Rock Shox Bluto Einstellung: der Luftdruck.

Pretty in white - die Bluto RL (Quelle: SRAM)

Pretty in white – die Bluto RL (Quelle: SRAM)

Na endlich. Federgabeln erobern die FATBike Welt. Klar, beim Fatty übernimmt der Reifen ja schon mehr Federarbeit als es so manche straff abgestimmte XC Federgabel tut. Aber es gibt ja auch Menschen, die eine Vorliebe für dick verwurzelte Single Trails haben. Oder andere, die sich auf einen Berg quälen nur um ihn dann wieder runter zu ballern – und zwar Vollgas!

Hier wirkt eine Federgabel auch am Fatty Wunder – damit du nicht schon Mitte 30 eine Krankenschwester brauchst, die deine verschlissenen Handgelenke ersetzt…

Rock Shox ist mit der Bluto dabei ganz vorn und bietet im Moment die einzige wirklich funktionierende und in Großserie gefertigte Federgabel für Fatties an. Für uns ein Grund, mal genau hinzuschauen was man mit so einer Bluto so alles anstellen kann und wie man alles aus ihr rausholt.

Ein Frage der Einstellung: Federweg, Progression und Dämpfung

Richtig abgestimmt macht die Bluto auch im Schnee Spaß!

Richtig abgestimmt macht die Bluto auch im Schnee Spaß!

Sram ist ja bekannt dafür, mit seinen Rock Shox Gabeln eine Art Schweizer Taschenmesser anzubieten. So gibt es auch bei der Bluto Einstellung ohne Ende! Mangels des legendären U-Turn System leider nur mit Werkzeug machbar: bei der Bluto sind 80, 100 oder 120 Millimeter Federweg drin. Umbaubericht folgt!

Eine deutlich weniger aufwändige Bluto Einstellung ist der Einsatz der sogenannten Token. Diese verändern das Luftvolumen, was Modifikationen an der Progression bei gleichzeitiger Beibehaltung des Ansprechverhaltens ermöglicht. Was so viel bedeutet wie: die Gabel spricht weich an aber schlägt nicht so schnell durch.

Außerdem kann man wie üblich die Zugstufendämpfung („Rebound“) einstellen und die Gabel via PopLock blockieren. Aktuell prüfen wir noch, ob man auch bei der Bluto einen „RCT3“ Dämpfer verbauen kann um sich zusätzlich noch an der Low Speed Dämpfung austoben zu können. Das bringt auch die zusätzliche Stufe „Pedal“ zwischen „Open“ und „Lock“ am Lockout System mit.

Okay, das sind jetzt alles nette Möglichkeiten, aber für fast alle muss man die Gabel aufmachen und schrauben… Und Hand aufs Herz: wir FATBiker mögen es doch eigentlich lieber einfach und unkompliziert. Daher werde ich den ganzen Kram heute mal noch ausklammern und im nächsten Tech Talk über die Hardware-Modifikationen schreiben. Heute geht statt dessen um die simpelste Bluto Einstellung: den Luftdruck.

FATBike Reifen sind Tiefdruckgebiete. Und die Gabeln?

Das Thema Luftdruck ist bei der Rock Shox Bluto Einstellung besonders heikel. Warum? Weil man sich damit das Fatty mal so richtig schön versauen kann! Und leider stammen die auf der Gabel aufgeklebten Druckempfehlungen wohl vom Mountainbike und sind für den Einsatz am FATBike nur begrenzt hilfreich.

Tiefstapler: die Druckangaben auf der Bluto sind am Fatty nur eingeschränkt brauchbar...

Tiefstapler: die Druckangaben auf der Bluto sind am Fatty nur eingeschränkt brauchbar…

Wir haben unsere Blutos in allen möglichen Setup Varianten getestet und auch immer wieder unsere ungefederten FatBoy Experts zum Vergleich hergenommen. Im Ergebnis lassen sich drei wesentliche Abstimmungen zusammenfassen:

1) Reifendruck unverändert niedrig (bei uns ca. 0.5 bar) , Gabel mit Druck nach Werksangabe (für mich ca. 110 PSI).

2) Reifendruck erhöht (ca. 0.8 – 0.9 bar), Gabel nach Werksangabe.

3) Reifendruck unverändert niedrig (bei uns ca. 0.5 bar) , Gabel mit mehr Druck als Werksangabe (für mich 145 PSI).

Wir haben zu dem Thema mal mit Frank Ripper von SRAM Deutschland besprochen und nach Empfehlungen gefragt. Frank hat diplomatisch geantwortet, dass am Ende jeder Fahrer andere Vorlieben hat und die Abstimmung der Bluto sehr subjektiv ist.
Im Gegensatz dazu hat uns Tim Krueger von Salsa schon auf der Eurobike stolz berichtet, dass das Fahrwerk am Salsa Bucksaw so abgestimmt wurde, dass die Federung dann die Federarbeit vom Reifen übernimmt, wenn der an seine Grenzen kommt.

Laut Werksangabe wäre die Gabel jetzt für mich perfekt.

Laut Werksangabe wäre die Gabel jetzt für mich perfekt.

Was nun? Geschmack hin oder her, wir wagen eine konkrete Empfehlung. Denn schauen wir uns die 3 Varianten mal an:

Bei Variante 1 kannst du auch auf Spongebob reiten! Reifen und Gabel ergänzen sich zu einem Brei aus Federweg, das Front End gibt kaum verwertbares Feedback über den Trail. Damit kann man in der Praxis nicht viel anfangen außer vielleicht schnurgerade einen Downhill runter zu brettern.

Aber auch Variante 2 halten wir für weniger sinnvoll. Zwar ist dieses Setup an sich ganz gut fahrbar und deutlich präziser als Variante 1. Nur verliert man damit zwei der größten Vorteile eines FATBikes: minimale ungefederte Massen und maximale Traktion.
Hintergrund: ein (FATBike)Reifen, der ein Hindernis – sagen wir eine armdicke Wurzel – schluckt, hat praktisch keine ungefederte Masse. Das heißt es muss keine Masse über die Wurzel gewuchtet werden da der Reifen die Wurzel regelrecht ausbügelt. Und genau das klappt bei Variante 2 nicht: der härter aufgepumpte Reifen  gibt die Federarbeit zumindest teilweise an die Gabel ab. Daher müssen hier das gesamte Laufrad, die Bremsanlage, die Steckachse und die Tauchrohre der Gabel ein paar Zentimeter nach oben bewegt werden um über die Wurzel zu kommen. Diese sogenannte ungefederte Masse macht das System träge und kostet Kraft.
Und warum beziehungsweise DASS ein FATBike Reifen mit mehr Druck weniger Traktion bietet könnt ihr ja einfach mal ausprobieren! Gerade auf losem Untergrund merkt man das deutlich.
Den Reifen aufzupumpen ist also keine wirklich optimale Lösung.

Schon besser: Druck am Ende der Testreihe, gepaart mit den üblichen ca. 0.5 Bar Reifendruck.

Schon besser: Druck am Ende der Testreihe, gepaart mit den üblichen ca. 0.5 Bar Reifendruck.

Also bleibt Variante 3. Für uns die optimale Mischung aus Ansprechverhalten, „Smoothness“, Traktion und Federreserven. Kurz: das Fatty fährt sich wie ein Fatty. Nur besser!

Der optimale Luftdruck: so findet Ihr ihn!

Auf der Suche nach dem „Sweet Spot“, also dem Punkt an dem sich Reifen und Gabel nahtlos die Federarbeit in die Hand geben, empfehlen wir wie folgt vorzugehen:

1) Den Bluto Luftdruck auf 180 PSI oder mehr pumpen. Hart soll sie sein!
2) Den Reifendruck auf „Lieblingsniveau“ einstellen.
3) Jetzt ab auf Testfahrt und dabei in kleinen Schritten immer wieder Druck aus der Bluto ablassen. Sobald das Front End schwammig wird: Luftdruck wieder leicht anheben.
4) Spaß haben!

Die Kunst ist, den Punkt so zu treffen, dass die Gabel ins Spiel kommt kurz bevor der Reifen am Ende ist. So fährt sich das Fatty noch wie ein Fatty, bricht dir aber nicht gleich die Handgelenke oder wirft dich ab, wenn der Trail dich kickt!

Nach unsere Tests haben wir übrigens als Faustformel „Werksangabe + 30 bis 40%“ festgehalten.

Was bleibt?

FAT Fanes FATBike Fully

FAT Fanes FATBike Fully

Wie bei SRAM üblich, sind auch die Bluto Einstellungen zahlreich. Mit dem falschen Luftdruck verschenkt man jedoch wertvolle (Fatty)Vorteile, insbesondere wenn man der laschen Gabel mit höherem Reifendruck gegensteuert. Auch wenn die Abstimmung natürlich immer eine Frage des persönlichen Geschmacks und der eigenen Fahrtechnik ist: wir finden es schade, die größten Vorteile eines FATBikes im Federsystem zu versenken.

10 Responses

  1. Niko

    Ich komme ehrlich gesagt mit eurem Vorschlag den Druck 30-40% über die Angabe einzustellen überhaupt nicht klar 🙁 .
    Dabei nutzt die Gabel nur noch einen Bruchteil der 10cm Federweg aus . Auf alpinen Trails finde ich das nicht so optimal .
    Da fand ich die Werksvorgaben gar nicht so übel .
    Fähre 4.0 JJ mit 0.5 bw. 0.6 v/h .
    Meine Gabel wurde mit zwei Token ausgeliefert .
    Wenn ich diese drin lasse , taucht die Gabel zwar nicht weg , verhält sich aber wie ein zu straffer Gummipuffer . Ohne die , sackt sie an Stufen ohne Wiederstand einfach weg , nutz dann aber halbwegs ihren Federwweg .
    Mit nur einem taucht sie auch weg , zwar nicht so weit – optimal ist das aber immer noch nicht .
    Irgendwelche Vorschläge ?
    Lieben Dank ,
    Niko

    Antworten
    • Matt

      Hi Niko,

      wir haben die Gabel damals mit vier/achter Reifen und ca. 0.4bar getestet – in diesem Fall übernimmt der Reifen die meiste Federarbeit, die Gabel schluckt die großen Einschläge. Hat man es mit extremen Einsätzen – Bikeparks, verblockte Trail mit großen Brocken und Stufen, etc. macht Dein Setup mehr Sinn. Reifen etwas härter (aber nicht so hart, dass man Traktion einbüßt) und Gabel etwas weicher.
      Leider ist die Bluto eben nur eine Einsteigergabel und bietet kaum sinnvolle Einstellmöglichkeiten oder die nötige Steifigkeit. Wenn Du öfter heftige Sachen fährst wäre eine Mastodon Pro definitiv die bessere Wahl. Auch wenn sie nicht die hübscheste Federgabel auf Gottes weiter Erde ist ist sie technisch haushoch überlegen.
      Was Du probieren könntest ist, die Bluto auf 120mm umzubauen und den Sag etwas höher (also mehr Sag = weniger Druck) einzustellen. Dann wieder ein oder zwei Token rein und schauen, wie sie sich verhält. Außerdem versuche mal die Druckstufe ein oder zwei Clicks zu schließen. Bei der Bluto ist das die Low Speed Dämpfung, sprich hier greifst Du genau auf das Verhalten bei Stufen ein. Hast Du eine RCT3? Wenn nicht, wäre das noch eine sinnvolle Ergänzung weil diese Kartusche eine bessere Modulation der Dämpfung erlaubt.
      Wir haben auch sehr gute Erfahrungen mit den diversen Tuning Kartuschen gemacht, siehe unsere Artikel zu den Themen.

      Ich hoffe, da war jetzt was hilfreiches dabei 😉

      FATte Grüße und viel Spaß beim ausprobieren

      Matt

  2. Dr.Chaos

    Schönen guten Tag,

    wie stellt ihr die Dämpfung ein?
    Habe den Luftdruck angepasst Körpergewicht +30% und muss sagen geht schon besser.. (Vielen Dank)

    Aaber mit der Dämpfung habe ich meine Zweifel, wie ich die einstelle, weil das Vorderrad kommt garnicht auf die Idee zu hüpfen, wenn ich aus dem Stand drücke…
    Meiner Meinung müsste ich ja dann komplett auf den Hasen drehen?!
    Gruß

    Antworten
    • Matt

      Hi,

      Welchen Reifen hast du genau? Im Prinzip reicht es bei der Bluto aus die Zugstufe ca 2 Klicks zu schließen. Sprich du drehst sie komplett auf den Hasen und von dort aus zwei bis drei Klicks zurück. Dann achtest du während der Fahrt darauf, dass das Vorderrad ausreichend Bodenkontakt hält. Hast du das Gefühl, dass das Vorderrad in schnell gefahrenen Kurven die Haftung verliert dann schließe die Zugstufe noch ein oder zwei Klicks. Viel Erfolg beim Ausprobieren!

      FATte Grüße

      Matt

    • Dr.Chaos

      Grüße,
      ich fahre derzeit die JJ 4.0 (0.6 / 0.5 bar)…
      Werde jetzt mal heute auf meinem Haustrail schauen, was es so wird mit 2.Klicks…
      Gruß

    • Dan

      Hi Frank, ja, das ist analog, nur das du zusätzlich an der Bluto mit RCT3 Dämpferkartusche noch in drei Stufen die Lowspeed Dämpfung einstellen kannst. FATte Grüße, Dan

  3. MATaFIX

    Hallo zusammen, besten Dank für eure Erfahrungen. Ist das dann so, dass die Bluto mit fast keinem SAG mehr gefahren wird, wenn sie härter abgestimmt ist?

    Die Frage kommt daher, dass ich unsicher bin, ob ich eine 80mm oder eine 100mm Bluto einbauen soll. Die Starrgabel hat 485mm axle to crown. Wenn die Bluto hart und somit wenig Sag gefahren wird, würde sich ja eher die 80mm Gabel anbieten, da sonst die Geometrie leidet. Die 80er Bluto hat ja 491mm, oder?

    Was habt ihr an den Fatboys für Erfahrungen mit 80mm / 100mm Bluto gemacht?

    Besten Dank für eure Einschätzung.

    Antworten
    • Matt

      Hi MATaFIX,

      da hast Du recht, der Sag verringert sich natürlich, was die Geometrie beeinflusst. Allerdings gleicht der weichere Reifen einen Teil davon wieder aus, so dass die effektive Geometrieveränderung nicht so groß ist.

      Unsere Erfahrung – aber das ist jetzt wirklich sehr subjektiv und viele werden uns vermutlich nicht zustimmen – war/ist, dass die 80mm zu wenig sind. Wir haben die 29er Story, dass große Laufräder weniger Federweg brauchen nie verstanden und auch am FATBike sind uns die 80mm zu wenig. Abrollumfang hin oder her – bei einem üblen Einschlag (zum Beispiel wenn Du einen Sprung schlecht landest) ist jeder Zentimeter Federweg wertvoll.

      Der Umbau ist allerdings wirklich schnell gemacht, ausprobieren lohnt sich also!

      FATte Grüße

      Matt

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