Langzeittest: S-Works FatBoy im Dauereinsatz

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Ein gutes halbes Jahr haben wir unsere Specialized S-Works FatBoys auf mehreren Tausend Kilometern durch die Landschaft getreten, auf Schnee, Sand, Schlamm, Asphalt, Waldboden, Felsen, Wurzeln und allem was einem FATBike in guter Haltung noch so alles begegnet. Damit ist es an der Zeit ein erstes Langzeit-Resümee zu ziehen und auszuwerten, was die S-Works FatBoys mit reichlich Carbon an Bord bis dato geleistet oder verpasst haben.

Specialized S-Works FatBoy

Specialized S-Works FatBoy

Da geht noch was!

Nach der überschwänglichen Freude gleich zu Anfang mussten wir die Tatsachen in’s Auge sehen und haben sogar am High-End FATBike noch Optimierungspotential gefunden. Wie auf allen FATBikes verbaut Specialized auch beim S-Works eine KMC-Kette, die zwar sehr leicht ist, mit den anderen SRAM-Komponenten im Antriebsstrang aber nicht die maximal mögliche Performance liefert. Deshalb haben wir direkt auf die passenden SRAM Ketten umgerüstet, die spürbare Verbesserung im Schaltvorgang brachten. Bei dieser Gelegenheit haben wir auch gleich an einem Bike das mit 28 Zähnen winzige RaceFace Kettenblatt gegen eines mit 32 Zähnen getauscht. Denn immerhin: wir reden hier über ein Racebike mit weniger als 10kg Kampfgewicht… Für einen besseren Vergleich ließen wir einen der beiden Boliden vorerst noch auf 28 Zähnen weiter kauen. Beim SnowEpic in Gstaad Ende Januar diesen Jahres konnten wir somit gut vergleichen. Und wie erwartet passen 32, wenn nicht sogar 34, Zähne aus unserer Sicht viel besser zum Charakter dieses auf Speed getrimmte FATBiken.

Nach der Zieleinfahrt der zweiten Etappe beim Snow Bike Festival in Gstaad

Nach der Zieleinfahrt der zweiten Etappe beim Snow Bike Festival in Gstaad

Teileträger für High End Tests

Wir testen ja dauernd irgendwelche Reifen, so auch beim Rennen in Gstaad. Ein Bike war mit dem nagelneuen Specialized FastTrak Performance 4,0 ausgerüstet, das andere mit den originalen Specialized GroundControl 4,0. Beides sind top Reifen, die aber dennoch jeweils ihre Stärken und Schwächen in unterschiedlichen Ausprägungen finden. Der Test zum FastTrak folgt.

Außerdem haben wir am S-Works FatBoy erstmalig mit dem Umbau auf Tubeless experimentiert denn nur so ist das Gesamtgewicht unter 10kg zu bekommen. Dabei haben wir testweise sowohl mit als auch ohne Felgenband umgerüstet. Dank der nahezu perfekt abgedichteten HED Carbonfelgen (es gibt je eine kleine Gummidichtung pro Nippel!) ging das ohne Probleme.

Die Agilität der S-Works FatBoys brachte uns beim Rennen sicher auch die ein oder andere Platzierung, die wir sonst vielleicht nicht erreicht hätten. Der ultra-steife Carbonrahmen und die (leider) unnachgiebige Carbongabel wandeln jedes einzelne an der RaceFace Next SL Carbonkurbel anliegende Watt in direkten Vortrieb um. Zum Glück hatte uns keiner wegen technischen Dopings angesprochen 😉

S-Works FatBoy Hinterradnabe

Apropos Carbonfelgen. Bei seinem epischen Crash während des Snow Bike Festival hat Matt eine saubere „Acht“ in sein Vorderrad gepresst. Wir lernen: auch Carbonfelgen lassen sich verziehen. Interessanterweise ging aber auch das Zentrieren völlig problemlos und war wie bei jedem anderen Laufrad machbar. Bei einem Einzelpreis von gut 800 EUR pro Felge ist das doch eine sehr gute Nachricht.
Weitere Einschläge in die Felgen konnten wir bisher vermeiden – ob und wie viel die hauchdünnen Felgenhörner aushalten können wir daher noch nicht beurteilen.

Specialized S-Works FatBoy von Dan

Specialized S-Works FatBoy von Dan

Um den schon angesprochenen Charakter des S-Works FatBoy noch etwas zu unterstützen musste übrigens bei beiden unserer Bikes der 60mm Serienvorbau von Syntace einem etwas längeren 90mm Vorbau von RaceFace weichen. Damit wurde unsere Sitzposition minimal gestreckter und renntauglicher, ohne dabei auf dem Trail die Sicherheit und Wendigkeit des Bikes zu verlieren.

Leicht, leichter, S-Works FatBoy

Neben dem Originalsetup und den Anpassungen des Vorbaus und der Kette sowie des Kettenblattes nutzen wir die Leichtfüßigkeit des S-Works FatBoy standesgemäß zum Test von weiteren Leichtgewichten. Mit dem wohl leichtesten FATBike Laufradsatz auf dem Markt, dem Tune Skyline FAT, konnten wir das Gewicht nochmal minimal drücken und konnten damit auch noch besser gegen den Original Laufradsatz vergleichen. Noch deutlicher sparten wir aber beim Test des damals neuen Kenda Juggernaut Pro in 4 Zoll an Gewicht.

S-Works FatBoy Tubeless2

Pro Rad waren hier nochmals gut 500gr Gewichtsersparnis drin, allerdings bezaht man das mit Traktion. Das krassen Gegensatz brachte dann der Test des VeeTire SnowShoe 2XL (Testbericht folgt im Herbst) mit satten 5,05 Zoll Breite. Wir konnten dieses Monster gerade so zwischen die Sitz- und Kettenstreben des FatBoy pressen und zugegeben, dieser Reifen passt nicht zum Charakter des S-Works FatBoy. Aber, und das war wieder eine wichtige Erfahrung, es war zu der Zeit tatsächlich das einzige uns gerade zur Verfügung stehende (/und bekannte) FATBike, in dem diese Übermacht von Reifen Platz fand.

Weiterhin durften wir die Lauf Carbonara Carbon Federgabel testen, dieses Fliegengewicht haben wir natürlich auch im S-Works FatBoy verbaut. Die Lauf bot gegenüber der knochenharten „Chisel“ Carbongabel zwar eine deutliche Schonung für die Handgelenke und nur ein geringes Mehrgewicht, mangelnde Steifigkeit und schwammige Dämpfung aber trübten das Bild.

Federplatten-Parallelogramm Federgabel. Hat nicht jeder!

Federplatten-Parallelogramm Federgabel. Hat nicht jeder!

Kaum nennenswert, wir tun’s trotzdem

Einige Federn musste das Leichtgewicht nach vielen tausend Kilometern aber doch lassen. Wir hören leider oft von Problemen mit Race Face Innenlagern und auch der S-Works FatBoy bliebt nicht verschont. So knackt das Innenlager bei Matt, was wir erstmal mit frischem Fett zu lösen versuchen werden. Vermutlich droht hier aber der Austausch. Außerdem sind die auf Wagenfarbe designten Lenker und Sattelstützen recht kratzempfindlich. Unschöne Druckstellen bei zu verstellenden Bremshebeln am Lenker oder bei der Sitzhöhenjustierung an der Sattelstütze entstehenden Kratzer lassen sich an der Oberfläche nicht vermeiden.

S-Works FatBoy Sattelstütze

Was bleibt?!

Keine Probleme gab’s dagegen bisher bei den (viel gescholtenen) SRAM Bremsen, der Schaltung, den Naben, etc. So können wir bisher vermerken, dass Specialized beim Setup des S-Works FatBoy bis auf Kette und Kettenblatt aus unserer Sicht alles richtig gemacht hat. Der oben erwähnte längere Vorbau ist ohnehin nur Geschmacksache und Gewohnheit. Gewicht, Haltbarkeit, Handling und Optik stimmen von vorn bis hinten.
Der große Knackpunkt, der Preis, scheint sich also irgendwie zu rechtfertigen. Denn für astronomische 7.000 Euro kann, darf und MUSS man 100% problemlose Funktion erwarten. Wir werden mit unseren S-Works FatBoys in jedem Fall noch weitere Kilometer abspulen und unsere Erfahrungen auf Trails, in Uphills und von Tagestouren mit euch teilen.

4 Responses

  1. Hauke

    Schöne Infos, Danke Jungs! Aber gönnt mir eine Anmerkung zu den Juggernaut:

    wie hier zu lesen ist:

    http://www.bikerumor.com/2016/05/27/how-much-rolling-resistance-do-fat-bike-tires-really-generate/

    ist das zwar der leichteste 4Zöller, aber auch der, welcher am meisten Rollwiderstand bietet: mit Tube über 20 Watt mehr als ein Jumbo Jim!! Zwar bei 29km/h, aber pro Reifen! Und dann hat er nichtmal gscheiten Grip?!? Für mich sinnfrei, allenfalls zum Ausleben eines Gewichtsfetisches tauglich, aber nicht um schneller zu fahren. Oder versteh ich da was falsch?

    Love

    Hauke

    Antworten
    • Matt

      Hi Hauke,

      Danke für den sehr interessanten Link. Die Tabellen sprechen eine eindeutige Sprache – nachvollziehen können wir sie aber nicht. Wir haben beide Reifen im Einsatz und es dürfte bekannt sein, dass wir an Kenda Reifen ab und an kein gutes Haar lassen. Der 4.0er Pro ist aber im Alltag ein extrem leicht rollender Reifen. Allerdings braucht er relativ viel Druck und wird bei zu wenig Druck schnell zäh. Dass er auch bei 0.8bar so extrem schlecht davon kommt können wir uns nicht im Ansatz erklären.
      Er rollt beispielsweise leichter als der Zweitplatzierte, der Fast Trak. Nicht gemessen, aber auf hunderten Testkilometern erfahren (wir haben aktuell genau diese beiden Reifensätze auf den S-Works).

      Vielleicht hat Kenda an der Karkasse geschraubt? Wir werden nochmal einen neuen Satz Testreifen anfordern.

      FATte Grüße

      Matt

  2. Pak

    Aber, und das war wieder eine wichtige Erfahrung, es war zu der Zeit tatsächlich das einzige uns gerade zur Verfügung stehende (/und bekannte) FATBike, in dem diese Übermacht von Reifen Platz fand.

    Dann könnt Ihr auch das Farley 9.8 dazuzählen 🙂

    LG Pak

    Antworten
    • Dan

      Hey Pak, Danke für die Info! Fährst du die 2XL aktuell in deinem Farley?

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