Operation Roc d’Azur mit dem FATBike

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Operation Roc d’Azur mit dem FATBike

(Quelle: Sportograf.de)

FATte Landschaft, FATte Trails und FATte Bikes beim Roc d’Azur (Quelle: Sportograf.com)

Was findet seit 1984 in Frankreich statt und zieht inzwischen 20.000 Teilnehmer, 300 Aussteller und 150.000 Besucher an? Richtig, das Roc d’Azur Festival. Eine der großen Legenden im Mountainbike Sport.

Unser Leser Paul H. hat sich dieser Herausforderungen mit seinem Canyon Dude gestellt, und wir freuen uns, dass er seine Erfahrungen in diesem Gastbeitrag mit uns und Euch teilt!
Und weil Paul so einen 1a Text geschrieben hat, halten wir uns ab hier zurück und geben das Wort an ihn!

Der Anfang – von Anfang an!

Der Dude tut gut! (Quelle: Sportograf.com)

Der Dude tut gut! (Quelle: Sportograf.com)

Seit Juli 2015 bin ich FATBiker und zwar vorübergehend sogar nur noch FATBiker! Mein 29er Trek Superfly CC-Fully habe ich nach 3 Jahren Einsatz verkauft und noch keinen passenden Ersatz dafür gefunden. Das Canyon Dude CF 9.0 Unlimited (ungefedert!) hatte es mir optisch angetan und ich bestellte meins im November 2014 blind ohne vorherige Tests. Nach der ersten Ausfahrt im Juli (da wurde es endlich ausgeliefert!) war ich sehr angetan von der schier unendlichen Traktion dieser Bike-Gattung. Von Nachteilen wie erhöhtem Rollwiderstand und hohem Gewicht (13,3 Kilo) wollte ich nichts wissen, derart hoch war meine Begeisterung.

Mit dem Dude zum Roc

Sport frei!

Nochmal jemand schnell um die Ecke? (Quelle: Sportograf.com)

Ich entschloss mich dann auch kurzerhand meine Biker-Kumpels zum Roc d’Azur, einem Mythos im Mountainbike Sport an der französischen Côte d’Azur nahe Fréjus zu begleiten – und zwar mit dem FATBike! 58km mit rund 1500 Höhenmeter aufgeteilt auf 7 Hauptschwierigkeiten standen auf dem Programm. Keine unlösbare Aufgabe, also. Daran, dass ich mit diesem Bike-Ungetüm das Ziel erreichen würde, zweifelte niemand doch in welcher Zeit, das war die Frage. Meine sechs Kumpels starteten alle auf Ihrem CC-Fully.
Am 11. Oktober 2015 war es dann soweit. 5.200 Biker starteten aufgeteilt in 8 Wellen mit jeweils 15 minütigem Abstand. Am Start beäugte man mich skeptisch, als ob ich beim Autorennen mit einem 1050er FENDT angetreten wäre. Irgendwie erinnerte mich das an die vielen Nordschleife-Fahrlehrgänge an denen ich mit meiner GS Adventure teilgenommen hatte…

Das wird weh tun, mindestens in den Unterarmen... (Quelle: Sportograf.com)

Das wird weh tun, mindestens in den Unterarmen… (Quelle: Sportograf.com)

Ich startete in der 3. Welle, um 10 Uhr erfolgte der Startschuss. Die ersten Kilometer waren flach, teils sogar über Asphalt und ich hatte größte Mühe meine vordere Position im Feld zu halten. Der Rollwiderstand der 4.8 Jumbo Jim mit 0,7 Bar Reifendruck ist doch enorm und steigt exponentiell mit der Geschwindigkeit, außerdem ist eine Übersetzung von maximal 30 auf 10 Zähne zu kurz fürs Flache. Doch der erste Anstieg liess nicht lange auf sich warten und ich konnte meine Karte spielen… Dieser war teils sehr steil und mit losem Geröll übersäht, so dass bei den Allermeisten Sitzen bleiben angesagt war. Ich aber konnte aufgrund der enormen Traktion locker im Wiegetritt 2 Gänge runterschalten und ohne kraftraubendes Durchdrehen den Berg hinauf…

Es geht vorwärts!

Unstoppable: Paul. (Quelle: Sportograf.com)

Unstoppable: Paul. (Quelle: Sportograf.com)

Ein breites Grinsen machte sich unter meinem Helm breit… So spulte ich dann Anstieg für Anstieg ab und an den Startnummern bemerkte ich nach ungefähr 2 Stunden Fahrt, dass ich die vor mir gestartete 2. Welle längst eingeholt hatte. Bei den Zuschauern verursachte ich übrigens mit dem FATBike regelrechte Begeisterungsstürme, was mich zusätzlich beflügelte. Ein Freund der auch an der Strecke als Zuschauer verweilte, sagte mir später,dass er insgesamt nur 4 FATBikes gesehen hat. Wie diese im Rennen abschnitten weiss ich allerdings nicht.

Keine Zeit um die Aussicht zu genießen... Leider... (Quelle: Sportograf.com)

Keine Zeit um die Aussicht zu genießen… Leider… (Quelle: Sportograf.com)

Die jeweils folgenden Abfahrten waren technisch sehr anspruchsvoll mit Felsen und Wurzeln gespickt und vor allem sehr lang, was an sich kein Problem darstellte. Doch ab einer gewissen Geschwindigkeit neigten die dicken Reifen zum Hüpfen und ich musste ständig abbremsen. Ansonsten wäre ein kontrolliertes Fahren nicht mehr möglich gewesen und die Sturzgefahr hätte sich erhöht. Ab der dritten Renn-Stunde bezahlte ich die fehlende Federung/Dämpfung dann mit Krämpfen in den Unterarmen… Sowas hatte ich in 30 Bikerjahren noch nie erlebt und ich musste dann doch einsehen dass ein FATBike eben kein CC-Fully ist.

Paul hat was im Auge: das Ziel!

FATtes Race, FATter Zieleinlauf! (Quelle: Sportograf.com)

FATtes Race, FATter Zieleinlauf! (Quelle: Sportograf.com)

Kurz vor Schluss gabs dann noch ein paar hundert Meter Strand-Passage die ich mit dem FATBike elegant und ohne zu schlingern durchfuhr und auch hierfür gabs großen Beifall seitens der zahlreichen Zuschauer.

Die letzten 6 Kilometer waren wiederum flach und genau wie zu Rennbeginn verfluchte ich das FATBike. Nach drei Stunden, 48 Minuten überquerte ich erschöpft die Ziellinie, ohne Sturz und ohne Plattfuß! Mit Platz 862 unter 5200 Teilnehmern war ich dann auch mehr als zufrieden, Operation Roc d’Azur mit dem Fatbike gelungen! Von meinen sechs Kumpels war übrigens nur einer 3 Minuten schneller, alle anderen hatte ich hinter mir gelassen. Von da aus war die Mission also auch gelungen…

Leider nur für die Sieger. Aber ist nicht jeder Finisher ein Sieger?? (Quelle: Sportograf.com)

Leider nur für die Sieger. Aber ist nicht jeder Finisher ein Sieger?? (Quelle: Sportograf.com)

Das Rennen war hart, ohne Zweifel härter als mit einem CC-Fully, es hat mir aber Spaß gemacht und ich bin mir sicher, dass viele, sowohl Rennteilnehmer an denen ich vorbeifuhr sowie auch Zuschauer, sich vorgenommen haben auch mal so ein FATBike zu testen… Ich werde allerdings im nächsten Jahr beim Roc mit anderem Gerät, sprich CC-Fully antreten. Mal sehen welche Zeit und Platzierung damit herausspringt.
Meinen Dude werde ich dennoch nicht hergeben, ich freu mich jetzt schon auf den ersten Schnee…
Gruss an alle Fatbiker und immer schön seitlich vom Bike steigen!
Text: Paul H. 49 Jahre, seit über 30 Jahre begeisterter Radsportler, Luxemburg.
Fotos: © Sportograf.com

Was bleibt?

Sieht gut aus! Paul und der Dude. (Quelle: Sportograf.com)

Sieht gut aus! Paul und der Dude. (Quelle: Sportograf.com)

FAT, einfach nur FAT! Roc d’Azur mit dem FATBike, das ist eine straffe Nummer! Wir sagen: RESPEKT, und vielen Dank für diesen wunderbaren Beitrag!

 

4 Responses

  1. Peter gattringer

    Tolle Leistung!
    Ich fahr auch seit einem Jahr nur noch mit meinem trek farley 6.
    Bin damit 2015 die salzkammergut trophy gefahren, 211 km, mit 7000 hm (bin das rennen schon 2x) gefahren.
    Bin von 800 startern als 313 über die Ziellinie gefahren.
    Fur mich gibt es im Gelände kein besseres Rad.
    Fatty. Fatty…..

    Antworten
    • Matt

      Hi Peter,

      vielen Dank für Deinen Kommentar. Recht hast Du, wir stimmen ein „Fatty, Fatty!“ 🙂

      FATte Grüße

      Matt

    • Martin Kreutzer

      Hallo Peter, ich habe mich gerade dazu entschlossen die Salzkammergut Trophy mit dem Fatbike zu fahren. Für ein paar Tips bezüglich der Reifenwahl, Übersetzung usw. währe ich sehr dankbar – insbesondere weil es hier in Dänemark keinen Hügel über 200 meter über Meereshöhe gibt und ich daher überhaupt keine Bergerfahrung besitze. Gruss Martin

  2. Peter

    Schöner Bericht, noch besseres (Renn-)Ergebnis! Und mich freut es natürlich umso mehr, weil ich den identen Dude besitze 🙂
    In Wien (Umgebung) sorge ich mit ihm noch immer für UFO-Sichtungen-ähnliche Zustände auf dem Weg zu meinem Hausberg. Und der Fahrspaß ist ohnehin enorm.
    Vielleicht berichtest Du nächstes Jahr an dieser Stelle von Deinem Ergebnis mit dem Fully. Ich persönlich bin im Vergleich mit meinem (alten) Spezi-Allmountain fixer unterwegs.

    Antworten

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