Der Specialized Fast Trak Fat und sein Bruder, der Ground Control Fat 4.0 gehören einer Klasse von FATBike Reifen an, die vor allem in Mitteleuropa immer beliebter wird: 4 Zoll. Gilt „weniger ist mehr“ auch für FATBike Reifen? Nicht unbedingt – aber man muss manchen Vierzöllern handfeste Vorteile zugestehen. Insbesonderen bei Gewicht und Handling können sich hier spürbare Vorteile gegenüber 4.8 oder gar 5 Zoll Reifen ergeben.
Was man von den Specialized 4.0 Reifen erwarten darf haben wir für Euch ausprobiert, und zwar eine ganze Saison lang!

Fast Trak Fat 4.0 – der Minimalist.

Rennerprobt, und das mit Erfolg!

Rennerprobt, und das mit Erfolg!

Der Fast Trak Fat ist seit Anfang 2016 zu Preisen um die 100 Euro und ausschließlich in 4.0 Zoll Breite zu haben. Wir haben von Specialized, sozusagen frisch aus der Presse, einen der ersten Sätze bekommen und auf einem unserer S-Works FatBoy montiert. So gerüstet sind wir direkt in Gstaad beim Snow Bike Festival angetreten. Zugegeben: wirklich ernst genommen haben weder wir noch die anderen Starter den amerikanischen Schmalhans.

Denn irgendwie sprechen weder die vielen eher flachen Stollen, mit denen der Fast Trak Fat übersäht ist, noch sein runder Querschnitt für viel Vor- und Auftrieb. Damit kann man doch im Schnee keine Bockwurst vom Teller ziehen?!? Naja… Weit gefehlt! Denn egal, ob beim Anstieg auf Schnee oder im Downhill auf der Skipiste – der Fast Trak Fat 4.0 hat eine Leistung abgeliefert, bei der wir uns immer wieder ungläubig die Augen gerieben haben.

Die Stollen sind gefühlt winzig. Aber auch kleine Zähne können beißen!

Die Stollen sind gefühlt winzig. Aber auch kleine Zähne können beißen!

Klar, wir können jetzt viel erzählen. Aber das schöne am Snow Bike Festival ist, dass hier Platzierungen und Zeiten genommen werden – und da lag ein ordentlicher Teil des Feldes hinter uns. Ohne einen fähigen Reifen ist das unter den Bedingungen eines Schweizerischen Skigebiets schlicht unmöglich… Ein guter Beweis.

Ein Wolf im Schafspelz!

Die meisten von Euch werden den Fast Trak Fat 4.0 aber wohl eher unter sommerlichen Bedingungen in Betracht ziehen. Hier liegt auch seine eigentlich Stärke. Er kann problemlos tubeless montiert werden (im gelegentlich etwas schrägen Specialized Jargon heißt dass dann „2Bliss Ready“) und schlägt mit knapp über 1.200 Gramm pro Stück angenehm zurückhaltend auf die Gewichtsbilanz.

Tubeless Ready mal anders...

Tubeless Ready mal anders…

Sehr wichtig: der richtige Luftdruck! Wir haben den Fast Trak Fat mit fast dem doppelten des sonst üblichen Drucks gefahren, also mit 0.8 (+/-0.1) bar. Ab und an haben wir sogar ein bar in die Pelle gepresst. Mit den sonst für 4″ Reifen üblichen 0.4 bis 0.5 bar war er zäh und hatte ein sehr unangenehmes, weil teigiges, Einlenkverhalten.
Dank dünner (120 TPI) Karkasse und dem wie oben erwähnt runden Querschnitt ist der Fast Trak Fat aber auch mit viel Druck noch komfortabel zu fahren. Dazu rollt er sehr leicht, lässt sich ausgezeichnet beschleunigen und lenkt willig ein ohne zu Abkippen oder Autosteering zu neigen. Die Traktion ist auf harten Böden top und auf Schlamm ähnlich überraschend wie auf Schnee.

Insgesamt ist der Fast Trak Fat 4.0 ein erstaunlich guter Allrounder der eine Figur abliefert, die sein minimalistisches Erscheinungsbild nicht im Ansatz erwarten lässt. Nichtmal beim Verschleiß gabs was zu meckern, der lag – wie allerdings bei den meisten anderen FATBike Reifen auch – absolut im grünen Bereich.

Ground Control Fat 4.0

Schmal, aber nicht light: Ground Control Fat 4.0

Schmal, aber nicht light: Ground Control Fat 4.0

Auch der Ground Control Fat 4.0 war in Gstaad am Start und hat die Sensation perfekt gemacht: mit einer Gesamtplatzierung in den Top 20 dürften alle Zweifel an der Leistungsfähigkeit der 4 Zoll Reifen zerstreut worden sein.

Anders als der Fast Trak hat der Ground Control Fat 4.0 jedoch einen großen Bruder, den 4.6er. Und dem kann er zu unserer Überraschung kaum etwas abringen. Insbesondere liegen beide beim Gewicht nahezu gleich auf – mit gut 1.450 Gramm können  unsere Testreifen hier kaum Land gewinnen. Das ist um so erstaunlicher wenn man bedenkt, dass auch die Stollen am 4.0er deutlich kleiner ausfallen. An anderer Stelle verhalten sich diese verkleinerte Stollen dann wieder wie erwartet: in der Traktion liegt der Ground Control Fat 4.0 abgeschlagen hinter dem hervorragenden 4.6er. Das gilt für jede Art von Traktion – Vortrieb, Kurvenhalt und Bremsleistung.

Wo punktet der Ground Control Fat 4.0?

Die Stollen sind kleiner als am Ground Control 4.6

Die Stollen sind kleiner als am Ground Control 4.6

Boden macht der Ground Control Fat 4.0 an anderer Stelle gut: die geringere Breite verbessert das Lenkverhalten. Der Ground Control Fat 4.6 fällt in dieser Disziplin gelegentlich negativ auf, da er bei zu wenig Druck in Kurven schnell abkippt bzw. zu verstärktem Autosteering neigt. Der Viernuller ist da ein gutes Stück geduldiger.
Außerdem zeigt sich der beim 4.6 schon fast legendäre Verschleiß der mittleren Schulterstollen hier nur in deutlich abgeschwächter Form. Übrigens sind natürlich beide  Ground Control Fat Versionen „2Bliss Ready“.

Insgesamt können wir uns hier aber kurz fassen: der Ground Control Fat 4.0 ist ohne Frage ein guter Reifen. Die wenigen echten Vorteile gegenüber dem Ground Control 4.6 erkauft man sich unserer Meinung nach aber zu teuer. Wir würden dem großen Bruder in jeder Lebenslage den Vorzug geben.

Was bleibt?

 

Schmal kann punkten - muss aber nicht!

Schmal kann punkten – muss aber nicht!

Wie oben schon erwähnt können FATBike Reifen der 4 Zoll Klasse etliche Vorteile bringen – allerdings ist das geringere Maß keine Garantie für Gewichtsersparnis oder optimiertes Handling.
Ohne jeden Zweifel jedoch ist der Specialized Fast Trak Fat 4.0 ein Reifen, den man – zumindest in Mittel- und Südeuropa – ausprobieren sollte. Er ist leicht, agil, komfortabel und sorgt mit seiner Bissigkeit bisweilen für erstaunte Gesichter. Er ist der gute Kumpel, der einen nie hängen lässt und ein echter Wolf im Schafspelz! Insbesondere für lange Touren, Marathon, Race und Transalp eine klare Kaufempfehlung.

Der Ground Control Fat 4.0 hingegen kann uns zwar grundsätzlich überzeugen. Im Vergleich mit dem Ground Control Fat 4.6 finden wir aber keine ausreichende Rechtfertigung für die Schmalversion – die ihr Potenzial nicht so recht ausnutzt. Nichtmal beim Preis kann der Vierzöller Punkten – in beiden Fällen werden runde 100 Euro pro Reifen fällig. Hier greift man unserer Meinung nach lieber in die Vollen und schraubt sich die ausgewachsene Pelle ans Fatty.

4 Responses

  1. Bernd

    Servus,

    der JJ 4.0 hat im Vergleich zum JJ 4.8 deutlich niedrigere Stollen.
    Hatte ihn anfangs auf meinem Huraxdax (Gewichtsgründe).
    Mich hat er aber bei Matsch und vom Verschleiß nicht überzeugt.
    Kann mir nicht vorstellen, dass er bei Schnee punktet.
    Fahre aktuell die Minions von Maxxis, werde sie dieses Jahr bei Schnee probieren.

    FATte Grüße

    Bernd

    Antworten
    • Matt

      Servus Bernd,

      das Vergnügen hatten wir gerade (Minions auf Schnee). Seeehr überzeugend! Viel Spaß damit!

      FATte Grüße

      Matt

  2. Björn

    Wie würdet Ihr den FastTrak 4 gegen den JumboJim 4 einordnen? Habt ihr auch mit letzterem Erfahrungen im Schnee sammeln können? Immerhin ist der JJ deutlich leichter, billiger und kommt auch mit über 120 TPI in der Seitenwand.

    Antworten
    • Matt

      Hi Björn,

      danke für deinen Kommentar. Den JJ 4.0 haben wir gerade erst auf unser neues Testbike gezogen, bisher sind wir ihn nur im Sommer gefahren (wo er mit Fast Trak vergleichbar ist). Der JJ 4.8 hat jedoch im Schnee bisher nicht wirklich geglänzt, da seine Gummimischung bei Kälte relativ hart wird und die kleinen Stollen bzw. deren Anordnung nur wenig Traktion bieten.
      Bzgl. Gewicht ist es so, dass die Werksangaben von Schwalbe (wobei Schwalbe da leider keine Ausnahme ist…) nur selten erreicht werden. Unser Testsatz Snake Skin wiegt z.B. ca. 1.130 Gramm pro Reifen (Werksangabe 1.090), ein Satz Light Skin den wir liegen haben wiegt mit ca. 1.100 Gramm pro Reifen sogar über 100 Gramm mehr als geplant. Wobei die JJ nach dem, was wir so von Lesern hören, stark streuen. Es gibt also sicher auch leichtere Light Skin als unsere und mit dem Snake Skin werden wir irgendwo in der Mitte liegen.
      Leicht sind sie damit ja immernoch, man sollte es nur wissen, wenn man gezielt auf Gewicht achtet.

      FATte Grüße

      Matt

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.