseren identischen FatBoy Pro bei praktisch identischen Fahrergewichten mit 20psi Unterschied gefahren. Und jeder von uns war felsenfest überzeugt, das einzige Richtige zu tun. Dan steht auf Reserve im Notfall, als alter Downhiller mag ich’s eher „plush“. Da sollte wirklich jeder selbst probieren und sein/ihr Optimum finden…

      FATte Grüße

      Matt

  1. Ingo

    Zitat: „Für einen 75kg Fahrer empfiehlt Manitou die obere Kammer mit 110, die untere mit 70psi zu befüllen. “

    Hallo man geht ja immer vom kompletten Reisegewict aus, Es wäre doch einmal schön, wenn Ihr noch eine Empfehlung für ca. 110 kg von MAnitou einmal anfragt. Wir wüssten nämlich nicht wo man diese Informationen in Deutschland erhalten kann und meinen das z.B. eine männliche Person mit gerade mal ca. 65 kg Kürpergwicht nun wirklich kein Durchschnittsgewicht eines Mann in Deutschland darstellt. Also eine Angabe mit ca. 110 kg Körpergwicht wäre sehr hilfreich. Daraus lassen sich dann alle anderen dazwischen ableiten.

    Antworten
    • Matt

      Hi Ingo,

      danke für Deinen Kommentar. Dein IRT Kit sollte eigentlich mit einer kurzen Dokumentation kommen, in der die Empfehlungen für einen ganzen Haufen unterschiedlicher Gewichte stehen.
      Wir haben nur einen Wert da raus gepickt und dann selbst probiert, was uns am besten taugt…

      FATte Grüße

      Matt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.