Upgrade: FatLab Federgabel 2017

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Es ist mal wieder um Upside Down Zeit, diesmal geht es um die FatLab Federgabel im 2017er Upgrade. Wir hatten das Teil schon im März ausgiebig getestet und trotz insgesamt überzeugender Vorstellung blieb damals einige Kritik.

Vor einigen Wochen hat uns der Postbote dann die neue 2017er FatLab an die Haustür getragen, laut Marvin, dem Kopf von FatLab, mit einigen umfangreichen Verbesserungen.
Partnerlinks haben wir, soweit vorhanden, wie üblich mit „*)“ gekennzeichnet.

Die neue FatLab Federgabel – das hat sich getan

Back in black

Back in black

Ganz offensichtlich ist die FatLab Gabel nun komplett schwarz. Die neue Beschichtung der Tauchrohre soll das Losbrechmoment senken und die Arbeit der Gabel verbessern. Ob es nun besser aussieht oder die alte güldene Beschichtung schicker war ist Geschmackssache – am pechschwarzen FatBoy kommt das Teil jedenfalls ganz lässig rüber.
Beim Test hatte uns vor allem gestört, dass man so wenig an der FatLab Federgabel einstellen kann. Und uns das sehr straffe Ansprechverhalten der Gabel aufgefallen. Genau da setzt das Upgrade an, wenn auch anders als erwartet. Denn der Hersteller spendiert der Gabel nun eine Negativluftkammer. Dieses Detail, welches in den 90ern Luftfedergabeln endgültig zum Durchbruch verholfen hat, kann bei korrekter Einstellung die Federarbeit der Gabel drastisch verbessern.
Ach ja, und zu guter Letzt wurde auch der von uns kritisierte Schnellspanner überarbeitet. Geht doch!

Wozu Negativluft?

Versteckt am unteren Ende des linken Gabelholms: das neue Ventil

Versteckt am unteren Ende des linken Gabelholms: das neue Ventil

Fangen wir mit dem komplizierten Teil an. Aber sind keine Ingenieure und überlassen es besser denen, hier ins Detail zu gehen. Außerdem reden wir genug Unsinn… Egal, wir erklären die Welt in Kürze: in einer Luftfedergabel ist Luft, welche beim Einfedern komprimiert wird und so als Feder wirkt. Das Problem: diese Kompression ist nicht linear, sondern progressiv: je stärker die Luft bereits komprimiert ist, desto mehr Kraft braucht man um sie noch mehr zu verdichten. Bei einer Luftfedergabel heißt das: je weiter die Gabel einfedert, desto härter wird sie. Je kleiner die (Haupt-)Luftkammer ist, desto stärker ist der Effekt. Klingt jetzt nicht dramatisch, aber im schlimmsten Fall steht man vor dem Dilemma, dass sich die Gabel je nach Luftdruck entweder auf den ersten paar cm des Federwegs teigig anfühlt oder ihren Federweg nicht ausnutzt, weil sie am Ende zu hart wird.

Kappe ab, Luft rein. Mit einer üblichen Dämpferpumpe

Kappe ab, Luft rein. Mit einer üblichen Dämpferpumpe

FatLab setzt auf eine sehr große Hauptkammer, was grundsätzlich schon mal eine verhältnismäßig lineare Federkennlinie bewirkt. Ein Problem bleibt aber: schlägt die Gabel durch, muss man um das zu verhindern den Luftdruck erhöhen. Damit verschlechtert man aber auch die Federarbeit auf den wichtigen ersten paar Zentimetern Federweg – genau DIE Zentimeter, die man im Alltag am meisten braucht und spürt.
Und hier kommt die Negativluftkammer ins Spiel: diese arbeitet mit ihrem Druck tatsächlich gegen die Hauptkammer. Allerdings ist sie im Verhältnis zur Hauptkammer sehr viel kleiner. Dadurch lässt ihr Effekt schnell nach je weiter die Gabel einfedert und wirkt so nur auf den ersten paar Zentimetern Federweg.
So hat man die Möglichkeit, die Hauptkammer so unter Druck setzen, dass die Gabel insgesamt straff arbeit, kann mit der Negativluftkammer die für den Fahrkomfort wichtigen ersten paar cm Federweg aber wieder „weichspülen“. Die Negativluftkammer ändert also nicht (wie oft behauptet) das Ansprechverhalten, sondern verändert die Federkennlinie bzw. Progression der Gabel am Anfang des Federwegs.

Was bringts?

Ergonomischer geformt und in Teflon gelagert: neuer Schnellspanner

Ergonomischer geformt und in Teflon gelagert: neuer Schnellspanner

Die separate Negativluftkammer mag ein bisschen Dino-mäßig wirken, da man sie über ein eigenes Ventil befüllt. Die Bluto hat auch so ein Ding, dort wird der Druck aber über ein internes System hergestellt, welches die Hauptluftkammer anzapft. Also – ist hier uralt-Technik am Werk?
Nein, denn die separate Befüllung gibt die Freiheit, die Kammern gezielt aufeinander abzustimmen. Eine wichtige Sache, da gerade bei FATBikes jeder Reifen anders federt und man hier bei einem Reifenwechsel die Abstimmung ggf. anpassen möchte.
Wir sind die Gabel mit 90 psi (und damit 10 mehr als das alte Modell) in der Hauptkammer und 60 psi in der Negativluftkammer gefahren. Und auch, wenn diese Einstellung nur eine von vielen Möglichkeiten ist, ist das Ergebnis eine drastische Veränderung zum alten Modell. Die Gabel arbeitet sehr viel sensibler und über den Druck der Negativkammer kann man dieses Verhalten sehr fein auf den eigenen Geschmack (und Reifen) abstimmen.
Wir haben die 2017er FatLab Federgabel quer über Wurzelteppiche und Schotter gejagt und waren überrascht wie deutlich die Veränderung ausfällt.

Die neue Antihaftbeschichtung der Tauchrohre tut ihr Übriges. Die FatLab Federgabel bewegt sich deutlich leichter und funktioniert bereits „out of the box“ perfekt. Ein Einfahren ist nicht mehr nötig.
Insgesamt ähnelt die 2017er FatLab Federgabel damit in Ansprechverhalten und Sensibilität der mittels Fast-Kartusche getunten Bluto – und das bei praktisch freier Einstellbarkeit des Zusammenspiels der Luftkammern.

Ach ja – und der neue Schnellspannhebel ist nun endlich in einer deutlich reibungsärmeren Pfanne gelagert und lässt sich ohne Schmerzen bedienen.

Was bleibt?

Ganz in schwarz. Kommt gut!

Ganz in schwarz. Kommt gut!

Die neue FatLab Federgabel bringt ein mächtiges Upgrade in Sachen Federarbeit mit. Hier hat der Exot aus Taiwan einen großen Sprung nach vorn gemacht und bietet eine einzigartige Einstellmöglichkeit, die beim FATBike absolut sinnvoll ist! Denn dank der separaten Negativluftkammer hat man nun die Wahl, ob man eine sportliche straffe FATBike-Charakteristik oder eine feinfühlige Sofakissen-Gabel haben möchte.
Was fehlt ist nach wie vor die Einstellbarkeit der Druckstufendämpfung (außer man tauscht das Öl) und auch das Verhalten bei Dreh- oder Biegebelastung bleibt nach wie vor sehr gewöhnungsbedürftig. Im Detail fehlen auch noch ein paar anständige Führungen für die Bremsleitung. Vielleicht schafft hier das 2018er Upgrade Abhilfe.
Insgesamt hat FatLab aber einen riesigen Schritt nach vorn gemacht! Und das Beste: der Preis der bei unserem Kumpel Alex erhältlichen Gabel*) bleibt trotz aufwändigerer Technik gleich.

12 Responses

  1. Matthi

    Hey,

    ist bei der Fatlab genau die selbe Problematik wie bei der Mastodon im Bezug Federweg und Ergonomie auf einem Specialized Fatboy?

    Ich hätte eben gerne mindestens 120er Federweg aufgrund meines Körpergewichtes von 115kg und den Strecken die ich fahre oder noch vorhabe zu fahren.

    Gruß Matthi

    Antworten
    • Matt

      Hi Matthi,

      Jain. 120mm sind wirklich viel, einfach weil die Bauhöhe dann sehr groß ausfällt. Aber Federweg ist nicht alles. Eine gut funktionierende Gabel zaubert auch aus einem zahlmäßig geringen Federweg eine enorme Performance. Gerade bei schweren Fahrern ist unserer Meinung nach die Progression (IVA, siehe Artikel) wichtiger als der nominale Federweg, da eine sehr progressive Federkennlinie sensibles Ansprechen mit hohem Durchschlagschutz verbindet. Eine saubere abgestimmte Gabel nutzt ihren Federweg voll aus ohne durchzuschlagen. Wenn du dann noch den Reifendruck optimal wählst, kommt eine 100mm Gabel plus vier/achter Reifen in Summe auf gut 20cm theoretisch möglichem Federweg.
      Und bedenke: am Ende bleibt dein FatBoy ein Hardtail. Alles, was deine Federgabel ausbügelt trifft dein Heck trotzdem mit voller Wucht. Außerdem ist der FatBoy kein ausgechecktes Trailbike wie z.B der Mondraker Panzer. Länger Rede kurzer Sinn: eine sauber abgestimmte 100mm Gabel samt gutem Reifen sollte eigentlich ausreichen.

      FATte Grüße

      Matt

    • Matthi

      Ok danke für die Info. Dann wird’s eine 100er, Marke muss ich wohl auslosen

    • Matt

      Hi Matthi,

      Naja, direkt auslosen musst Du sie nicht. Bei Deinem Gewicht scheidet eine Bluto eigentlich aus, da sie zwar eine gute Gabel, bekanntermaßen aber sehr weich und wenig verdrehsteif ist. Willst Du es simpel und schnörkellos, passt die FatLab. Da kann man wenig einstellen und sie macht am Fatty von der Performance her eine gute Figur. Allerdings arbeitet sie extrem linear und schlägt relativ schnell durch. Dafür ist sie sexy. Habe selbst eine im Schwarzen FatBoy – Geil! Und wenn Du Bock auf eine Präzisionsinstrument hast, welches Du mit ein wenig Hingabe so ziemlich optimal abstimmen kannst, wäre wohl die Mastodon Pro im Rennen.
      Viel Spaß beim auswählen, hoffentlich machen wir Dir keine schlaflosen Nächte.

      FATte Grüße

      Matt

  2. Volker Martens

    Hallo in die Runde!

    Die von euch angebrachte Kritik hat mich dazu bewogen, die FatLab aus meinem fat boy wieder auszubauen und die ‚originale‘ Bluto mit einem Fast Suspension Kit zu versehen. Aber – glücklich bin ich immer noch nicht (vielleicht ein wenig von meiner Dorado verwöhnt; vielleicht sind 1.000 Tiefenmeter auf Teneriffa doch ein wenig zu ‚hart‘ …).

    Nun stellt sich mir die Frage – kann ich meine alte FatLab mit überschaubarem Aufwand auf den aktuellen Stand bringen (schwarze Tauchrohre brauche ich nicht)? Habe die erste Version ohne Schnellspanner.

    Mit besten Grüßen aus dem Norden,

    Volker

    Antworten
    • Matt

      Hi Volker,

      danke für Deinen Kommentar. Leider kennen wir die FatLab im Detail nicht gut genug um Deine Frage vernünftig beantworten zu können. Frag mal Alex (Fatbike24), der macht inzwischen den Generalvertrieb.
      Was passt an der Bluto nicht? Nach unserer Erfahrung braucht sie 2-3 Token, dann bekommt sie zumindest die nötige Progression um im harten Einsatz sensibel anzusprechen und trotzdem nicht laufend durchzuschlagen. Zusammen mit dem Fast Kit gibt das dann eine ganz passable Gabel. Leider gibt es nach wie vor keine wirklich gute Hochleistungsgabel für Fatties.

      FATte Grüße

      Matt

    • Volker Martens

      Hallo Matt,

      vielen herzlichen Dank für Deine schnelle Antwort und Deine Tipps!!

      Ich bin vermutlich hinsichtlich des mir sehr wichtigen Ansprechverhaltens durch Dorado und Lefty „verwöhnt“. Das kann leider auch das FS-Kit nicht komplett beheben (wenn auch die Performance und Abstimmbarkeit der Bluto deutlich besser geworden ist). Bin halt „nur“ Schreibtischtäter mit dünnen Ärmchen und kein DH-Profi… 😉
      Eine Olaf wäre sicherlich reizvoll – aber der damit verbundene Aufwand und die Kosten…

      Ich werde noch einmal auf den Kollegen von FatLab zugehen – einen habe ich dort noch „gut“ 😉

      Viele Grüße und (allen!) ein Frohes Weihnachtsfest wünschend,

      Volker

    • Matt

      Hi Volker,

      wenn Du eine Antwort hast sag mir bitte kurz Bescheid – gern auch per Mail (Matt@FAT-Bike.de). Zur Not warte noch ein wenig, soweit wir wissen wird sich da eventuell bald noch was tun.

      FATte Grüße

      Matt

  3. Schranz Alain

    Hallo Matt
    Danke für deine Antworten 😉

    Wieviel Kilometer seid Ihr denn schon mit der Gabel im Argon gefahren , wie sieht es aus mit Undichtigkeit oder Luftverlust..?:-)

    Muss die Gabel regelmässig zum Service, hatte schon eine Lefty und die war sehr wartungsintensiv..:-(

    Gruss Alain

    Antworten
    • Matt

      Hi Alain,

      wir haben zwei dieser Gabeln im Einsatz, die zweite steckt in einem Specialized FatBoy. Kilometer sind schwer zu sagen, ein paar Monate halt. Bisher haben wir keinerlei Probleme. Allerdings liegen uns trotzdem noch keine Langzeiterfahrungen vor. Wie gut oder schlecht sich die Gabel in ein oder zwei Jahren hartem Einsatz schlägt, müssen wir auch noch herausfinden.
      Wie oft die Gabel zum Service muss wissen wir ehrlich gesagt nicht. Aufgrund der sehr einfachen Technik aber vermutlich nicht öfter als eine Rock Shox.

      FATte Grüße

      Matt

  4. Schranz Alain

    Hallo
    Mich würden weitere Erfahrungen interessieren die Ihr mit der FatLab Gabel auf dem Nicolai Argon Fat gesammelt habt . Würde gerne an meinem Nicolai auch eine Federgabel verbauen und die FatLab gefällt mir deutlich besser als die Bluto 😉
    Wie sieht es mit dem Service aus bei einer Reparatur ? 😉
    Schöne Grüsse aus Luxemburg Alain

    Antworten
    • Matt

      Hi Alain,

      die neue FatLab funktioniert nach unseren bisherigen Erfahrungen nochmal ein ganzes Stück besser als die alte. Heißt, die spricht wesentlich sensibler an und lässt sich in Sachen Progression feiner abstimmen. Das Problem mit der leichten Instabilität im die Mittellage ist leider geblieben. Da das Argon ein wildes Trailbike mit relativ flachem Lenkwinkel ist fahren wir die Gabel da mit mehr Druck als im FatBoy, da sie beim wilden Trail heizen schnell mal durchschlägt.
      Service übernimmt ganz normal Alex von Fatbike24, der die Gabeln auch vertreibt. Link findest Du oben im Artikel.
      Hoffe das hilft Dir und schicke mal ein Bild von Deinem fertigen Bike 🙂

      FATte Grüße

      Matt

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