Vor kurzem haben wir Andrej Bekanntschaft kennen gelernt und waren sofort auf einer Wellenlänge. Das lag vor allem an unserer gemeinsamen Passion, dem FATBike. Sein FATBike will Andrej nicht mehr hergeben und hat im Februar diesen Jahres kurzer Hand mit seinem finnischen Buddy Jussi auf dem FATBike das ganze Land durchquert, und damit ist Finnland gemeint. Genau, Finnland im Winter! Warum, und wie die beiden das geschafft haben, erzählt euch am besten Andrej selbst. Here we go…

„Die Idee, Finnland mit dem Bike zu durchqueren entstand im Winter, mehr oder weniger durch Zufall. Ich beendete gerade mein Praktikum in einem Start-Up, das Lebensmittel auf Insekten-Basis vertriebt, als ich mich dazu entschloss, einen kurzen Trip über ungefähr 300km rund um Turku Archipelago mit dem Bike anzugehen.

Jussi und Andrej (v.l.n.r.) auf ihrem 1.500km Wintertrip durch Finnland
Jussi und Andrej (v.l.n.r.) auf ihrem 1.500km Wintertrip durch Finnland (Foto by Luca)

Nach diesem ersten Gedanken fing ich an die Sache etwas größer zu denken. Und je länger ich darüber nachdachte, umso länger wurde meine geplante Route. Letztlich bin ich bei der Planung von ursprünglich 300 auf satte 1.500km gekommen, nämlich von Turku zum nördlichsten Punkt Finnlands und damit auch der EU, Nuorgam. Zur echten Herausforderung würde diese Tour im Winter werden, am besten noch innerhalb von 4 Wochen.

Meinem Kollegen und Mitgründer von Entis erzählte ich von meiner Idee, der zuerst dachte ich sei jetzt komplett übergeschnappt und nicht an die Machbarkeit im Winter glaubte.

Gut bepackt und gut eingepackt, Andrej und Jussi (Foto by Luca)
Gut bepackt und gut eingepackt, Andrej und Jussi (Foto by Luca)

Aber je mehr wir uns darüber unterhielten, umso mehr reifte die Idee auch in Jussis Kopf. Letztlich sollte es nicht nur eine Tour werden, wir wollten gern auch andere Menschen motivieren, mehr Zeit in der Natur zu verbringen, draußen etwas zu erleben und sich mit dem Bike fortzubewegen. Außerdem wäre dieser Trip doch eine coole Gelegenheit, den Leute da draußen Insekten als Nahrungsmittel näher zu bringen, Ihnen zu zeigen, dass Insekten als Lebensmittel nicht nur direkt aus der Natur kommen sondern auch Vorteile für die gesamte Lebensmittelindustrie mitbringen.

Da ja nun schon Winter war, und Februar bereits in Sicht, hatten wir nicht viel Zeit. Also haben wir versucht Partner zur Umsetzung unserer Idee zu finden. Am Ende waren wir echt happy, als wir von Scandinavian Outdoor, Bontrager, Tunturi und Nishiki die Zusage für eine kleine Unterstützung mit Ausrüstung und natürlich den notwendigen FATBikes erhielten.

Ein Leben ohne FATBike können sich Jussi und Andrej nach ihrer Finnland-Querung nicht mehr vorstellen (Foto by Luca)
Ein Leben ohne FATBike können sich Jussi und Andrej nach ihrer Finnland-Querung nicht mehr vorstellen (Foto by Luca)

In nur knapp drei Monaten haben wir auch dank der Unterstützung unserer Sponsoren einen konkreten Plan erarbeitet, die Route im Detail abgesteckt, die Risiken analysiert und mit einigen erfahrenen Menschen gesprochen, die uns wertvolle Tipps zum Thema Ernährung und Planung einer solchen Tour gegeben haben.Während dieser Zeit haben wir uns physisch und psychisch auf die Tour vorbereitet.

Außerdem haben wir Schlafplätze auf der Route durch das ganze Land organisiert, mit viel Hilfe auch von Jussis Familie. Die Social Media Kanäle von Entis konnten wir dafür glücklicherweise auch mit nutzen.

Hinsichtlich der doch sehr harschen Bedingungen, denen wir ins Angesicht blicken würden, statteten uns Tunturi mit dem FATBike Tundra und Nishiki mit einem Durango FATBike aus. Trotzdem haben wir noch das ein oder andere Detail an den FATBikes umgebaut, zum Beispiel massivere Reifen mit Spikes für besseren Grip und Gepäckträger vorn und hinten für unser Gepäck, denn wir wollten ohne Begleitfahrzeug los ziehen. Dabei hatten wir Support vom Nummen Pyörä Bike Shop in Turku.

Nachdem nun alles organisiert und wir mit den FATBikes auf die Tour eingestellt waren, sind wir am 1. Februar gestartet, mit der Hoffnung im Kopf, den Tripp am 27. Februar in Nuorgam erfolgreich zu beenden.

Alles dabei für 4 Wochen auf dem FATBike (Foto by Luca)
Alles dabei für 4 Wochen auf dem FATBike (Foto by Luca)

Durchschnittlich hatten wir über die vier Wochen 62km pro Tag vor uns, an einigen Tagen hatten wir zwischen den Unterkünften sogar mehr als 100km zu absolvieren. Vor allem zu Beginn unserer Tour war das ziemlich fordernd, da wir die ersten 8 Tage flankiert von Schneestürmen bei frostigen Temperaturen von bis zu -20 Grad Celsius und ohne Pausentag durchgefahren sind. Wir hatten sogar das Glück, das wir den schlimmsten Schneesturm in Süd-Finnland seit Jahrzehnten mitnehmen durften. Naja, zumindest darauf hätten wir gut und gern verzichten können.

Später gönnten wir uns dann auch die notwendigen Erholungstage, ohne die eine gewisse Regeneration kaum möglich gewesen wäre, wenn wir die Freizeit nicht auch noch dazu genutzt hätten, um zum Ausgleich das nächst beste Fitnessstudio aufzusuchen.

Aus meiner Perspektive war es beeindruckend, als nicht Finne und ohne die Sprache sprechen zu können, wie unglaublich gastfreundlich die Menschen waren und uns nicht nur ein Dach über dem Kopf angeboten haben, sondern auch noch traditionelles Food zu kredenzen. Natürlich haben wir uns auch viel ausgetauscht, über unsere Tour, Insekten als Nahrungsmittel und die Idee hinter Entis, und welche Vorteile dieses Konzept für die Zukunft der Ernährung hat.

Über die netten Menschen hinaus, die wir auf der Tour mit unseren FATBikes getroffen und kennengelernt haben, brachte uns diese Expedition unvergessliche Erlebnisse: mit unseren FATBikes über zugefrorene Seen zu fahren, eine Grillen Farm zu besuchen, den Weihnachtsmann zu treffen, den berüchtigten Magnetic hill zu überqueren, familiengeführte Milchhöfe zu besichtigen, oder auch zu sehen, wie unsere Idee und die Tour auch in lokalen Tageszeitungen abgedruckt wurde.

Unsere gesamte Tour haben wir auf Youtube dokumentiert und sind am 27. Februar wie geplant, glücklich und geschafft, in Nuorgam angekommen, zum Glück ohne irgendwelche gesundheitlichen oder körperlichen Schäden unterwegs.

Natur, Wald und Schnee, und von allem reichlich. (Foto by Luca)
Natur, Wald und Schnee, und von allem reichlich. (Foto by Luca)

Abschließend möchte ich auch noch ein paar Worte zu unseren FATBikes verlieren, die uns souverän ans Ziel gebracht haben. Jussi und ich waren während der Tour sehr glücklich mit den Bikes, sodass sich regelrecht eine emotionale Bindung zu ihnen entwickelt hat. Lediglich bei Temperaturen unterhalb von -30 Grad Celsius hatten wir Probleme mit der Schaltung, dem Antrieb und den Bremsen, als auch ein Bolzen eines Gepäckträgers brach. Und an dem abgebrochenen Clip einer unserer Taschen war nur ein Mülleimer schuld, der einfach scheiße stand! 😉 Jedem, der noch zögert, sich ein FATBike zuzulegen, können wir nur raten: Tu es! Es wird dein Leben bereichern!

Was bleibt?!

Wir sind glücklich, unsere Reise auch dank unserer Unterstützer unversehrt und zufrieden abgeschlossen zu haben. Wir sind dankbar, dass wir dem Radfahren in der Natur etwas mehr Gehör verschaffen konnten und die Idee von Lebensmitteln auf Insektenbasis verbreiten konnten. Wir hoffen, einen Teil dazu beigetragen zu haben, dass sich Menschen mehr Gedanken über die Ernährung in der Zukunft machen und mehr Zeit draußen verbringen.“

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