Ja, es war still bei uns in der letzten Zeit. Und nein, weder sind wir zur 29er Fraktion übergelaufen noch haben wir uns mit einer fetten Rente ins Ausland abgesetzt. Es gab einfach wenig zu berichten. Und dann kamen auch noch ein paar persönliche Projekte dazu, die unseren volle Aufmerksamkeit verlangt haben. Aber nichts davon konnte uns vom FATBiken abhalten und unsere Serverrechnungen haben wir auch bezahlt. Und so legen wir nun wieder los!
Und was wäre ein FATtere Gelegenheit als ein globales FATBike Event?

Fat Viking – möge die Axt mit dir sein!

FAT Biken im Schnee – das ist Fat Viking! (Foto: F. Reiterberger)

Das Fat Viking ist ein Winter Ultra Marathon und dazu noch ein offizielles Qualifikationsrennen für das legendäre ITI 1000. Sein Markenzeichen ist eine Wikingeraxt. Zu Recht. Denn sagen wir so: ein Winter Ultra Marathon ist nichts für Weicheier… Und auch, wenn wir uns nun auch nicht direkt zu dieser Klasse zählen würden, sind wir ganz froh, dass unser Freund Flori Reiterberger diesen Part mehr als bereitwillig übernimmt. Und wer schon länger bei uns mitliest weiß, das Flori – der sympathische Extremsportler, in dessen Wortschatz das Wort „extrem“ garnicht vorkommt – als Gewinner der legendären Yukon Arctic Ultra reichlich Erfahrungen mitbringt.

Flori im Sonnenuntergang beim 150km Ride (Foto: F. Reiterberger)

Und er war es am Ende auch, der uns mit seiner Idee mitgerissen hat. Das Fat Viking Rennen findet üblicherweise dort statt, wo der Schnee zu Hause ist: in Norwegen. Aber dank eines kleinen Virus, dass weltweit eine ziemlich steile Karriere hingelegt hat, gesellt sich zu „Home Cooking“, „Home Drinking“ und „Home Working“ nun auch „Home Winter Ultra Marathoning“. Und weil so mancher zu Hause weder „Winter“ noch „Ultra“ hat, kann man einfach biken gehen – 50, 100 oder 150km – und das dann mit der ganze Welt teilen. Und wenn man dann noch bedenkt, dass das Fat Viking eigentlich in der Norwegischen Stadt Geilo startet… Was kann da noch schief gehen?

Do it yourself – die Route zum selbst bauen.

Das war sie, unsere Global Fat Viking 2022 50km Runde

Für 2022 war das Global Fat Viking für den 28.-30. Januar angesetzt. Bereits im letzten Jahr sind Flori und Max zum Fat Viking Global Edition aufgebrochen, wir hatten hier darüber berichtet. In diesem Jahr ist die Runde der Teilnehmer, sagenhaft, auf die doppelte Zahl gewachsen: wir waren zu viert. Neben Flori und Max war noch Piet mit angereist, ein FATBike Urgesteine aus unserem engsten Freundeskreis. Na, und ich eben.

An manchen Stellen konnte man sich ganz schön nen Zug wegholen…

Die Routenplanung hat Flori übernommen und böse Zunge behaupten, er hätte auch das Wetter bestellt. Denn das war, bleiben wir dabei, „sagenhaft“! Ausgehend von der Oberbayerischen Perle Eggstätt war diesmal der Simssee das Ziel, hübsch eingebettet in die Fat Viking Minimaldistanz von 50km. Da das Global Fat Viking Rulebook in Bezug auf die Route keine weiteren Vorgaben macht, hat Flori uns eine wirklich schicke Route durch die teilweise atemberaubend schöne und ausgesprochen nordisch anmutende Landschaften zusammengestrickt.

Überall Schnee. So soll das sein!
Schnee überall. So soll das! (Foto: F. Reiterberger)

Ab Eggstätt ging es durch die Eggstätt-Hemhofer Seenplatte, welche im Prinzip ein Teil der Chiemsee-Region ist. Schmale Pfade schlängeln sich hier zwischen idyllisch gelegenen Seen hindurch und man kann nicht anders, als sich in Schwedische Weiten versetzt zu fühlen. Der Blick schweift ständig über die Uferlinien und das Unterholz – irgendwo muss doch mal ein Elch auftauchen!

Kein Elch, aber…

…dafür war das Wetter ausgesprochen nordisch. Es ist ja nun nicht so, dass es nicht auch anders gegangen wäre – immerhin waren am Donnerstag vor und am Samstag nach unserer Etappe um die 10 Grad und Sonnenschein. Aber nein… Keine Ahnung, wie er das angestellt hat – aber Tourenplaner Flori hat uns die volle „Experience“ organisiert. Es ging los im Schneesturm bei erfrischenden 0 Grad. Aber gut, man ist ja nicht nackt unterwegs.

Max im Schneesturm
Max im Schneesturm (Foto: F. Reiterberger)

Und so führte uns unsere Tour durch ein Winterwunderland aus verschneiten Wäldern und Feldern in der Gegend um Bad Endorf. Die „Downside“ an der Mischung aus Temperatur und Winterwetter war, dass es ziemlich feuchtfröhlich zu ging und (Schnee)Matsch unser ständiger Begleiter war. Natürlich ist es einfach geil, da mit einem Fatty durch zu pflügen. Wer ist als Kind nicht gern mit einem breiten Grinsen mit beiden Füßen in jede Pfütze gehüpft!

Schön matschig! (Foto: F. Reiterberger)

Und vielleicht wäre ein Gore Tex Taucheranzug angebracht gewesen – aber FATBiker sehen harte Wetterbedingungen ja nur als weitere Herausforderung an. Und es ist ja auch nicht schlimm, wenn dir das Wasser innen an den Hosenbeinen runter läuft – es kommt ja schließlich nur bis in die Schuhe! Wird halt nur irgendwann bissl kalt. Ich möchte an dieser Stelle Flori zitieren: „…'S is hoid so, da muas ‚ma jedzd a durch!“

Im Schleier der Nacht

Zeit für Beleuchtung (Foto: F. Reiterberger)

Irgendwo während der Umrundung des Simssees, am entferntesten Punkt unserer Oberbayerischen Fat Viking Runde, hat uns dann die Nacht eingeholt. Bewaffnet mit einer Menge LED Licht, die intergalaktische Kommunikation erlauben würde, haben wir uns auch dieser Challenge gestellt – was die wunderschönen und durchaus knackigen Trails am Simsee in einem völlig neuen Licht gezeigt hat. Im wahrsten Sinne des Wortes.

Spot on! Flori auf der 150km Distanz (Foto: F. Reiterberger)

So war es dann auch ganz und gar nicht fad, denselben Weg zurück zu fahren, auf dem wir schon gekommen waren. Nachts mögen vielleicht alle Katzen grau sein. Die engen Pfade durch die Eggstätter Seen bekommen dann jedoch einen ganz besonderen Reiz. Nach insgesamt knapp 4 Stunden haben wir dann die Runde vollendet. Erschöpft. Ausgekühlt. Nass bis auf die Knochen. Und signifikant unterhopft. Aber glücklich und zufrieden. Eine heiße Dusche und ein Bier haben dann die gröbsten Probleme akut behoben.

Zeit für ne Dusche!

Wenn ich ein persönliches Fazit dieser Etappe ziehen müssten, so würde ich mich wohl am ehesten selbst zitieren. Und zwar mit meiner spontanen Zusammenfassung beim Zieleinlauf: „Jungs, wenn ihr sowas im nächsten Jahr wieder plant… Dann ruft mich bitte gar nicht erst an!“ 😉

Und weiter geht's!

Mit sich und der Welt zufrieden – und das mit Recht! (Foto: F. Reiterberger)

Doch wer hier schon mit einem Happy End gerechnet hat, hat die Rechnung ohne Flori und Max gemacht. Denn während Piet und ich den Samstag urgemütlich bei Kaffee und Kuchen mit Blick auf den Wendelstein verbracht haben, hat sich Flori ganz klammheimlich die 150km Distanz unter den Nagel gerissen. Und weil genug nicht genug ist, sind Flori und Max am Sonntag auch noch die 100km gefahren. Das stürmische Wetter bot schließlich optimale Bedingungen für ein paar anspruchsvolle Stunden. Wir finden: eine sensationelle Leistung von beiden, wobei Flori mit allen 3 Distanzen an nur einem Wochenende das geschafft hat, was die Fat Viking Initiatoren einen „Fattrick“ getauft haben. Respekt! Und zwar FAT!

Was bleibt?

Hat Spaß gemacht!

FATBiker lassen sich nicht unterkriegen. Nicht von einem kleinen Virus. Nicht von Wind, Wetter und Dunkelheit. Und auch nicht von privaten Projekten oder redaktioneller Flaute. Deshalb war das Fat Viking Global Edition für uns der perfekte Anlass, unsere Pause zu beenden und wieder auf Sendung zu gehen – ein Tag, an dem wir nicht nur mit Freunden sondern mit FATBikern auf der ganzen Welt unser Hobby zelebriert haben. Unser Dank gilt aber vor allem den Kollegen im hohen Norden, die sich mit ihrer Kreativität schon zum zweiten Mal gegen Reisebeschränkungen und Restriktionen gestemmt haben und ihr eigentlich lokales Rennen in die ganze Welt getragen haben, statt es abzusagen. Jungs, macht weiter so – im nächsten Jahr legen wir auch einen Zahn zu. Vielleicht verdoppeln wir uns sogar auf ACHT!!

4 Responses

  1. Martin Sept

    Wirklich ein schöner Bericht! Fahrt ihr eigentlich auf Testbikes, oder habt ihr euer persönliches Lieblingsfatbike für so eine Tour? Und wanach habt ihr euer Fatbike ausgewählt?

    Jedenfalls Respekt, ich bin im Sommer mehrmals 100km Strecken gefahren, aber im Winter bei Schnee nie mehr als 50km (mit Brennen in den Beinen und Armen am nächsten Tag)
    Halt ein ungefedertes Stevens Mobster 😉

    Antworten
  2. Alexander Zielbauer

    Hey Cool genau das was ich suche.

    Ihr habt meinen vollen Respekt verdient.

    Hammer geile Stecke coole Bilder

    Wenn es nächstes Jahr stattfindet wäre ich interessiert mitzukommen natürlich wenn ihr auch Bock dazu habt.

    Mit freundlichen Grüßen Zielbauer Alex

    Antworten

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