Born in the U.S.A.: Surly Pugsley von Jochen

FATter geht nicht! (Quelle: Jochen F.)

FATter geht nicht! (Quelle: Jochen F.)

FATBikes sind Eure Leidenschaft? Dann seid Ihr hier richtig! Unsere Rubrik MeinFATBike stellt FATBikes unserer Leser vor und zeigt, mit wieviel Kreativität, Hingabe und Liebe so manches FATBike aufgebaut wird.

Diesmal haben wir das ganz besondere Vergnügen, Euch ein FATBike direkt aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten vorzustellen. Im Mutterland des „FAT“ baut man nicht nur groß, sondern vor allem auch erstmal zweckmäßig. Der wendige Kleinwagen auf dem Bild wurde z.B. dafür entwickelt, verirrte FATBiker zurück in die Zivilisation zu holen, glaube ich…

Whatever, wir sind heute voll und ganz amerikanisch, geben das Wort ab an Jochen und sagen „It’s Showtime!!!“

Ein Original aus dem Ursprungsland

Born in the U.S.A. (Quelle: Jochen F.)

Born in the U.S.A. (Quelle: Jochen F.)

Das Surly Pugsley ist der Großvater der modernen FatBikes und ein Teil seiner DNA steckt heute in jedem FatBike drin. Am Anfang war die Kreation noch aus Stahl, einfach, massiv, breit und bereit für jedes Abenteuer. Und damals war so ein Ungetüm fast noch undenkbar.

Der konsequente Weg zum FATBike

Ich will auch so ein Bike!!! (Quelle: Jochen F.)

Ich will auch so ein Bike!!! (Quelle: Jochen F.)

Ich lebe seit 25 Jahren in den USA im Staat Michigan und Fahrräder sind meine Leidenschaft seit meinem ersten Rad, welches damals ein Hercules Bonanza Rad mit einer 3-Gang Knüppelschaltung war. Ich habe über die Jahre viele interessante Räder aufgebaut und bin viele Rennen gefahren. Auch abenteuerliche Rennen von den Dschungeln in Costa Rica bis zu den wilden gebauten extrem Trails im kanadischen British Columbia. Seit 2002 fahre ich hauptsächlich nur noch Single Speed. Also war es selbstverständlich, dass ich meinen Pugsley Rahmen im Sommer 2006 als eines der ersten FatBikes überhaupt als Single Speed aufgebaut habe. Damals war das FatBike Business noch überschaubar. Es gab nur einen Rahmen in der schicken Farbe Lila und der wurde mit einer fetten passenden asymmetrischen Stahlgabel geliefert.

Frühe FATBike Technik…

Oldschool: Surly Single Speed Hinterrad

Oldschool: Surly Single Speed Hinterrad

Warum war die Gabel auch asymmetrisch? Die Idee von Surly war, dass man am Vorderrad auch eine Kassette montieren konnte und somit die Räder vorne und hinten austauschbar waren um so trotz einer zerstörten Nabe noch aus der Wildnis nach Hause reiten zu können. Wenn man so drüber nachdenkt eigentlich keine schlechte Idee. Es gab natürlich nur eine Felge, die 65mm Large Marge von Surly und einen Reifen, den noch etwas kantigen Surly Endomorph mit einer Breite von knapp 4 Zoll. Die Single Speed Naben kamen auch von Surly. Und so ein komplettes Laufrad wog dann auch knappe 4 Kilo mit Schlauch und Scheibe.
Wie schon angedeutet ist  mein Pugsley „Old School“. Wie alt? Es hat noch Bremssockel für Cantilever oder V-Bremsen an Rahmen und Gabel. Also steinalt nach modernem Standard.

…komplettiert mit Mountainbike Parts

Heul doch! (Quelle: Jochen F.)

Heul doch! (Quelle: Jochen F.)

Aber außer dem Innenlager hatten alle Anbauteile noch normal verfügbare Dimensionen: Chris King Steuersatz, Race Face Carbon Sattelstütze, Syncros 720mm Carbon Lenker, Alu Vorbau, Oury Griffe, einen passenden Selle San Marco Sattel, 180mm Truvativ Single Speed Kurbeln mit einem 32er Kettenblatt. Und eben das etwas längere Truvativ Innenlager, das damals noch aus der Downhill Branche besorgt werden musste. Als Bremssystem übernahm ich meine alten Hayes Scheibenbremsen die schon einige Jahre auf dem Buckel hatten, aber bis heute einwandfrei funktionieren. Alte Technik halt, kein Leichtbau, aber dafür absolut zuverlässig.

Die Sache mit den Bären

Surly Vorderrad mit Ritzel (Quelle: Jochen F.)

Surly Vorderrad mit Ritzel (Quelle: Jochen F.)

Da man im tiefen Hinterland in Michigan möglicherweise von Bären gefressen werden kann, dachte ich mir der Surly Philosophie mit dem auswechselbaren Rad gerecht zu werden. Deshalb habe ich am Hinterrad ein White Industries ENO 16/18 Doppel-Ritzel installiert und halt am Vorderrad ein 20er Ritzel für dicken Schnee und den Bären-Notfall. Mein Pugsley hat relativ lange horizontale Ausfallenenden und die Kette kann ohne weitere Glieder zwischen dem 16er und dem 20er Ritzel gerade noch gespannt werden. Also Ritzelwechsel und sogar Laufradwechsel alles ohne Werkzeuge. Na da staunt der Bär!

Hat leider kein Ersatzritzel... (Quelle: Jochen F.)

Hat leider kein Ersatzritzel… (Quelle: Jochen F.)

Und natürlich auch die Menschen. In 2006 war ein FatBike wirklich noch etwas extrem Seltenes, der amerikanische Monstertruck der Radwelt. Man konnte eigentlich nirgendwo in Frieden fahren ohne ewig Fragen zu beantworten oder Blicke auf sich zu ziehen. Wir haben sagenhafte Single Track Trails hier in Michigan und eine sehr aktive Rennsaison, die auch mit einer neueren FatBike Serie durch den Winter geht.

Pimp my Ride

Geil, FATBike mit Seitenwagen! (Quelle: Jochen F.)

Geil, FATBike mit Seitenwagen! (Quelle: Jochen F.)

Ich bin über die Jahre tausende Meilen mit meinem Pugsley gefahren, im Schnee, am Strand, in der Stadt und selbstverständlich auf vielen Trails. Über Berg und Tal, Stock und Stein und was da noch so alles im Weg lag. In 2010 wurde mal alles auseinandergebaut und der Rahmen zusammen mit einem Seitenwagen von Chariot schön weiß lackiert. Damals habe ich oft meine kleine Tochter im Seitenwagen spazieren gefahren und das Gefährt war der absolute Hammer. Da haben sogar Motorradfahrer zweimal hingucken müssen und meine Kleine hat natürlich auch immer auf unseren vielen Ausfahrten gegrinst.

Daddy's got a huge Bike! (Quelle: Jochen F.)

Daddy’s got a huge Bike! (Quelle: Jochen F.)

Eigentlich das ideale Trainingsfahrrad. Wenn man auf einem 16 Kilo FatBike als Single Speed mit einem Seitenwagen mit einem Kleinkind drin den Hügel hoch kommt, dann verleiht es einem Flügel wenn man die Berge mit einem 7.8 Kilo Niner Air 9 Carbon erobern will.
Als meine Tochter größer wurde, habe ich den Seitenwagen modifiziert und fahre damit heute im Sommer mein SUP an den Fluss.

Surfer Style! (Quelle: Jochen F.)

Surfer Style! (Quelle: Jochen F.)

Mein Pugsley wird immer noch viel gefahren und der dritte Reifensatz verliert langsam sein Profil.
Also mein Pugsley, das wirklich original für Erlebnisse in der Wildnis entwickelt wurde, ist ein absolut versatiles Gefährt das wirklich allen möglichen und auch manchmal unmöglichen Abenteuern mit absoluter Zuverlässigkeit und breitem Schritt entgegensteht.

(Text und Bilder: Jochen F.)

Was bleibt?

Tja, dem haben wir nichts mehr hinzuzufügen außer danke zu sagen für den coolen Bericht und den persönlichen Einblick in die FATBike History – sozusagen live aus dem Stadion! So, und jetzt Computer ausschalten und raus aufs Fatty!!!

 

Ihr möchtet Euer Bike hier vorstellen? Dann her damit! Dabei ist es völlig egal, ob Ihr auf einem lange ersehnten Bike im Serienzustand sitzt oder einen komplette Custom Aufbau habt! Schreibt uns an Mein@FAT-Bike.de

2 Responses

  1. Stephan Poier

    Salut Jochen

    Bin auch interessiert an so einem Seitenwagen , habe ein Surly Moonlander und hell begeistert von diesem Fatbike.

    Wo bekommt man diesen Seitenwagen ?

    Freundliche Grüsse
    Stephan

    Antworten
  2. Tobias

    Hallo, superklasse die Idee, gibt es eine Anleitung zu so einem Bau, oder wo kann man so was kaufen?
    Bin wirklich an so einem Rad mit Seitenwagen interessiert!!!

    Antworten

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