Vor ein paar Tagen hatten ja schon berichtet, dass extrem-FATBiker Flori Reiterberger zum Iditarod 1000 Teilnehmer aufgestiegen ist. Das ist ein Rennen, bei dem man nicht mal einfach so mit macht, sondern bei dem die Gefahr ein ständiger Begleiter ist. Während unserer TwinTop Tour hatten wir Zeit, Flori bei ein paar Bier ein wenig auszuquetschen. Wie er zu der Ehre kam, wie seine Vorbereitung und Ausrüstung aussieht und was ihm sonst noch so im Kopf rumgeht haben wir, pünktlich zum Start des Rennens am 24. Februar, in diesem Interview zusammengeschrieben.

Übrigens: alle Bilder in diesem Artikel wurden und von Flori zur Verfügung gestellt und stammen direkt aus Alaska!

Was unterscheidet ITI 1000 und YAU, und was reizt Dich an der Nummer so sehr?

 

Zuerst mal ist das ITI 1000 ein ganz anderes Konzept. 1000 Meilen, das ist wirklich weit. Beim YAU hast du zum Beispiel eine Sicherung auf der gesamten Strecke, da kommt immer mal jemand mit einem Schneemobil und schaut nach dem Rechten. Also nicht, dass es deswegen nicht gefährlich wäre. Beim Iditarod 1000 sind aber nur die ersten 350 Meilen überhaupt abgesichert, danach bist du komplett auf dich allein gestellt. Aber das reizt mich eben: das Abenteuer und die Abgeschiedenheit. Das ist pures Erleben, ein einzigartiges Erlebnis!

Und wie bereitet man sich auf so ein Erlebnis vor?

Unendliche Weiten…

Viel Training, lange Skitouren, Skibergsteigen, 12 Stunden Dauerspinning und so weiter. Die Vorbereitung ist intensiv und dauert locker 3-4 Monate. Ich habe zwischendurch meinen Job gewechselt um mehr Zeit und Raum für das Training zu bekommen. Dazu kommt ein Haufen Touren im Schnee mit dem FATBike und Zelt, ich habe viel draußen geschlafen. Und wichtig ist natürlich auch, frühere Rennen und alle Fehler zu analysieren. Unter diesen Bedingungen darfst du jeden Fehler neu einmal machen. Nach dem Rovaniemi Ultra Marathon habe ich zum Beispiel meine Klamotten – dickere Schuhe – und mein Bike – Scheinwerfer, Reifen und Übersetzung – angepasst.

Flori’s „Arbeitsplatz“

Insgesamt trainiere ich aber frei nach Puls und Gefühl, es gibt keinen Ernährungsplan oder sowas. Ich esse, worauf ich gerade Hunger habe! Warum verzichten? Das Leben ist zu kurz.

Wie kann man sich so ein Rennen vorstellen, also wie geht man da ran und wie läuft das ab?

Trainingsfahrt

Mein Motto ist: auf’s Schönste freuen und auf’s Schlimmste einstellen. Das Hauptziel ist eigentlich heil anzukommen. Auf den ersten 350 Meilen gibt’s Checkpoints, ähnlich wie beim YAU. Danach folgt dann bis zum Ziel totale Einsamkeit. Mein Ziel ist täglich 100 Meilen – also 160km – zu schaffen. Das wären dann 10 Tage. Aber das muss ich sehen, üblicherweise bilden sich währendes Rennens Fahrergruppen, auch aus Sicherheitsgründen.

Wenn die die letzten 650 Meilen ohne Checkpoint auskommen – wie stellst Du Deine Versorgung sicher? Hast Du alles dabei?

Frühstück!

Nein, da geht nicht. Es gibt unterwegs ein paar Ortschaften bzw. Drop Points. Dort habe ich vorab Versorgungspakete, sogenannte Drop Bags, hinterlegen lassen. Die Punkte liegen ca. 300 Meilen auseinander, also geplant 3 Tage. Proviant habe ich immer für drei Tage dabei. Das meiste davon ist Trockenfutter, da kommt dann heißes Wasser drauf und gut.

Ohne Worte!

Diese Drop Bags gibt es aber auch schon auf den ersten 350 Meilen, im Prinzip ist das also über die gesamte Strecke das gleiche System.

Was hast Du noch dabei und wie hast Du gepackt?

So soll ein Fatty aussehen!

Eine ganze Menge, was man halt so zum Überleben braucht: Zelt, Schlafmatten, Expeditionsschlafsack, dünner Schlafsack, Benzinkocher mit 2L Benzin, 3 Unterwäschegarnituren, 2x Oberwäsche, plus einmal ganz dick für den Notfall, Zahnbürste, Zahnpasta, ein kleines Handtuch, Hardshell Jacke, Gesichtsmaske, Skibrille, Pogies, Thermometer, Heatpacks, Schläuche, Bowdenzug, Kettenglieder, Werkzeug. Das alles habe ich direkt am Bike gepackt. Einen Rucksack kannst da wegen Schwitzen nicht tragen, die gesamte Ausrüstung muss am Bike sein.

Wo Du gerade „Überleben“ sagst – was sind die größten Gefahren? Eisbären?

Einsamkeit vom Feinsten.

*lacht* Eisbären gibt es da keine. Aber Kälte und Einsamkeit sind gefährlich genug. Kälte eigentlich primär, denn das Risiko von Erfrierungen ist groß. Dazu kommen Overflows, das sind praktisch unsichtbare Wasserläufe in die man schnell einbricht. Dann wird’s ungemütlich. Die Einsamkeit ist das andere. Zusammen mit der Kälte und der ständigen Unsicherheit wegen dem Wetter drehst du schnell durch. Einsamkeit frisst, da verzweifelt man schnell. Stell dir einfach mal vor, dass es im dich herum absolut kein Geräusch gibt, und alles, was Du hörst, dein Herzschlag ist.

Hm, einfach mal Ruhe haben klingt fast verlockend, aber auch bedrückend…

Pure Wildnis!

Dort ist die absolute Stille. Das Risiko ist, dass du jedes Gefühl verlierst. Das alles kann sich bis zu Halluzination steigern. Es kam schon vor, dass Teilnehmer geglaubt haben, sie wären in einer Wüste und habe sich mitten im Eis ausgezogen weil ihnen so heiß war. Sowas endet dann im besten Fall mit Erfrierungen.

Eines der letzten großen Abenteuer!

Aber auch die Strecke selbst ist eine Gefahr, die wird nur einmal vor dem Rennen gespurt. Wenn dann ein Schneesturm kommt hast du verloren. Dann ist alles weg und du musst dich nach GPS oder klassisch nach Kompass und Sonne/Sternen orientieren. Für den Notfall haben wir aber einen Peilsender mit Notfallknopf dabei.
Dennoch – die Kälte ist Gefahr Nummer 1. Immerhin können es bis zu -55° werden.

-55° Grad??? Wie überlebt man sowas?!?

Na zumindest eine lange Unterhose anziehen!

Was bleibt?

Viel Erfolg!

Eigentlich wäre die korrekte Frage heute: WAS KOMMT? Denn kurz, nachdem wir diesen Artikel scharf geschaltet haben, genau genommen um Mitternacht, startet das legendäre Iditarod 1000 Rennen. Der Wahnsinn geht los und nur die Wettergötter Alaskas wissen, was auf die Teilnehmer zukommen wird. Flori wird uns, soweit möglich, ab und an ein Update geben, je nachdem werden wir hier einen Zwischenbericht bringen. Bis dahin empfehlen wir Euch, Flori’s Facebook Seite zu verfolgen und Euch das Live Tracking anzusehen. Wir sind gespannt, wie es weitergeht, wünschen Flori viel Glück, Ausdauer und Nervenstärke und werden euch definitiv vom Ausgang berichten.

8 Responses

    • Matt

      Hi Andy und alle,

      soweit wir wissen geht es Flori gut, allerdings wissen wir aktuell noch nicht, was genau los ist. Flori hatte unterwegs einige Probleme. Sobald wir mehr wissen geben wir Bescheid!

      FATte Grüße

      Matt

    • cb1p111

      Ergebnissliste sagt SCR, also scratched, D. H. Florian hat selber aufgegeben.

    • Matt

      Hi zusammen,

      wir haben inzwischen kurz mit Flori gesprochen. Er ist wohlauf und auf dem Rückweg. Er hatte Probleme mit einem Knie und hat daher vernünftigerweise abgebrochen bevor er in einer schwer kontrollierbaren Situation landet.
      Wir berichten sobald er wieder da ist!

      FATte Grüße

      Matt

    • Florian Reiterberger

      Servus,

      Ich mußte verletzungsbedingt das ITI abbrechen.

      Es hat nun gut 3,5 Monate gedauert, bis alles im Knie wieder vollkommen ausgeheilt ist. Das ITI weiter durchzuziehen wär voll ins Auge gegangen. Manchmal muß die sportliche Motivation halt hinten anstehen.

      Die ganze Geschichte dazu nun auf meiner Homepage.

      Danke fürs Mitfiebern

      Flori Reiterberger

      Ps.: Als „aufgegeben“ würd ich die Sache nur dann bezeichnen, wenn der Traum die 1000 Meilen zu radlen gestorben wär. Ist er aber nicht… 😉

  1. michael groier

    hallo,
    ein wahnsinnsritt. mich täte interessieren, wie schwer die ganze fuhre insgesamt ist?
    weil das muss ja erst einmal durch den schnee getreten werden!
    liebe grüße,
    michael

    Antworten
    • stealthbomber

      beim YukonUltra warens wohl um die 45 kg 😉
      Sportliche Grüßle

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