Rocky Mountain Sherpa: 650B+ kurz angetestet!

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Rocky Mountain Sherpa. Irgendwie anders, irgendwie vertraut.

Ein Sherpa im Tarnkleid vor der Präsentation

Ein Sherpa im Tarnkleid vor der Präsentation

Über FATBikes zu schreiben macht fast genauso viel Spaß, wie FATBike zu fahren. Uns zumindest. Und dann gibt es ja auch immer wieder Highlights, die einfach noch FATter sind, so wie zum Beispiel unser Wochenende mit den FATtestens Fullies Deutschlands.

Unser heutiges Highlight ist aber irgendwie anders: im Rahmen der offiziellen Produktvorstellung in Europa, zu der BikeAction geladen hatte, hatten wir ausreichend Gelegenheit, auf dem neuen Rocky Mountain Sherpa Fully durch die sonnenverwöhnten Dolomiten zu ballern. Ja, bemitleidet uns ruhig… Das Biketesterleben ist manchmal echt hart.

Ab in die Sonne. Der Testalltag ist hart...

Ab in die Sonne. Der Testalltag ist hart…

Das Rocky Mountain Sherpa ist eines der ersten Vertreter der neuen Bikegattung „(650) B+“. Sprich hier werden 27,5 Zoll Räder mit Reifen zwischen 2,7 und 3,5 Zoll Breite bespannt, welche es sich auf (circa) 5cm breiten Felgen gemütlichen machen.

Das Rocky Mountain Sherpa: ein Overland Bike

Macht eine gute Figur!

Macht eine gute Figur!

Zuerst mal zum Einnorden: das neue Sherpa ist ein Overland Bike. Hinter diesem Begriff aus der Wortwelt von Rocky Mountain verbirgt sich das Konzept, ein Bike für lange Abenteuertouren mit haufenweise Gepäck zu schaffen. Man soll im schwierigstem Gelände voran kommen ohne auf Spaß verzichten zu müssen. Dafür haben sich die Jungs von Rocky Mountain und Manitou anständig ins Zeug gelegt.

Der Manitou Dämpfer ist Gebieter über 95 Millimeter Federweg

Der Manitou Dämpfer ist Gebieter über 95 Millimeter Federweg

Vorallem bei Geometrie und Fahrwerk wurde an allen Ecken entwickelt und optimiert. Z.B. wurde die Gabel gemeinsam speziell für B+ entwickelt, um das stärkere Aufschwingen der dicken Walzen abzudämpfen. Auch die hohe Belastung eines voll gepackten Bikes wurde bei Auslegung von Federkennlinie und Dämpfung berücksichtigt.
Allerdings ist die Geometrie eben auch auf Touren optimiert – das Sherpa ist kein Trailbike und will auch keine pfeilschnellen Abfahrten. Sagt Rocky Mountain.

Schau mir ins Auge! Tribal am Sherpa.

Schau mir ins Auge! Tribal am Sherpa.

Aber auch bei der Ausstattung wurde konsequent weiter gedacht, so gibt es Taschen für Lenker, Rahmen und Sattel um säckeweise Gepäck durchs Unterholz zu karren. Konsequenz auch beim Design: ein Künstler aus der Heimatstadt von Rocky Mountain, Vancouver, hat einen Tibetischen Schneelöwen in ein Tribal verpackt, welcher sich nun gülden auf dem Hauptrahmen aus Carbon räkeln darf. Wir sagen: lecker!

Macht Laune!

Ein bischen Schnee, ein bisschen Wasser, ein bischen Wade: Bikerlegende Wade Simmons

Ein bischen Schnee, ein bisschen Wasser, ein bischen Wade. Bikerlegende Wade Simmons.

Für die Probefahrt haben die Damen und Herren von BikeAction eine feine Testrunde zusammengestellt, die auf ein paar Kilometern den gesamten Alltag eines Bikejahres zusammengefasst hat: Uphills, Forststraßen, Trails und Abfahren. Und das alles auf Schlamm, Schnee, Kies, Wurzeln, festen Wegen und Geröll. Das ersetzt zwar keinen ausgiebigen Test (folgt!) aber erlaubt schonmal einen soliden Eindruck.

Und, wie schon angekündigt, fühlte sich das Rocky Mountain Sherpa auch auf Waldwegen und gröbstem Untergrund an wohlsten. Mit durchaus schlanken knapp über 13 Kilogramm setzt es auch bergauf der Schwerkraft wenig entgegen. Und die leicht rollenden WTB Reifen unterstützen ein erstaunlich müheloses Vorankommen. Man will einfach immer weiter fahren, bis zum Horizont. Am besten einfach geradeaus.

Die neu entwickelte Manitou Magnum, hier in der High End Version.

Detail der neu entwickelte Manitou Magnum, hier in der High End Version.

Wie aber auch schon angekündigt, sind Fahrwerk und Geometrie, vorallem aber die Reifen nicht auf Abfahrten gebürstet. Speziell wenn es nass oder der Untergrund lose wird, braucht man viel Feingefühl um nicht in der nächstbesten Kurven ein paar Bäume zu fällen. Auch wenn man durchaus schnell fahren kann mit dem Sherpa: dafür gedacht und gemacht ist es nicht.

Alles in allem war unser erster Eindruck jedoch sehr positiv. Die Haupt-Zielgruppe Entdecker („Overlander“), aber auch komfortorientierte Normalbiker könnten mit dem Rocky Mountain Sherpa einen treuen Begleiter fürs Bikerleben finden!

B+. Das neue FAT?

2.8 Zoll auf 50 Millimeter Felgen. Natürlich schlauchlos!

2.8 Zoll auf 50 Millimeter Felgen. Natürlich schlauchlos!

So, aber jetzt mal Time-Out!!! 2,8″ Reifen auf FAT-Bike.de? Was ist denn da los? Spinnen die Jungs?!?

Na langsam: seit „B+“ am Horizont aufgetaucht ist, werden wir immer wieder gefragt, ob „B+“ denn eigentlich ein FATBike ist. Diese Frage ist so berechtigt wie schwer zu beantworten. Wird also Zeit, sich das Konzept anzuschauen. Wie schon gesagt, kommt das Sherpa auf 2,8 Zoll WTB  Reifen angerollt, aber interessanter Weise spielt das in der Philosophie des Hersteller Rocky Mountain gar nicht mal so die große Rolle. Rocky geht es um die Fähigkeiten des Bikes, das Gesamtkunstwerk. Und da gibt es eine beachtliche Übereinstimmung: auch FATBikes wurden mal für Entdeckungsreisen und Extremtouren entwickelt. Aus philosophischer Sicht gehören FATBikes und B+ (zumindest im Falle des Sherpa) durchaus zusammen.

Wir konnten es nicht lassen, der Overlander zum Downhill zu zwingen.

Wir konnten es nicht lassen, der Overlander zum Downhill zu zwingen.

In Sachen Fahrverhalten, Traktion, Federung und auch Kurvenperformance liegen aber doch Welten dazwischen. Da sind FATties einfach extremer, und zwar in jeder Hinsicht. Diese Frage können wir hier also schonmal beantworten: B+ ist nicht das neue FAT, sondern eher eine Art Bindeglied zwischen Moutain- und FATBike.

Was bleibt?

Definitiv: das Sherpa weckt Interesse!

Definitiv: das Sherpa weckt Interesse!

Mit 650B+ betritt ein neuer Player das Spielfeld. Der Abstand zum FATBike ist dabei deutlich größer als zum normalen MTB. Allerdings schließt das neue Format die enorme Kluft zwischen Mountain- und FATBike. Und zwar sowohl in Sachen Bikephilosophie als auch bei der technischen Ausrichtung.
Wir werden das Rocky Mountain Sherpa bald in einem ausgiebigen Test auf unseren Hometrails unter die Lupe nehmen und nochmal detailliert vorstellen. Dann stellen wir auch den Direktvergleich zum FATBike her.
Für uns ist B+ ein durchaus interessante Spielfeld – auch wenn der Begriff „FATBike“ aus unserer Sicht nicht zutrifft. Aber wer, wenn nicht wir, sollte neuen exotischen Bikes gegenüber einfach aufgeschlossen sein?!?

2 Responses

  1. Stephan

    Hallo Leute,

    ich habe auch Interesse an Fatties, jedoch erst ein All Mountain in 27,5 gekauft. (Das Bulls Monster FS wollte ich, gab es aber noch nicht) Daher meine Bitte: messt doch mal ein 650B+ Rad im Durchmesser. Ich habe 80mm Platz in der Breite, im Durchmesser ist aber sehr wenig „Luft“. Wenn ich auf 650B+ umrüsten kann wäre ich schon glücklich

    Antworten
    • Matt

      Hi Stephan,

      danke für Deinen Kommentar. Wir werden nachmessen sobald das Sherpa bei uns zum Test anrollt. Grundsätzlich liegt ein B+ Rad im Durchmesser aber in etwa in der Größenordnung eines normalen 29er. Vielleicht hilft Dir das schonmal.
      Du müsstest, aber das weißt Du sicher schon, auch die Felgen umbauen da die B+ Felgen deutlich breiter sind als normale MTB Felgen. Sonst riskierst Du, dass bei dem geringen B+ Reifendruck von um 1 bar der Reifen wegknickt.

      FATte Grüße

      Matt

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