Es ist mal wieder Zeit für einen Tech Talk, und diesmal nehmen wir uns die Manitou Mastodon Einstellungen vor. Jeder Biker hat eine Vorstellung davon, wie das Fahrwerk seines Fatties arbeiten soll – aber dann hat man seine heiß ersehnte neue Federgabel eingebaut und aufgepumpt ist und … das Ding will einfach nicht so recht geil sein. Der Grund ist oft die mangelnde oder einfach falsche Abstimmung der Gabel.
Die Manitou Mastodon Pro (die wir hier im Detail vorgestellt haben) hat bereits ab Werk alles an Bord um nicht nur die Gabel für den gewünschten Einsatz, sondern Gabel und Reifen optimal aufeinander abzustimmen. Wurde Zeit…

Manitou Mastodon Einstellungen – erstmal Überblick verschaffen…

Mehr Möglichkeiten: Mastodon und Bluto

Auch, wenn einem die vielen Knöpfchen und Hebel erstmal Respekt einflößen – es ist keine “Rocket Science”. Sind ja nur 5: High Speed Compression, Low Speed Compression, Zugstufe, Luftdruck und Luftkammervolumen. Haben wir was vergessen? Ach ja, den Federweg selbst und das sensationelle Infinite Rate Tuning Kit – da gehen wir aber ein ander Mal drauf ein. Also: 5 Möglichkeiten ab Werk, sich sein Traumfahrwerk abzustimmen – oder einfach mal alles komplett zu versauen…

Kandidat Nummer 1: der Luftdruck

Unter der schwarzen Kappe sitzt das Ventil

Damit es nicht so weit kommt, erklären wir hier mal, was die Charakteristik der Gabel beeinflusst und geben ein paar Anregungen wie man die Möglichkeiten optimal ausnutzt. Wie üblich waren wir zum Nachlesen zu faul und haben lieber ausprobiert – die folgenden Tipps basieren also ausschließlich auf unseren Erfahrungen.

Verlass dich drauf! Die “Werksangaben” der Mastodon

Also, zum Luftdruck. Gut – das ist jetzt wirklich keine Hirnchirurgie… Befüllt man seine Federgabel mit zu wenig Druck, ist sie zu weich, bei zu viel Luft wird sie zu hart. Ganz einfach. Hier ist auch die Manitou Mastodon grundsätzlich keine Ausnahme. Die Druckangaben, welche Manitou auf die Tauchrohre geklebt hat, sind als Anhaltspunkte bereits sehr zuverlässig. Der Rest ist Geschmackssache, wir raten aber die Vorgaben zu befolgen, da der gewünschte Erfolg eher selten über eine extreme Anpassung des Luftdrucks sondern über die übrigen Einstellungen erreicht wird.

Keine Hirnchirurgie, aber das musst du zum Luftdruck wissen!

Wichtig sind hier 2 Details. Zum einen hat die Mastodon eine Negativluftkammer welche AUSSCHLIEßLICH mit aufgeschraubter Dämpferpumpe befüllt werden kann. Um die Kammer zu füllen, muss die Gabel nach dem Aufpumpen mit angeschraubter Dämpferpumpe einmal komplett auseinander gezogen werden. Ohne diesen Schritt wird die Negativkammer unter Umständen nicht vollständig befüllt, die Gabel federt dann nicht voll aus.

Die Pumpe muss zum Befüllen der Negativkammer angeschlossen bleiben!

Zum anderen gilt die Angabe des Fahrergewichts nicht für den nackten Rider (auch wenn’s vielleicht lustig wäre) sondern fahrfertig. Also rein in die Klamotten, Rucksack und Helm auf und ab auf die Waage. Und wenn Mutti komisch guckt: das trägt man heute so!

Schritt 2: das Luftvolumen

Zum Lösen der empfindlichen Kappe benutzen wir eine plan abgedrehte 24er Nuss

Manche Bluto-Nutzer kennen vielleicht die Token – wir hatten da schonmal drüber geschrieben. Manitou liefert dieses mächtige Werkzeug bereits ab Werk mit und nennt es IVA (Incremental Volume Adjust). Ein sperriger Name, aber im richtigen Leben unbezahlbar. Warum? Der Luftdruck bestimmt maßgeblich über das Ansprechverhalten der Gabel. Die Größe der Luftkammer dagegen definiert, wie progressiv sich die Gabel verhält. Oder einfach: wie viel mehr Kraft braucht man um die Gabel weiter einzufedern? Eine große Luftkammer macht die Gabel eher linear, sprich die Gabel benötigt über den gesamten Federweg hinweg in etwa die gleiche Kraft um weiter eingefedert zu werden. Eine kleine Luftkammer macht die Gabel progressiv, je weiter die Gabel einfedert, desto mehr Kraft braucht man um sie noch weiter einzufedern. Man spricht hier von der sogenannten Federkennlinie, und die kann man mit dem IVA beeinflussen.

IVA zum Ersten: zweitgrößtes Kammervolumen

Und nun? Da eine progressive Gabel zum Ende des Federwegs hin sehr hart wird schlägt sie weniger durch und kann daher mit weniger Luftdruck gefahren werden. Das lässt sie sehr feinfühlig ansprechen ohne gleich bei jedem überfahrenen Eichhörnchen auf Block zu gehen. Bei unseren Testfahrten werden übrigens keine Tiere gequält!
Aber zurück zum Thema. Eine lineare Gabel braucht etwas mehr Druck um nicht durchzuschlagen und spricht daher schlechter an, arbeitet dafür aber über den gesamten Federweg konstant. Was dabei gut oder schlecht ist bestimmt sich in erster Linie am Einsatzbereich und am persönlichen Geschmack. Nach unseren Erfahrungen harmonieren eher lineare Setups aber besser mit sensiblen Reifen während man bei harten, steifen Reifen mit progressiven Kennlinien besser fährt. Der Grund liegt hier in der Verteilung der Federarbeit zwischen Reifen und Gabel.

IVA zum Zweiten: zweitkleinstes Kammervolumen. Die Shims werden einfach gesteckt

Kurz gesagt: komfortabler Reifen = große Luftkammer und mehr Druck, unkomfortabler Reifen = kleine Luftkammer und weniger Druck. Um die Kennlinie der Mastodon anzupassen reicht es, die Distanzstücke im IVA Element anders anzuordnen wobei die Luftkammer um so kleiner wird, je weiter der Ring mit der Dichtung nach unten kommt. Das geht – theoretisch – sogar unterwegs, allerding muss unbedingt (!!) der Luftdruck vorher abgelassen werden! Sonst darf man sich auf eine längere Suche nach dem IVA Element einstellen – oder muss es sich im schlimmsten Fall mit dem Multitool aus der Stirn operieren…

Dämpfung Teil 1 – Zugstufe

Mach mal blau: Verstellrad der Zugstufe am rechten Ausfallende

Die Zugstufe verhindert, dass dein Bike zur Hüpfburg wird. Bei der Mastodon sorgt Öl dafür, dass die Gabel beim Ausfedern abgebremst wird und so die beim Einfedern aufgenommene Energie kontrolliert abgibt. Und Kontrolle ist ja immer ganz gut… Manitou liefert mit der Mastodon ein kleines Booklet aus, in dem ein paar einfach Grundeinstellungen vorgeschlagen werden. Wir finden die tatsächlich ganz praktisch. Gerade beim Fatty ist es sinnvoll, eher etwas zu viel Zugstufendämpfung zu haben, als zu wenig. Grund: der Reifen allein hüpft schon gern und verlangt dadurch genug Aufmerksamkeit – die Gabel sollte ihren Job so unauffällig wie möglich machen. In unserem aktuellen Setup mit Vee Tire Snow Avalanche vier/null haben wir die Zugstufe auf 3 Clicks gestellt. Funktioniert perfekt, top Traktion in schnellen, ruppigen Kurven und trotzdem kommt die Gabel schnell genug wieder raus um nach einem harten Einschlag sofort weiterarbeiten zu können.

Dämpfung Teil 2 – High und Low Speed Compression

Double Twist: rot steht für Low, schwarz für High Speed. Nicht politisch gemeint…

So, Freunde. Ihr habt bis hier hin durchgehalten. Gut so! Jetzt geht’s ans Eingemachte! Die Manitou Mastodon Pro bietet eine getrennte Einstellung von High und Low Speed Dämpfung an. Das hat nichts damit zu tun, wie schnell ihr fahrt. Es geht darum, wie schnell sich die Gabel bewegt. “High Speed” umfasst die schnellen, oft kleinen Bewegungen während “Low Speed” die großen, langsamen meint. Im Alltag heißt das: bretterst du mit Vollgas über ein paar Wurzeln, wird die Gabel in Sekundenbruchteilen zig mal zusammengestaucht. High Speed! Eine langgezogene Bodenwelle bewegt die Gabel dagegen langsam und eher gleichmäßig. Low Speed! Und genau damit punktet die Mastodon gnadenlos am Fatty. Denn FATBike Reifen gehen ja bekanntlich exzellent mit kleine Unebenheiten, Steinen und Wurzeln um.

Mastodon Comp Fahrer müssen mit einem Einsteller klarkommen

Nur: jeder FATBiker bevorzugt einen anderen Reifendruck. Wer seinen Reifen lieber etwas weicher fährt verteilt die Federarbeit: kurze, harte Einschläge verarbeitet der Reifen, während die Gabel langgezogenen Schwingungen aufnimmt. Damit die Verteilung klappt, sollte die Gabel im High Speed Bereich möglichst ruhiggestellt werden. So kann der Reifen ungestört seine Arbeit machen. Das klappt nach unseren bisherigen Erfahrungen sehr gut, wenn die High Speed Dämpfung 2-4 Clicks geschlossen wird. Das unterdrückt wirkungsvoll den von vielen FATBikern so oft kritisierten “Federwegsbrei” der Bluto: hier vermischen sich nämlich Reifen und Gabel zu einem schwer einschätzbaren Gesamtfederweg.
Wer seinen Reifen lieber hart fährt, überlässt dagegen der Gabel den Großteil der Federarbeit. Dazu lässt man die High Speed Dämpfung am besten (komplett) offen um der Gabel leichtes Arbeiten und schnelles Ansprechen zu ermöglichen.

Wer seine Gabel mehr als “eiserne Federwegs-Reserve” versteht und die Hauptarbeit komplett dem Reifen überlassen möchte (für den vollen Fatty-Effekt) kann die Low Speed Dämpfung 1-3 Clicks schließen. Darüber wird die Mastodon arg zäh – eine noch härtere Druckstufe berechtigt zur Frage, ob man überhaupt eine Federgabel braucht.

Noch ein Wort zum “Lock Out”

Sieht aus wie Lock Out, ist aber keins: geschlossene Low Speed Dämpfung

Wir hören immer mal wieder Kommentare, dass die Manitou Mastodon ja gar kein vernünftiges Lock Out hätte. Stimmt. Hat sie nicht. Man kann lediglich die Low Speed Dämpfung auf Maximum stellen. Die Mastodon lässt sich dann immernoch voll einfedern. Allerdings muss dafür eine sehr hohe Kraft für eine so lange Zeit einwirken, dass im Alltag selbst bei Wiegetritt bergauf kaum noch Federweg genutzt wird. Und falls es euch dennoch zu viel ist (vor allem bei sehr schweren und/oder bärenstarken Bikern) versucht einfach mal, zusätzlich die Luftkammer zu optimieren: IVA auf größtmögliches Volumen stellen und mehr Druck aufpumpen. Das wirkt zusätzlich ungewolltem Ansprechen entgegen.

Was bleibt?

Aktuell eine der am besten abstimmbaren FATBike Federgabeln: die Mastodon Pro

Die optimale Abstimmung eines Fahrwerks gehört nicht in diesen Artikel – daran haben sich schon zu viele Stammtisch-Schlägereien entzündet. Wichtig ist zu verstehen, was Gabel und Reifen tun und wie sie zusammenarbeiten. Und was man von seinem Bike erwartet. So kann man aus den Verstellparametern die rauspicken, die das gewünschte Ergebnis beeinflussen und sie entsprechend einstellen. Leider sind viele Bikes wenig oder garnicht auf das abgestimmt, was sich der Fahrer wünscht und so bleibt als Fazit “Die Gabel ist Mist, die taugt nix!”. Die Manitou Mastodon Pro* Einstellungen erlauben jedoch eine sehr präzise Abstimmung der Gabel und berücksichtigen die speziellen Anforderungen FATter Laufräder. Viel Spaß beim Ausprobieren!
Die Verstellung des Federweges und das sensationelle Infinite Rate Tune Kit nehmen wir uns kurzfristig vor.

 

*Partnerlinks sind, wie üblich, mit “*” gekennzeichnet.

7 Responses

  1. Matthi

    Ich habe mich jetzt endgültig für die Mastodon Pro STD mit 100er Federweg entschieden. Nochmals danke für die Hilfe und eure sehr hilfreichen Beiträge!

    Antworten
  2. Marc

    Ihr kommentiert die Bluto unter dem Thema “Federwegsbrei”.

    Da man die Bluto als RCT3 nun serienmäßig kaufen kann ist das Argument absolut hinfällig, da auch hier high und low speed Druckstufe (Dämpfung würde ich eher nicht verwenden) sauber eingestellt werden können. Und ganz ehrlich, Eure Argumentation stimmt, weshalb man bei der Bluto die Token nämlich nicht braucht sondern nur den entsprechenden Luftdruck in der möglichst großen Kammer um ein lineares Arbeiten der Gabel zu gewährleisten. Der Rest wird sauber über high und low speed Druckstufe eingestellt. Fertig.
    Eure Anmerkungen zur Zugstufe (Knopf unten an der Gabel) gelten auch hier. Einfach von voll offen (Hase =schnell) Klick für Klick zudrehen bis es zum Luftdruck des Reifens passt.

    Antworten
    • Matt

      Hi Marc,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Soweit ich weiß, kann man bei der RCT3 von außen nur die Plattform (der große blaue Hebel) und die LSC (kleines schwarzes Einstellrad) einstellen. Das Feintuning der LSC wirkt auch nur, wenn der “Wählhebel” der Plattform auf “Open” steht. Die HSC ist über Shims im Dämpfer voreingestellt und kann nicht von außen justiert werden. Hier ist die Mastodon deutlich besser bedienbar.
      Allerdings funktioniert die RCT3 tatsächlich um Welten besser als die einfache Version, der “Federwegsbrei” wird da drastisch verringert. Zum Umbau auf RCT3 hatten wir ja schon mehrfach geraten und auch eine Umbauanleitung veröffentlich (http://www.fat-bike.de/rockshox-bluto-rct3-umbau/).

      Über die Einstellung der Dämpfung allein lässt sich natürlich schon viel aus einer Gabel herausholen, eine Anpassung der Progression ist nicht zwingend für jeden Fahrer bzw. Einsatz nötig. Je nach Fahrergewicht, Federweg, Einsatzbereich und Reifen(druck) ist die größtmögliche Luftkammer aber oft alles andere als optimal. Eine korrekte Abstimmung der Progression gehört zu einem kompletten Gabeltuning unbedingt dazu, man verschenkt sonst enormes Potential.
      Wie immer gilt aber auch hier: probieren geht über studieren, viele Biker dürften mit dem Setup ab Werk bereits gut fahren.

      FATte Grüße

      Matt

  3. Matthi

    Hey Jungs,

    Sehr ausführlicher Artikel! Super das ihr es so erklärt damit es auch ein Laie wie ich es bin versteht;-)
    Danke dafür!
    Nächsten Monat werde ich mir die Pro für mein Fatboy mit Bud &Lou zulegen. Fraglich ist nur noch für welchen Federweg ich mich entscheide. Irgendwie lacht mich die 150er an. Wisst ihr etwas bezüglich den Lieferzeiten?

    Antworten
    • Dan

      Hey Matthi, Danke für dein Lob! Für dein FatBoy ist die 150mm Variante allerdings nicht geeignet. Specialized hat seine Rahmen nicht auf so große Einbauhöhen ausgelegt. Daher verändert sich die Geometrie deines Bikes sehr stark, Lenk- und Sitzwinkel werden ziemlich flach, das wirst du vorallem negativ beim Touren und im Uphill spüren. Die STD Gabel sollte bis 100mm Federweg gut passen, die EXT dagegen nur in der 80mm Variante. 120 bzw. 100mm wären grenzwertig aber sicher noch erträglich. Zusammen mit den FATBike Reifen reicht das hin, um herkömmliche Enduro-Bikes zu versägen 😉

    • Matthi

      Hallo nochmal,

      Also lese ich das richtig?
      Die Mastodon Pro EXT würdest du mir mit 80er Federweg empfehlen, 100 und 120 wäre aber noch möglich oder nur die 80er und nicht höher?

      Grüße Matthi

    • Matt

      Hi Matthi,

      so 100% kann man das nicht beantworten. Die Frage ist, was Du alles für einen großen Federweg ertragen möchtest. Fakt ist zum einen, dass Specialized den FatBoy ab Werk nur mit einer 80mm Bluto bringt. Zum anderen baut bereits die 80er EXT Veriante recht hoch (die genauen Daten habe ich aktuell nicht zur Hand aber kann ich nochmal raussuchen). Bei der 100er oder gar 120er EXT kommt das Bike vorne sehr hoch, was den Lenkwinkel und Sitzwinkel sehr abflacht und auch das Tretlager ein gutes Stück anhebt. Die STD Versionen bauen nur leicht höher als die Bluto, hier solltest Du mit 100mm noch keinen großen Schaden anrichten. Was nützt der größte Federweg, wenn die gesamte Geometrie des Bikes nicht mehr hinhaut…
      Ich hatte in meinem letzten FatBoy eine Bluto mit 100mm und damit wird man auf einem Fatty schon sehr, sehr schnell (siehe unsere Artikel zum FATBike Enduro).
      Um sicher zu gehen kannst Du nochmal die Bauhöhen der Gabeln vergleichen – die Werte findest Du auf den Seiten der Hersteller. Richtwert für den FatBoy ist wie gesagt die Bluto 80mm.

      FATte Grüße

      Matt

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